Lock´s Quest: Hüter der Welt
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 09.09.2009
Strategiespiele gibt es auf dem Nintendo DS viele. Doch während bei anderen Titeln dieses Genres meist ranghohe Generäle, stolze Feldherren oder ehrwürdige Könige ihre Truppen in die Schlacht schicken, liegt das Schicksal der Welt bei „Lock‘s Quest“ in der Hand eines jungen Mannes, der mehr Handwerker als Kämpfer ist. Wer hier seine Feinde zurückschlagen will, muss somit nicht nur mutig kämpfen, sondern auch klug bauen.
Architekt + Ingenieur = Archineur
Der junge Lock ist ein Archineur und vereint somit die Berufe des Architekten und Ingenieurs. Er entwirft also nicht nur neue Befestigungsanlagen, Fallen und Maschinen, sondern baut sie auch selbst. Damit gehört er zu dem Berufsstand, der langsam aber sicher die Industrialisierung in die ansonsten noch recht mittelalterliche Welt trägt. Dieser Fortschritt bringt viele Annehmlichkeiten mit sich, birgt aber natürlich auch Gefahren. So brachte vor vielen Jahren ein Archineur Tod und Verderben über die Welt, als er sie mit einer Armee aus mechanischen Kriegern, sogenannten Uhrwerkern, überrollte. Dieser berüchtigte Archineur, der als Lord Qual in die Geschichte einging, konnte damals in einer letzten großen Schlacht besiegt, aber nicht getötet werden. Und so hat er unbemerkt eine neue Armee auch seelenlosen Robotern aufgebaut, um seinen Eroberungsfeldzug endlich zu Ende zu bringen.
Lock wird in die Sache gezogen, als die Uhrwerker sein Heimatdorf angreifen und seine Familie in Gefahr bringen. Dieses Dorf ist für Lord Qual besonders interessant, weil dort ein großer Vorrat an Quells gelagert wird, was der natürliche Rohstoff in dieser Welt ist und für jedes Bauvorhaben benötigt wird. Fest entschlossen sein Dorf, seine Familie und den Quellvorrat zu verteidigen, muss Lock nun sein ganzes handwerkliches Geschick einsetzen und auch das Kämpfen lernen. Und die Schlacht um sein Heimatdorf ist nur die erste von vielen, denen sich Lock nun stellen muss.
Die Schlachten in „Lock´s Quest“ laufen in Echtzeit ab, wobei es meistens darum geht, einen bestimmten Ort zu verteidigen. Es muss zwischen zwei Phasen unterschieden werden, die sich innerhalb einer Schlacht immer wieder abwechseln. Zum einen gibt es die Bauphase, in der eure Feinde euch noch nicht erreicht haben und ihr Mauern, Fallen und Geschütze zur Verteidigung baut. Sobald eure Gegner angreifen, beginnt die Kampfphase. Dann müssen sich eure Feinde mit den Verteidigungsanlagen herumschlagen, während ihr sie mit Lock gleichzeitig angreifen könnt. Ist eine Angriffswelle niedergeschlagen, beginnt wieder eine Bauphase, in der ihr die Befestigungsanlagen repariert und erweitert. Mit dem Eintreffen der nächsten Angriffswelle, geht der Kampf weiter. Und so baut und kämpft ihr, bis ihr eure Feinde komplett zerschlagen oder ein Zeitlimit überstanden habt.
Bauen ist die beste Verteidigung
Der Touchscreen bietet im Baumodus viel Komfort. Mit ihm könnt ihr die gewünschten Mauern, Fallen und Maschinen mit einigen Klicks in übersichtlichen Menüs auswählen und mit dem Stylus direkt auf dem Schlachtfeld platzieren. Dabei müsst ihr aber immer den Quellvorrat im Auge behalten. Ihr könnt also nicht endlos Verteidigungsanlagen bauen, sondern müsst euch überlegen, welche Investitionen sinnvoll sind. Und auch das Zeitlimit wird euch den Schweiß auf die Stirn treiben. Es ist nicht leicht, in wenigen Minuten Verteidigungsanlagen zu bauen, die einer ganzen Armee standhalten müssen. Lasst euch also von der comichaften Grafik nicht täuschen: „Lock‘s Quest“ ist ein sehr forderndes Strategiespiel. Der Schwierigkeitsgrad steigt nach dem ausführlichen Tutorial sofort merklich an und verlangt von Schlacht zu Schlacht immer mehr von euch.
Mit der Zeit sammelt ihr nicht nur Quells, sondern auch Schrott. Diesen nutzt ihr, um in einem kleinen Minispiel neue Erfindungen zu bauen. Der obere Bildschirm zeigt euch ein Bild der fertigen Erfindung, während auf dem Touchscreen jede Menge Bauteile verstreut sind. Jetzt gilt es, sich genau an die Vorlage auf dem oberen Bildschirm zu halten, die richtigen Bauteile zu finden und diese auch korrekt aneinanderzusetzen. Das Ganze ist nicht besonders schwer, aber eine nette Auflockerung. Mit der Zeit werden eure Baumöglichkeiten durch die neuen Erfindungen immer komplexer, eure Mauern immer widerstandfähiger und eure Geschütze immer schlagkräftiger. Nur durch diese Weiterentwicklungen könnt ihr euren immer stärker werdenden Feinden überhaupt standhalten.
Die zweite Bauphase ist immer noch ein Stück stressiger als die erste. Zwischen zwei Kampfphasen müsst ihr zu einen nämlich erst einmal Bilanz ziehen: Wo konnten die Feinde gut abgehalten werden? Wo muss ich umbauen? - Und zum anderen dürft ihr auch die Reparatur nicht vernachlässigen. Eure Feinde versuchen die Befestigungseinlagen schließlich einzureißen, sodass ihr oft ganz schön schrauben müsst – was natürlich auch Quells kostet. Bei der Reparatur wird eine Schwäche des Spiels besonders deutlich, die auch beim Bauen nerven kann: Es lassen sich zwar alle Bauteile drehen, nicht aber die Perspektive. Die isometrische Ansicht zeigt euch das Geschehen zwar recht übersichtlich von schräg oben, immer wieder werden Gebäude aber von anderen, davor stehenden verdeckt. Eine drehbare Kamera wäre hier eigentlich Pflicht gewesen.
Die Steuerung läuft auch bei der Reparatur sehr einfach ab. Ihr müsst einfach nur das beschädigte Gebäude antippen und schon macht sich Lock bereitwillig an die Arbeit. Mit einer kleinen Minispieleinlage könnt ihr diese Arbeit sogar beschleunigen. Ihr müsst mit dem Stylus einfach einen Schalter mehrmals umlegen, während Lock schraubt. Solche Minispieleinlagen fließen auch in die Kämpfe ein. Zwar reicht ein Antippen der Gegner, damit Lock sie angreift, in diesem einfachen Fall richtet der junge Archineur aber nur wenig Schaden an. Mit ein bissen Geschicklichkeit könnt ihr dagegen mächtige Spezialangriffe ausführen. Dafür müsst ihr während eines Kampfes Zahlen auf dem Touchscreen in der richtigen Reihenfolge berühren, einen Schieber bewegen oder im wortwörtlichen Sinne am Rad drehen.
Im Vergleich zu den Bauphasen laufen die Kämpfe aber enttäuschend flach ab. Ihr greift eure Gegner mit fünf dieser Minispiel-Spezialangriffe an und zieht euch zurück, wenn eure Gesundheitsanzeige sinkt, um euch abseits automatisch zu regenerieren. Etwas mehr Taktik bringen gelegentlich einsetzbare Superfähigkeiten in die Kämpfe, mit denen ihr eure Gegner verlangsamt oder alle Bauwerke auf einem Schlag repariert. Aber auch diese Superfähigkeiten können selbst Schreinermeister an einer Hand abzählen. Im Gegensatz zu den so komplexen Bauphasen sind die Kämpfe einfach ein bisschen zu rudimentär und entwickeln sich im Spielverlauf zu wenig weiter. Dazu kommt, dass die Steuerung zwar einfach ist, in hektischen Kämpfen aber gelegentliche Wegfindungsprobleme des Helden unangenehm auffallen.
Vom Verteidiger zum Angreifer
Zwischen der Verteidigung des Heimatdorfes und der Endschlacht liegen zahlreiche Kämpfe. „Lock´s Quest“ bietet mit rund 20 Stunden Strategie auf jeden Fall einen ordentlichen Umfang. Und wenn ihr einen Freund ebenfalls zum Kauf dieses Spiels überreden könnt, dürft ihr noch einmal viele Stunden oben drauflegen. In den Mehrspieler-Schlachten baut ihr wie im Hauptspiel Befestigungsanlagen und hetzt eurem Gegner zusätzlich als Angreifer auch noch Uhrwerker auf den Hals. Taktisches Vorgehen ist auch hier Pflicht. Schließlich verbraucht ihr eure Quells sowohl für die Verteidigungsanlagen als auch für die Uhrwerker. Getrübt wird die Mehrspieler-Freude allerdings durch das Fehlen eines Einzelkartenspiels. Euer Gegner braucht auf jeden Fall eine eigene Cartridge. Außerdem werden Multiplayer-Strategen einen Online-Modus vermissen.
Technisch macht „Lock’s Quest“ einen guten Eindruck. Die Musik passt stets zum Geschehen und untermalt die Schlachten stimmungsvoll. Den Dialogen der Story hätte aber eine Sprachausgabe gut getan. Die Grafik ist in einem einfachen aber sympathischen Stil gehalten. So kritisieren wäre höchstens, dass der eher niedliche Comiclook über den Inhalt hinwegtäuscht: Diese Strategiespiel bietet nämlich ein sehr anspruchsvolles Gameplay und eine Geschichte, in der die Schrecken des Krieges und die Angst vor Vertreibung lebendig werden. Macht also bitte nicht den Fehler, „Lock’s Quest“ als Kinderspiel abzustempeln.
Sascha Geldermann meint...
Bei so einer niedlichen Comicgrafik hatte ich von „Lock’s Quest“ eher seichte Strategie erwartet. Doch schnell gewinnt das Bauen von Verteidigungsanlagen an Komplexität und die Schlachten an strategischem Anspruch. Als Archineur fühle ich mich beim Bauen, Reparieren und Erfinden angenehm gefordert. Schade nur, dass die eigentlichen Kämpfe in Sachen Komplexität und Entwicklung nicht ansatzweise an die Bauphasen herankommen – dann wäre nämlich trotz starker Konkurrenz auch der Weg zum Genrethron nicht mehr unerreichbar gewesen.
Bei so einer niedlichen Comicgrafik hatte ich von „Lock’s Quest“ eher seichte Strategie erwartet. Doch schnell gewinnt das Bauen von Verteidigungsanlagen an Komplexität und die Schlachten an strategischem Anspruch. Als Archineur fühle ich mich beim Bauen, Reparieren und Erfinden angenehm gefordert. Schade nur, dass die eigentlichen Kämpfe in Sachen Komplexität und Entwicklung nicht ansatzweise an die Bauphasen herankommen – dann wäre nämlich trotz starker Konkurrenz auch der Weg zum Genrethron nicht mehr unerreichbar gewesen.

GRAFIK
Der Stil ist einfach gehalten aber symphatisch.
Der Stil ist einfach gehalten aber symphatisch.

SOUND
Stimmungsvolle Musik untermalt das Geschehen. Eine Sprachausgabe fehlt indessen.
Stimmungsvolle Musik untermalt das Geschehen. Eine Sprachausgabe fehlt indessen.

BEDIENUNG
Die Steuerung funktioniert einfach und komfortabel. Ab und zu gibt es aber Wegfindungsprobleme.
Die Steuerung funktioniert einfach und komfortabel. Ab und zu gibt es aber Wegfindungsprobleme.

UMFANG
20 Stunden Story und der Mehrspieler-Modus beschäftigen lange. Online-Funktionen gibt es aber nicht.
20 Stunden Story und der Mehrspieler-Modus beschäftigen lange. Online-Funktionen gibt es aber nicht.
SPIELSPASS
Trotz Comicgrafik überraschend anspruchsvolle Strategie.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Trotz Comicgrafik überraschend anspruchsvolle Strategie.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel