Spectrobes: Der Ursprung
Artikel verfasst von Aljoscha Reuther am 05.12.2009
Monster suchen, sammeln und mit ihnen kämpfen - das klingt nach Pokémon, oder? Ja, definitiv, doch mittlerweile gibt es etliche Spiele, die sich mit der süchtig machenden Methode ihren Platz in der Videospielwelt erkämpfen wollen. Bei Spectrobes sieht das nicht anders aus, doch bereits die beiden Teile für den DS bewiesen, dass hinter Spectrobes weitaus mehr steckt, als das bloße Plagiat der Taschenmonster. Nun hat die Monstersammelei die Wii erreicht und beschert uns einen waschechten Actiontitel, in dem wir nicht Rundenbasiert darauf warten, dass irgend ein Monster nach einiger Zeit umkippt, sondern wir, neben unserem Monster, direkt in den Kampf hineinspringen. Wie sich das Spiel auf der Wii macht, lest Ihr in folgendem Review.
Fossiliensuche einmal anders
Alles fängt an, wie man es aus dem Lehrbuch für Standard-Plots in Videospielen kennt. Auf einem Routineflug durch das Universum werden Rallen und Jeena, die zwei bekannten Hauptdarsteller der Spectrobes-Spiele, durch ein Portal in ein bisher unbekanntes Universum gesogen: das Kaio-System. Doch nicht nur das, in diesem System herrscht, wie sollte es auch anders sein, Krieg, und zwar der Krieg mit den bereits aus den Vorgängern bekannten "Krawl". Natürlich schicken sich unsere beiden Vorzeigehelden an, das System von den Krawl zu befreien. Auf dem ersten Planeten treffen sie dann auch nach kurzer Zeit auf die ersten Gegner, doch die Ausrüstung von Rallen versagt und mit Müh' und Not schafft er es, die Angreifer mit seinem Spectrobe zu besiegen. Da die Bewohner des Planeten Rallen und Jeena unendlich dankbar sind, helfen sie ihnen natürlich so gut sie können und geben ihnen neue Ausrüstung. Und so beginnt das Abenteuer um den Ursprung der Spectrobes.
Ursprung? Ja. Denn In diesem Teil des Abenteuers bekommen wir einen guten Einblick in die Vorgeschichte der DS-Abenteuer. Das Spiel führt uns dabei durch mehrere Spielwelten, angefangen von grünen Wiesen und Wäldern, bis hin zu trockenen Wüsten und unheimlichen Unterwelten. Das Ganze natürlich nur mit einem Ziel: die Krawl und ihren seltsamen Meister besiegen. Auf dem Weg zu diesem Ziel wandeln wir dabei auf den Pfaden eines alten Spectrobe-Meisters, der uns im Laufe des Spieles immer bekannter vorkommt.
Soviel zur Geschichte, auf die ich jetzt nicht weiter eingehen möchte - schließlich möchte ich Euch ja nicht die Spannung verderben.
Wie schon erwähnt, kämpfen wir bei den Spectrobes selbst mit, anders als beim offensichtlichen Vorbild Pokémon. Stoßen wir auf Krawl, geht es sofort ins Gefecht über, eines unserer Kampf-Spectrobes erscheint und schon ist die Action da. Mit unserer Waffe und unserem Monster, dem wir die einfachen Befehle "Angreifen" und "Zurückziehen" geben können, müssen wir nun mehrfach auftauchende Krawl besiegen. Die Kämpfe gehen schnell und actionreich von statten, allerdings sind die "Normalkämpfe", die wir in der Spielwelt abhalten, viel zu einfach. Zumindest im Gegensatz zu den sehr happigen Bosskämpfen.
Um kämpfen zu können, brauchen wir Monster. Spectrobes kann man nicht jagen oder aufscheuchen, die Viecher verstecken sich in versteinerter Form in Fossilien, die es auszugraben gilt.
Generell muss zwischen Primär- und Sekundärspectrobes unterschieden werden. Die Primär-Spectrobes kann man am besten mit den "unentwickelten" Pokémon vergleichen, sie sind klein und können im Spiel nicht angreifen. Dennoch brauchen wir sie dringend, denn nur ein Spectrobe können wir losschicken, um die Schätze aus der Erde zu holen. Die Schätze können dann Mineralien (Futter für die Spectrobes), Fossilienblöcke oder sogar neue Waffen und Entwicklungskristalle sein. Manchmal versteckt sich auch ein dunkler Kristall in der Erde, was dann dazu führt, dass wir in einen erneuten Kampf mit den Krawl geschleudert werden.
Aber bleiben wir bei den Spectrobes selbst. Die Sekundärspectrobes sind unsere Kämpfer. Es gibt noch eine weitere Klasse, die weiterentwickelten Sekundärspectrobes, doch das ändert nichts an ihrem Einsatz. Um es kurz zu machen: Primärspectrobes folgen uns in der Spielwelt überall hin und graben für uns Schätze aus (zudem selten andere Aufgaben); Sekundärspectrobes werden dann im Kampf eingesetzt.
In den Fossilien, die wir finden, verstecken sich immer Primärspectrobes (manchmal aber auch besondere Mineralien). Haben wir ein Fossil gefunden, müssen wir es noch ausgraben. Das Ausgraben ist ein am Anfang sehr netter, aber auch sehr schnell lästig werdender Part des Spieles.
Das Fossil versteckt sich in einem Block aus Stein. Mit Werkzeugen müssen wir diesen Block dann, wie ein Archäologe, so lange bearbeiten, bis das Spectrobe freigelegt ist - möglichst ohne größeren Schaden am Fossil selbst zu verursachen. Die Werkzeuge gehen dabei vom Sonar, mit dem wir sehen, was und wo sich im Block befindet, über die kraftvollen Sprengsätze, mit denen wir große Teile des Blockes wegsprengen können, bis hin zum feinen Bohrer und dem Gebläse. Im Prinzip müssen wir diese Werkzeuge nacheinander einsetzen, um das Spectrobe möglichst schnell freizulegen - je schneller und geschickter wir arbeiten, desto höher ist der spätere Level des Spectrobes.
Kämpfen mit den Elementen
Viele Spiele dieser Art geben den Elementen (Feuer, Wasser, Erde, und so weiter) die Aufgabe der Stärken- und Schwächenverteilung. Anders ist es auch nicht bei Spectrobes: Wasser kämpft gut gegen Feuer, Pflanzen gegen Wasser - und so weiter. Auch hier greift das Spiel also auf altbewährtes zurück.
Anders sieht es da bei der Entwicklung unserer Schützlinge aus. Für diesen Fall erhalten wir im Laufe des Spieles spezielle Kristalle, welche die Monster zum Entwickeln bringen. Unser Primärspectrobe kann also einen richtig hohen Level haben, auf eine Entwicklung wartet man so allerdings ewig. Was aber sehrwohl vom Level des Monsters abhängig ist, ist seine Spezialfähigkeit. Im Kampf kann diese Fähigkeit sehr nützlich sein, und jedes der über 100 Spectrobes hat seine Eigene. Manche verfallen in eine Art Raserei und greifen mehrere Gegner gleichzeitig an, andere teilen mit einem gezielten, kräftigen Schlag aus. Doch diese Fähigkeit wird bei Sekundärspectrobes erst ab Level 30 Aktiviert, ein bisschen Training ist also doch vorhanden. Da Primärspectrobes nicht kämpfen können, entfällt die Spezialfähigkeit allerdings bei ihnen.Für das Training bekommt man während des Spieles mehr als genug Möglichkeiten, denn der Spielverlauf wird recht schnell eintönig. Zwar besuchen wir immer wieder fremde Welten, die allesamt einen sehr guten optischen Eindruck machen, allerdings fehlt es dem Spiel insgesamt an Würze. Wir kommen auf einen Planeten, forschen etwas herum, treffen auf die Krawl, besiegen den Endgegner und fliegen weiter zum Nächsten. Das Ganze ungefähr 6 Mal, und das Spiel ist geschafft. Da bringt das Ausgraben von Fossilien auch nicht viel abwechslung.
Insgesamt leidet das Spiel eher an seiner Umsetzung. Die Story ist sehr lose und vorhersehbar, strotzt zudem vor Logikfehlern. Ein gutes Beispiel findet sich in einer Vision, die Rallen erhält, wenn er ein Spectrobe des alten Spectrobe-Meisters anfässt, die in jeder Spielwelt zu finden sind. In dieser Vision wird der Name eines bekannten Schurken aus dem Spectrobeuniversum genannt, mehrfach sogar. Rallen und Jeena rätseln aber, nach dieser Vision, darüber, wer dieser "Kerl" wohl war, obwohl sein Name schon mehrmals im Spiel genannt wurde.
Allerdings kann das Spiel in der Technik wieder punkten. Eine saubere Grafik, die eine stabile Framerate garantiert, eine gute Sprachausgabe mit guten Sprechern und eine ordentliche Steuerung runden das Paket ab und machen Spectrobes zu einer guten Alternative zum DS und einer weiteren Recycling-Version des Pokémon-Spieles. Wer allerdings, wie es auf der Verpackung versprochen wird, auf einen Multiplayerpart gehofft hatte, wird vielleicht enttäuscht werden. Zwar haben wir im Spiel die möglichkeit, zu zweit gegen die Krawl vorzugehen, allerdings basiert dieser Multiplayer auf dem Drop-In/Drop-Out Prinzip; das bedeutet: Wenn unser Mitspieler in den Kampf einsteigt, sind wir "raus", und umgekehrt.
Das Nintendo-WFC Logo wird sicherlich die Hoffnungen auf ein Online-Tauschen von Spectrobes geweckt haben - oder sogar waschechte Kämpfe gegen andere Spieler. Leider werden wir hier ebenfalls enttäuscht, denn wieder einmal steht die WFC nur für das Uploaden von Highscores zur Verfügung. Das Spiel bietet insgesamt sehr viel Potenzial, das leider nur selten voll ausgenutzt wurde.
Aljoscha Reuther meint...
Spectrobes - Der Ursprung ist ein guter Actiontitel für die Wii, der den Monsterkampf endlich wieder in die Echtzeit holt und nicht nur mehr oder weniger langweilige Rundenkämpfe ablaufen lässt. Die schöne Grafik und die gut angepasste Steuerung verstärken den Eindruck nach einem wirklichen Konkurrenten für Pokémon, der allerdings schnell durch die monotone Story und die fehlende Abwechslung getrübt wird. Das innovative Fossilien-Ausgraben wird von der spaßigen Angelegenheit zum Nerv-Faktor und die Multiplayermöglichkeiten, die in einem solchen Titel zu wirklichen Höhenflügen hätten führen können, entpuppen sich als Mogelpackung, wenn man es so nennen möchte. Ein guter Titel für die Wii, aber leider zu viel verschenktes Potenzial.
Spectrobes - Der Ursprung ist ein guter Actiontitel für die Wii, der den Monsterkampf endlich wieder in die Echtzeit holt und nicht nur mehr oder weniger langweilige Rundenkämpfe ablaufen lässt. Die schöne Grafik und die gut angepasste Steuerung verstärken den Eindruck nach einem wirklichen Konkurrenten für Pokémon, der allerdings schnell durch die monotone Story und die fehlende Abwechslung getrübt wird. Das innovative Fossilien-Ausgraben wird von der spaßigen Angelegenheit zum Nerv-Faktor und die Multiplayermöglichkeiten, die in einem solchen Titel zu wirklichen Höhenflügen hätten führen können, entpuppen sich als Mogelpackung, wenn man es so nennen möchte. Ein guter Titel für die Wii, aber leider zu viel verschenktes Potenzial.

GRAFIK
Die Grafik bietet eine recht ansehnliche Welt mit stabiler Framerate, allerdings gibt's dabei nichts, aber auch wirklich nichts Herausragendes.
Die Grafik bietet eine recht ansehnliche Welt mit stabiler Framerate, allerdings gibt's dabei nichts, aber auch wirklich nichts Herausragendes.

SOUND
Die sehr guten deutschen Sprecher verschwenden ihr Talent immer wieder in lahmen, sinnlosen Dialogen. Alles andere ist recht gut.
Die sehr guten deutschen Sprecher verschwenden ihr Talent immer wieder in lahmen, sinnlosen Dialogen. Alles andere ist recht gut.

BEDIENUNG
Die wenigen Schüttelübungen mit der Wii-Fernbedienung sind eine Wohltat an Spieler-Handgelenke
Die wenigen Schüttelübungen mit der Wii-Fernbedienung sind eine Wohltat an Spieler-Handgelenke

UMFANG
Nett erzählte Geschichte, die allerdings viel zu schnell durchgespielt ist.
Nett erzählte Geschichte, die allerdings viel zu schnell durchgespielt ist.
SPIELSPASS
Gutes Monsterspiel, das leider zuviel verspricht
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Gutes Monsterspiel, das leider zuviel verspricht
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel