Harry Potter und der Halbblutprinz
Artikel verfasst von Aljoscha Reuther am 16.07.2009
Harry Potter - jeder dürfte ihn kennen. Die Geschichten um den jungen Zauberer aus England haben die Welt im Sturm erobert und sich zu einer wahren Goldgrube entpuppt. Die Bücher sind abgeschlossen, und der vorletzte Film kommt nun in unsere Kinos: Harry Potter und der Halbblutprinz. Und natürlich, wie sollte es bei einem Kinoereignis sonst sein, gibt es auch ein passendes Spiel gleichen Namens dazu. Doch was bringt uns der Ausflug in die Zauberschule, in der wir unsere Wii-Fernbedienung als Zauberstab und als Besen nutzen können?
Expeliirgendwas
Eigentlich ist es jedes Mal das Selbe. Das Schuljahr fängt an, irgendwas ist passiert, Harry muss es wieder geradebiegen, und... nun, irgendjemand Stirbt während des Kampfes. Dass ich damit kaum etwas von der Geschichte verrate, ist wohl offensichtlich. Aber bleiben wir beim Spiel. Electronic Arts schickt uns wieder in die Zauberschule Hogwarts, um einmal wieder das Gemäuer von innen zu betrachten.Das ganze Spiel fängt auch recht viel versprechend an. Wir finden uns bei den Weasleys, zusammen mit Ron, Hermine und Ginny. Dann geht es auch schon recht schnell los, im Zuge eines "Quidditch-Trainings" schwingen wir uns das erste Mal auf den Besen, der auch prompt unseren Bewegungen gehorcht. Wir zeigen mit der Fernbedienung auf den Schirm, und der Besen fliegt uns in diese Richtung, immer einem kleinen goldenen Ball namens "Schnatz" hinterher. Dabei müssen wir durch sternförmige Tore fliegen, um unser (nicht angezeigtes) Zeitlimit wieder aufzufüllen - und so weiter. Nach dieser doch recht guten Flugeinlage geht es nach einer kurzen Unterhaltung direkt weiter mit dem ersten Zauber, einem Zauber mit dem man Gegenstände anheben kann.
Lange rede kurzer Sinn: eine gute und auch spaßige Einführung, denn das Spiel ist hier noch simpel gestrickt. Seltsamerweise ist das aber auch leider der einzige Punkt, an dem das Spiel verständlich ist. Denn von nun an werden Zeitsprünge in Hülle und Fülle gemacht, eine Sekunde nachdem wir uns noch beim Haus der Weasleys mit unseren Freunden unterhalten haben, finden wir uns schon im Zug Richtung Hogwarts wieder. Was ist in der Zwischenzeit passiert? Keine Ahnung - Erklärungen bleiben aus. Das kommt im ganzen Spiel vor, stellenweise werden sogar wichtige Erklärungen ausgelassen.
Direkt nach dieser Zwischensequenz geht es erstmal nach Hogwarts hoch - zusammen mit unserer späteren Freundin - und dann zum Zaubertrankunterricht, eine weitere recht spaßige Angelegenheit im Spiel. Nach und nach nehmen wir uns die Zutaten und kippen sie in den Kessel, bis der Trank eine bestimmte Farbe erreicht hat. Bei späteren Tränken müssen wir auch einmal umrühren oder den Trank noch weiter erhitzen.
Um dann den letzten Part des Spieles einzuleiten, geht es bald darauf zum Zauberduell. Auch hier ist am Anfang noch alles in Butter. Mit einem Schwung der Fernbedienung lassen wir Flammenbälle (oder so ähnlich) aus unserem Zauberstab schießen und treffen, wenn wir Glück haben, unseren Gegner. Der hat eine Art Lebensanzeige unten am Bildschirmrand, ist diese Leer (nach einigen Zaubern) ist derjenige besiegt (aber nicht tot). Das ist so der grobe Umfang des Spieles. Im Prinzip rennen wir im recht gut gestalteten Hogwarts herum und warten darauf, dass uns eine dieser vier Varianten angekündigt wird. Entweder wir sind im Zaubertrankunterricht, beim Quidditch-Spielen oder duellieren uns mit allen möglichen anderen Zauberern, entweder im Duellierclub, oder wenn wir einmal wieder herausgefordert werden. Zwischen diesen Dingen laufen wir, wie gesagt, in Hogwarts herum. Entweder wir durchqueren das riesige "Treppenhaus", in dem sich andauernd die Treppen verschieben, oder wir rennen auf den Höfen bzw. in irgendwelchen Türmen umher. Helfen tut uns dabei das jederzeit zuschaltbare "Geisternavi", der "Fast-Kopflose-Nick". Dieser schwebt einfach vor uns her und zeigt uns, wo wir hin müssen, wenn wir nicht selber den Weg suchen wollen.
Besenzauberstabkochlöffel
So gesehen kann man sich nicht beschweren, zumindest am Anfang nicht. Das Spiel macht Spaß, auch wenn recht oft die Framerate in die Knie geht - das Spiel ruckelt ohne Ende. Leider rechtfertigt die Optik die ruckler nur bedingt, die Figuren wirken emotionslos und die Animationen sind hölzern, und die Texturen wiederholen sich ständig. Zudem bleiben Grafikfehler nicht aus.
Allerdings ist die Grafik nicht das Hauptproblem, wie man schnell im weiteren Spielverlauf merkt. Hier scheitert der Spielspaß einfach an totaler Überladung des Spieles. Das Anfangs spaßige Quidditchspielen wird nach einiger Zeit einfach langweilig, weil wir immer zwei Runden (eine "Aufwärmrunde" und das richtige Spiel) hintereinander dem goldenen Ball hinterher fliegen. Dabei müssen wir eigentlich nur darauf achten, durch die Tore zu fliegen, der Besen selbst wird vom Spiel gesteuert, in etwa wie bei einem Railshooter.
Das Zaubertrank brauen, bei dem wir übrigens ein Zeitlimit haben, dass nach jeder erfolgreichen Aktion aufgefüllt wird, wird später zur Zerreißprobe. An der rechten Seite finden wir die Anweisungen und die Farbe und Form des zu wählenden Behältnisses. Allerdings stehen im späteren Verlauf des Spieles so viele Dinge auf dem Tisch, dass man sehr schnell den Überblick verliert. Allerdings ist die Giftmischerei noch die angenehmste Belastung.Schlimmer ist es da mit den Zauberduellen, die zu einer wahren Zumutung mutieren. Ein Zauber mit Wii-Fernbedienung-Schütteln? Ok. Ein weiterer, bei dem man einfach Nunchuk und FB herunterschlagen muss? Auch gut. Aber sobald der dritte Zauber dabei kommt, ist das Spiel mit unseren Bewegungen hoffnungslos überfordert. Da wird ein Schutzschildzauber gemacht, wo wir eigentlich einen Feuerball haben wollten, oder ein Feuerball dort gemacht, wo wir eigentlich einen Entwaffnungszauber einsetzen wollten. Im Prinzip kann man während des ganzen Duells auch einfach Fernbedienung und Nunchuk durch die Luft wirbeln, die Erfolgsquote könnte dabei sogar höher sein, als wenn wir versuchen, die richtigen Zauber per Geste einzusetzen. Leider gehören die Zauberduelle, wie alle anderen Bereiche auch, zu den Pflichtübungen im Spiel, verlieren wir, kommen wir nicht weiter. Besonders wenn die Gegner schneller und präziser werden, haben wir absolut keine Chance mehr, und können nur im Glücksfall die richtigen Zauber heraus schicken. Zumindest kann man auch noch Ausweichen.
Die Geschichte im Spiel orientiert sich natürlich am Film, wird aber absolut zusammenhanglos erzählt, wie schon erwähnt. Im einen Moment sind wir noch bei Dumbledore und sehen uns eine seiner Erinnerungen an, im nächsten Moment sind wir bei den Weasleys zu Hause, wo ein Feld brennt. Dann sind wir auf einmal wieder in Hogwarts, und dann... naja. Wie gesagt, Erklärungen, was vielleicht in der Zwischenzeit passiert ist, bleiben aus, Storytechnisch ist das Spiel absolut misslungen. Zumindest ein Sprecher, der erklärt, was passiert ist während wir nicht gespielt haben, wäre doch sicherlich drin gewesen, oder?Sprecher - der Sound fehlt noch. Der ist ganz gut gelungen, die Sprecher der Figuren (deutsch) fallen ganz gut aus, ich könnte mir aber bessere vorstellen. Lustiger ist da, dass scheinbar Wahllos die Lippen der Figuren bewegt wurden. Im ersten Moment bewegen sie sich, im zweiten haben wir Bauchredner vor uns.
Insgesamt hinterlässt das Spiel einen absolut bitteren Beigeschmack. Der Halbblutprinztitel zeigt toll, wie ein Spiel die Spaßkurve in einem stetig fallenden Level immer weiter gegen den Nulllevel treibt. Aber diese Talfahrt dauert immerhin nicht lange, das Spiel bietet einen Maximalen Inhalt von 6-7 Stunden. Da kann auch das Wappensammeln (es gibt 125 Hogwarts-Wappen im Spiel, die Bonusinhalte freischalten) nicht viel dran reißen. Erwähnt werden sollte auch der Multiplayermodus, in dem wir uns mit einem Freund duellieren können. Da die Duelle aber wie schon gesagt recht... schlecht ausgefallen sind, ist das ganze absolut nicht zu empfehlen.
Aljoscha Reuther meint...
Irgendwie... enttäuschend. Zwar ist das Potter-Spiel keine absolute Nullnummer, aber eine total zusammenhanglos erzählte Story? Spiele, die durch steigende Komplexität zur Spaßbremse mutieren, obwohl sie am Anfang des Spiels Spaß gemacht haben und man sogar mehr wollte? Das geht besser, weniger ist eben doch mehr. Und wie viele Wii-Spiele hat auch der Halbblutprinz ein deutliches Problem: schütteln... schütteln... schütteln. Nur leider zu viel davon.
Irgendwie... enttäuschend. Zwar ist das Potter-Spiel keine absolute Nullnummer, aber eine total zusammenhanglos erzählte Story? Spiele, die durch steigende Komplexität zur Spaßbremse mutieren, obwohl sie am Anfang des Spiels Spaß gemacht haben und man sogar mehr wollte? Das geht besser, weniger ist eben doch mehr. Und wie viele Wii-Spiele hat auch der Halbblutprinz ein deutliches Problem: schütteln... schütteln... schütteln. Nur leider zu viel davon.

GRAFIK
Auf den ersten Blick ganz nett, ruckelt sich die Grafik geradezu permanent durch das Spiel - außerdem sind die Figuren hässlich.
Auf den ersten Blick ganz nett, ruckelt sich die Grafik geradezu permanent durch das Spiel - außerdem sind die Figuren hässlich.

SOUND
gute Sprecher, die allerdings den Figuren nicht gerade nach den Lippen reden
gute Sprecher, die allerdings den Figuren nicht gerade nach den Lippen reden

BEDIENUNG
gute Steuerung beim Besenfliegen, im Rest des Spieles, besonders im Kampf, eine Zumutung
gute Steuerung beim Besenfliegen, im Rest des Spieles, besonders im Kampf, eine Zumutung

UMFANG
Abwechslung durch verschiedene Aufgaben, welche aber in eine viel zu kurze Spielzeit verpackt wurden
Abwechslung durch verschiedene Aufgaben, welche aber in eine viel zu kurze Spielzeit verpackt wurden
SPIELSPASS
Da kann auch keine Zauberei mehr helfen
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Da kann auch keine Zauberei mehr helfen
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel