Dead Space Extraction
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 22.11.2009
Schnappt euch eure Wii-Remote und macht euch auf das Schlimmste gefasst! Electronic Arts serviert mit „Extraction“ nicht nur die Wii-exklusive Vorgeschichte zu „Dead Space“, sondern auch einen blutigen Horrortrip, der euch in Angst und Schrecken versetzt. Diesen Rail-Shooter werdet ihr so schnell nicht mehr vergessen.
In der Stille des Alls
Im letzten Jahr veröffentliche Electronic Arts ein Horrorspiel, das den Spieler nicht in Herrenhäuser oder Kleinstädte entführte. Stattdessen ging es bei „Dead Space“ ins Weltall, genauer gesagt auf das riesige Raumschiff Ishimura. Hier kam es zu schrecklichen Ereignissen, bei denen die Besetzung von den furchteinflößenden Nekromorphen ausgelöscht wurde. „Extraction“ wirft einen Blick auf die Vorgeschichte dieser Ereignisse, wobei euch das Spiel zuerst auf dem Planeten Aegis VII und später auf der Ishimura um euer Leben kämpfen lässt. In zehn Episoden lernt ihr aus der Sicht mehrerer Charaktere die Hintergründe des Schreckens kennen, wobei es auch viele Anspielungen auf die kommenden Ereignisse des Erstlings gibt.
„Dead Space Extraction“ ist zwar ein Lightgun-Shooter, bietet aber keine Non-Stop-Action. Die Episoden fangen in der Regel sehr ruhig an und auch zwischendurch gibt es immer wieder ruhige Passagen, in denen ihr einfach der Stille und der Dunkelheit ausgesetzt werdet. Das trägt stark zur Atmosphäre bei. So wirken auch die plötzlichen Angriffe der Nekromorphen besonders intensiv, da sie nicht so vorhersehbar sind wie bei vielen anderen Genre-Ablegern. Und wenn erst einmal ein Feind angriffen hat, folgen weitere. Manchmal steigert sich das zu wahren Massakern, wenn ein Gegner nach dem anderem auf euch losstürmt. Und mit einem Mal ist es dann wieder still. Ihr seid wieder allein in der Dunkelheit.
Kaum ein Wii-Spiel besitzt so eine packende Atmosphäre wie „Dead Space Extraction“. Sie treibt euch zusammen mit der spannenden Geschichte weiter. Im Kern ist das Spiel aber natürlich immer noch ein Rail-Shooter. Bewegungsfreiheit habt ihr so gut wie keine, nur gelegentlich dürft ihr zwischen verschiedenen Routen wählen. Ansonsten lasst ihr euch vom Spiel durch die Gänge leiten, während ihr mit der Wii-Remote zielt. Wer spielerische Freiheit sucht, wird hier nicht fündig. Dafür nutzen die Entwickler die festgelegten Wege aber, um gezielt Schockeffekte einzusetzen und mit gutem Timing die Geschichte voranzutreiben.
Horrortrip mit frischen Ideen
Als Rail-Shooter bietet „Dead Space Extraction“ im Kern wenig spielerische Tiefe, sondern ein Gameplay, das recht einfach gestrickt ist. Die Entwickler haben sich aber sehr bemüht, mit vielen Ideen viel Abwechslung in den Rail-Shooter und frischen Wind in das gesamte Genre zu bringen. Das fängt schon bei Passagen an, in denen ihr euch in der Schwerelosigkeit bewegt, was in der Ego-Perspektive besonders intensiv wirkt. Außerdem gibt es Abschnitte, in denen ihr euch für kurze Zeit frei umschauen dürft, um herumliegende Munition und Heilmittel einzusammeln. Wer sich hier nicht beeilt, hat es in den folgenden Gefechten schwer.
Neue Impulse bringt auch eure Kinese-Fähigkeit in das Genre, dank der ihr weit entfernte Objekte manipulieren könnt. Das ist zum einen praktisch, um verstreute Hilfsmittel einzusammeln. Zum anderen spart es auch Munition. Wenn ihr schwere Objekte mittels Kinese auf Nekromorphen fallen lasst, bleibt schließlich nur noch Nekromatsch übrig. Euren zumeist knappen Munitionsvorrat schont ihr außerdem, wenn ihr von der gezielten Verstümmelung eurer Gegner Gebrauch macht. In der deutschen, ab 18 Jahren freigegebenen, Version gibt es dabei nur kleine Einschränkungen. So lassen sich die anfangs auftauchenden menschlichen Gegner nicht verstümmeln. Schnell nehmen eure Feinde aber immer abgedrehtere Formen an, die in monströsen Bossgegnern ihren Höhepunkt finden. So verlieren eure Feinde schnell ihre Ähnlichkeit zu Menschen, womit ihr das taktische Verstümmeln auch in der deutschen Version nach kurzer Zeit in vollem Umfang nutzen könnt.
Was „Dead Space Extraction“ von vielen anderen Lightgun-Shootern abhebt, sind auch die Rätsel. So lässt sich mit der Stase-Fähigkeit die Zeit einhalten, was ihr immer wieder einsetzen müsst, um voranzukommen. Außerdem gilt es immer wieder Schaltkreise an Türen zu reparieren, indem ihr sie mit der Remote lötet. Diese Geschicklichkeitsspielchen werden richtig spannend, wenn ihr dabei auch noch von Nekromorphen angegriffen werdet. Dann kommt nämlich richtige Angst ihn euch auf. Noch intensiver ist das Spielerlebnis beim Einsatz des sogenannten Glühwürmchens. An besonders dunklen Stellen lässt sich dieser Leuchtstab durch Schütteln der Remote aufladen, damit ihr überhaupt etwas sehen könnt. Wenn die Leuchtkraft ausgerechnet dann aufhört, wenn Gegner vor euch stehen, spürt ihr den Angstschweiß auf eurer Stirn. Dann heißt es vorsorgliche Schüsse ins Dunklen abgeben und panisch Schütteln, bevor ihr vom unsichtbaren Grauen überrannt werdet.
Intuitiver Überlebenskampf
Das Spiel bietet verschiedene Steuerungsoptionen. Richtiges Spielhallen-Feeling kommt mit dem Zapper auf. Doch auch ohne weißt die Steuerung zu gefallen. Ihr könnt einhändig nur mit der Remote spielen oder mit Remote und Nunchuk. Letzteres ist ein bisschen bequemer, da sich die Waffen dabei komfortabel mit dem Analog-Stick wechseln lassen. Egal für welche Einstellung ihr euch entscheidet, bei allen glänzz das Spiel durch präzises Zielen und intuitive Aktionen. Besonders interessant ist das Nachladen, das durch einen gut getimten Knopfdruck verkürzt werden kann. Hier entscheidet Geschicklichkeit schon einmal über Leben und Tod.
So schießt ihr euch ohne Probleme durch zehn Episoden. Der Umfang geht dabei für einen Rail-Shooter in Ordnung. Länger als acht Stunden werdet ihr für die Geschichte zwar nicht brauchen, diese Zeit ist aber immerhin gut gefüllt. Und auch wenn der Reiz des Spiels nach dem ersten Durchspielen deutlich nachlässt, gibt es durchaus gute Gründe, noch einmal auf den Horrortrip zu gehen. So lassen sich Extras freischalten und alle Episoden auch auf höheren Schwierigkeitsgraden oder in einem Challenge-Modus spielen, bei dem eine Gegnerwelle nach der nächsten auf euch zugeschwappt kommt. Und schließlich bietet „Dead Space Extraction“ auch noch einen kooperativen Modus. Ein zweiter Spieler kann jederzeit in die Action springen, wobei das Spiel dann am meisten Spaß macht.
Selten wurde ein Wii-Spiel so packend inszeniert. Wenn ihr euch durch dunkle Gänge zwängt, sorgt allein schon die schaurige Musik für Gänsehaut. Die englische Sprachausgabe trägt ebenfalls zur Atmosphäre bei, auch wenn eine wenige Sprecher mit lustlosen Leistungen aus dem Rahmen fallen. Was für den Sound diese Sprecher sind, sind für die Grafik gelegentliche Clipping-Fehler – nämlich Kleinigkeiten, die den ansonsten hervorragenden Gesamteindruck unnötig nach unten ziehen. Abgesehen davon sieht die Optik nämlich fantastisch auf. Mit ansehnlichen Effekten, gelungenen Charaktermodellen und überraschend scharfen Texturen verbreitet „Dead Space Extraction“ nichts anderes als Hochglanz-Horror.
Sascha Geldermann meint...
Da ich kein großer Fan von Rail-Shootern bin, störte mich die eingeschränkte Bewegungsfreiheit anfangs sehr. Doch als mich die Stille des Weltalls einhüllte und das Grauen nach mir griff, hatte mich „Dead Space Extraction“ mit seiner imposanten Inszenierung gepackt. Dank vieler frischen Ideen haben die Entwickler nicht nur ein überraschend abwechslungsreiches Spielerlebnis geschaffen, sondern auch das gesamte Lightgun-Genre weiterentwickelt.
Da ich kein großer Fan von Rail-Shootern bin, störte mich die eingeschränkte Bewegungsfreiheit anfangs sehr. Doch als mich die Stille des Weltalls einhüllte und das Grauen nach mir griff, hatte mich „Dead Space Extraction“ mit seiner imposanten Inszenierung gepackt. Dank vieler frischen Ideen haben die Entwickler nicht nur ein überraschend abwechslungsreiches Spielerlebnis geschaffen, sondern auch das gesamte Lightgun-Genre weiterentwickelt.

GRAFIK
Die hervorragende Optik wird nur durch gelegentliche Clipping-Fehler getrübt.
Die hervorragende Optik wird nur durch gelegentliche Clipping-Fehler getrübt.

SOUND
Die musikalische Untermalung ist gelungen und fast alle Sprecher machen einen guten Job.
Die musikalische Untermalung ist gelungen und fast alle Sprecher machen einen guten Job.

BEDIENUNG
Die Steuerung funktioniert intuitiv und präzise - so wie es bei einem Rail-Shooter sein sollte.
Die Steuerung funktioniert intuitiv und präzise - so wie es bei einem Rail-Shooter sein sollte.

UMFANG
Die Story könnte länger sein, für lange Beschäftigung ist durch kooperativen Mehrspieler-Modus und vielen Extras aber auf jeden Fall gesorgt.
Die Story könnte länger sein, für lange Beschäftigung ist durch kooperativen Mehrspieler-Modus und vielen Extras aber auf jeden Fall gesorgt.
SPIELSPASS
Packend inszenierter Rail-Shooter mit frischen Ideen.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Packend inszenierter Rail-Shooter mit frischen Ideen.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel