Sam & Max: Season One
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 04.07.2009
Bis zu ihrem Wii-Debüt war es für Sam und Max ein langer Weg. Erst einmal mussten 13 Jahre vergehen, bis die beiden überhaupt erst einen neuen PC-Fall bekamen. Dann dauerte es noch zwei Jahre bis eine Wii-Version für den Herbst 2008 angekündigt wurde und letztendlich hat sich dieser Releasetermin dann immer wieder verschoben. Doch nun, 2009 und damit 16 Jahre nach „Hit the Road“, ist es soweit: Die Freelance Police ermittel auch auf Wii!
Sechs Fälle, zwei Legenden, ein Adventure
Das neue Abenteuer der legendären Antihelden veröffentlichte Telltale auf dem PC nach und nach in Form von sechs Episoden, die nun alle auf eine Wii-Disk gepresst wurden. Das Ermittlerduo bekommt es also gleicht mit sechs Fällen auf einen Schlag zu tun. Diese müssen zwar nicht in der richtigen Reihenfolge gespielt werden, zu empfehlen ist das aber. Schließlich nehmen spätere Episoden auf vorherige Fälle Bezug und im großen Finale laufen sogar alle sechs Handlungsfäden auf beeindruckende Art und Weise zusammen. Dabei bietet die Story rund um eine Hypnose-Verschwörung nicht nur eine riesengroße Portion Humor, sondern auch Spannung. Am Ende jeder Episode gibt es schließlich auch einen Cliffhanger, der sofort Lust auf den nächsten Fall macht.
Der Sarkasmus von Sam und die überspitze Aggressivität von Max sorgen eigentlich schon für genug Unterhaltung und jede Menge Dialoge, bei denen ihr euch das Lachen einfach nicht verkneifen könnt. Hier wird das TV-Programm genauso bitterböse durch den Kakao gezogen wie die US-Regierung. Gesteigert wird diese Comedy dann noch durch weitere durchgeknallte Charaktere wie den paranoiden Ladenbesitzer Bosco, der in jeder Episode in eine andere Verkleidung schlüpft. Und zu guter Letzt tragen auch die interessanten 3D-Schauplätze ihren Teil zur Faszination bei.
Ausgangspunkt ist in jeder Episode das Büro von Sam und Max, sowie dessen Umgebung zu der Boscos Laden und der Arbeitsplatz der wandlungsfähigen Sybil Pandemic gehören. Außerdem verschlägt es die beiden in jedem Fall auch an weitere Orte. Während Sam und Max in den ersten Episoden noch an recht gewöhnlichen Schauplätzen wie Kasinos und TV-Studios ermitteln, werden ihre Einsatzgebiete in der zweiten Hälfte der Staffel immer ungewöhnlicher. Hier stürzen sie nicht nur das Weiße Haus in Chaos, sondern behaupten sich auch im Internet und landen letztendlich sogar auf dem Mond. Aber nicht nur die Schauplätze werden von Fall zu Fall interessanter, auch die Kommentare werden mit jeder Episode bissiger und selbst die Rätsel gewinnen immer mehr an Qualität.
Die volle Ladung Point&Click
Keiner der Fälle wird euch länger als zwei Stunden beschäftigen. Doch auch wenn in Sachen Umfang sicherlich mehr drin gewesen wäre, bieten die insgesamt zwölf Stunden Spielzeit doch zumindest die volle Ladung Point&Click-Gameplay. Wichtig sind dabei natürlich die zahlreichen Dialoge, durch die Sam und Max wichtige Informationen in Erfahrung bringen, andere Figuren manipulieren und oft auch die Schwachstellen ihrer Feinde ausfindig machen. In einer Episode foltern die beiden freiberuflichen Polizisten sogar einen Übeltäter mit „Deine Mutter…“-Witzen. Einfach herrlich!
Aber nicht nur die Dialoge glänzen mit Spielwitz, auch die Untersuchung der Umgebung macht Spaß. Sam und Max kommentieren jeden angeklickten Gegenständen mit solch bissigen Kommentaren, das ihr keinen Schauplatz verlassen werdet, bevor ihr nicht alles einmal untersucht hab. Kleine Dämpfer werden diesen Ermittlungen aber leider durch viel zu häufige Ladepausen verpasst. Jedes Mal, wenn ihr einen Gegenstand oder eine Person anklickt, gibt es eine kleine Ladepause, bevor dann die eigentliche Interaktion gestartet wird. Das hemmt den Spielfluss auf unangenehme Art und Weise und hätte einfach nicht sein müssen. Und auch wenn ihr euch mit der Zeit so daran gewöhnen werdet, dass es euch irgendwann kaum noch auffällt, muss für die Wii-Umsetzung der zweiten Staffel hier unbedingt nachgebessert werden.
Finden die beiden eigenwilligen Hüter des Gesetzes einen Gegenstand, nehmen sie diesen einfach mit und verstauen diesen in ihrem Inventar, auf das sie jeder Zeit zugreifen können. Manche Gegenstände überstehen sogar die Episodenwechsel und können somit in zukünftigen Fällen erneut benutzt werden. Die Rätsel an sich sind sehr gelungen. Meistens laufen sie zwar darauf hinaus, die richtigen Objekte an den richtigen Orten zu benutzen, dabei hatten die Entwickler aber so viele abgedrehte Ideen, dass das Lösen der Rätsel einfach nur Spaß macht. Wenn Sam und Max zu Stars in einer Sitcom werden, für das Amt des amerikanischen Präsidenten kandidieren oder in einer virtuellen Realität mit einem Schwert gegen blauen Schleim kämpfen, hat Langeweile keine Chance. Allerdings hätten die Rätsel ruhig ein bissen schwieriger sein dürfen. Sobald ihr herausgefunden habt, auf welch ungewöhnliche Art und Weise Sam und Max ihre Fälle lösen, werdet ihr die meisten Rätsel nämlich ziemlich zügig lösen können. Ein „Game Over“ gibt es genretypisch eh nicht und da ihr auch noch jeder Zeit speichern dürft, hat Frust in diesem Abenteuer einfach keinen Platz.
Technische Probleme
„Sam & Max: Season One“ ist ein großartiges Adventure, das den Ton von „Hit the Road“ perfekt trifft. Auch auf Wii werden Fans der beiden Videospiellegenden nicht enttäuscht. Die beiden haben in 3D nichts von ihrem speziellen Charme verloren, sondern kommen dank einer großartigen Sprachausgabe bissiger herüber als jemals zuvor. Alle Dialoge wurden vertont, wobei die deutschen Sprecher allesamt einen ausgezeichneten Job machen. Hier fällt auch keiner der Nebencharaktere aus dem Rahmen. Doch so gelungen die Sprachausgabe auch ist, muss sie doch immer wieder mit technischen Problemen kämpfen. So werden manche Sätze direkt doppelt ausgesprochen, während bei anderen dafür die Sprachausgabe schon mal ausfällt.
Die Technik macht leider ganz allgemein Probleme. Neben den ständigen Ladepausen und den Aussetzern bei der Sprachausgabe läuft nämlich auch bei der Grafik nicht alles glatt. Die Schauplätze sind zwar liebevoll und detailreich gestaltet worden, der Grafikstil bewegt sich aber auf einem so niedrigen Niveau, dass die Wii eigentlich problemlos mit ihm fertig werden müsste. Stattdessen bricht die Framerate aber immer wieder ein – besonders in den seltenen Passagen, in denen Sam und Max mit ihrem Einsatzwagen auf Verfolgungsjagd gehen. Und auch einige Grafikfehler trüben das Bild, was seinen Höhepunkt darin findet, dass ihr an einer Stelle ein Gespräch mit einer unsichtbaren Person führen müsst. Hier wurde schlicht und einfach geschlampt!
Doch trotz technischer Macken hat die Wii-Version ihren Reiz. Die Steuerung mit der Wii-Remote und ganz ohne Nunchuk geht schließlich leicht von der Hand: Sowohl die Gegenstände bei den Untersuchungen als auch die Antworten in den Dialogen lassen sich leicht auswählen. Aussetzer gibt es zwar manchmal, wenn Sam und Max einfach nur zu einer Stelle laufen sollen, aber solche Zicken kommen nur selten vor. Insgesamt lässt sich die Freelance Police also sehr gut mit der Wii-Remote kommandieren. Und so fühlt es sich besonders gut an, die sechs Episoden gemütlich von der Couch aus spielen zu können – schließlich haben sie mit ihrem großartigen Humor und den fantastischen Dialogen ja etwas von einer Sitcom.
Sascha Geldermann meint...
Wie lange habe ich darauf gewartet, endlich wieder mit Sam und Max auf Verbrecherjagd zu gehen. Und das Warten hat sich gelohnt! Die Freelance Police hat nichts von ihrem Charme verloren und lässt mich mit ihrem unbestechlichen Sarkasmus und einer gesunden Portion Aggressivität so oft laut auflachen wie es seit Jahren kein Adventure mehr geschafft hat. Schön, dass ich diese Videospiel-Comedy jetzt auch gemütlich von der Couch aus mit der Remote erleben kann – auch wenn die Wii-Umsetzung leider mit einigen technischen Problemen kämpft.
Wie lange habe ich darauf gewartet, endlich wieder mit Sam und Max auf Verbrecherjagd zu gehen. Und das Warten hat sich gelohnt! Die Freelance Police hat nichts von ihrem Charme verloren und lässt mich mit ihrem unbestechlichen Sarkasmus und einer gesunden Portion Aggressivität so oft laut auflachen wie es seit Jahren kein Adventure mehr geschafft hat. Schön, dass ich diese Videospiel-Comedy jetzt auch gemütlich von der Couch aus mit der Remote erleben kann – auch wenn die Wii-Umsetzung leider mit einigen technischen Problemen kämpft.

GRAFIK
Die Schauplätze punkten mit vielen Details. Insgesamt ist die Grafik aber einfach gehalten und Slowdowns trüben das Gesamtbild deutlich.
Die Schauplätze punkten mit vielen Details. Insgesamt ist die Grafik aber einfach gehalten und Slowdowns trüben das Gesamtbild deutlich.

SOUND
Die deutsche Synchronisierung ist hervorragend, es gibt aber Aussetzer bei der Sprachausgabe.
Die deutsche Synchronisierung ist hervorragend, es gibt aber Aussetzer bei der Sprachausgabe.

BEDIENUNG
Die Steuerung per Wii-Remote ist bequem - abgesehen von seltenen Zicken.
Die Steuerung per Wii-Remote ist bequem - abgesehen von seltenen Zicken.

UMFANG
Alle sechs Episoden der ersten Staffel sind hier auf einer Disc versammelt. Alle Abenteuer dauern aber nie länger als zwei Stunden.
Alle sechs Episoden der ersten Staffel sind hier auf einer Disc versammelt. Alle Abenteuer dauern aber nie länger als zwei Stunden.
SPIELSPASS
Humorvolles Adventure vom Feinsten – nur die Technik nervt.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Humorvolles Adventure vom Feinsten – nur die Technik nervt.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel