Mushroom Men - Der Sporenkrieg
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 13.08.2009
Als ein grüner Meteorit in der Erdatmosphäre zersplittert und die Erde mit grünem Staub bedeckt, geben unsere Forscher Entwarnung: Dieser Weltraumstaub habe keine Auswirkungen auf Lebewesen. Doch unbemerkt von den Menschen beginnen Pilze ein Bewusstsein zu entwickeln und das Gehen, Sprechen und Denken zu lernen. Dabei bauen nicht alle Spezies so friedliche Zivilisationen auf wie die Morcheln. Als die giftigen Wulstlinge und Schirmlinge nach der Macht greifen, kommt es zum Krieg. In diesen gerät auch der junge Röhrling Pax, der euch wie ein Magic Mushroom mit auf einen skurrilen Trip nimmt.
Mikrokosmos ohne Grenzen
Die Welt von „Mushroom Men“ ist faszinierend, da sie einen eigenen Mikrokosmos in unserer bekannten Welt zeigt. Dabei benutzen die Pilze den menschlichen Müll, um ihre Städte zu bauen. Hier werden Spielkarten zu Wänden, Puppen zu Blockaden und Fernsehgeräte zu Abwehrmechanismen. Da Pax sich in ein waschechtes Action-Adventure stürzt, spielt auch die Erkundung der weitläufigen Areale eine wichtige Rolle, was sich dank dieses faszinierenden Settings durchgehend interessant und überraschend gestaltet. Zumal auch die Bewohner dieser Welt eine gewisse Faszination ausüben. Pax trifft auf seiner Reise erfindungsreiche Morcheln, Ninja-Shiitake, mutierte Hasen und redewillige Pflanzen, die mit ihrem Gestrüpp Wege bewachen.
Pax selbst befindet sich auf einer rastlosen Wanderung. Sein Stamm wurde ausgelöscht und seine Heimat zerstört. Und auch wenn der junge Röhrling eigentlich kein bestimmtes Ziel hat, muss er schnell erkennen, dass er ein ganz besonderes Schicksal zu erfüllen hat. Als einziger Pilz kann er nämlich die Splitter des grünen Meteoriten absorbieren, die überall in der Welt verteilt sind und die ihn stärker machen. Warum Pax diese außergewöhnliche Gabe besitzt, enthüllt sich erst nach und nach. Die Geschichte ist damit durchaus spannend und hält einige Überraschungen bereit.
Der Erkundungstrieb des Röhrlinges wird kaum eingeschränkt. Alle neun Levels des Spiels sind recht offen, sodass ihr unter anderem einen großen Geräteschuppen und einen Wohnwagen einfach auf eigene Faust erkunden dürft. In jedem Level sind zwar feste Ziele vorgegeben, in welcher Reihenfolge ihr sie erledigt, liegt aber ganz allein bei euch. Dabei verschließen sich euch auch hochgelegene Orte nicht. Pax verfügt nämlich über eine ordentliche Sprungkraft und kann dank seines Pilzhutes sogar einige Zeit durch die Luft gleiten, was euch viele Wege eröffnet und eine gute Portion Jump&Run in dieses Action-Adventure bringt.
Später im Spiel erhält der Pilz auch noch die „Klebrige Hand“, die euch vielleicht als Kinderspielzeug oder Gimmick diverser Zeitschriften bekannt ist. Diese klebrige Gummihand kann Pax wie einen Enterhaken benutzen, um sich binnen Sekunden vom Boden der Tatsachen auf Motorräder, Tische und andere hochgelegene Flächen zu schwingen. Getrübt wird euer Wille zur Erforschung höchstens von der zickigen Kamera, die ihr schnell verdächtigen werdet, euch mit voller Absicht das Geschehen immer wieder aus dem denkbar ungünstigsten Winkel zu zeigen. Zwar ist das halb so schlimm, weil sich die Kamera per Steuerkreuz auch jeder Zeit nachjustieren lässt, nervig ist das auf Dauer aber trotzdem.
Der MacGyver unter den Pilzen
Wenn es viel zu erkunden gibt, dürfen natürlich auch die passenden Anreize nicht fehlen. Von diesen gibt es bei „Mushroom Men“ wahrlich genug. So haltet ihr nicht nur nach Meteoritensplittern Ausschau, sondern auch nach Gegenständen, die Boni wie Minispiele oder Konzeptzeichnungen freischalten. Und darüber hinaus ist auch der Waffenbau ein wichtiges Element dieses Spiels. Im Waffenmenü rüstet ihr euch nicht nur mit bereits gebauten Waffen aus, deren Stärke anhand von Sternen angezeigt wird, sondern bekommt auch die komplette Übersicht darüber, welche Waffen noch gebaut werden können. Das gestaltet sich sogar so komfortabel, dass bei allen 25 Waffen gezeigt wird, welche benötigten Gegenstände ihr schon besitzt, welche noch fehlen und welche fehlenden Bauteile ihr im aktuellen Level finden könnt. So baut sich Pax in bester MacGyver-Manier aus einem Bleistift, einem Kaugummi und einer Scherbe eine Glaskeule. Und wenn ihr einen Laserpointer, eine Büroklammer und eine Murmel zusammenbringt, erhaltet ihr sogar ein erstklassiges Lichtschwert.
Taktik kommt dadurch in die Kämpfe, dass es mit Hieb-, Stich- und Schlagwaffen sowie munitionsschluckenden Radikalkonstruktionen verschiedene Waffentypen gibt, die sich in ihrer Handhabung leicht unterscheiden und die damit auch gegen unterschiedliche Gegner effektiv sind – zumindest in der Theorie. Dass die Waffenwahl in der Praxis nur wenig Auswirkung hat und die Kämpfe recht hektisch ablaufen, liegt an der Steuerung. Während alle anderen Aktionen leicht von der Hand gehen, werden Nahkampfangriffe nämlich durch das Schütteln der Remote ausgeführt, was natürlich weder besonders präzise noch besonders intuitiv ist. Selten hat etwas den oft gehörten Vorwurf der Fuchtel-Steuerung so verdient, wie diese Kämpfe.
Abseits dieser Angriffe stellt Pax aber auch noch unter Beweis, dass er wirklich ein Magic Mushroom ist. Er kann nämlich sogenannte Sporenkräfte einsetzen, mit denen ihm der Sieg bei „The Next Uri Geller“ gewiss wäre. Mit Sporenkinese kann der kleine Pilz selbst große Objekte bewegen, während er mit Sporenwillen Pflanzen kontrollieren und mit Sporenstrafe geschwächten Gegnern den Todesstoß geben kann. Diese Kräfte lassen sich geschickt im Kampf nutzen. So kann Pax einem Kampf mit einem recht starken Hase ausweichen, indem er einfach mit Sporenkinese einen Ventilator auf ihn kippen lässt. Die Gewaltdarstellung hält sich bei „Mushroom Men“ übrigens ins Grenzen. Obwohl die Welt mit ihren Müllstädten und kriegerischen Pilzen skurril und dunkel ist, haben die Entwickler auf richtig harte Gewaltszenen verzichtet – was der dichten Atmosphäre aber nicht schadet.
Während die vielen kleinen Kämpfe aufgrund der Fuchtel-Angriffe nur wenig mitreißen können, kommt bei den Bosskämpfen richtig Freude auf. Diese besonders harten Auseinandersetzungen mit mutierten Tieren und aggressiven Pilzen verlangen Pax nämlich alle eine eigene Strategie ab. Nur wer seine Umgebung geschickt nutzt und die Sporenkräfte richtig einzusetzen weiß, wird diesen Gegnern bekommen können. Dabei ist kein Bosskampf wie der andere, was zusammen mit den vielen kleinen Kämpfen, der Erforschung, dem Waffenbau und den Jump&Run-Einlagen für Spielstunden randvoll mit Abwechslung sorgt.
Stilsicher und voller Ideen
Langeweile hat bei „Mushroom Men“ keinen Platz. Dass dem Gameplay die Luft bis zum Abspann nicht ausgeht, liegt aber leider nicht nur an dem abwechslungsreichen Gameplay, sondern auch an dem enttäuschenden Umfang. Nach sechs Stunden ist das Abenteuer nämlich auch schon wieder vorbei. Anreize für eine weitere Beschäftigung mit dem Spiel bieten aber zumindest viele Boni, darunter auch nette Minispiele. Außerdem lassen sich alle bereits absolvierten Levels noch einmal erkunden, wobei sich sicherlich auch noch der eine oder andere übersehene Gegenstand finden lässt. Oder ihr zeigt einem anderen Spieler diesen Titel. Einen richtigen Mehrspieler-Modus gibt es zwar nicht, dafür kann euch ein Mitspieler ähnlich wie bei „Super Mario Galaxy“ mit dem Einsatz von Sporenkräften oder Heilmanövern unter die Arme greifen.
Die Präsentation von „Mushroom Men“ ist über jeden Zweifel erhaben. Das liegt zum einen am interessanten dunklen Stil, bei dem auch immer wieder die Kreativität der Entwickler durchschimmert. So ist allein schon das Hauptmenü keine starre Übersicht, sondern komplett spielbar. Und auch der Sound stimmt. Es ist zwar schade, dass die Pilze ein eigensinniges Gebrabbel von sich geben und auf eine richtige Sprachausgabe verzichtet wurde, dafür lädt der Jazz- und Funk-Sound aber immer wieder dazu ein, die Füße beim Spielen mitwippen zu lassen.
Auch bei der Grafik haben die Entwickler keine halben Sachen gemacht. Die Texturen sind überraschend scharf, die Weitsicht enorm und die Lichteffekte an manchen Stellen einfach nur beeindruckend. Dazu kommt eine angenehme Detailverliebtheit. Alle Charaktermodelle sehen detailliert aus und in den Levels lassen sich jede Menge interessante Kleinigkeiten und der ideenreiche Einsatz von menschlichem Müll als Baumaterial entdecken. Da werdet ihr über die gelegentlichen Clipping-Fehler gerne hinwegsehen. In Sachen Grafik stellt „Mushroom Men“ damit die meisten anderen Wii-Spiele ganz locker in den Schatten seines Pilzhutes.
Sascha Geldermann meint...
Als „Bad Trip“ lässt sich meine Reise mit dem Magic Mushroom Pax auf keinen Fall bezeichnen. Das Mikrokosmos-Setting bot mir schließlich viel Raum für interessante Erkundungen, bei denen mich der abwechslungsreiche Genre-Mix überraschend gut unterhalten konnte. „Mushroom Men“ ist sicherlich kein fehlerfreies Spiel, aber definitiv ein sehr gutes Action-Adventure, dem jeder Core-Gamer trotz oder gerade wegen des außergewöhnlichen Stils eine Chance geben sollte.
Als „Bad Trip“ lässt sich meine Reise mit dem Magic Mushroom Pax auf keinen Fall bezeichnen. Das Mikrokosmos-Setting bot mir schließlich viel Raum für interessante Erkundungen, bei denen mich der abwechslungsreiche Genre-Mix überraschend gut unterhalten konnte. „Mushroom Men“ ist sicherlich kein fehlerfreies Spiel, aber definitiv ein sehr gutes Action-Adventure, dem jeder Core-Gamer trotz oder gerade wegen des außergewöhnlichen Stils eine Chance geben sollte.

GRAFIK
Die beeindruckende Grafik und das tolle Setting erzeugen eine packende Atmosphäre. Es gibt aber gelegentliche Clipping-Fehler.
Die beeindruckende Grafik und das tolle Setting erzeugen eine packende Atmosphäre. Es gibt aber gelegentliche Clipping-Fehler.

SOUND
Der Soundtrack ist gelungen, eine Sprachausgabe gibt es aber nicht.
Der Soundtrack ist gelungen, eine Sprachausgabe gibt es aber nicht.

BEDIENUNG
Insgesamt ist die Steuerung sehr intuitiv. Nur die Fuchtelkämpfe sind zu unpräzise.
Insgesamt ist die Steuerung sehr intuitiv. Nur die Fuchtelkämpfe sind zu unpräzise.

UMFANG
Das Abenteuer ist nicht besonders lang, bietet aber zumindest viele Boni.
Das Abenteuer ist nicht besonders lang, bietet aber zumindest viele Boni.
SPIELSPASS
Abwechslungsreiches Abenteuer mit interessantem Setting.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Abwechslungsreiches Abenteuer mit interessantem Setting.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel