200 klassische Bücher
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 08.11.2009
Seitlich gehalten erinnerte der Nintendo DS immer schon an ein Buch. Daher ist es auch kein Wunder, dass er von dem Vormarsch der E-Books nicht unberührt bleibt. Rondomedia versorgt den Handheld nun mit einer ersten deutschsprachigen Literartursammlung, die den Nintendo DS nicht nur in ein Buch, sondern sogar in eine Taschenbibliothek mit 200 Werken verwandelt.
Ungekürzte Meisterwerke
„Meisterwerke der Weltliteratur“ verspricht die Verpackung - und damit haben die Entwickler nicht übertrieben. Bei den deutschsprachigen Autoren finden sich unter anderem Franz Kafka, Friedrich Nietzsche, Theodor Fontane, Friedrich Schiller und Johann Wolfgang von Goethe. Heinrich von Kleist ist sogar mir sieben seiner Werke vertreten, darunter „Der zerbrochene Krug“ und „Michael Kohlhaas“. Aber auch deutsche Übersetzungen ausländischer Meisterwerke gehören zu der langen Liste von 200 Büchern. Stolze neun Dramen von Shakespeare haben es auf die Cartridge geschafft - neben Descartes‘ „Abhandlungen über die Methode“, Lewis Carrolls genialem „Alice im Wunderland“ und der „Aeneis“ des römischen Dichters Vergil.
Das Programm wirft euch die 200 Bücher nicht einfach vor die Füße, sondern bietet alphabetische Sortierungen nach Buchtiteln, Autoren oder Gattungen an. Noch schneller findet ihr das gewünschte Buch über die Suche. Tippt einfach bequem ein Stichwort ein und schon erscheint das passende Stück Weltliteratur auf dem Bildschirm. Wie in einer Bibliothek könnt ihr so in den Listen lange herumstöbern und die Bücher ohne Ladezeiten anlesen. Zum Schmökern ist diese Taschenbibliothek also bestens geeignet. Schon allein damit kann sie Stunden beschäftigen.
Bei den 200 Werken handelt es sich nicht um Mogelpackungen, sondern um ungekürzte Originalausgaben. Die Werke begrüßen euch sogar mit originalgetreuen Buchdeckeln, sodass euch Kafkas „Der Prozeß“ mit einem vergilbten Einband empfängt. Ansonsten wurde auf Extras aber verzichtet. Fußnoten fehlen genauso wie Bilder oder Hintergrundinformationen über Autoren und Werke. Da jedes Buch umgerechnet nicht mehr als 15 Cent kostet, kann über das Fehlen von solchen Dingen aber hinweggesehen werden. Schließlich sind die Bücher an sich komplett. Fehlende Seiten, Eselsohren oder Kaffeflecken, wie sie Bücher aus der Bibliothek manchmal mit sich bringen, müsst ihr nicht befürchten.
Bequem für die Hände - anstrengend für die Augen
Die Bedienung beim Lesen ist bequem. Ihr haltet den Nintendo DS seitlich, wobei beide Bildschirme jeweils als eine Seite dienen. Am unteren Bildschirmrand befinden sich die Seitenzahl und ein kleines Symbol, mit dem das Menü aufgerufen kann. Darüber könnt ihr das Buch dann schließen, einzelne Kapitel direkt anwählen oder Lesezeichen einlegen. Hier lässt sich auch einstellen, dass das aktuelle Werk beim nächsten Starten des Nintendo DS direkt auf dem Bildschirm erscheint – selbstverständlich richtig aufgeschlagen. Ihr könnt über eine Nummerneingabe außerdem jederzeit zu einer bestimmten Seite oder auch von Lesezeichen zu Lesezeichen springen. Letzteres ist praktisch, wenn ihr wichtige Passagen markieren wollt.
Geblättert wird, indem ihr den Stylus realitätsgetreu über den Bildschirm zieht. Bei einer Bewegung von rechts nach links blättert ihr also vor, bei einer umgekehrten zurück. Das ist zwar durchaus bequem, weitere Bedienungsoptionen fehlen aber. Umblättern durch Antippen oder per einfachen Knopfdruck wäre auf Dauer noch ein Stückchen komfortabler gewesen. Schade ist auch, dass sich die Schrift nicht vergrößern lässt. Sie ist zwar durchweg gut lesbar, gerade ältere Personen wären über eine Zoom-Funktion aber sicherlich dankbar gewesen.
Bei der Software selbst liegen nur kleine Mankos, die das Leseerlebnis nicht trüben. Das eigentliche Problem ist aber der Bildschirm des Nintendo DS. Richtige Lesegeräte verfügen schließlich über sogenanntes „elektronisches Papier“, das im Vergleich zum normalen Bildschirm des Nintendo DS nicht nur batteriesparender, sondern auch nicht so anstrengend für die Augen ist. „200 klassische Bücher“ ist auf dem Handheld zwar gut zum Schmökern geeignet und macht Sinn, wenn ihr Bücher in vielen kleinen Etappen lest. Langen Lesemarathons solltet ihr aber besser vermeiden. Wer sich mehrere Stunden am Stück mit dieser elektronischen Buchsammlung beschäftigt, muss mit brennenden Augen rechnen.
Sascha Geldermann meint...
„200 klassische Bücher“ bereichert den Nintendo DS um eine interessante Taschenbibliothek. Mich hat die vielseitige und hochwertige Auswahl an ungekürzten Meisterwerken genauso überrascht wie die bequeme Bedienung. Hätte der Handheld einen geeigneten Lesebildschirm, wäre diese Sammlung ein Pflichtkauf für Schüler, Germanistik-Studenten und Bücherwürmer. Leider ist das Lesen auf dem Nintendo DS über mehrere Stunden hinweg aber sehr anstrengend für die Augen, sodass für gemütliche Lesenachmittage ein gutes altes Buch doch empfehlenswerter ist.
„200 klassische Bücher“ bereichert den Nintendo DS um eine interessante Taschenbibliothek. Mich hat die vielseitige und hochwertige Auswahl an ungekürzten Meisterwerken genauso überrascht wie die bequeme Bedienung. Hätte der Handheld einen geeigneten Lesebildschirm, wäre diese Sammlung ein Pflichtkauf für Schüler, Germanistik-Studenten und Bücherwürmer. Leider ist das Lesen auf dem Nintendo DS über mehrere Stunden hinweg aber sehr anstrengend für die Augen, sodass für gemütliche Lesenachmittage ein gutes altes Buch doch empfehlenswerter ist.

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