Anno - Erschaffe eine neue Welt
Artikel verfasst von Aljoscha Reuther am 06.06.2009
Anno. Was damals als kleine deutsch-österreichische Produktion ihren Anfang nahm, ist mittlerweile zu einer der wichtigsten Marken des deutschen Spielemarktes geworden. Besonders der letzte Teil der Serie, Anno 1071, wurde von den Kritikern gefeiert, was nicht zuletzt an der einzigartigen Umsetzung des Spielprinzips lag. Und auch auf dem DS konnte die Serie einen guten Einstieg feiern. Nun kommt ein neues Anno, mit neuem Konzept und neuem Publisher, denn Sunflowers wurde nach dem Fertigstellen von 1701 von Ubisoft übernommen. Konnte das Team von Keen Games unter der Führung von BlueByte genau so gut Arbeiten, wie schon am ersten Teil, oder können wir dem Anno, das wir kennen und lieben, Lebewohl sagen?
Inselwelten für die Hosentasche
Alles beginnt ganz normal, wie man es von Anno kennt. Wir starten mit nichts als ein paar Waren und einem Schiff - oder einer bereits ausgewählten Insel. Unsere Aufgabe? Klar, besiedeln was das Zeug hält. Daran hat sich auch am neuen Anno nichts geändert, die Spielmechanik ist die Selbe, die uns seit Jahren immer und immer wieder in den Bann zieht - zumindest geht es mir so. Einflussbereiche, Luxusgüter und Weiterentwicklungen, all das finden wir auch im neuen Anno, welches übrigens keine Jahreszahl hat, inhaltlich aber an das PC-Vorbild Anno 1404 angelehnt ist, welches in diesem Sommer erscheint.
Doch was ist "neu"? Oder bekommen wir nur einen Aufguss des alten Titels?
Nun, nicht ganz. Zum einen hat sich Ubisoft, bzw. Blue Byte oder auch Keen dazu entschlossen, die Wii und DS Versionen von Anno dem Einsteigerpublikum schmackhaft zu machen. Anders als im Vorgänger, der Grafisch an Anno 1503 erinnerte, bekommen wir ein knallbuntes Aufbaustrategiespiel serviert, das sich im besten Comicstil zeigt.Inhaltlich hat es nur wenige Änderungen gegeben. Wieder ist das Spiel im Gegensatz zur PC Version stark vereinfacht, ein Großteil der Komplexität fehlt. Im Detail belaufen sich diese Vereinfachungen vor allem auf die Warenkreisläufe. Müssen wir im Original noch Waren von anderen Inseln zu unserer Hauptinsel schaffen, haben wir bei der DS Version (wieder) eine große Warensammlung, die überall verfügbar ist. Bauen wir also zum Beispiel auf einer Insel Gewürze an, müssen wir die Waren nicht erst per Schiff zu einer anderen bringen, sondern sie ist sofort in jedem Kontor verfügbar - natürlich aber nur in der Stückzahl, die wir auch produziert haben.
Eine andere Änderung im Bereich der Waren ist deren Anzahl und vor allem Bezeichnung. Zwar wurde das Spiel hier nicht komplett umgekrempelt, aber es wurden einige Waren herausgenommen, und wieder andere Hinzugefügt. So ist das bei vielen Anno-Spielern berühmt berüchtigte Werkzeug nicht mehr im Spiel vorhanden. Stattdessen zählt Eisen nun zu den 4 Grundwaren: Nahrung, Holz, Ziegel und eben Eisen.
Auch Dinge wie Waffen wurden aus dem Spiel entfernt. Zwar haben wir nach wie vor einen leichten Militärpart im Spiel, wir können also immer noch Armeen ausheben, müssen für diese Armeen aber keine Schwerter oder Kanonen produzieren. Generell wurde der Militärpart stark beschnitten, es gibt nur noch eine Art von Einheiten (Schwertkämpfer) und die Kämpfe finden nur noch in Zahlen, nicht mehr in Animationen statt. Wir sehen also nur, wie viele Einheiten wir und wie viele der Gegner hat, und wer die meisten hat, gewinnt am Ende - sollte zumindest so sein.
An sonsten nimmt der Städtebau seinen gewohnten Gang. Oder eher seinen fast gewohnten. Immernoch fangen wir mit Pionieren an und müssen sie weiterentwickeln. Je mehr Einwohner wir haben, desto mehr Steuern bekommen wir, und je mehr Steuern wir haben, desto besser ist unsere Bilanz... und so weiter. Etwas neu ist die Klasse der Patrizier, welche die der Kaufleute ersetzt. Leicht verändert sind die Bedürfnisse der jeweiligen Entwicklungsstufen, welche zum Teil an die Waren angepasst wurden.
Mit einem Markthaus können wir unseren bebaubaren Bereich erweitern und abhängig von der Insel auf der wir siedeln, können wir dort nur bestimmte Waren gut oder eben weniger gut Anbauen.
Neu ist dabei das "Feature" des Brunnens, mit dem wir karge Wüsten zu blühenden Landschaften verwandeln können. Dabei kommt es darauf an, auf welcher Art von Wasserloch der Brunnen gebaut wurde . zum Beispiel gibt es Wasserlöcher für Getreide, Lehm, Datteln... und so weiter. Nur, um an diese Technologie zu kommen, müssen wir erst einmal den Respekt der Leute aus dem Orient ernten. Orient? Nur Geduld, das kommt schon noch.
Die Leute aus dem Orient
Anno ist bekannt für sein Endlosspiel, in dem wir siedeln und bauen können, bis der Arzt kommt. Doch wie im Vorgänger haben wir hier auch eine ordentliche Story im DS-Modul, die aber leider exakt die Selbe ist, wie in der Wii Version. Alles in allem geht es hier um dein Königreich, das von einer Dürre geplagt wird, und dessen König seine Söhne aussendet, neue Länder zu entdecken und dort für den Warennachschub zu sorgen. Edward, der eine Sohn, möchte das Ganze natürlich militärisch lösen, ein Hitzkopf. Wir, William, sind eher ruhig und auf den Frieden konzentriert, und möchten, natürlich, alles möglichst Wirtschaftlich lösen.
Während der Story treffen wir auf den Orient, der uns ein völlig neues Kapitel in der Anno Serie eröffnet. Denn in diesem Spiel haben wir nicht, wie in den anderen Spielen eine große, aufgedeckte Karte, sondern müssen uns die Kartenabschnitte Stück für Stück durch das Erledigen von Aufgaben (zum Beispiel "Heben Sie 10 Schätze" oder "Besiedeln Sie 10 Inseln) erarbeiten. Und so sieht es auch mit den Technologien aus. Je größer unsere Stadt ist, desto mehr Technologien bekommen wir vom Orient "geschenkt", unter Anderem eben auch die Wasserpumpe.
Das besondere an der Story im neuen Anno ist vor allem die Vertonung der Charaktere. Ja, richtig, auch dieses Spiel besitzt Sprachausgabe, wie es scheinbar in letzter Zeit Mode geworden ist. Die Sprecher sind hierbei sehr gut gewählt, im "laufenden Spiel" fehlt die Sprachausgabe allerdings, sie ist nur in den Comicmäßig erzählten Zwischensequenzen vorhanden.
Leider wurde ein großes Manko des Vorgängers übernommen, denn der völlig vernachlässigte Militärpart spielt im letzten Kapitel der Kampagne, die sich aus über 25 "Leveln" zusammensetzt, eine zu große rolle, was in einem langweiligen "Truppen hin und herschieben" endet und keinerlei Herausforderung bietet, denn schiere Masse siegt.
Alles andere in der Kampagne ist sehr gut gewählt, die Geschichte entwickelt sich gleichmäßig und die sehr individuellen Charaktere prägen sich gut ins Gedächtnis ein und sorgen durchaus mal für den ein oder anderen Lacher.
Neu ist im Spiel übrigens auch die Möglichkeit, Experten einzuladen, was zwar Bereits in der PC Version von Anno 1701 zu finden war, aber nicht den Weg in die DS Version fand. Die Experten schiffen in diesem Spiel einfach irgendwo auf dem Meer herum. Wenn wir sie treffen, geben sie uns meistens eine Bedingung (zum Beispiel 1000 Einwohner), bevor sie für uns Arbeiten wollen. Wenn wir sie dann überzeugt haben, können sie den Schiffbau beschleunigen, Krankheiten oder Vulkanausbrüche verhindern oder allgemein die Wirtschaft beschleunigen.Insgesamt ist das Spiel zwar etwas "jünger" geworden, was wohl an der Zielgruppenanpassung liegt, der Suchtfaktor ist aber der selbe wie bei jedem anderen Anno. Auch die neuen und vereinfachten Warenkreisläufe können daran nichts ändern, wenn auch dadurch die Herausforderung nicht wirklich hochliegt und deshalb für einige Spieler die Langzeitmotivation fehlen könnte. Man hat zu schnell alles gesehen und die größten Städte aus dem Boden gestampft.
Eine Inselwelt in der Hosentasche
Grafisch gesehen hat Anno einen recht großen Sprung gemacht, wenn auch nicht klar ist, in welche Richtung. Die Gebäude im Vorgänger wirkten recht pixelig, dafür waren sie aber mit allerhand kleinen Details geschmückt und ließen die Städte, wenn sie denn einmal größer wurden, in einem schönen Glanz erstrahlen. Durch die Kindgerechte Optik wurden die Gebäude stark vereinfacht, und alles ist knallbunt, was vor allem am neuen Farbcode liegt. Wohnhäuser haben immer ein gelbes Dach, Zivilgebäude ein blaues und Produktionsstätten ein rotes. Details gibt es weniger, dafür wirkt das Spiel aber auch nicht überladen und ist deutlich übersichtlicher als der Vorgänger. Leider fehlt es aber genau an der Übersicht, wenn wir zwischen den Inseln hin und her springen wollen. Denn die Karte ist zu klein, um vernünftig genutzt werden zu können, und die Zoomstufen (es gibt 2) nicht groß genug, um schnell von einer Insel zur anderen zu wechseln.
Ob der Comicstil schöner ist oder nicht, muss jeder selbst entscheiden. Ein nettes Detail ist allerdings, dass nun die Schiffe komplett in 3D gehalten wurden.
Der Sound muss da eher Kritischer gesehen werden. Die Hintergrundmusik klingt zwar nicht schlecht, man merkt aber stark, dass hier nur auf blanke Midi-Geräusche zurückgegriffen wurde, was alle Lieder leider eher Billig wirken lässt. Der Vorgänger hatte zwar auch nicht gerade Orchestermusik im Hintergrund, aber die dort genutzten Musikstücke wirkten wesentlich professioneller. Allerdings wird dieses Manko sofort durch die Sprachausgabe wieder wett gemacht, die zwar auch nicht gerade von höchster Qualität von sich reden machen kann, aber immerhin verständlich ist und sehr professionell klingt. Aber da hätte mehr drin sein können.Steuerungstechnisch hat sich nichts an dem Spiel geändert. Wie im Vorgänger steuern wir das gesamte Spiel mit dem Touchpen, was auch recht gut funktioniert. Auch die Menüführung ist gut gemacht, und die Tooltips, die erscheinen, wenn man den Stylus länger auf einen Button, ein Gebäude oder jegliches andere Objekt auf dem Touchscreen hält, helfen auch weiter, wenn wir einmal nicht weiter wissen. Auch die Steuerung der Schiffe ist nett, entweder wir setzen Wegpunkte für die Route des Schiffes, oder wir ziehen einfach den Stylus vor dem Schiff her, und es folgt uns einfach.
Multiplayermäßig ist das Spiel genau die Wüste, die in der Kampagne beschrieben wird. Anders als in der Werbung, in der das Nintendo WFC Logo auf der Verpackung thront, ist dieser in der "Realität" nicht vorhanden, weder auf dem Cover, noch im Spiel. Der Multiplayer ist einfach nicht vorhanden, und das, obwohl er angekündigt war. Und es wäre so schön gewesen...
Alles in allem ist Anno genau das, was man erwartet hat. Der Vorgänger wurde in wenigen Punkten übertroffen, in anderen hinkt das neue Spiel leicht hinterher, aber der Suchtfaktor ist der selbe, der seit Jahren die Anno-Serie antreibt. Einzig und allein einige wenige Patzer hätten nicht sein müssen, zum Beispiel das Militär noch auf Biegen und Brechen in die Kampagne mit einzubinden.
Aljoscha Reuther meint...
Als Sunflowers von Ubisoft aufgekauft wurde, hatte ich so meine Befürchtungen. Das neue Anno für den DS hat mich allerdings von diesen Befürchtungen weggebracht, denn trotz der geringfügigen Änderungen und der Anpassung an ein weniger erfahrenes Publikum habe ich immer noch mein Lieblingsspiel vor mir, genau so wie ich es kenne. Zusätzlich zu diesem positiven Eindruck kommt noch die Sprachausgabe und die tolle Kampagne, die mich immer wieder zum DS hat greifen lassen. Der einzige Kritikpunkt ist der fehlende Multiplayer, und da hätte man zumindest so Fair sein müssen, und ihn aus der Fernsehwerbung entfernen sollen, das Logo erkennt man. Aber auch der Singleplayer reicht schon aus, um die liebevoll "Annoholics" genannten Fans der Serie wieder mit gewohnter Aufbaumanie zu versorgen.
Als Sunflowers von Ubisoft aufgekauft wurde, hatte ich so meine Befürchtungen. Das neue Anno für den DS hat mich allerdings von diesen Befürchtungen weggebracht, denn trotz der geringfügigen Änderungen und der Anpassung an ein weniger erfahrenes Publikum habe ich immer noch mein Lieblingsspiel vor mir, genau so wie ich es kenne. Zusätzlich zu diesem positiven Eindruck kommt noch die Sprachausgabe und die tolle Kampagne, die mich immer wieder zum DS hat greifen lassen. Der einzige Kritikpunkt ist der fehlende Multiplayer, und da hätte man zumindest so Fair sein müssen, und ihn aus der Fernsehwerbung entfernen sollen, das Logo erkennt man. Aber auch der Singleplayer reicht schon aus, um die liebevoll "Annoholics" genannten Fans der Serie wieder mit gewohnter Aufbaumanie zu versorgen.

GRAFIK
bunt und übersichtlich, läuft flüssig
bunt und übersichtlich, läuft flüssig

SOUND
tolle Sprecher in den Zwischensequenzen
tolle Sprecher in den Zwischensequenzen

BEDIENUNG
problemloses Inselbesiedeln
problemloses Inselbesiedeln

UMFANG
große Kampange mit schöner Story
große Kampange mit schöner Story
SPIELSPASS
Tolle neue Welten für unterwegs
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Tolle neue Welten für unterwegs
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel