Teenage Mutant Ninja Turtles: Smash-Up
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 04.11.2009
Das 25-jährige Bestehen wird von jedem ein bisschen anders gefeiert: Vereine laden zu großen Festen, Ehepaare fahren in den Urlaub und Geschäfte starten Rabattaktionen. Die Turtles zelebrieren ihr gut überstandenes Vierteljahrhundert ganz anders – nämlich indem sie sich ordentlich auf die Fresse hauen. „Smash-Up“ ist schließlich nichts anderes als ein reinrassiges Beat´em Up.
Super Smash Turtles
Für die Entwicklung des Spiels ist die japanische Spieleschmiede Game Arts verantwortlich. Bei diesem Namen sollten Beat´em Up-Fans hellhörig werden. Schließlich war Game Arts auch an der Entwicklung des fabelhaften „Super Smash Bros. Brawl“ beteiligt. Somit ist es auch nicht verwunderlich, dass der Turtles-Prügler so einige Parallelen zu Nintendos Genre-König aufweist. Schon allein der Bildschirm für die Charakterauswahl sieht vertraut ist. Hier tummeln sich natürlich nicht Mario, Link oder Samus, sondern die nach den großen Renaisscance-Künstlern benannten Mutantenschildkröten und ihre Freunde sowie Feinde inklusive April und Meister Splinter. Die Auswahl ist zu Beginn verdammt mager. Mit der Zeit spielt ihr weitere Kämpfer frei – darunter auch drei durchgeknallte Gastcharaktere aus einer Ubisoft-Franchise. Letztendlich stehen euch 16 Figuren zu Verfügung, was immer noch etwas zu wenig ist.
Die eigentlichen Kämpfe lassen ebenfalls schnell durchscheinen, wer hinter dem Spiel steckt. Wenn ich euch durch die zwei Dimensionen der verschiedenen Schauplätze prügelt, fühlt sich das verdächtig nach „Super Smash Bros. Brawl“ an. Springen, Blocken, starke sowie schwache Angriffe – alles vorhanden und fast alles auf denselben Knöpfen. Aber obwohl es einige besondere Attacken gibt, haben die einzelnen Charaktere leider keine individuellen Spezialmoves aus dem Kasten. Das kommt zwar der Balance zugute, dadurch spielen sich aber eben auch alle Kämpfer sehr ähnlich. Die Turtles-Lizenz hätte ihr deutlich besser genutzt werden können, um mit den individuellen Fähigkeiten der bekannten Figuren Abwechslung ins Spiel zu bringen.
Auch in Sachen Items wurde leider nicht besonders viel aus der Lizenz gemacht. Anstatt Gegenstände aus dem Turtles-Universum in den Ring zu werden, findet ihr hier lediglich drei verschiedene Ninja-Kräfte, mit denen ihr Flammen, Blitze oder einen Tornado entfesselt. Gemessen an Nintendos Referenztitel hätte „Smash-Up“ also einiges besser machen können. Das heißt aber nicht, dass der Turtles-Prügler schlecht wäre. Denn das Kampfsystem ist immer noch sehr gelungen und bietet unkomplizierten Spaß. Und natürlich macht der Titel auch einiges auf seine eigene Art und Weise. So treibt ihr hier keine Prozentzahlen hoch, sondern ganz klassisch Lebensbalken nach unten. Zu gefallen weiß außerdem die Möglichkeit, in einigen Kämpfen zwischen zwei Charakteren wechseln zu können.
Das Highlight des Spiels sind die verschiedenen Schauplätze, die euch unter anderem auf Dächer und in Kanalisationssysteme führen. Alle Arenen sind nämlich interaktiv und bieten eine Menge Überraschungen. In den Kanalrohren kann euch somit schon mal eine Welle zu einem anderen Schauplatz spülen, an dem dann ein Krokodil lauert, das sich gelegentlich unachtsame Kämpfer schnappt. Solche Interaktionen, Schauplatzwechsel und besondere Aktionen gibt es viele, was eine Menge Schwung in die Kämpfe bringt und den Spielspaß nach oben treibt. Langeweile kommt hier nur selten auf.
Wenig Story – viel Mehrspieler-Spaß
Die Modi-Auswahl ist vielfältig. Neben dem obligatorischen Tutorial warten reine Turniere genauso auf euch wie Überlebenskämpfe, bei denen ihr so viele Gegner wie möglich besiegen müsst, bevor eure Schildkröten selbst ins Gras beißen. Außerdem gibt es einen Missionsmodus mit 50 Aufgaben, die euch einige Zeit beschäftigen sollten. Hier müssen mehrere Gegner auf einmal oder besonders harte Brocken besiegt werden. Zur Belohnung gibt es Muscheln, die ihr in Trophäen investieren könnt. Um an die zahlreichen Extras zu kommen muss übrigens ein Shooter-Minispiel absolviert werden. Das könnte euch bekannt vorkommen.
Das größte Manko von „Teenage Mutant Ninja Turtles: Smash-Up“ ist das Fehlen eines richtigen Story-Modus. Es gibt zwar einen Arcade-Modus mit Erzählambitionen, doch dessen Umfang ist genauso lächerlich wie die aufgesetzte Geschichte. Hier geht es nämlich nur darum, dass Splinter ein Turnier veranstaltet, das den Turtles als Training dienen soll. Dazu lädt der dann noch ein paar andere Figuren inklusive sich selbst ein und schon ist alles erzählt. Hier von „Geschichte“ zu reden, wäre übertrieben. Das ist schade und einmal mehr eine enttäuschende Nutzung der Turtles-Lizenz. Da helfen auch die paar eingestreuten Minispiele nichts mehr, die das Kampfgeschehen auflockern.
Deutlich mehr zu gefallen weiß der Mehrspieler-Part. Fast alle Modi lassen sich mit bis zu drei Freunden spielen, was den Spielspaß vielvielfacht. Bei den zünftigen Kloppereien kommt viel Freude auf, die durchaus den einen oder anderen Abend füllen kann. Auch ein Online-Modus darf natürlich nicht fehlen, bei dem ihr entweder gegen Zufallsgegner oder per Freundescode gegen Bekannte kämpft. Somit dürft ihr Spieler aus aller Welt herausfordern und Schildkrötensuppe aus ihnen machen.
Ordentliche Rahmenbedingungen
Die Steuerung ist schnell zu erlernen und geht leicht von der Hand. Lediglich das Springen mit dem Analog-Stick ist gewöhnungsbedürftig und etwas ungenau. Wer Probleme mit Nunchuk und Remote hat, kann auch mit dem Classic-Controller, dem GameCube-Pad oder nur mit der seitlich gehaltenen Remote spielen. Alle Optionen klappen sehr gut, wobei die letztere eindeutig die meiste Übung verlangt. Bei diesem Titel sollte jeder Spieler eine passende Einstellung finden.
In Sachen Sound enttäuscht „Teenage Mutant Ninja Turtles: Smash-Up“ ein wenig. Die englische Sprachausgabe klingt zwar gut, leider lassen die Schildkröten aber nur sehr wenige Worte fallen. Immerhin ist es aber möglich, seine Gegner im Kampf zu verspotten. Die Soundeffekte selbst können überzeugen, während die Musik sich leider zu sehr im Hintergrund hält. Keine der Melodien wird euch nach den Kämpfen noch im Ohr bleiben.
Die Grafik macht einen ordentlichen Eindruck. Sowohl die Charaktermodelle als auch die Hintergründe sehen sehr gut aus. Außerdem gibt es viele Effekte, die ohne Framerate-Einbrüchee über den Bildschirm blitzen. Negativ stößt aber die eigentliche Präsentation auf. Gerade bei der eh kaum erwähnenswerten Story wird das deutlich. Die Sequenzen beschränken sich hier nämlich auf schwarz-weiße Standbilder, die ein bisschen so aussehen, als hätten die Entwickler aus Zeitnot einfach die Konzeptzeichnungen ins Spiel gepackt. Bei der Präsentation hätte Game Arts wieder einmal deutlich mehr aus der Turtles-Lizenz machen können.
Sascha Geldermann meint...
Als Fan von „Super Smash Bros. Brawl“ kamen mir bei „Smash-Up“ viele Dinge verdächtig bekannt vor. Diese Parallelen finde ich nicht schlimm, schließlich garantieren sie ein unterhaltsames Prügelerlebnis, das lange beschäftigen kann. Allerdings kämpft das Spiel mit zwei Problemen. Zum einen ist es Nintendos Genre-König in fast allen Punkten unterlegen und zum anderen haben die Entwickler zu wenig aus der Turtles-Lizenz gemacht, um eigene Akzente setzen zu können.
Als Fan von „Super Smash Bros. Brawl“ kamen mir bei „Smash-Up“ viele Dinge verdächtig bekannt vor. Diese Parallelen finde ich nicht schlimm, schließlich garantieren sie ein unterhaltsames Prügelerlebnis, das lange beschäftigen kann. Allerdings kämpft das Spiel mit zwei Problemen. Zum einen ist es Nintendos Genre-König in fast allen Punkten unterlegen und zum anderen haben die Entwickler zu wenig aus der Turtles-Lizenz gemacht, um eigene Akzente setzen zu können.

GRAFIK
Die Grafik punktet mit hübschen Hintergründe und Figuren. Bei der Präsentation wäre aber mehr drin gewesen.
Die Grafik punktet mit hübschen Hintergründe und Figuren. Bei der Präsentation wäre aber mehr drin gewesen.

SOUND
Passende Soundeffekte mischen sich mit langweiliger Musik.
Passende Soundeffekte mischen sich mit langweiliger Musik.

BEDIENUNG
Die Steuerung bietet viele Varianten und funktioniert sehr intuitiv. Nur das Springen ist etwas ungenau.
Die Steuerung bietet viele Varianten und funktioniert sehr intuitiv. Nur das Springen ist etwas ungenau.

UMFANG
Zu den vielseitigen Modi gehört ein guter Mehrspieler-Part aber nur ein lächerlicher Story-Modus. Außerdem werden nur 16 Kämpfer geboten.
Zu den vielseitigen Modi gehört ein guter Mehrspieler-Part aber nur ein lächerlicher Story-Modus. Außerdem werden nur 16 Kämpfer geboten.
SPIELSPASS
Spaßiger Turtles-Pürgler, der zu wenig aus der Lizenz macht.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Spaßiger Turtles-Pürgler, der zu wenig aus der Lizenz macht.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel