Cursed Mountain
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 13.09.2009
Über 7000 Meter Höhe. Der Gipfel ist nicht mehr fern, doch mein Sauerstoff wird immer knapper. Vorsichtig klettere ich eine Steilwand hoch, die unangenehm brüchig aussieht. Als ich oben wieder einen halbwegs trittsicheren Pfad betrete, fällt mein erster Blick auf einen toten Bergsteiger. Seine Flasche mit Sauerstoff kann ich jetzt wohl besser gebrauchen als er. Ich nähere mich ihm vorsichtig. Plötzlich ertönt ein furchterregender Schrei. Der Geist des toten Bergsteigers erscheint und versperrt mir den Weg. Ich mache mich bereit zum Gebet. Nur ein Fehler und ich werde hier mein eisiges Grab finden.
Horrortrip im Himalaya
Dramatische Szenen spielen sich bei „Cursed Mountain“ ab – und das nicht nur kurz vor dem Gipfel des 7818 Meter hohen Himalaya-Berges Chomolonzo. Vor wenigen Tagen begann der berühmte Bergsteiger Eric Simmons den Aufstieg, um nach seinem Bruder Frank zu suchen, der hier kurz zuvor bei der Bergung eines buddhistischen Artefakts verschollen war. Eric erklimmt den Gipfel anfangs noch ohne Sauerstoffgerät und kämpft sich nicht nur enge Pfade hinauf, sondern erforscht auch Dörfer, Klöster und Lagerplätze. Dabei trifft er nur sehr vereinzelt auf andere Menschen. Die meisten Orte wirken absolut ausgestorben und nur zurückgelassene Notizen und Tagebucheinträge geben Eric Informationen darüber, warum Einheimische und Bergsteiger spurlos verschwunden sind. Die eigentliche Geschichte wird zusätzlich durch einige Zwischensequenzen und bruchstückchenhafte Visionen vorangetrieben. Aus vielen mysteriösen Einzelteilen setzt somit nach und nach eine spannende Geschichte zusammen. Leider wird die Geschichte nicht so spannend inszeniert wird, wie sich es verdient hätte. Alle Sequenzen bestehen nämlich nur aus Standbildern. Schade ist auch, dass das Ende nicht auf alle offenen Fragen eine klare Antwort liefert.
Der größte Trumpf dieses Horrorspiels ist das unverbrauchte Setting. Anstatt euch durch Herrenhäuser oder mysteriöse Städte zu kämpfen, ersteigt ihr einen Berg vom Fuß bis zum Gipfel. Auf verschneiten Pfaden legt ihr Meter für Meter zurück, erklimmt Steilwände und sucht euch euren Weg durch Gletscherspalten. Einen angenehmen Kontrast dazu bieten die Dörfer und Klöster, mit ihren kleinen Häusern, Kellergewölben und Innenhöfen. Die Schauplätze bleiben durchweg interessant und bieten genug Variation. Allzu viele Erkundungsmöglichkeiten bieten sie aber nicht. Denn selbst wenn ihr euch in Dörfern recht frei bewegen könnt, verläuft euer Weg insgesamt doch sehr linear. Die Erforschung jedes Winkels wird aber immerhin mit weiteren Schriftstücken belohnt und wer fleißig Vasen mit seinem Eispickel zerdeppert, findet Räucherstäbchen, mit denen sich Eric an Altären heilen kann.
Außerdem halten alle Schauplätze auch Rätsel für den Bergesteiger bereit. Meistens geht es darum, versteckte Schlüssel zu finden, die am richtigen Ort eingesetzt neue Wege öffnen. Manchmal ist aber auch euer drittes Auge gefordert. Früh lernt ihr nämlich per Knopfdruck ins Bardo zu schauen – also in die Welt zwischen Leben und Tod. Hier werden Dinge sichtbar, die ihr sonst nicht sehen könntet. Mit dem dritten Auge tastet ihr euch unter anderem durch ein Labyrinth aus unsichtbaren Speeren oder macht magische Siegel sichtbar, die gebrochen werden müssen. Leider wiederholt sich aber sowohl die Schlüsselsuche als auch der Einsatz des dritten Auges zu oft. „Cursed Mountain“ gibt sich immer wieder durchaus Mühe, euch vor neue Aufgaben zu stellen, unter anderem wenn ihr durch das Neigen der Wii-Remote über Balken balancieren müsst, unterm Strich bietet das Rätseldesign aber doch zu wenig Abwechslung, zumal echte Kopfnüsse ganz fehlen.
Die Kraft des Gebetes
„Cursed Mountain“ ist ein Horrorspiel alter Schule. Das macht nicht nur die häufige Schlüsselsuche deutlich, sondern auch das gemächliche Spieltempo. Eric bewegt sich nur sehr langsam vorwärts, selbst wenn er rennt. Das ist bei einem Gipfelaufstieg mit kompletter Ausrüstung nur realistisch. Das langsame Tempo des Spiels begründet sich aber auch darin, dass euch nicht ein Gegner nach dem nächsten entgegen stürmt, sondern das die Geister toter Bergsteiger, Mönche und Einheimischer nur vereinzelt auftauchen. Freunde von Dauer-Action werden beim Chomolonzo-Aufstieg somit sicherlich nur wenig Spaß haben. Freunde gepflegter Horrorspiele kommen dafür umso mehr auf ihre Kosten. Sie sollte nur stören, dass Eric beim Auftauchen eines Geistes keine Chance hat, diesem aufzuweichen und zu flüchten. Da magische Wände die Wege versperren, bis ihr eure Gegner besiegt habt, kommt ihr an keinem Kampf vorbei.
Bei dem Kämpfen selbst bleibt euch aber eine ganze Reihe von Optionen. Grundlegend kann Eric mit seinem Eispickel nach den Geistern schlagen. Das funktioniert aber nur selten ohne selbst Schaden zu nehmen. Geschickter ist es, dass dritte Auge zu aktivieren. In dieser Sicht entfalten nämlich die magischen Aufsätze eures Eispickels ihre Macht, die sich im Spielverlauf finden und auch aufrüsten lassen. Mit den Aufsätzen schießt ihr Energiekugeln nach euren Gegnern oder greift mit einem Energieseil nach ihnen. In beiden Fällen zielt ihr bequem mit der Wii-Remote, deren Präzision auch bitter nötig ist. Schließlich weichen die Geister euren Angriffen oft aus und manchmal verschwinden sie sogar, um wenige Sekunden später hinter euch wieder aufzutauchen. Habt ihr eure Gegner geschwächt, wird ein rotes Siegel auf ihren Körpern aufleuchten. Nur könnt ihr sie entweder mit weiteren Angriffen vernichten oder auf das Siegel zielen und ein Gebet sprechen.
Die Gebete verlangen euch etwas Geschick ab. Bei einem Gelingen wird euer Gegner aber nicht nur vernichtet, sondern auch eure Lebensenergie etwas aufgefüllt. Diese Rituale laufen so ab, dass ihr mit Wii-Remote und Nunchuk vorgegebene Bewegungen nachahmt. Diese Art des Kämpfens ist packend und macht viel Spaß, leider gibt es aber ab und an Aussetzer bei der Bewegungserkennung. Gerade wenn ihr den Nunchuk nach vorne stoßen müsst, weigert sich das Spiel öfters mal, eure eigentlich richtige Bewegung anzuerkennen. Das Problem ist dabei nicht die Häufigkeit dieser Aussetzer - die sich in Grenzen hält - sondern deren Folgen. Eine nicht erkannte Bewegung lässt das ganze Gebet scheitern und eure Feinde bekommen eine gute Chance zum Angriff. Im unglücklichsten Fall kann ein solcher Aussetzer also tödlich sein. Das ist dann natürlich sehr ärgerlich, der Frust wird aber zumindest durch faire Rücksetzpunkte gemindert.
Neben den gelegentlichen Aussetzern hapert es genau wie bei den Rätseln auch bei der Abwechslung. Es gibt zwar verschiedene Gegnertypen, diese lassen sich aber an einer Hand abzählen. Dadurch laufen auch die Kämpfe immer wieder auf dieselbe Art und Weise ab, was auf Dauer etwas zu Ermüdungserscheinungen führt – und das nicht nur für eure Arme. Etwas frischen Wind bringen zwar beeindruckende Bosskämpfe ins den Horrortrip, aber selbst diese sind sich noch ein bisschen zu ähnlich. Die Kämpfe machen mit ihrer unverbrauchten Art viel Spaß, hätten auf lange Sicht aber einfach durch noch mehr Spielelemente aufgelockert werden müssen.
Der Geist in deiner Hand
Gut zehn Stunden solltet ihr für den Aufstieg bis zum Gipfel einplanen, was für ein Spiel dieses Genres ein guter Umfang ist. Anreize für weitere Ausflüge zum Chomolonzo gibt es aber nicht. Zusätzliche Modi fehlen genauso wie freispielbare Extras. Höchstens verpasste Schriftstücke könnten einen weiteren Aufstieg rechtfertigen. Aber auch wenn die Notizen interessante Schicksale und sehr gut recherchierte Informationen zum Buddhismus offenbaren, sind sie als Anreiz für weitere Durchgänge einfach nicht stark genug. Wenn ihr erschöpft auf dem Gipfel des Chomolonzo steht, werdet ihr glücklich sein und auf viele erinnerungswürdige Szenen zurückblicken können, ihr werdet euch aber auch schwören, diesen verfluchten Berg kein zweites Mal mehr zu betreten.
Ein Grund dafür, dass das Spiel überhaupt bis zum Gipfel motivieren kann, ist sicherlich auch die dichte Atmosphäre. Es liegt einfach immer etwas Mysteriöses und Bedrohliches in der Luft. Die Größe des Berges wird euch immer wieder durch eine wahnsinnige Weitsicht klargemacht, während euch Nebel und Schneegestöber an anderen Stellen die Sicht wiederum soweit rauben, dass ihr euch verloren fühlt. Die Gestaltung der Charaktere und Geister sind ebenfalls sehr gelungen. Nur die etwas steifen Animationen wären genauso vermeidbar gewesen, wie gelegentliche unsichtbare Wände, bei denen es sich nicht um magische Barrieren handelt.
Einen großen Beitrag zur Atmosphäre liefert auch die grandiose Soundkulisse. Die Musik erzeugt genau die richtige Spannung und die sehr gelungene deutsche Sprachausgabe vermeidet Untertitel als potenzielle Atmosphärekiller. Kein Sprecher fällt hier aus dem Rahmen, alle nehmen ihren Job sehr ernst. Am beeindruckendsten ist aber der Einsatz des Remote-Lautsprechers. Als ihr ein Funkgerät findet, empfangt ihr damit nämlich überraschend klare Stimmen. Und das Heulen der Geister erklingt hieraus näher, als es euch lieb ist.
Sascha Geldermann meint...
Auf dem Gipfel des Chomolonzo blicke ich dank beeindruckender Weitsicht nicht nur auf die vielen Stationen meines anstrengenden Aufstiegs zurück, sondern auch auf eine gruselige Spielerfahrung. Sauerstoffmangel und brüchige Steilwände habe ich genauso überlebt wie die unzähligen Geisterangriffe. Natürlich gab es Momente, in denen ich frustriert und von dem ganzen Aufstieg ermüdet war, die vielen mysteriösen Ereignisse und offenen Fragen haben mich aber Meter für Meter bis hier oben vorangetrieben
Auf dem Gipfel des Chomolonzo blicke ich dank beeindruckender Weitsicht nicht nur auf die vielen Stationen meines anstrengenden Aufstiegs zurück, sondern auch auf eine gruselige Spielerfahrung. Sauerstoffmangel und brüchige Steilwände habe ich genauso überlebt wie die unzähligen Geisterangriffe. Natürlich gab es Momente, in denen ich frustriert und von dem ganzen Aufstieg ermüdet war, die vielen mysteriösen Ereignisse und offenen Fragen haben mich aber Meter für Meter bis hier oben vorangetrieben

GRAFIK
Das Setting ist fantastisch und auch die Charaktermodelle überzeugen - wenn sich die Figuren nur nicht so steif bewegen würden.
Das Setting ist fantastisch und auch die Charaktermodelle überzeugen - wenn sich die Figuren nur nicht so steif bewegen würden.

SOUND
Die Sprachausgabe ist gelungen und der Lautsprecher-Einsatz trägt stark zur Atmosphäre bei.
Die Sprachausgabe ist gelungen und der Lautsprecher-Einsatz trägt stark zur Atmosphäre bei.

BEDIENUNG
In der Regel funktioniert die Steuerung sehr gut, hat bei den Kampf-Gesten aber gefährliche Aussetzer.
In der Regel funktioniert die Steuerung sehr gut, hat bei den Kampf-Gesten aber gefährliche Aussetzer.

UMFANG
Der Aufstieg dauert zehn Stunden. Extras oder Anreize für einen zweiten Durchgang gibt es nichz.
Der Aufstieg dauert zehn Stunden. Extras oder Anreize für einen zweiten Durchgang gibt es nichz.
SPIELSPASS
Mysteriöse Bergtour guter alter Horror-Schule.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Mysteriöse Bergtour guter alter Horror-Schule.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel