Virtua Tennis 2009
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 07.08.2009
Vor zehn Jahren erblickte „Virtua Tennis“ das Licht der Videospielwelt, um erst auf der Dreamcast und später auch auf anderen Konsolen unzählige Zocker für virtuelles Tennis zu begeistern. Passend zum Erscheinen von MotionPlus feiert die Serie nun ihr Wii-Debüt. Können sich Wii-Besitzer nun endlich über eine realistische Tennissimulation freuen?
MotionPlus macht den Unterschied
Auf Wii geben sich 23 Profispieler die Ehre. Bei den Herren kämpfen unter anderem die virtuellen Abbilder von Rafael Nadal, Roger Federer und Tommy Haas um den Sieg, während sich bei den Damen nicht minder berühmte Namen wie Venus Williams, Ana Ivanovic und Maria Scharapowa finden. Neben den aktuellen Größen des Tennissports bereichern aber auch noch Boris Becker und zwei Fantasiegestalten die Spielerauswahl – diese besonderen Profis müssen aber erst freigespielt werden.
Im Hauptmenü sollten sich Serienveteranen sofort heimisch fühlen. Aber auch Neulinge werden sich hier schnell zurechtfinden, da es sehr übersichtlich aufgebaut ist. Damit stellt das Hauptmenü bei „Virtua Tennis 2009“ aber leider eine Ausnahme da. Die Untermenüs leider nämlicher unter einer unnötigen Umständlichkeit. Vor jeder Übung und vor jedem Spiel muss nämlich erst einmal festgelegt werden, ob ihr mit der Standartsteuerung oder mit Wii MotionPlus spielen wollt. Da diese Angaben nie gespeichert werden, sind diese Einstellungen immer und immer wieder nötig. Noch nerviger wird es für MotionPlus-Benutzer innerhalb der eigentlichen Übungen und Spiele. Vor wirklich jedem Schlag einer Übung und jedem Aufschlag eines Matches müssen diese nämlich erst einmal auf eine Zielmarkierung zeigen, bevor es weitergeht. Das trübt den Spielfluss auf unangenehme Weise und wäre mit Sicherheit deutlich komfortabler zu lösen gewesen.
Ob ihr mit Wii MotionPlus spielt oder nicht, hat großen Einfluss auf das Gameplay. Entscheidet ihr euch für die Standard-Einstellung ohne die neue Zusatzperipherie, geht es recht klassisch zur Sache. Dann entscheidet nämlich weniger euer konkreter Schlag über die Flugrichtung und Stärke des Balles, sondern vielmehr das Timing. Hilfestellung gibt dabei eine Leiste über eurem Spieler, bei der ein Balken von links nach rechts läuft und damit die Entfernung des Balles anzeigt. Bei einem frühen Schlag fliegt der Ball nach links, bei einem späten spielt ihr ihn nach rechts. Mit Realismus hat dieser Reaktionstest natürlich wenig zu tun. Dennoch funktioniert diese Art der Steuerung ganz gut, auch wenn ihr euch manchmal mehr Genauigkeit wünschen werdet.
Mit Wii MotionPlus spielt sich „Virtua Tennis 2009“ ganz anders. Hier gibt es keinen Balken und auch keinen Reaktionstest. Im Gegensatz zu Standard-Steuerung werden auch keine Knöpfe benötigt, um einen Lob zu spielen. Hier läuft alles über Bewegungen ab, mit denen ihr Flugrichtung und Stärke des Balles bestimmt. Das fühlt sich deutlich intuitiver an, läuft aber nicht so realistisch ab, wie ihr es euch vielleicht erhofft habt. Die Schläge werden nämlich keinesfalls 1:1 umgesetzt und erfolgen mit einer deutlichen Verzögerung. Anstatt eurer genauen Bewegung werden eben nur die Art und die Stärke des Schlages erkannt. Drehungen des Handgelenks oder andere Feinheiten berücksichtigt das Spiel hingegen nicht. Manchmal ist die Erkennung sogar hierbei noch etwas ungenau und schwache Schläge werden gelegentlich sogar gar nicht erkannt. Wer einen Realismus wie bei „Tiger Woods PGA Tour 10“ erwartet hat, wird daher enttäuscht sein. Dennoch muss deutlich gesagt werden, dass sich „Virtua Tennis 2009“ trotz fehlendem Realismus gut steuern lässt und Wii MotionPlus durch ein intuitiveres Spielgefühl eine Bereicherung darstellt.
Bei beiden Steuerungsvarianten steht es euch frei, ob ihr den Nunchuk anschließt oder nicht. Die Folgen eurer Entscheidung liegen auf der Hand. Mit Nunchuk könnt ihr die Spieler selbst steuern und habt alles voll unter Kontrolle. Wer nur mit Wii-Remote spielt, kann sich hingegen voll und ganz auf die Schläge konzentrieren, während sich die Spieler automatisch bewegen. Da die Charaktere dabei gut agieren und immer bemüht sind, die Bälle noch zu erreichen, kann Anfängern das Spielen ohne Nunchuk durchaus ans Herz gelegt werden.
Gegen Tennisprofis und Piraten
Bei der Modiauswahl bleibt „Virtua Tennis 2009“ konservativ und führt keine wirklichen Erneuerungen ein. Obwohl das schade ist, wird aber dennoch alles geboten, was sich das Tennisherz wünschen kann. Im Mittelpunkt steht wie immer der Karriere-Modus. Bei dieser „World Tour“ erstellt ihr euch einen eigenen Spieler, der als Amateur beginnt und sich immer weiter nach oben spielt, bis er in den großen Turnieren um den Titel kämpfen kann.
An der Tagesordnung eurer Tenniskarriere stehen aber nicht nur bloße Matches. Ihr könnt eure Preisgelder im Tennisshop auch in neue Kleidung investieren oder euch in der Tennisakademie wertvolle Tipps holen. Alle Schläge werden natürlich auch in einem Tutorial erklärt und können dort geübt werden - hier in der Akademie lernt ihr dann aber auch noch die Feinheiten. Desweiteren stehen auch wieder die Platzspiele an, für die die Serie berühmt ist. In diesen außergewöhnlichen Minispielen trainieren die Spieler ihre Fähigkeiten und können dabei ihre Schläge oder ihre Beinarbeit verbessern. Dadurch kommt jede Menge Abwechslung in die Karriere, die somit auch viele Stunden motivieren und mitreißen kann. In diesem Punkt war „Virtua Tennis“ schon immer faszinierend und das ändert sich auch beim Wii-Debüt nicht.
Die zwölf Platzspiele haben mit den ernsten Matches kaum etwas gemeinsam. Beim „Schiffe versenken“ schlagt ihr zum Beispiel die Geschosse von Piratenschiffen zurück, um diese damit zu versenken. „Eingelocht“ wiederum verlangt von euch das gezielte Einlochen von riesigen Kugeln auf einem überdimensionalen Billardtisch, wobei die weiße Kugel natürlich nicht mit einem Queue gespielt, sondern mit einem Schläger aufs Feld geschleudert wird. Ohne Tennisschläger räumt ihr dagegen beim „Kaufrausch“ ab. Hier rennt ihr nämlich über den Platz und sammelt Gegenstände ein. Dabei werdet ihr mit riesigen Tennisbällen beschossen, denen ihr ausweichen müsst – was natürlich vor allem der Beinarbeit eures Spielers zugutekommt.
Abseits der Karriere stehen diese Platzspiele auch im Modus „Spielen“ zur Auswahl. Dieser Modus ist für schnelle und unkomplizierte Matches geeignet – von der umständlichen Menüführung einmal abgesehen. Neben den Platzspielen könnt ihr euch hier auch in einfachen Matches oder in Turnieren austoben. Außerdem gibt es auch eine Arcade-Herausforderung, bei der ihr mehre Kontrahenten hintereinander besiegen müsst. Mehrspielerfreunde können die Matches und viele der Platzspiele natürlich auch mit bis zu vier Freunden bestreiten – wobei gerade beim Spielen mit Wii MotionPlus aber genug Platz vor dem Fernseher vorhanden sein sollte.
Und wer in seinem näheren Umfeld niemanden für Tennis begeistern kann, begibt sich einfach online auf Gegnersuche. Per Freundescodes ladet ihr hier bestimmte Spieler zu einem Match ein. Ihr könnt aber auch gegen Fremde antreten, wobei das Spiel euren Ranglisten-Platz berücksichtigt und einen Gegner auf eurem Niveau ermittelt. Und wer nach Medaillen strebt, kann sogar bei einer „SPT Online Tour“ mitmachen. Diese dauert eine Woche in Echtzeit, in der ihr an so vielen Spielen teilnehmen könnt wie ihr wollt. Der Spieler, der innerhalb dieser Woche die meistens Tour-Punkte sammelt, wird dann durch eine Medaille ausgezeichnet – bevor dann sofort die nächste Tour beginnt.
Erinnerungen an die Dreamcast
Freunde von Statistiken können sich fast genauso austoben wie Tennisfans. Unter dem Menüpunkt „Mein Virtual Tennis“ erhaltet ihr nämlich alle relevanten Infos wie die Anzahl eurer Siege und eurer Niederlagen. Und auch jede Menge weniger relevante Details lassen sich hier nachlesen. Das beginnt von der Zahl eurer Fehler, geht über die Gesamtspielzeit und endet bei einer Ausführung darüber, wie oft ihr welchen Schlag benutzt habt.
Freunde von technisch einwandfreien Spielen haben dagegen weniger zu lachen. „Virtual Tennis 2009“ sieht nämlich gerade mal solide aus. Während die Charaktere selbst noch sehr gelungen sind, wirken ihre Animationen gelegentlich seltsam abgehackt. Außerdem befinden sich die Texturen nicht mehr auf der Höhe der Zeit und erinnern eher an die Dreamcast, auf der die Serie ja ihren Anfang nahm. Darüber hinaus trüben auch noch Kantenflimmern und sogar leichte Einbrüche der Framerate das Gesamtbild. Hier wurde eindeutig geschlampt.
Über eine solide Leistung kommt auch der Sound nicht hinaus. Der Kommentator macht noch einen sehr guten Job, wobei er aber auch nicht besonders viel zu sagen hat. Er kommentiert die Spiele schließlich nicht ausführlich, sondern sagt lediglich die Punktezahlen an und nennt den Spieler, der den Aufschlag hat. Die Soundeffekte selbst sind recht durchschnittlich. Das Stöhnen der Spieler und der Applaus des Publikums tragen zwar deutlich zu Atmosphäre bei, klingen oft aber wenig realistisch. Der Tiefpunkt wird dann bei der Musik der Menüs erreicht, deren beste Eigenschaft es eindeutig ist, dass sie sich bei den Optionen ausschalten lässt.
Sascha Geldermann meint...
Schon auf der Dreamcast habe ich „Virtua Tennis“ geliebt und daran ändert sich auch auf Wii nur wenig. Neben den abwechslungsreichen Platzspielen konnte mich vor allem die Karriere wieder total mitreißen – und das, obwohl ich mich für reales Tennis eigentlich gar nicht interessiere. Etwas enttäuscht bin ich trotz unterhaltsamer Stunden aber dennoch, was ausgerechnet an der Steuerung liegt. Mit Wii MotionPlus spielt sich „Virtua Tennis 2009“ zwar wirklich gut und auch deutlich intuitiver als mit der ebenfalls funktionierenden Standard-Steuerung – der von mir erhoffte Realismus wird damit aber nicht geboten.
Schon auf der Dreamcast habe ich „Virtua Tennis“ geliebt und daran ändert sich auch auf Wii nur wenig. Neben den abwechslungsreichen Platzspielen konnte mich vor allem die Karriere wieder total mitreißen – und das, obwohl ich mich für reales Tennis eigentlich gar nicht interessiere. Etwas enttäuscht bin ich trotz unterhaltsamer Stunden aber dennoch, was ausgerechnet an der Steuerung liegt. Mit Wii MotionPlus spielt sich „Virtua Tennis 2009“ zwar wirklich gut und auch deutlich intuitiver als mit der ebenfalls funktionierenden Standard-Steuerung – der von mir erhoffte Realismus wird damit aber nicht geboten.

GRAFIK
Die Charaktermodelle sind gelungen. Das Kantenflimmern und das Ruckeln wären aber vermeidbar gewesen.
Die Charaktermodelle sind gelungen. Das Kantenflimmern und das Ruckeln wären aber vermeidbar gewesen.

SOUND
Der Kommentator ist sehr gut, aber die Musik nervt.
Der Kommentator ist sehr gut, aber die Musik nervt.

BEDIENUNG
Die Steuerung funktioniert vor allem mit MotionPlus gut, könnte aber noch etwas genauer und sehr viel realistischer sein.
Die Steuerung funktioniert vor allem mit MotionPlus gut, könnte aber noch etwas genauer und sehr viel realistischer sein.

UMFANG
Es werden interessante Modi inklusive Online-Part geboten.
Es werden interessante Modi inklusive Online-Part geboten.
SPIELSPASS
Unterhaltsames Tennis, das aber beim Realismus enttäuscht.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Unterhaltsames Tennis, das aber beim Realismus enttäuscht.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel