FIFA 10
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 16.11.2009
Es ist schon lange her, dass die FIFA-Serie für eine Überraschung gut war. Die Teile der letzten Jahre waren schließlich eher Updates anstatt richtiger Nachfolger. Doch dieses Mal ist alles anders! Bei „FIFA 10“ wirft Electronic Arts den Realismus kurzerhand über Bord und serviert stattdessen schnellen Arcade-Fußball voller Action.
Realismus war gestern
Ihr nehmt eurem Gegner kurz vor dem eigenen Tor den Ball ab. Schnell sprintet ihr über das Feld, spielt die gegnerische Abwehr mit ein paar Tricks aus und zimmert der Runde voller Wucht in das Eckige. So werden bei „FIFA 10“ Tore gemacht! Denn hier sind keine taktischen Passspiele nötig, um als Sieger vom Platz zu gehen – Alleingänge führen mindestens genauso oft zum Erfolg. Wer wieder eine realistische Fußball-Simulation erwartet hat, wir in diesem Jahr von Electronic Arts enttäuscht. Im Gegensatz zu den Versionen der anderen Konsolen, steht auf Wii nämlich unkomplizierter Arcade-Fußball auf dem Programm.
„FIFA 10“ ist nicht das nächste „FIFA Street“. Ihr steht hier immer noch mit elf Man pro Mannschaft auf Rasenplätzen und spielt nach den bekannten Regeln – Abseits gibt es hier genauso wie Rote Karten. Ein Hauch von „FIFA Street“ weht aber dennoch über den Fußballplatz. Schließlich ist ein Trick-System vorhanden, mit dem ihr euren Gegner geschickt umspielen könnt. Und sogar eine POWER-Leiste gibt es, die in diesem Spiel „Momentum-Meter“ heißt. Diese Anzeige füllt sich auf, wenn ihr in der gegnerischen Hälfte im Ballbesitzt seid. Ist sie voll, genießt ihr automatisch eine ganze Reihe von Vorteilen. So werden eure Spieler nicht mehr müde und schießen nicht nur härter, sondern auch präziser.
Die Arcade-Einflüsse gehen nicht nur auf Kosten des Realismus, sondern auch auf die des Anspruchs und des Tiefgangs. Während ihr beim Passen noch die Richtung bestimmen könnt, ist euch diese Möglichkeit beim Torschuss verwehrt. Ihr schießt nämlich ganz einfach durch das Schütteln der Remote, ohne auch nur den geringsten Einfluss auf die Richtung oder die Kraft des Schusses haben zu können. Ähnlich sehen die Standard-Situationen aus. Egal ob Freistoß, Elfmeter oder Eckstösse – statt genauen Einfluss auf eure Schüsse nehmen zu können, ist hier Schütteln mit Timing gefragt. Elfmeter führen die Fußballer zum Beispiel automatisch aus, während ihr nur zum richtigen Zeitpunkt die Remote schütteln müsst. Ganz allein abhängig von eurem Timing fliegt der Ball dann ins Tor oder meilenweit daran vorbei. Steht ihr selbst im Tor und müsst einen Elfmeter abwehren, ist eine Bewegung gefordert, wenn der Ball in der Luft ist und grün leuchtet.
Diese Schüttel-Standartsituationen bieten euch nicht die Kontrolle, die ihr euch wünschen würdet. Außerdem sehen dadurch auch all diese Momente gleich aus. Probleme entstehen auch im Mehrspieler-Modus, wenn beide Spieler zeitig schütteln und der Zufall über den Ausgang entscheidet. Doch auch wenn „FIFA 10“ Tiefgang vermissen lässt, macht der Arcade-Fußball viel Spaß. Schließlich ist das Tempo hoch und die Action kommt bei den vielen Toren nicht zu kurz. Ihr müsst euch allerdings auf diesen Arcade-Fußball einlassen, um ihn genießen zu können.
Mit Ehrgeiz zum Ruhm
Die Konzeptänderung haben die Entwickler gleich genutzt, um im Hauptmenü ordentlich aufzuräumen. Dabei sind leider einige Modi des Vorgängers verloren gegangen, darunter auch die Minispiele. Geblieben ist dagegen das Training, bei dem ihr euch Spielzüge erklären lassen und gleich üben könnt. Außerdem sind in „Ab aufs Feld“ schnelle Spiele möglich. Hier wählt ihr einfach eure eigene Mannschaft, euren Gegner und die Trikots und schon stürzt ihr euch ungezwungen in ein Freundschaftsspiel.
Das Herzstück des Spiels ist eine Art Manager-Modus, der „Weg zum Ruhm“ heißt. Hier übernehmt ihr als Trainer eine Mannschaft eurer Wahl und führt sie zur Tabellenspitze. Dabei habt ihr natürlich vollen Einfluss auf euren Kader, den ihr mittel Transfers verändert. Alle Spieler haben eine Wertung, die maximal bis 20 geht und die Leistungsfähigkeit zeigt. Ihr könnt somit schon vor einem Spiel abschätzen, wie gut ihr aufgestellt seid und wie schwer ihr es haben werdet. Ob ihr ein Spiel selbst auf dem Platz austragt oder es abhängig von der Bewertung eurer Mannschaft und einem guten Schuss Zufall simulieren lasst, ist eure Entscheidung.
Vor jedem Spiel des Karriere-Modus müsst ihr als Trainer ein Ziel setzen. So könnt ihr euch unter anderem vornehmen im Spiel kein Gegentor zu kassieren oder mit mindestens vier Toren Vorsprung zu gewinnen. Je ehrgeiziger eurer Ziel ist, desto mehr Punkte erhaltet ihr dafür – aber natürlich nur, wenn ihr es dann auch erfüllt. Die Punkte lassen sich gegen sogenannte Spiel-Boots tauschen, von denen ihr wiederum maximal zwei vor einem Spiel auswählen dürft. Spiel-Boots bringen euch Vorteile im Spiel, indem sie zum Beispiel die Ausdauer der Fußballer erhöhen oder ihre Schusskraft stärken. Das sind nette Anreize, die euch dazu motivieren, eure Trainerziele erfüllen zu wollen. Der Modus „Weg zum Ruhm“ ist somit durchaus unterhaltsam, auch wenn er auf Zugänglichkeit setzt und keine tiefgehenden Taktikspielchen erlaubt.
Ein „FIFA“ ohne Mehrspieler-Modus? Undenkbar! Und so können sich auch in diesem Jahr bis zu vier Spieler auf dem Platz messen. Wenn sich kein Freund traut, gegen euch anzutreten, dann stürzt euch einfach in den Online-Modus. Der kommt wie bei den Vorgängern ganz ohne Freundescodes aus und lässt euch gegen Fußballer aus aller Welt kicken. Habt ihr einen spielwilligen Freund aber gleichzeitig Lust auf Online-Fußball, könnt ihr auch zu zweit an einer Konsole online gegen zwei andere Spieler antreten. Aber wehe, ihr verliert! Eure Leistungen fließen nämlich in die Welt-Bestenliste ein, die zeigt, welches Land beim virtuellen Arcade-Fußball die Nase vorn hat.
Neuer Look für ein frisches Gameplay
Was aus dem Vorgänger noch übrig geblieben ist, sind die Steuerungs-Optionen. Totale Anfänger setzen dabei auf die All-Play-Steuerung, für die nur die Remote benötigt wird. Hier übernimmt das Spiel die Bewegung eurer Mannschaft, während ihr euch nur auf Schießen, Passen und das Ausführen von Tricks konzentriert. Selbst die blutigsten Fußball-Neulinge werden aber spätestens nach zwei oder drei Spielen Lust auf die erweiterte Steuerung bekommen, bei der ihr alle Aktionen selbst ausführt. Dabei ist es euch selbst überlassen, ob ihr mit Remote und Nunchuk, Classic-Controller oder GameCube-Pad spielt.
Die Lizenz hat Electronic Art seit dem letzten Mal natürlich nicht verloren. Neben der Bundesliga haben es noch die Mannschaften und Spieler aus ganzen 29 weiteren Ligen in „FIFA 10“ geschafft. Wünsche sollten also keine mehr offen bleiben. Schade ist nur, dass die einzelnen Spieler nicht immer ganz genau zu erkennen sind. Passend zum Arcade-Stil haben die Entwickler in diesem Jahr nämlich auf eine Comic-Grafik gesetzt, wobei sich die Charaktermodelle sehr ähnlich sehen. Abgesehen davon macht die Comic-Grafik aber einen guten Eindruck.
Die Höhepunkte in der Präsentation sind ohne Frage die Zeitlupeneffekte, die bei besonderen Aktionen eingesetzt werden. So wird das ansonsten temporeiche Spiel bei Torschüssen verlangsamt, sodass diese spektakulär in Szene gesetzt werden. Landet der Ball dann wirklich im Kasten, könnt ihr euch natürlich in Wiederholungen immer wieder erneut über den Treffer freuen. Dabei jubeln auch die Kommentatoren, die wie in den Vorgängern eine solide Arbeit leisten. Leider wiederholen sich die Kommentare aber auch nervig oft. Ein oft gehörter Lieblingssatz der Kommentatoren ist zum Beispiel: „Was für ein Schuss! Das waren ja mindestens 150 Stundenkilometer!“
Sascha Geldermann meint...
Electronic Arts hat mich in diesem Jahr überrascht. Es gehört schon Mut dazu, das gewohnt realistische „FIFA“-Gameplay durch unkomplizierten Arcade-Fußball zu ersetzen. Dabei ist „FIFA 10“ für mich nicht besser oder schlechter als sein Vorgänger – sondern einfach nur anders. Ich hatte auf jeden Fall Spaß mit dem schnellen Action-Fußball, auch wenn ich den Tiefgang der Vorgänger auf Dauer doch vermisst habe.
Electronic Arts hat mich in diesem Jahr überrascht. Es gehört schon Mut dazu, das gewohnt realistische „FIFA“-Gameplay durch unkomplizierten Arcade-Fußball zu ersetzen. Dabei ist „FIFA 10“ für mich nicht besser oder schlechter als sein Vorgänger – sondern einfach nur anders. Ich hatte auf jeden Fall Spaß mit dem schnellen Action-Fußball, auch wenn ich den Tiefgang der Vorgänger auf Dauer doch vermisst habe.

GRAFIK
Der Comic-Look passt zum Arcade-Gameplay, die Charaktermodelle sind aber schwach.
Der Comic-Look passt zum Arcade-Gameplay, die Charaktermodelle sind aber schwach.

SOUND
Die Soundkulisse ist gelungen, nur der Kommentator nervt mit seinen ständigen Wiederholungen.
Die Soundkulisse ist gelungen, nur der Kommentator nervt mit seinen ständigen Wiederholungen.

BEDIENUNG
Es gibt viele Steuerungsoptionen, das Schütteln bei Standardsituationen nervt aber.
Es gibt viele Steuerungsoptionen, das Schütteln bei Standardsituationen nervt aber.

UMFANG
Es gibt einen Karriere-Modus und einen guten Online-Part, die Vorgänger boten aber mehr Modi.
Es gibt einen Karriere-Modus und einen guten Online-Part, die Vorgänger boten aber mehr Modi.
SPIELSPASS
Schneller Arcade-Fußball für unkomplizierten Spaß.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Schneller Arcade-Fußball für unkomplizierten Spaß.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel