Anno - Erschaffe eine neue Welt
Artikel verfasst von Aljoscha Reuther am 19.06.2009
Die Anno Serie konnte bereits mit ihrem letzten Ableger auf dem DS punkten, und auch die neue Version für Nintendos Handheld legte gut vor (N-Life Wertung: 8.2 von 10 Punkten). Doch eines fehlt noch: die Wii Variante der traditionsreichen Aufbaustrategieserie, die mit "Anno - Erschaffe eine neue Welt" ihr Debüt auf den Heimkonsolen von Nintendo feiert. Doch im Gegensatz zum kommenden PC Highlight ist das Spiel stark vereinfacht und erstrahlt in bunter Comicoptik, scheinbar an die Zielgruppe der Wii angepasst. Kann das Spiel trotzdem noch überzeugen, oder sollten Hobbysiedler lieber auf die PC Version warten?
Land in Sicht!
Irgendwo auf der Welt, Anfang des 15. Jahrhunderts (1404 um genau zu sein), mitten im Ozean, liegen bisher unentdeckte Inseln, deren rohstoffreiche Berge und fruchtbare Landstriche nur darauf warten, ihre Schätze herzugeben und tausenden Menschen ein neues zu Hause zu bieten. Mit unserem Schiff segeln wir über das glatte blaue Meer, und schon bald finden wir die erste Insel. Auf dem schönen Stück Land errichten wir schnell einen Kontor und beginnen damit, das vor kurzem noch unberührte Land zu besiedeln und unserer Siedlung zu bislang ungeahnter Größe zu verhelfen. Doch schon bald müssen wir erkennen, dass die vielen Menschen, die unsere Stadt bevölkern, mehr wollen, als bloß Nahrung und ein Dach über dem Kopf, und so senden wir Schiff um Schiff aus, neue Inseln zu besiedeln und unserem Volk die gewünschten Waren zu liefern. Aber je besser das Leben wird, umso mehr verlangen sie...
Das klingt bestimmt sehr vertraut, immerhin ist dieses Prinzip seit über 10 Jahren das Erfolgsrezept der Anno-Serie, die nun auch endlich die Wii erreicht. Federführend war hier das selbe Studio, welches bereits die beiden DS-Titel in seinem Portfolio stehen hat: Keen Games. Doch was macht die Wii Version nun aus?
Nun, zu aller erst unterscheidet sie eigentlich nichts von der DS Version, wenn man von der Optik einmal absieht. Die selbe Story, der selbe Ablauf, sogar die Menüs sind nahezu gleich. Schlecht? Auf keinen Fall, denn auf dem DS funktionierte das Prinzip wunderbar. Fangen wir zuerst also mit der Story an, grob umrissen natürlich. Es herrscht Dürre im Königreich, und der König sieht keinen Ausweg aus seiner misslichen Lage. So greift er zum letzten Strohhalm und schickt seine Söhne aus, neue Länder zu besiedeln und so Nahrung und andere Waren ins Königreich zu senden.
Auf unserer Expedition treffen wir auf den Orient, ein bislang unbekanntes Volk, welches uns allerdings schnell mit wichtigen und revolutionären Erfindungen versorgt, mit denen wir das Fortbestehen unseres Königreiches sichern können. Doch der anfangs herrschende Frieden hält nicht lange vor, denn der Sultan des Orients wird entführt, und man schiebt uns die Schuld in die Schuhe. Unser Bruder Edward schleift schon seine Säbel, bereit, gegen den Orient in den Krieg zu ziehen. Doch wir wissen, dass da etwas faul ist, und so versuchen wir mit der Hilfe der Tochter des Sultans, den Krieg in letzter Sekunde abzuwenden...Wer bereits den DS-Review gelesen hat, wird merken, dass hier wirklich kein Unterschied besteht. Das ist auf der einen Seite vielleicht ganz praktisch, andererseits hätte man einer der beiden Versionen wirklich einige wenige, zumindest geringfügige Änderungen zukommen lassen können. Zwei mal das selbe Spiel, nur mit anderer Optik, ist nicht wirklich das, was sich ein Anno-Fan wünscht.
Aber bleiben wir beim Spiel selbst. Wie spielt sich das ganze? Nun, wie schon oben geschrieben, startet alles mit einem Schiff. Wir finden uns am Anfang des Spieles (zumindest im Endlosspiel) auf de Ozean wieder, mit nichts als einem kleinen Schiff. Mit diesem Schiff suchen wir uns eine Insel, und wenn wir eine gefunden haben, Wandeln wir das Schiff an einer der Inselküsten in einen Kontor, also eine Art Hafen, um. Dieser Kontor ist der Hauptdrehpunkt unserer gesamten Insel, denn von hier aus starten wir unsere Stadt.
Am Anfang eines Spiels haben wir nicht viele Auswahlmöglichkeiten, lediglich ein Holzfällerbetrieb, ein Wohnhaus und einige kleinere Betriebe zur Nahrungsbeschaffung und ein Markthaus finden wir im Baumenü, das nach verschiedenen Kriterien geordnet ist, wie "Waren", "Öffentliche Gebäude", "Rohstoffe" - und so weiter. Nun heißt es also: bauen. Die Verfügbarkeit der Gebäude hängt nämlich zum einen von der Anzahl unserer Bewohner, andererseits aber auch von deren Entwicklungsstufe ab. Zu Anfang haben wir nur Pioniere, doch bereits mit einigen wenigen Verbesserungen ihrer Situation, wie zum Beispiel einer Kirche und einigen Hemden, die wir mit einer Hanf-Plantage und einer Webstube herstellen können, entwickeln sie sich bald zu Siedlern weiter. Danach folgen die Bürger, dann die Patrizier, und schließlich das höchste Level: die Aristokraten. Doch bis hin zu diesem Level ist es ein weiter weg, denn unsere lieben Bewohner wollen immer mehr, schließlich zahlen sie auch mehr Steuern, mit denen wir unsere Inselexpeditionen finanzieren.Schiff Ahoi!
Das Grundprinzip der Serie wurde also konsequent beibehalten. Mit einem Markthaus erweitern wir unsere Bebauungsfläche auf einer Insel, und jedes Gebäude hat einen Einflussradius, in dem es auf andere Gebäude wirkt. So müssen die Wohnhäuser im Einflussradius einer Kirche stehen, damit dieses Bedürfnis befriedigt wird.
Was allerdings stark vereinfacht wurde, ist das Warensystem. Nicht nur dass auch hier bestimmte Rohstoffe nicht mehr vorhanden sind, auch der Transfer der Waren wurde stark erleichtert. Doch eins nach dem anderen.
Die Grundrohstoffe im Spiel sind: Holz, Stein und Eisen. Vorbei sind die Zeiten des Werkzeugs, des Marmors und der Ziegel. Neben diesen Rohstoffen gibt es dann auch noch Waren, die unser Volk verbraucht, und je größer es ist, desto mehr Waren brauchen wir - logisch. Diese "Verbrauchsgüter" gehen vom Grundbedarf, der Nahrung, bis hin zu Luxusgütern, im Spiel als "Gewänder" bezeichnet. Es ist also zu Empfehlen, die Waren stets im Auge zu behalten, damit sich unser Volk nicht zurück entwickelt, weil ein Bedürfnis nicht erfüllt wird, und wir so keine Steuern mehr verdienen.
Leider ist nicht auf jeder Insel die Fruchtbarkeit für jede Ware gegeben. Gewürze wachsen nicht überall, genau so wenig wie Hanf oder Kräuter. So sind wir gezwungen, spätestens wenn diese Waren im Bedürfnisfeld unserer Bewohner auftauchen, eine andere Insel zu besiedeln und diese Waren dort zu produzieren. Im PC Vorbild ist dies eine Logistische Problemstellung, denn die Waren müssen produziert werden, und dann auch noch zur jeweiligen Insel geschifft werden. Dies entfällt im Spiel, da alle Waren, egal ob Rohstoffe oder Verbrauchsgüter, in eine Art "zentrales Kontor" gebracht werden, kurz: sie sind überall verfügbar. Einerseits erleichtert uns das die Expansion auf verschiedene Inseln, andererseits fällt so ein großer Teil der Herausforderung weg. Auch die Schiffe bekommen durch diesen Umstand deutlich weniger Bedeutung im Spiel. Waren sie im PC Vorbild noch der Garant für Handel und Erweiterung unseres Königreiches, sind sie in der Wii- und DS Version nur noch dazu gedacht, Kontore auf anderen Inseln zu bauen und die Schiffe von Experten anzuwerben. Diese Experten können sich auf die Insel, auf der sie stationiert sind, positiv Auswirken, und zum Beispiel den Ausbruch von Krankheiten verhindern oder die Schnelligkeit der Produktionsbetriebe erhöhen.Kommen wir nun einmal zum Spiel selbst. Die Inselwelten sich recht groß und bieten ordentlich Platz, auch wenn leider die Inseln wenig untereinander variieren und sich teilweise sogar wiederholen. Zusätzliche Herausforderungen im Spiel bringen, wie immer, Gegenspieler, mit denen wir entweder Handel treiben können oder sie in langweiligen Gefechten im Militärmodus besiegen und ihre Inseln übernehmen. Aber auch der Orient nimmt eine gute Rolle bei den Herausforderungen ein, denn wir werden für Fortschritte in unseren Siedlungen belohnt. Zum Einen sind dies die Erhöhungen unseres Stadtlevels, bei denen wir pro "Aufstieg" eine Orientalische Technologie erhalten, wie zum Beispiel eine Wasserpumpe, mit der wir die Wüste fruchtbar machen können. Zum Anderen haben wir verschiedene Ziele, um Auszeichnungen vom Orient zu erhalten, zum Beispiel als "Schatzjäger" oder "Liebling des Volkes". Pro Auszeichnung können wir, sofern dies eingeschaltet ist, einen neuen Kartenabschnitt freischalten. Denn die Karte im Spiel ist nicht immer komplett aufgedeckt, wir müssen die verschiedenen Kartenabschnitte erst, wie gerade beschrieben, freispielen.
Trotz aller Herausforderung liegt der Hauptbereich des Spieles noch beim besiedeln und ausbauen unserer Inseln. Das Interface ist dabei recht übersichtlich, das Kreisrunde Baumenü ist klar gegliedert in verschiedene Gruppen, mit denen sich auch Neulinge im Spiel schnell ins Geschehen einfinden werden. Allerdings könnte man stellenweise eine Lupe gebrauchen, denn die verschiedenen Anzeigen und Symbole sind definitiv zu klein ausgefallen.
Das Spiel läuft bis zu einem gewissen Grad flüssig, allerdings geht die Framerate bei stark bebauten Inseln deutlich und gnadenlos in die Knie, besonders wenn man sich das Ganze von weiter oben ansieht. Ähnlich wie in der DS Version ist ein großer Kritikpunkt der Militärmodus. Auch in dieser Version wirkt er völlig fehlplatziert und einfach nur ins Spiel eingeschoben. Wieder haben wir nur eine Einheit, und wieder entscheidet die bloße Masse der Soldaten über Sieg oder Niederlage. Etwas Konsequenz wäre hier sicherlich gut gewesen, doch der halbherzige Militärmodus ist nichts halbes und nichts ganzes und wirkt auf die Dauer eher nervig als Spaßig, vor allem weil sich das letzte Kapitel der Kampagne völlig auf diesen Modus konzentriert.
Alles andere im Spiel wirkt recht gut angepasst, der Detailgrad ist selbst bei der Comicgrafik recht ordentlich, auf jeder Insel laufen Terrain-typische Lebewesen umher, sogar Menschen wandern durch unsere Straßen. Über hüpfende und zappelnde Gebäude kann man sich streiten, aber wie schon gesagt, dieses Anno bedient eine etwas andere Zielgruppe als das Hauptspiel. Unverzeihlich ist allerdings die Tatsache, dass es nur ein einziges Wohnhausmodell gibt, das heißt: alle Wohnhäuser sehen gleich aus. Zwar werden die Häuser nach dem Zufallsprinzip gedreht, sodass zumindest etwas Abwechslung auf dem Bildschirm herrscht, aber nur ein Modell ist definitiv zu wenig und lässt die Stadt daher auch schnell sehr langweilig aussehen.
Ein Entdeckercomic
Aussehen, das Stichwort: Grafik. Dass Anno einen Comiclook hat, wurde schon öfters erwähnt. Doch entgegen vieler Erwartungen sieht das Spiel richtig gut aus, allerdings verschafft das zusammenbrechenn der Framerate bei vielen Gebäuden der Grafik einen Abstrich, was allerdings schnell von dem hohen Detailgrad wie zum Beispiel Füchse, Hyänen und anderen Lebewesen oder den verschiedenen Gebäuden,wett gemachtt wird.
Eine rotierbare Ansicht wäre ebenfalls schön gewesen, das stört allerdings eher weniger. Die Kamera ist also, zumindest was die Rotationen angeht, starr.
Beschallungstechnisch ist der Titel ebenfalls gut ausgefallen. Schon die DS Version wusste mit Sprachsamples in den Zwischensequenzen zu überzeugen, auf der Wii ist es, natürlich, nicht anders. Leider merkt man hier auch, dass zwischen beiden Versionen nur ein minimaler Unterschied besteht, denn die Sprachsamples sind die gleichen, wenn auch in besserer Qualität. Allerdings wurden nun auch im Spiel selbst die Texte mit Sprache ausgestattet, und die Hintergrundmelodien, die wir allerdings von der Melodie her auch schon aus der DS Version kennen, klingen ebenfalls sehr gut. Bei der Steuerung lässt das Spiel nur wenig zu Wünschen übrig. Das Baumenü öffnen wir bequem über den B-Knopf, und wenn wir dabei ein Gebäude ausgewählt haben, wird dieses einfach geklont. Über die Karte bewegen wir uns mit dem A-Knopf, indem wir uns an einer Stelle "festhalten", und dann über die Karte wandern, ähnlich wie beim Spiel Black & White. Wahlweise können wir auch einen Nunchuk anschließen und mit dem Controlstick die Navigation über das Spielfeld übernehmen - zwingend erforderlich ist es allerdings nicht. Die Schiffsteuerung ist ähnlich einfach, das Schiff folgt dem Cursor oder einer vorher eingestellten Route.
Multiplayermäßig sieht es bei der Wii Version etwas besser aus, als beim DS: zumindest haben wir hier die Möglichkeit, einen Freund mitspielen zu lassen, der dann ein paar kleine Aufgaben erledigen kann, zum Beispiel die Stadt verschönern, Brände löschen oder Waren schneller zum Lagerhaus bringen. Allerdings kann man das nicht wirklich als Multiplayer bezeichnen, denn das "rumspielen" wird nach spätestens 10 Minuten langweilig. Der auf den ersten Packshots zu erkennende Multiplayer über die WFC ist, wie auch beim DS, komplett weg gefallen. Schade drum.
Insgesamt ist Anno - Erschaffe eine neue Welt auf der Wii ein großartiges Debüt gelungen. Hier und da fallen ein paar Dinge zwar negativ auf, aber der Gesamteindruck ist durchaus positiv und bietet zumindest für einige Stunden ein durchaus lohnenswertes Spielvergnügen. Allerdings steckt in diesem Titel nicht einmal annähernd der Langzeitfaktor der PC Version, denn im Endlosspiel ist irgendwann einfach der Punkt erreicht, bei dem man nichts mehr zu tun hat. Und das geht leider viel zu schnell.
Aljoscha Reuther meint...
Ein Anno auf der Wii - klasse! Tolle Steuerung, gelungene Optik und das gute alte Spielgefühl, das bis jetzt bei jedem Anno aufgekommen ist - und das trotz einiger Abstriche und Vereinfachungen. Einziges Manko ist hier die wahrscheinlich 100%ige Ähnlichkeit mit dem DS Spiel, wodurch echte Anno Fans vor der Entscheidung stehen: DS oder Wii. Wenn jetzt noch ein funktionierender Online-Multiplayer dabei gewesen wäre... die PC Version hätte auch noch ruhig etwas warten können.
Ein Anno auf der Wii - klasse! Tolle Steuerung, gelungene Optik und das gute alte Spielgefühl, das bis jetzt bei jedem Anno aufgekommen ist - und das trotz einiger Abstriche und Vereinfachungen. Einziges Manko ist hier die wahrscheinlich 100%ige Ähnlichkeit mit dem DS Spiel, wodurch echte Anno Fans vor der Entscheidung stehen: DS oder Wii. Wenn jetzt noch ein funktionierender Online-Multiplayer dabei gewesen wäre... die PC Version hätte auch noch ruhig etwas warten können.

GRAFIK
schöner Comicstil, nette Details, bei vielen Gebäuden aber ruckelt es
schöner Comicstil, nette Details, bei vielen Gebäuden aber ruckelt es

SOUND
gute Sprecher, tolle Hintergrundmusik
gute Sprecher, tolle Hintergrundmusik

BEDIENUNG
einfache Handhabung, gute Menüführung
einfache Handhabung, gute Menüführung

UMFANG
ordentliche Kampange, Endlosspiel
ordentliche Kampange, Endlosspiel
SPIELSPASS
Tolles Debüt auf der Wii
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Tolles Debüt auf der Wii
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel