Scribblenauts
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 26.01.2010
Wie rückständig sind doch die Spiele, in denen ihr von den Entwicklern vorgegebene Items finden oder kaufen müsst. Scribblenauts läutet eine ganz neue Ära ein. Was ihr hier auf den Touchscreen schreibt, erscheint in Sekundenschnelle – ganz egal, ob es sich dabei um ein Eis, ein Auto oder einen Dinosaurier handelt.
Kreativität ist Trumpf
Es ist beeindruckend, was ihr alles auf den Bildschirm zaubern könnt. Den Nikolaus könnt ihr genauso erschaffen wie U-Boote oder eine ganze Reihe von Katzen, die aus Internetvideos bekannt sind. Damit sind eurer Fantasie kaum Grenzen gesetzt. Ihr löst die Aufgaben des Spiels alle auf eure ganz eigene Art und Weise. Natürlich kommen die unzähligen Möglichkeiten auch dem Wiederspielwert zugute. Da es zig Möglichkeiten gibt, eine Aufgabe zu lösen, könnt ihr ein und denselben Level auch zig Mal auf ganz verschiedene Arten durchspielen. Es ist klar, dass sich der eine oder andere gewünschte Gegenstand doch nicht in der Liste findet – aber das kommt erstaunlich selten vor. Allerdings gibt es auch einige von den Entwicklern gewollte Beschränkungen. So erkennt das unschuldige Spiel unanständige Begriffe nicht. Geschütze Markennamen werden ebenfalls nicht angenommen. Und auch Eigenamen führen zu keinem Ergebnis, was im Grunde aber auch gut so ist: Könntet ihr jederzeit Chuck Norris zur Hilfe rufen, würde schließlich der ganze Anspruch verloren gehen.
Ihr übernehmt die Rolle des Comic-Protagonisten Maxwell, der die erschaffenen Gegenstände für seine Zwecke benutzt. Er steigt in Autos, wirft Bälle und schreckt trotz seines niedlichen Aussehens nicht einmal davor zurück, Schusswaffen abzufeuern. Besonders interessante Lösungen ergeben sich, wenn ihr mehrere Gegenstände erschafft und kombiniert. Ein bissiger Hund versperrt euch den Weg? Dann zeichnet doch einfach eine Leine und einen Baum. Die Lösung liegt dann auch schon auf der Hand: Bindet die Leine erst an den Hund, dann an den Baum und schon kann euch der blöde Kläffer nur noch aus der Ferne anbellen. Bei so vielen Möglichkeiten und Gegenständen dürft ihr allerdings keine optimale Balance erwarten. Es gibt einfach einige Gegenstände, die übermächtig sind und verdammt oft zum Ziel führen. Das stört aber nur wenig. Ärgerlicher ist da schon, dass sich das Verhalten von Objekten nicht immer vorhersagen oder nachvollziehen lässt. Wenn ihr einen Eisberg erschafft und dieser dann bei Berührung wie ein altersschwacher Pudel einfach umfällt, kann das so manchen klugen Plan zunichtemachen.
Das Eintippen der Gegenstände ist einfach. Wird ein Begriff nicht erkannt, macht euch das Spiel sogar ähnlich klingende Vorschläge, sodass durch Tippfehler nur selten Verzögerungen entstehen. Bei der Steuerung von Maxwell haben die Entwickler aber leider geschlampt. Ihr könnt ihn nämlich nicht über das Steuerkreuz bewegen, sondern nur über den Touchscreen. Der Touchscreen dient aber auch zum Bewegen, Drehen oder Benutzen von Objekten – und ist damit vollkommen überladen. Ständig kommt es vor, dass ihr ein Auto benutzen wollt, stattdessen aber in die Luft hebt. Oder ihr schickt Maxwell in den sicheren Tod, obwohl ihr doch einfach nur ein Objekt bewegen wolltet. Diese unbequeme Bedienung wird euch sicherlich nicht vom Spielen abhalten, lässt aber leider immer wieder unnötigen Frust aufkommen. Nur die Hälfte eurer Fehlschläge ist bei diesem Spiel wirklich eure eigene Schuld – die andere Hälfte geht auf das Konto der Steuerung.
Viele Aufgaben – unzählige Lösungen
Im Spielplatz-Modus könnt ihr ganz frei Gegenstände erschaffen, was faszinierend genug ist. „Scribblenauts“ lebt einfach davon, dass sein Spielprinzip so erfrischend innovativ ist und euch so viel Freiraum für eure Kreativität lässt. Was passiert, wenn ich „Gott“ eingebe? Kenn das Spiel Dracula? Was lässt sich mit einer Zeitmaschine anstellen? Solche Experimente halten anfangs schon allein bei Laune. Doch ist die erste Faszination erst einmal etwas abgeflaut, wollt ihr mehr. Und das bekommt ihr zum Beispiel im Aktionsmodus. Hier macht es Maxwell wie Super Mario und geht in kleinen 2D-Levels auf die Jagd nach Sternen, die hier Starites heißen. Am Anfang jedes Levels wird gezeigt, wo sich der Starite befindet und welche Hindernisse dafür überwunden werden müssen. Nun liegt es an euch, alle Hindernisse aus dem Weg zu räumen, um ans Ziel zu gelangen. Solltet Maxwell dabei sterben, müsst ihr den Level von vorne beginnen.
Neben dem Aktionsmodus gibt es mit dem Rätselmodus noch eine weitere Art von Aufgabenstellungen. Um hier an Starites zu gelangen, muss Maxwell kleine Rätsel lösen. Dafür wird er wieder in 2D-Levels geworfen, in denen er kurze Anweisungen erhält. So kann er auf einer Insel mit einem Gestrandeten landen und folgende Anweisung bekommen: „Helfe dem Gestrandeten, von der Insel zu kommen.“ Nun liegt es an euch, ob ihr dem armen Kerl nun ein Floß herbeizaubert oder ihn lieber in ein UFO setzt. Den Starite bekommt ihr für beide Lösungen. Diese Knobeleien machen Spaß und lassen euch viele Freiräume. Leider sind die Anweisungen aber nicht immer ganz eindeutig, sodass ihr ab und zu nur mit Ausprobieren ans Ziel kommt.
Im Aktionsmodus und im Rätselmodus warten jeweils 110 Aufgaben auf euch, die in zehn Welten angesiedelt sind. Für absolvierte Levels bekommt ihr Punkte, mit denen ihr weitere freikaufen könnt. So müsst ihr die Aufgaben auch nicht in einer strikten Reigenfolge lösen. Kommt ihr in einem Level nicht weiter, dürft ihr einfach einen anderen ausprobieren. Neben diesen 220 Aufgaben gibt es noch einige Bonuslevel. Und wer selbst dann noch nicht genug hat, kann sich im Leveleditor austoben. Das Erstellen eigener Aufgaben ist gar nicht schwer: Platziert einfach irgendwo einen Starite und außerdem eine Reihe von Hindernissen – und schon hat Maxwell alle Hände voll zu tun. Eure eigenen Kreationen lassen sich über die Wi-Fi-Connection sogar mit anderen Spielern tauschen, wobei ihr allerdings auf Freundescode angewiesen seid.
Zugegeben, der Soundtrack ist etwas eintönig, dafür macht er aber sofort gute Laune. Die Musik trällert einfach so fröhlich aus den Lautsprechern, dass „Scribblenauts“ allein deswegen schon Spaß macht. Die Soundeffekte sind dagegen durchwachsen: Bei manchen Objekten passen sie, bei anderen weniger. Dafür ist das Design aller Objekte und Lebewesen aber durchweg ansehnlich. Trotz des einfachen und niedlichen Comic-Stils lässt sich alles auf dem ersten Blick erkennen. Die Hintergründe könnten zwar deutlich hübscher aussehen, doch wer achtet schon auf die Hintergründe, wenn ihr im Vordergrund den Weihnachtsmann gegen einen Dinosaurier kämpfen lassen könnt.
Sascha Geldermann meint...
„Scribblenauts“ hat mich in den ersten Spielstunden allein durch sein erfrischendes Konzept begeistert. Ich habe wild Begriffe eingetippt, mich über die Ergebnisse gefreut und war immer wieder erstaunt darüber, was das Spiel doch alles kennt. Nachdem die anfängliche Faszination abgeflaut war, erhielt der Spielspaß leider einige Dämpfer. Vor allem durch die ungenaue Steuerung verschenkt „Scribblenauts“ unnötig viel Potential. Letzten Endes konnte sich das faszinierende Konzept aber gegen seine kränkelnde Umsetzung durchsetzen, sodass ich auch nach Stunden noch begeistert U-Boote, Drachen und Aliens erschaffen habe, um einfach nur in einem Supermarkt einkaufen zu gehen.
„Scribblenauts“ hat mich in den ersten Spielstunden allein durch sein erfrischendes Konzept begeistert. Ich habe wild Begriffe eingetippt, mich über die Ergebnisse gefreut und war immer wieder erstaunt darüber, was das Spiel doch alles kennt. Nachdem die anfängliche Faszination abgeflaut war, erhielt der Spielspaß leider einige Dämpfer. Vor allem durch die ungenaue Steuerung verschenkt „Scribblenauts“ unnötig viel Potential. Letzten Endes konnte sich das faszinierende Konzept aber gegen seine kränkelnde Umsetzung durchsetzen, sodass ich auch nach Stunden noch begeistert U-Boote, Drachen und Aliens erschaffen habe, um einfach nur in einem Supermarkt einkaufen zu gehen.

GRAFIK
passender, wenn auch einfacher Comic-Stil
passender, wenn auch einfacher Comic-Stil

SOUND
fröhliche Musik
fröhliche Musik

BEDIENUNG
bequeme Worteingabe, nur die Touchscreen-Steuerung ist sehr genau.
bequeme Worteingabe, nur die Touchscreen-Steuerung ist sehr genau.

UMFANG
unzählige Objekte, über 220 Level, Editor
unzählige Objekte, über 220 Level, Editor
SPIELSPASS
Faszinierende Knobelei, die euch kaum Grenzen setzt.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Faszinierende Knobelei, die euch kaum Grenzen setzt.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel