Rhythm Paradise
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 09.06.2009
In Japan wird schon lange mit dem Stylus im Takt geschnippt und auch die Amerikaner befinden sich schon im Rhythmushimmel. Nun erreicht dieses musikalische Phänomen als „Rhythm Paradise“ auch Europa, um auch unser Taktgefühl auf 50 erfrischende Proben zu stellen.
Mit Taktgefühl ins Paradies
„Rhythm Paradise“ versprüht den gleichen Charme wie die „Wario Ware“-Spiele. Schließlich kämpft ihr euch auch hier durch abgedrehte Minispiele und schaltet immer mehr Herausforderungen frei. Im Gegensatz zu Warios Minispielsammlung fallen hier die Herausforderungen aber ein Stück länger aus und beschäftigen euch nicht immer nur wenige Sekunden, sondern einige Minuten. Außerdem dreht sich hier alles um Rhythmus und Taktgefühl.
Zum Takt abwechslungsreicher Musikstücke erfüllt ihr erfrischende Aufgaben. Hier gilt es Vögel im Gleichklang picken zu lassen, einer Sängerin an den richtigen Stellen Beifall zu klatschen, als Chorknabe nicht negativ aufzufallen oder auch schon mal die Erde gegen feindliche Raumschiffe zu verteidigen. So unterschiedlich die Szenarien auch sein mögen, dreht sich doch immer alles um den Takt. Ihr haltet den Nintendo DS dabei wie ein Buch. Auf der linken Seite läuft dann das Geschehen ab, während ihr auf dem Touchscreen euer Rhythmusgefühl beweist. Die Steuerung geht dabei leicht von der Hand, ist schnell zu erlernen und erkennt eure rhythmischen Aktionen fehlerfrei.
Eigentlich gibt es auch nur vier unterschiedliche Aktionen. Mal müsst ihr den Stylus auf den Touchscreen drücken, mal nur kurz auf den Bildschirm tippen. Oft ist ein lässiger Schnippser von euch gefordert, manchmal auch ein schnelles Reiben. Diese Aktionen sind leicht zu erlernen, werden aber im Laufe der 50 Minispiele immer intensiver miteinander kombiniert. Sie immer richtig einzusetzen und dabei auch noch im Takt zu bleiben, ist keineswegs einfach. Wer kein Taktgefühl hat, wird hier definitiv Probleme bekommen. Verständnisschwierigkeiten mit den Aufgabenstellungen gibt es dafür aber nicht. Schließlich warten vor jeder Herausforderung eine genaue Erklärung und eine kurze Übung auf euch. Erst danach geht es dann auf Punktejagd.
Am Schluss ist Schluss
„Rhythm Paradise“ gehört zu den Spielen, die zwar auf einem sehr einfachen Konzept beruhen, aber schnell süchtig machen. Schließlich werdet ihr für eure Leistungen mit neuen Spielen belohnt und nach jeweils vier Herausforderungen wartet auch noch ein herausfordernder Remix auf euch, der alle Szenarien und Aktionen der vergangenen Spiele durcheinanderwürfelt. Hier könnt ihr ganz schön ins Schwitzen kommen. Aber auch wenn ihr viele Herausforderungen nicht beim ersten Versuch schafft, kann das Spiel mit seiner erfrischenden Art bis zum Ende beschäftigen.
Leider kommt das Ende aber zum einen zu schnell und zum anderen werdet ihr euch nach dem Freischalten aller 50 Spiele auch nicht mehr lange mit „Rhythm Paradise“ beschäftigen können. Die Jagd nach besseren Bewertungen, Medaillen und diversen Extras bietet zwar ein paar interessante Anreize, die geforderten Aktionen wiederholen sich dann aber doch ein bisschen zu oft, als dass ihr die Herausforderungen immer und immer wieder spielen könntet. Ein paar mehr Variationen und neue Aktionen im späteren Spielverlauf hätten hier Wunder bewirkt. Das Konzept funktioniert somit bis zum letzten Spiel – aber eben nicht darüber hinaus.
Die Luft ist aus diesem anfangs so faszinierendem Spiel einfach zu schnell raus. Und das, obwohl in ihm noch jede Menge Potential steckt. Ein Mehrspieler-Modus hätte sicherlich spannende Rhythmusduelle geboten, die euch immer wieder an den Bildschirm gelockt hätten. Ein Multiplayer-Part fehlt aber komplett. Nicht einmal eine Online-Rangliste hat es ins Spiel geschafft. Abseits der Minispiele gibt es nur ein Café in dem ihr die Musikstücke anhören und ein paar kleine Extras freischalten könnt. Das ist zwar ganz nett, hat aber leider kaum Einfluss auf die Langzeitmotivation.
Die Technik: zweckmäßig und minimalistisch
Ein weiterer Grund für die zu schnell schwindende Motivation ist aber auch die Musik an sich. Hierbei handelt es sich nämlich fast immer um einfache Elektrobeats, die meist ohne Gesang auskommen. Und wenn es schon mal Gesang gibt, dann klingt dieser doch stark nach Schlager. Die Qualität der Lieder mag ja fantastisch und der Gesang sogar auf Deutsch sein – aber die Musik kann einfach nicht mitreißen. Sie erfüllt zwar voll und ganz ihren Zweck, anders als bei „Elite Beat Agents“ oder „Guitar Hero“ werdet ihr aber keine der Herausforderungen deswegen erneut spielen, weil euch die Musik gefallen hat. Hier hätten die Entwickler einfach auf mehr Variationen achten und gelegentlich auch Rockklänge und Hip Hop-Einlagen mit einbringen müssen.
Auch die Grafik ist zweckmäßig und lässt sich sogar als minimalistisch bezeichnen. Extrem einfache Figuren und starre Hintergründe fordern den Nintendo DS kaum – machen aber dennoch einen guten Eindruck. Hier lässt sich wieder der Vergleich mit „Wario Ware“ aufgreifen, denn die einfache Grafik gefällt durch ihren abgedrehten Stil, der euch immer wieder zum Schmunzeln bringt. Damit passt die Optik auch perfekt zum Gameplay, das ja ebenfalls sehr einfach gehalten ist, aber einfach erfrischend anders wirkt.
Sascha Geldermann meint...
Bei den letzten Spielen schaue ich gar nicht mehr auf dem Bildschirm. Der abgedrehte Stil ist zwar sehenswert, ich verlasse mich bei meiner Punktejagd aber lieber ganz allein auf meine Ohren. Ich bin fasziniert, fühle mich gefordert und bestens unterhalten. – Und auf plötzlich ist alles vorbei. Bis zum Letzten der 50 Spiele hat mich dieser Titel gefesselt, doch nun gibt es kein Spiel, kein Musikstück und kein Modus mehr, der mich noch einmal in die Welt des Taktes ziehen könnte. „Rhythm Paradise“ ist wie ein musikalisches Feuerwerk: nur von kurzer Dauer, aber dennoch eine lohnende Erfahrung.
Bei den letzten Spielen schaue ich gar nicht mehr auf dem Bildschirm. Der abgedrehte Stil ist zwar sehenswert, ich verlasse mich bei meiner Punktejagd aber lieber ganz allein auf meine Ohren. Ich bin fasziniert, fühle mich gefordert und bestens unterhalten. – Und auf plötzlich ist alles vorbei. Bis zum Letzten der 50 Spiele hat mich dieser Titel gefesselt, doch nun gibt es kein Spiel, kein Musikstück und kein Modus mehr, der mich noch einmal in die Welt des Taktes ziehen könnte. „Rhythm Paradise“ ist wie ein musikalisches Feuerwerk: nur von kurzer Dauer, aber dennoch eine lohnende Erfahrung.

GRAFIK
Der Stil ist minimalistisch, punktet aber durch einen abgedrehten Stil.
Der Stil ist minimalistisch, punktet aber durch einen abgedrehten Stil.

SOUND
Die Qualität der Stücke ist hervorragend, die Musik reiß aber einfach nicht mit.
Die Qualität der Stücke ist hervorragend, die Musik reiß aber einfach nicht mit.

BEDIENUNG
Die Steuerung geht schnell in Fleisch und Blut über.
Die Steuerung geht schnell in Fleisch und Blut über.

UMFANG
50 kurze Rhythmusspiele und viele Extras warten auf euch.
50 kurze Rhythmusspiele und viele Extras warten auf euch.
SPIELSPASS
Erfrischende Rhythmusspiele, denen schnell die Luft ausgeht.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Erfrischende Rhythmusspiele, denen schnell die Luft ausgeht.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel