Spyborgs
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 07.10.2009
Hunger auf Action? Dann könnte euch Spyborgs Appetit machen. Capcoms Wii-exklusives Spiel verspricht mit drei kybernetischen Helden, unzähligen Gegnern, einer explosiven Präsentation und einem kooperativen Modus nämlich die richtigen Zutaten für eine ordentliche Action-Orgie.
Action von Anfang an
Bei seiner ersten Ankündigung umfasste das Spyborgs-Team noch fünf Kämpfer. Davon sind nach einem kleinen Redesign mit dem Soldaten Stinger, der Ninja-Lady Clandestine und dem kräftigen Roboter Bouncer noch drei Helden übrig geblieben. Das Trio gehört zur Spyborg-Initiative, die in einer futuristischen Welt verwundete Soldaten mittels Kybernetik in Elite-Kämpfer verwandelt, um die Welt zu verteidigen. Eigentlich gibt es noch mehr Spyborgs, doch als das Hauptquartier der Initiative angegriffen wird, sind nur noch Stinger, Clandestine und Bouncer übrig, um den Feind zurückzuschlagen.
Am Anfang jedes Abschnitts müsst ihr euch für zwei der drei Helden entscheiden, mit denen ihr dann den Level aufmischt. Wird der zweite Charakter nicht von einem Mitspieler übernommen, agiert er automatisch. Solospieler können per Knopfdruck bequem zwischen beiden Kämpfern wechseln, um beispielsweise erst als Bouncer richtig auf den Putz zu hauen und einen Knopfdruck später mit Clandestine blitzschnelle Kombos vom Stapel zu lassen. Die Unterschiede zwischen den Charakteren sind aber sehr gering und das Gameplay sieht bei allen gleich aus: auf die Tasten hauen, bis kein Gegner mehr steht.
„Spyborgs“ ist ein reinrassiger Brawler. Zeit für Erkundungen, Geschicklichkeitseinlagen oder gar Rätsel gibt es nicht. Stattdessen kämpft ihr euch stets mit zwei Kämpfern durch die linearen Levels, während Gegnermassen auf euch zustürmen. Kleine Roboter, große Kampfmaschinen und bewaffnete Androiden machen euch dabei das Leben schwer. Wegrennen oder Ausweichen könnt ihr dabei vergessen. Laserbarrieren trennen die Abschnitte voneinander ab und verschwinden erst, wenn alle Feinde vernichtet wurden. In Sachen Action lässt „Spyborgs“ somit keine Kompromisse zu. Der Einstiegt gestaltet sich gleichsam leicht als auch explosiv und zieht euch von Anfang an mitten in das kämpferische Spielgeschehen.
Die Angriffe der Charaktere sind eher beschränkt. Es gibt eine schwache schnelle und eine starke langsame Attacke, sowie Kombos, bei denen ihr die Attacken, Sprünge und Sprints aneinanderreiht. Mit dem Z-Knopf wird geblockt, wobei der Block sehr starr ist und euch leider keine schnellen Gegenschläge ermöglicht. Füllt ihr die Energieleiste neben der Gesundheitsanzeige durch das Sammeln von gelben Funken bis zum Rand, dürft ihr K.o.-Schläge entfesseln. Voraussetzung ist allerdings, dass ihr auf dem Bildschirm gezeigte Bewegungen mit Remote und Nunchuk richtig nachahmt. Das ist keine allzu große Herausforderung, da nie mehr als zwei Gesten von euch verlangt werden, die absolut einwandfrei erkannt werden. Während die Bewegungserkennung so manch anderes Wii-Spiel ruiniert hat, setzt „Spyborgs“ sie mit sparsamer Dosierung und fehlerfreier Erkennung absolut vorbildlich ein. So steht euren vernichtenden Spezialangriffen nichts mehr im Weg, die eure Gegner binnen Sekunden mit spektakulären Aktionen in ihre Einzelteile zerlegen.
Endlosschleife
Dank der Dauer-Action macht „Spyborgs“ in den ersten Spielminuten auf Anhieb Spaß. Ihr schlagt euch durch Gegnerhorden, entfesselt mächtige Spezialangriffe und treibt den Kombozähler immer wieder in den dreistelligen Bereich. Doch schon nach dem ersten der 35 Level, die euch jeweils nie länger als eine Viertelstunde beschäftigen, tauchen die ersten Ermüdungserscheinungen auch. Eine Gegnerwelle taucht nach der nächsten auf – vom Anfang bis zum Ende dasselbe Spiel. Rätsel und Geschicklichkeitsanlagen hätten die Dauer-Action zwar ausgebremst, aber auch die absolute Monotonie verhindert, die von Level zu Level immer stärker am Spielspaß nagt. Irgendwann habt ihr das Gefühl, in einer Endlosschleife festzuhängen und ein- und dieselbe Situation immer wieder zu erleben.
Damit ein reinrassiger Brawler langfristig Spaß macht, braucht er ein paar bestimmte Zutaten. Abwechslungsreiche Gegner sind eine davon. Doch die bietet „Spyborgs“ nicht. Die Feinde ähneln sich zu sehr und wiederholen sich zu oft. Eine Hand voll riesiger Obermotze bringt ein bisschen Schwung in die Sache, aber selbst diese Bosskämpfe enttäuschen für Capcoms Verhältnisse. Hier müsst ihr zwar immer wieder den gegnerischen Attacken mit Timing ausweichen, unterm Strich laufen aber auch diese Auseinandersetzungen zu sehr auf stumpfes Gekloppe heraus.
Um die Spyborgs selbst ist es in Sachen Individualität leider nicht besser bestellt. Cladestine spielt sich zwar merklich schneller als Bouncer und Stinger glänzt mit seiner Laserwaffe, doch die Levels verlangen nie von euch, die Fähigkeiten der einzelnen Charaktere gezielt einzusetzen. Und auch die Charakterentwicklung enttäuscht. Zwar lassen sich durch das Aufsammeln von roten Funken die Stärke und die Lebensenergie der Charakter verbessern sowie einige neue Bewegungen lernen, aber das Level-Up-System ist viel zu flach ausgefallen. Selbst nach allen Aufrüstungen beherrschen die Spyborgs deutlich zu wenig verschiedene Angriffe, als dass dadurch Abwechslung ins Spiel kommen könnte.
So läuft alles sehr schnell auf wildes Button-Smashing hinaus, was euch vor allem in den niedrigeren der fünf Schwierigkeitsgrade auch absolut problemlos zum Ziel führt. In den höheren lässt sich das kybernetische Ableben leider nicht immer vermeiden. Einige Tode gehen dabei aber auch auf das Konto der oft ungünstigen Kameraperspektive. Eine manuelle Nachjustierung ist leider nicht möglich. Checkpoints gibt es innerhalb der einzelnen Levels nicht, größerer Frust wird aber durch die geringe Länge der Abschnitte ausgeglichen. Mit dem Spielspaß geht es dennoch immer weiter bergab. Erkundungsreize bieten die sterilen Levels nicht und die Geschichte ist viel zu flach, als dass sie Spannung aufbauen könnte. Wer Lust auf unkomplizierte Action hat, kann sich mit „Spyborgs“ mal richtig austoben. Abwechslung darf aber nicht erwartet werden.
Zu zweit gegen die Monotonie
Es gibt einige Spiele, die nur zusammen mit einem Freund richtig Spaß machen. „Spyborgs“ zählt dazu. Der leichte Einstieg und das einfach gestrickte Gameplay ermöglichen schnelle Mehrspieler-Partien, bei denen sich zwei Spieler gemeinsam durch die Levels arbeiten. Die Monotonie fällt zu zweit nicht mehr so stark auf und die Team-Spezialangriffe durch gemeinsame Gesten lassen durchaus Spaß aufkommen. Im kooperativen Modus wird „Spyborgs“ nicht automatisch zur Spielspaßgranate, es kommt aber deutlich mehr Freude als im Solo-Spiel auf. Schade, dass ein Online-Modus fehlt.
Habt ihr wider Erwarten Probleme mit der Bewegungssteuerung oder nach einigen verkorksten Wii-Spielen eine Fuchtel-Phobie entwickelt, dürft im Menü das Ausführen der Spezialangriffe auch auf die Knöpfe legen. Steuerungsprobleme werden somit auf jeden Fall verhindert. Im Menü findet ihr außerdem eine ganze Reihe Extras, wie Videos, Cheats und einige Infos zu der futuristischen Spielwelt. Bei den Boni macht „Spyborgs also einiges richtig.
Noch viel mehr richtig macht der Brawler bei der Technik. Die Musik ist zwar eintönig, unterstreicht die Kämpfe aber packend. Auch die englische Sprachausgabe kann sich hören lassen. Die Grafik gehört sogar zur Spitzenklasse. Detaillierte Charaktere und gelungene Texturen verwöhnen die gebeutelten Augen der Wii-Besitzer. Die zahlreichen Lichteffekte, Explosionen und Laserstrahlen sahen bei keinem bisherigen Wii-Spiel so gut aus. Die Framerate bricht bei hohem Gegneranstrum ganz selten mal leicht ein, was aber nicht weiter stört. In Szene gesetzt wird die Action somit einwandfrei. „Spyborgs“ lässt sich als Grafikblender bezeichnen, unter dessen extrem schicker Oberfläche ein leider viel zu monotones Gameplay steckt.
Sascha Geldermann meint...
Was für ein Einstieg! Spyborgs wirft mich mitten in die Action und schmeißt mir von Anfang an Gegnerhorden entgegen. Niemals hätte ich in den ersten Spielminuten geglaubt, dass ich eine Stunde später beim Spielen kaum noch die Augen offen halten kann. Doch vom ersten bis zum letzten Level verlangt Spyborg eben nicht mehr von mir, als mit hirnlosem Button-Smashing eine Gegnerwelle nach der nächsten zu vernichten. Diese Monotonie nagt solange am Spielspaß, bis davon kaum noch etwas übrig ist. Überrascht hat mich „Spyborgs“ dafür wiederum im kooperativen Modus, in dem dann doch noch Prügelfreude aufkommt.
Was für ein Einstieg! Spyborgs wirft mich mitten in die Action und schmeißt mir von Anfang an Gegnerhorden entgegen. Niemals hätte ich in den ersten Spielminuten geglaubt, dass ich eine Stunde später beim Spielen kaum noch die Augen offen halten kann. Doch vom ersten bis zum letzten Level verlangt Spyborg eben nicht mehr von mir, als mit hirnlosem Button-Smashing eine Gegnerwelle nach der nächsten zu vernichten. Diese Monotonie nagt solange am Spielspaß, bis davon kaum noch etwas übrig ist. Überrascht hat mich „Spyborgs“ dafür wiederum im kooperativen Modus, in dem dann doch noch Prügelfreude aufkommt.

GRAFIK
Die Grafik beeindruckt mit fantastischen Lichteffekten und tollen Texturen. Kein Wunder, dass die Framerate gelegentlich einbricht.
Die Grafik beeindruckt mit fantastischen Lichteffekten und tollen Texturen. Kein Wunder, dass die Framerate gelegentlich einbricht.

SOUND
Die Musik ist etwas eintönig, aber gelungen.
Die Musik ist etwas eintönig, aber gelungen.

BEDIENUNG
Die Bewegungserkennung ist vorbildlich. Dass sich die Kamera nicht nachjustieren lässt, ist aber schade.
Die Bewegungserkennung ist vorbildlich. Dass sich die Kamera nicht nachjustieren lässt, ist aber schade.

UMFANG
Der kooperative Modus sorgt für Spaß. Die Levels sind aber kurz und die Auswahl an Moves sehr begrenzt.
Der kooperative Modus sorgt für Spaß. Die Levels sind aber kurz und die Auswahl an Moves sehr begrenzt.
SPIELSPASS
Schicke Action-Orgie, die an Monotonie zugrunde geht.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Schicke Action-Orgie, die an Monotonie zugrunde geht.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel