Punch-Out!!
Artikel verfasst von Aljoscha Reuther am 08.07.2009
Boxen - wer kennt es nicht. Halbnackte Männer in Badehosen stehen sich gegenüber und hauen sich mit gepolsterten Handschuhen gegenseitig in die Fr... ins Gesicht. Oder wo anders hin. Naja eigentlich ist es egal, wohin der Schlag geht, solange er über der Gürtellinie sitzt. Warum erzähle ich euch das? Nun, es geht um Punch-Out!!, einer neuauflage des beliebtesten Spieles von 1984. Das War sogar vor meiner Zeit... Wie sich das ganze wohl auf der Wii schlägt? Finden wir es heraus...
Auferstehung eines Klassikers
Damals fing alles mit einem Arcade-Automaten von Nintendo an, mit dem auch schon Donkey Kong berühmt wurde und auch Mario sein Debüt in der Videospielewelt hatte. Das Spielprinzip? Ganz einfach: wir sehen unsere Figur von Hinten, vor uns steht der Gegner, und wir müssen ihn einfach nur... boxen. Ja, so einfach ist das. Wobei... einfach ist es nicht. Die Mischung aus Ausweichen, Attackieren und dabei möglichst wenig Schaden zu nehmen ist keine leichte Sache gewesen.
Auch im aktuellen Punch-Out hat sich diese Mechanik in keinster weise verändert. Wir sehen unseren Kämpfer, "Little Mac", von Hinten, Oberkörper, und vor uns stehen die stellenweise lustig aussehenden Cartoon-Gegner. Holt ein Gegner zum Schlag aus, heißt es: ausweichen und zurückschlagen. Betrachten wir das ganze einmal im Detail und sehen uns einige Daten des Spieles an. Anders als in der Arcade-Version gibt es im Spiel nicht 6, sondern 13 Gegner, Aufgeteilt auf 3 Circuits (Ligen) (4,4,5). Angefangen mit dem Minor Circuit, gefolgt vom Major und dem World Circuit. Natürlich müssen wir alle vier Vertreter eines Circuits besiegen, um weiter zu kommen - am Ende steht immer der Titelkampf. Unsere Gegner kommen dabei aus den Verschiedensten Ländern, jedoch überwiegend aus den USA. Aber das nur am Rande.
Der Aufbau des Spieles ist recht Simpel. Wie beim "echten" Boxen geht ein Kampf über Drei runden. Werden wir oder unser Gegner in einer Runde 3 Mal auf die Matte geschickt, nennt sich das TKO (technisches K.O.) und der Kampf endet - je nachdem wer auf der Matte gelegen hat gewinnen oder verlieren wir. Dass wir nicht gewinnen, wenn wir K.O. sind ist eigentlich sinnlos zu erwähnen.
Jede Runde hat ein Zeitlimit, dass langsam Abläuft, während wir Kämpfen. Die Runden dauern 3 Minuten, allerdings läuft die Zeit im Spiel etwas schneller ab. Ist die Runde vorbei und keiner der beiden Boxer ist TKO, werden die bisherigen "Punkte" (also wie oft man auf der Matte gelegen hat) verworfen und es wird von neuem gezählt. In der nächsten Runde wird dann natürlich weitergekämpft. Wenn wir oder der Gegner auf der Matte liegen, kommt das Berühmte Abzählen. Steht der Boxer bei "10" nicht wieder Kampfbereit auf beiden Beinen, ist er K.O., auch hier endet der Kampf. Gehen alle 3 Runden des Kampfes ohne TKO oder K.O. vorüber, gewinnt derjenige, der den Gegner öfter auf den Boden geboxt hat. Recht einfach, oder?
Reaktionstest auf die schmerzvolle Art
Soweit zu den Regeln eines Kampfes. Jeder Kampf wird so bestritten, Ausnahmslos - das ist bei 13 Kämpfen zwar recht langweilig, aber so sind die Regeln nunmal. Wie kommt es nun zu diesen K.O.s, TKOs und so weiter?Das erste, was man über Punch-Out!! wissen sollte, ist, dass man hier kein reinrassiges Beat 'em Up erwarten darf. Das Spiel ist Starr, nahezu bewegungslos und kann nicht mit verschiedenen, aufwändig in Szene gesetzten Moves, Kicks, Punches... und so weiter... aufwarten. Vielmehr wurde hier das klassische Spielprinzip 1:1 umgesetzt, wie es wahrscheinlich schon unsere Eltern in der Spielhalle gespielt haben. Wenn sie in der Spielhalle gespielt haben. Vielmehr handelt es sich bei dem Spiel um einen Geschicklichkeitstitel, bei dem wir eigentlich nur eins brauchen: schnelle Reaktionen. Denn das ganze funktioniert folgendermaßen:
Unsere Gegner holen zu verschiedenen Schlägen aus, die allesamt anders "angekündigt" werden. Manche hocken sich hin, um einen Schlag auszuführen, andere sprechen kurze Sätze wie ""Stand still!" aus, während sie ausholen. Aus diesen verschiedenen zusammensetzungen von Bewegungen und Geräuschen müssen wir blitzschnell erkennen, was unser Gegner vorhat, und ausweichen, entweder nach links, rechts oder nach unten. Theoretisch können wir auch Schläge blocken, allerdings taugt dies in der Praxis nahezu überhaupt nichts.
Haben wir uns erfolgreich vor einem Schlag gedrückt, heißt es: zurückschlagen! Der Gegner blockt in der Regel alle Schläge, die wir austeilen wollen, es sei denn, er löst seine Verteidigung, um uns anzugreifen. Sind wir ausgewichen, ist er für eine sehr kurze Zeit ohne Verteidigung, die Chance für uns, zuzuschlagen. Im Regelfall geht dieser Schlag ins Gesicht, da unser Gegner dann Benommen wird (Vögel zwitschern um seinen Kopf herum) und sich nicht gegen verschiedene Schläge ins gesicht oder den Oberkörper wehren kann. Wie gesagt... ducken und zurückschlagen. Wenn wir einen guten Treffer landen oder der vor-uns-stehende eine Grimasse macht, um uns zu verhöhnen und wir ihm darauf kräftig eins auf den Latz geben, gibt es einen Stern. Dieser Stern (von denen wir bis zu drei Stück sammeln können) ist die Energie für einen Power-Schlag, mit dem wir unserem Widersacher kräftig eine runter- bzw. raufhauen können. Je mehr Sterne wir haben, desto stärker ist dieser Schlag und kann teilweise einen Sieg oder eine Niederlage ausmachen. Werden wir allerdings getroffen, verschwinden alle Sterne sofort. 3 Sterne anzuhäufen ist also schwerer als man denkt.
Wie häufig wir zuschlagen können, nachdem wir unser Gegenüber benommen gemacht haben, hängt von der Stärke ab, die der an uns gerichtete Faust-mit-Fresse-Kontakt haben sollte. Bei leichten Schlägen haben wir n der Regel vier Gegenschläge, bei schweren oder längeren Angriffen können wir mit bis zu 10 Drescheinlagen zurückhauen. Vorausgesetzt wir überstehen diese Angriffe, ohne etwas ab zu bekommen.Das ist soweit das, was wir im Spiel zu tun haben, die ganzen 13 Runden lang - plus die Rückrunde, in der wir noch einmal gegen alle Gegner Kämpfen können, wenn wir den Meisterschaftstitel gewonnen haben. Das klingt schon etwas langatmig, oder? Nun, man kann das auf verschiedene Arten sehen. Jeder Gegner hat andere Gesten und Hinweise darauf, welche Attacke er nun ausführen wird, und auch die Attacken und die Art und Weise wie wir ihnen Ausweichen muss bei jedem Gegner neu herausgefunden werden, weshalb das Spiel schon eine gewisse Herausforderung verspricht. Auch der Schwierigkeitsgrad, der hier in der Kraft der Schläge und der Schnelligkeit der Gegner liegt, steigt Stetig, bishin zum wirklich schwierigen Endkampf gegen Mr Sandman, einem Boxer aus Philadelphia. Gewisse Anpassungen sind auch von nöten, wenn unser Gegner nicht am Kopf getroffen werden kann... und so weiter.
An Variation mangelt es dem Spiel also keinesfalls. Jedoch fragt man sich nach gewisser Zeit, ob das nun immer so weiter geht. Ducken, Schlagen, draufhalten - selbst das billigste Prügelspiel kann das besser. Für Nostalgiefans wird Punch-Out!! für Wii garantiert das Gefühl der alten Spiele (die es auch für den NES und den SNES gab) hervorrufen, neulinge werden sich aber wohl eher langweilen. Wie gesagt, das Spiel ist eher ein Reaktionstest. Wenn ein Gegner rot blinkt, heißt es ausweichen. Machen wir das zu früh - oder zu spät, trifft uns der mit unter recht heftige Schlag. Es sollte noch dazu gesagt werdne, dass Little Mac ein absolutes Leichtgewicht ist, kleiner als jeder seiner Gegner, und auch wesentlich weniger Wegstecken kann. Die Kämpfe sind also schon recht Anspruchsvoll. Aber immer das selbe... 26 Mal...
Der kleine mit den blauen Haaren
So sieht Mac nämlich aus. Muskeln hat er, keine frage, aber er ist eher klein und schmächtig. Was man von seinen Gegnern nicht behaupten kann, denn die recht stark überzeichneten und vor Klischees nur so strotzenden Gegner sind teilweise doppelt so groß wie unser kleiner Boxer. Im allgemeinen hat das Spiel einen wunderbaren Comicstil, und die Mimik und Gestik der Figuren spricht absolut für sich. Pflaster, beulen, geschwollene Kiefer - alles vorhanden, wenn auch immer nur nachdem eine neue Runde begonnen hat. Auch die Stimmen der Figuren sind sehr gut gewählt, auch wenn es nicht wirklich wichtig ist, was sie sagen. Die Engländer, Iren und Amerikaner sprechen mit herrlichen Akzenten englisch, der Kämpfer mit dem tollen Namen "Von Kaiser" spricht deutsch, und so weiter.
Der Hintergrund und die Musik des Spiels sind sehr dezent gehalten. Wir sehen zwar einige Schemenhafte Figuren im Hintergrund herumhüpfen und Applaudieren, aber da hätte man das ganze auch gleich Schwarz lassen können. Zudem sehen wir immer das selbe Publikum - aber naja. Auch die Musik, die während unseres Kampfes aus den Lautsprechern trillert, ist eher wenig Abwechslungsreich, passt aber gut zum Kampfgeschehen. Größere Kritik wirft da der generelle Umfang des Spieles auf. Zwar sind 13 Kämpfer durchaus eine gute Anzahl, und aufgrund des Schwierigkeitsgrades wird die ein oder andere Runde auch einmal wiederholt werden müssen, jedoch wird man beim gesamten Spiel das gefühl nicht los, dass das alles zu wenig ist. Nur ein Spielbarer Charakter, auch im Multiplayer? 3 Circuits, 13 Gegner... Da fehlt was, ganz klar, vor allem wenn es sich um eine Neuauflage handelt, in der ruhig auch etwas an der Spielhallenmechanik hätte geschraubt werden können.
Allerdings geben uns die Entwickler auch einen kleinen Bonus, zumindest in Sachen Steuerung. Das Spiel unterstützt das Wii Balance Board, mit dem wir während des Kampfes das Ausweichen übernehmen können. An sonsten können wir, wie im Boxen-Teil von Wii Sports, mit Fernbedienung und Nunchuk zuschlagen, oder wir halten die Fernbedienung horizontal und spielen in guter alter Arcade-Manier. Die letzte Steuerungsmethode ist dabei ganz klar die zu empfehlende. Die Steuerung per Balance Board ist zu unpräzise und zu fehleranfällig, um bei den schnellen Angriffen, bei denen das Timing am aller wichtigsten ist, punkten zu können. Und auch das andauernde Wackeln mit der Fernbedienung klappt zwar bis ungefähr zur Hälfte ganz gut, ab da sollte man dann aber auch zur horizontalen Variante der Steuerung wechseln.
Was bleibt noch zu sagen... Die Zwischensequenzen, die kommen, wenn wir einen Cup gewonnen haben, sind jedes Mal aufs neue die selben - nicht einmal im kleinsten Variiert. Der Rest der Grafik läuft stabil, allerdings kommt die Engine auch bei einigen Effekten ins Stocken und die Framerate bricht ein, weniger gut bei eben schon genannten Reaktionstests. Alles andere befindet sich auf gutem Niveau und das Spiel sorgt für einige, leider zu wenige Stunden spielspaß. Trotz aller Schwierigkeit dürfte man mit der Karriere, ohne Rückspiel (was im Prinzip noch einmal genau das selbe ist, nur mit höherem Schwierigkeitsgrad) in 3-4 Stunden durch sein. Der Multiplayer... nunja... es ist nichts anderes, Little Mac gegen Little Mac. Da kann man auch gleich das Boxspiel von WiiSports spielen.
Aljoscha Reuther meint...
Punch-Out!! macht durchaus Spaß und kann durch seine Überzogene Optik punkten. Leider wird man beim gesamten Spiel das Gefühl nicht los, dass es mehr sein müsste, als der bloße Reaktionstest mit Ausweichen, ducken und zurückschlagen auf immer die selbe Art und Weise. Wer das Spiel in früheren Jahren schon mochte, wird mit der Wii Version bestens bedient sein, und auch gelegenheitsspieler werden mit Punch-Out!! durchaus ihre Freude haben. Ein recht gelungenes Comeback könnte man sagen. Leider nichts Überdurchschnittliches.
Punch-Out!! macht durchaus Spaß und kann durch seine Überzogene Optik punkten. Leider wird man beim gesamten Spiel das Gefühl nicht los, dass es mehr sein müsste, als der bloße Reaktionstest mit Ausweichen, ducken und zurückschlagen auf immer die selbe Art und Weise. Wer das Spiel in früheren Jahren schon mochte, wird mit der Wii Version bestens bedient sein, und auch gelegenheitsspieler werden mit Punch-Out!! durchaus ihre Freude haben. Ein recht gelungenes Comeback könnte man sagen. Leider nichts Überdurchschnittliches.

GRAFIK
Der total überdrehte Comicstil ist absolut gelungen, allerdings stört das Publikum und die Framerate bricht, unverständlicher weise, manchmal ein.
Der total überdrehte Comicstil ist absolut gelungen, allerdings stört das Publikum und die Framerate bricht, unverständlicher weise, manchmal ein.

SOUND
gute Sprachausgabe, während die Hintergrundmusik hätte besser sein können.
gute Sprachausgabe, während die Hintergrundmusik hätte besser sein können.

BEDIENUNG
mehrere Scheuerungsmöglichkeiten, allerdings sollten vom Balance Board die Finger bzw. Füße gelassen werden.
mehrere Scheuerungsmöglichkeiten, allerdings sollten vom Balance Board die Finger bzw. Füße gelassen werden.

UMFANG
Es gibt 13 verschiedene Kämpfer, allerdings ist es eigentlich immer nur das selbe Spielprinzip, nur mit anderem Timing.
Es gibt 13 verschiedene Kämpfer, allerdings ist es eigentlich immer nur das selbe Spielprinzip, nur mit anderem Timing.
SPIELSPASS
Gutes Comeback von Little Mac
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Gutes Comeback von Little Mac
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel