Another Code R
Artikel verfasst von Heiko Ellinger am 30.06.2009
„Meine liebe Ashley, es gibt etwas, das ich dir über deine Mutter erzählen möchte.“ – Die Worte der Einladung von ihrem Vater zum Zelten treffen Ashley Mizuki Robins höchst unerwartet. Doch natürlich macht sie sich sogleich auf, um am Lake Juliet auf ihren Vater zu treffen. Hier beginnt eine Reise durch die eigenen Erinnerungen an Ashleys ermordete Mutter Sayoko…
Was geschah wirklich?
Knapp vier Jahre nach dem ersten Teil veröffentlichen die Entwickler von Cing mit „Another Code: R - Die Suche nach der verborgenen Erinnerung“ erstmals ein Abenteuer auf Wii. Suchten wir auf dem Nintendo DS im Erstling noch Ashleys Vater, ist nun die Mutter Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Die Story spielt zwei Jahre nach den Geschehnissen von der Blood-Edward-Insel. Ashleys Vater hat sein Versprechen, sich von nun an mehr um seine Tochter zu kümmern, nicht eingehalten und mittlerweile einen Job bei der Forschungsanstalt J.C. Valley angenommen. Ashley lebt weiterhin bei ihrer Tante Jessica und obwohl sie ihrem Vater das Fernbleiben nicht verzeihen kann, macht sie sich nach dessen Einladung zur Zelttour auf. Dort angekommen, nimmt das Übel seinen Lauf: Ashleys Tasche wird gestohlen, ihr Vater hat die Grillkohle vergessen und auf dem Gelände um den See wurden seltsame Gestalten gesichtet – optimale Zutaten für einen turbulenten Tag, durch den wir Ashley begleiten.
Wie schon beim ersten Teil bekommen wir es mit einem waschechten Adventure zu tun. Wir erforschen verschiedene Umgebungen rund um den Lake Juliet, lernen neue Personen kennen und finden so Einzelheiten der Geschichte heraus. Diverse Gegenstände können im Laufe des Spiels gesammelt werden und helfen beim Lösen einiger Rätsel. Die Anteile der einzelnen Spielelemente haben sich allerdings etwas verschoben. Waren wir im Erstling noch mehr mit dem Lösen von Rätseln beschäftigt, stehen jetzt die Dialoge mit anderen Protagonisten im Vordergrund. Etwa 15 Stunden benötigt man für das Durchspielen des Titels, die meiste Zeit davon müssen Texte gelesen werden. Der Umfang hat sich also im Vergleich zum DS-Teil deutlich erhöht. Innerhalb der Geschichte erleben wir in einigen Flashbacks (so nennt man erinnerungsbedingte Rückblenden) Momente von vor 13 Jahren, in denen Ashley mit ihrer Mutter ebenfalls am Lake Juliet zu Besuch war. Diese Stellen die Höhepunkte der Story kombiniert mit dem finalen Kapitel dar. Alle weiteren Storyteile kommen leider nie richtig in Fahrt und sorgen so eher für Langeweile vor dem Bildschirm. Teils langatmige Dialoge, die für die Hauptgeschichte ohne Belang sind, hätte man sich sparen können, um das Spielgeschehen rasanter zu gestalten.
Wunder der Technik
Bei ihrem Abenteuer auf der Blood-Edward-Insel hatte Ashley bereits einen technischen Helfer an ihrer Seite. Das „DAS“, vom äußeren Erscheinungsbild dem Nintendo DS identisch, ist ein Allzweckcomputer, den Ashley unter anderem dazu nutzen konnte, um Fotos zu machen. Die Erfindung ihres Vaters hat sie natürlich auch im aktuellen Abenteuer wieder dabei. Außerdem erhält sie eine Erfindung ihrer Mutter, genannt „TAS“, vom Design her eine Kopie der Wii-Fernbedienung. Mit diesem Gerät kann sie fortan verschlossene Türen öffnen, doch die wahre Kraft wird sich erst am Ende der Geschichte entfalten. Auf dem offenen Gelände um den Lake Juliet herum steuern wir Ashley wie auf Schienen und können uns immer nur für links und rechts entscheiden. An Weggabelungen ist es uns dann überlassen, wohin wir unseren Weg fortsetzen wollen. Eine Karte des Gebiets hilft bei der Übersicht. In Gebäuden und an bestimmten Orten schaltet das Spiel dann in eine Schulter-Perspektive um. Hier kann sich Ashley um 360 Grad drehen und Objekte in ihrem Blickfeld genauer untersuchen.
So findet man im Spielverlauf auch einige Gegenstände, die in Rätseln zum Ziel führen. Ashley nimmt diese Gegenstände allerdings erst auf, sobald sie sie auch sicher für ein Rätsel braucht. So kann es also passieren, dass man einen Gegenstand begutachtet, ihn aber nicht mitnehmen kann, obwohl man ihn später braucht. Spieler mit gutem Erinnerungspotenzial haben hier deutliche Vorteile.
Die Rätsel-Elite
Bereits auf dem Nintendo DS erlebte man dank der Rätsel des ersten Abenteuers ein ums andere Mal verblüffende Momente. Wo das Übereinanderlegen von Fotos schon zum guten Ton des Adventure-Genres gehört, musste man auf der Suche nach dem Vater sogar den DS zusammenklappen, um die Lösung zu finden. Unerwartet und genial – da setzt Cing auch beim zweiten Teil an. Das Öffnen der Türen mit dem TAS fordert die grauen Zellen mal mehr, mal weniger – ein richtiges Highlight des Spiels ist aber auch hier zu finden (Was genau? Findet es heraus!).
Leider haben es insgesamt recht wenig Rätsel ins Spiel geschafft und so richtig in Fahrt kommen sie auch erst im letzten Drittel des Spiels. Hier wäre deutlich mehr drin gewesen, wenn man stattdessen, wie bereits erwähnt, einige Dialoge gestrichen und durch gelungene Rätsel ersetzt hätte. Die liebenswerten Charaktere, die im Spiel auftauchen, hätten gehaltvollere Dialoge auf jeden Fall verdient. Der wundervolle Anime-Stil des Titels gehört zu den hübschesten grafischen Resultaten, die man bisher auf Wii erleben konnte. Und auch die Musikuntermalung ist äußerst gelungen. Mit einem Musik-Player kann man im Spiel jederzeit die Lieblingsstücke aus dem Spiel hören. Leider wurde auf eine Sprachausgabe verzichtet, was die Dialoge noch anstrengender werden lässt. Zumindest wichtige Passagen hätte man vertonen sollen.
Mit „Another Code: R – Die Suche nach der verborgenen Erinnerung“ hat Cing erneut ein tolles Adventure erschaffen. Grafisch über jeden Zweifel erhaben, stören vor allem die vielen langatmigen Dialoge und die fehlende Sprachausgabe. Gelungene Rätsel und das spannende Finale sorgen aber dafür, dass Abenteuer- und Rätselfreunde hier einen Pflichttitel für ihre Wii finden.
Heiko Ellinger meint...
Den ersten Teil habe ich in einem Zug durchgespielt, der kurzen Spielzeit „sei dank“. Ashley wächst einem ans Herz und dieses Gefühl setzt sich auch im zweiten Teil fort. Die Ungewissheit, die sie durchgehend begleitet – ich würde verrückt werden, wenn man mich so lange im Dunkeln tappen lassen würde. So sehr ich umfangreiche Geschichten auch mag, die Dialoge haben mich doch teils sehr gelangweilt. Viele überflüssige Informationen halten vom eigentlichen Fortschritt der Story ab, die man doch so viel spannender noch hätte gestalten können. Dafür haben es die Entwickler wieder mal geschafft, mich mit ihren Rätseln zu verblüffen und ich wünsche mir noch viel mehr von dieser Kreativität in kommenden Titeln aus dem Hause Cing, am liebsten wieder in einem Abenteuer mit Ashley.
Den ersten Teil habe ich in einem Zug durchgespielt, der kurzen Spielzeit „sei dank“. Ashley wächst einem ans Herz und dieses Gefühl setzt sich auch im zweiten Teil fort. Die Ungewissheit, die sie durchgehend begleitet – ich würde verrückt werden, wenn man mich so lange im Dunkeln tappen lassen würde. So sehr ich umfangreiche Geschichten auch mag, die Dialoge haben mich doch teils sehr gelangweilt. Viele überflüssige Informationen halten vom eigentlichen Fortschritt der Story ab, die man doch so viel spannender noch hätte gestalten können. Dafür haben es die Entwickler wieder mal geschafft, mich mit ihren Rätseln zu verblüffen und ich wünsche mir noch viel mehr von dieser Kreativität in kommenden Titeln aus dem Hause Cing, am liebsten wieder in einem Abenteuer mit Ashley.

GRAFIK
wunderschöner Anime-Stil
wunderschöner Anime-Stil

SOUND
tolle Musikuntermalung
tolle Musikuntermalung

BEDIENUNG
gute Verwendung der Wii-FB
gute Verwendung der Wii-FB

UMFANG
15 Stunden Spielzeit
15 Stunden Spielzeit
SPIELSPASS
Langatmige, aber wunderschöne Adventure-Perle
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Langatmige, aber wunderschöne Adventure-Perle
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel