Harvest Moon DS: Mein Inselparadies
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 27.09.2009
Eure Schiffsreise in ein neues Leben verläuft anders als erwartet. Ein heftiger Sturm zieht auf und bringt euer Schiff zum Sinken. Zusammen mit vier anderen Passagieren könnt ihr euch gerade noch rechtzeitig in ein Rettungsboot flüchten, mit dem ihr eine verlassende Insel erreicht. Nun gilt es, die kleine Insel zu erforschen und hier ein neues Leben aufzubauen. – Das ist nicht etwa das Intro von „Lost in Blue“ , sondern der Einstieg in den neusten „Harvest Moon“-Ableger für den Nintendo DS.
Alles wie immer
Eure Situation als Gestrandeter und das Inselsetting versprechen frischen Wind in die Serie zu bringen, die sich in den letzten Jahren kaum weiterentwickelt hat. Eure Situation eröffnet schließlich interessante Möglichkeiten. Müsst ihr nun aus Holz und Steinen Werkzeuge bauen? Die Flora der Insel erforschen und Samen für mühsam angelegte Felder finden? Oder gar wilde Tiere zähmen? – Nein, leider nicht. Die Entwickler haben die Chancen des neuen Settings vollkommen ignoriert und setzen wieder auf das altbekannte Gameplay. Ihr stoßt auf eine verlassende Farm, die ihr gleich wieder in den Betrieb nehmt. Und eure vier Mitreisenden entpuppen sich als Händler, die euch Tipps für den Ackerbau geben und eure Ernte verkaufen. Denn die Insel ist zwar verlassen, aber nicht unbekannt, sodass sich immer wieder interessierte Käufer und im Laufe des Spiels auch immer mehr Händler auf das Eiland verirren.
Wer „Harvest Moon“ schon einmal gespielt hat, erlebt bei „Mein Inselparadies“ keine großen Überraschungen. Eure erste Aufgabe sollte es sein, den früheren Acker von Unkraut, Steinen und Baumstümpfen zu befreien. Sichel, Hammer und Axt sind schon genauso vorhanden, wie eine Hacke, mit der ihr den Boden pflügt. Und schon sehr schnell könnt ihr Samen bei angesiedelten Händlern kaufen, die ihr sät, fleißig gießt und nach einiger Zeit ernten könnt. Mit den Einnahmen, die ihr damit erzielt, kauft ihr dann noch mehr Samen, bekommt noch mehr Einkommen und werdet langsam immer wohlhabender.
Euer Geld könnt ihr natürlich auch in den Ausbau eures Wohnhauses und eurer Ställe stecken. Und damit Letzere nicht leer bleiben, solltet ihr auch Hühner, Kühe und Schafe kaufen. Diese brauchen natürlich jede Menge Aufmerksamkeit, sodass ihr sie auf dem Touchscreen streicheln oder bürsten solltet. Direkte Reaktionen zeigen eure Tiere darauf kaum, dafür könnt ihr euch über Eier, Milch und Wolle freuen, die euch ordentlich Geld einbringen. Vor allem wenn ihr euch auch noch eine Werkstatt bauen lasst, in der ihr eure Rohmaterialien selbst verarbeiten könnt. Ein guter Stoff bringt gleich noch mehr Kohle ein als bloße Wolle.
Je größer eure Farm wird und ihr eure Umgebung versorgen könnt, desto mehr Reisende wir es auch auf eure Insel ziehen. So lässt sich ein Zimmermann nieder, der euer Haus ausbaut. Und bei einem Händler könnt ihr sogar eure Werkzeuge aufrüsten lassen, was die Feldarbeit gleich erleichtert. Außerdem gibt es in jeder der vier Jahreszeiten ein Fest, bei dem ihr Kontakte knüpfen könnt. Ob ihr als Mädchen oder Junge spielt ist eure Wahl. Aber egal wofür ihr euch entscheidet: Ihr solltet auf jeden Fall Kontakte zum anderen Geschlecht knüpfen. Vielleicht werdet ihr euch schon bald verlieben und irgendwann läuten sogar die Hochzeitsglocken. Und wenn euch nach einem harten Erntetag irgendwann der Nachwuchs an der Haustür empfängt, ist das beschauliche Farmerleben perfekt.
Härteres Farmerleben
Wenn ihr Pflanzen anbaut, euer Vieh versorgt, Kontakte knüpft und eine Familie gründet, gibt es eigentlich genug für euch zu tun. Das Problem ist aber, dass die Serie weiter auf der Stelle tritt und einfach viel zu wenig Neues bietet. Es ist zwar interessant, dass sich das Dorf erst nach und nach mit neuen Bewohnern füllt, das hat aber zu wenig Auswirkung auf euer Farmerleben. Und auch der neue Anbau von Reis und Pilzen kann keine Abwechslung in das Spiel bringen, da er sich vom Anbau anderen Pflanzen im Grunde nicht unterscheidet. Und nicht einmal das Erforschen der Insel macht wirklich Spaß. Diese ist nämlich sehr klein und bietet mit einer Miene und Angelplätzen nichts, was es nicht schon in den Vorgängern gegeben hätte. Farmerneulinge werden von „Mein Inselparadies“ sicherlich fasziniert sein, für „Harvest Moon“-Veteranen gibt es aber zu wenig zu entdecken.
Während das Gameplay sich nicht weiterentwickelt hat, wurde die Steuerung komplett überarbeitet. Zum ersten Mal läuft sie fast vollständig über den Touchscreen ab. Das Problem daran: Was an sich gut klingt, sorgt in der Praxis für Ärger. Wenn ihr den Stylus über den Touchscreen zieht, damit eure Figur läuft, funktioniert das leider nicht so genau, wie eine präzise Bestellung des Feldes es verlangen würde. Außerdem ist die Verwaltung der Werkzeuge und eurer Ernte unglaublich umständlich ausgefallen. Mit einem falschen Klick kann es passieren, dass ihr eure Ernte neben die Warenbox werft und damit die ganze Arbeit des Tages vernichtet. Schnell werdet ihr euch wünschen, dass es eine alternative Tastensteuerung gäbe. Anstatt euch euer Farmerleben zu erleichtern, wird die Feldarbeit so nämlich sogar anstrengender.
Die neue Steuerung haben die Entwickler in den Sand gesetzt. Dafür wird die „Nintendo Wi-Fi Connection“ aber gut genutzt. Hier könnt ihr euch mit anderen Landwirten vergleichen und euch mit eurer Ernte, eurer Beliebtheit oder einfach eurer Schrittzahl Ränge verdienen. Das Ganze stärkt nicht nur euer Ego und kommt eurer Motivation zugute, sondern wird auch noch mit Kleinoden belohnt, die eure Werkzeuge aufbessern. Und zu guter Letzt gibt es auch noch einen Chat, in dem ihr euch mit anderen Spielern über die Bewirtschaftung von Farmen austauschen dürft.
Der Sound ist für ein „Harvest Moon“-Spiel ungewohnt unspektakulär. Die Musik ist gerade mal nett und eine Sprachausgabe fehlt nach wie vor. Dafür sieht die Grafik nun ein ganzes Stück besser aus. Im Gegensatz zum NDS-Vorgänger ist „Mein Inselparadies“ in 3D gehalten und wirkt farbenfroh und sympathisch. Reichlich Luft nach oben gibt es aber immer noch. So sehen die Charaktermodelle eher schwach aus und von Detailverliebtheit lässt sich auch nicht sprechen. Die Entwickler sollten sich beim nächsten Teil sehr darum bemühen, die Serie inhaltlich und technisch auf die Höhe der Zeit zu bringen.
Sascha Geldermann meint...
Als alter „Harvest Moon“-Fan habe ich mich auf der Insel gleich heimisch gefühlt. Trotz des neuen Settings ist die bewährte Mischung aus Pflanzenanbau, Tierversorgung und Kontakteknüpfen unverändert geblieben. Doch das ist natürlich auch der größte Schwachpunkt von „Mein Inselparadies“. Anstatt neue Wege einzuschlagen, bietet dieser Teil inhaltlich kaum Neues und wird Serienveteranen schnell langweilen. Wer Lust auf „Harvest Moon“ für unterwegs hat, sollte lieber zum fast inhaltsgleichen Vorgänger greifen. Der sieht zwar nicht ganz so gut aus, lässt dafür aber zumindest vernünftig steuern.
Als alter „Harvest Moon“-Fan habe ich mich auf der Insel gleich heimisch gefühlt. Trotz des neuen Settings ist die bewährte Mischung aus Pflanzenanbau, Tierversorgung und Kontakteknüpfen unverändert geblieben. Doch das ist natürlich auch der größte Schwachpunkt von „Mein Inselparadies“. Anstatt neue Wege einzuschlagen, bietet dieser Teil inhaltlich kaum Neues und wird Serienveteranen schnell langweilen. Wer Lust auf „Harvest Moon“ für unterwegs hat, sollte lieber zum fast inhaltsgleichen Vorgänger greifen. Der sieht zwar nicht ganz so gut aus, lässt dafür aber zumindest vernünftig steuern.

GRAFIK
Die Grafik ist deutlich besser als beim Vorgänger, es gibt aber noch reichlich Luft nach oben.
Die Grafik ist deutlich besser als beim Vorgänger, es gibt aber noch reichlich Luft nach oben.

SOUND
Die Musik ist nett, eine Sprachausgabe fehlt aber.
Die Musik ist nett, eine Sprachausgabe fehlt aber.

BEDIENUNG
Insgesamt ist die Steuerung zu umständlich.
Insgesamt ist die Steuerung zu umständlich.

UMFANG
Die Insel ist zwar enttäuschend klein, es gibt aber viel zu tun.
Die Insel ist zwar enttäuschend klein, es gibt aber viel zu tun.
SPIELSPASS
Bewährtes Spielprinzip mit Steuerungsproblemen.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Bewährtes Spielprinzip mit Steuerungsproblemen.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel