Catan
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 26.05.2009
Übersetzt in über 20 Sprachen, veröffentlicht in mehr als 40 Ländern, ausgezeichnet mit dutzenden Preisen und gespielt von Millionen von Siedlern – solche Zahlen bescheinigen dem Brettspiel „Die Siedler von Catan“ einen enormen Erfolg. Nun wird das Brettspiel des Jahres 1995 auch für den Nintendo DS umgesetzt, um alte Fans zu begeistern und neue Siedler zu gewinnen.
Die Brettspiel-Insel ruft
Die Entwickler haben keine großen Experimente gemacht und auch eng mit dem Erfinder des Brettspiels, dem Spieleautor Klaus Teuber, zusammengearbeitet. So bietet die Umsetzung von „Catan“ auch keine großen Überraschungen, sondern konzentriert sich viel mehr darauf, das Brettspiel möglichst originalgetreu auf Nintendos Doppelbildschirm zu bringen. Für Kenner des Brettspielklassikers gibt es hier also nichts Neues zu sehen –dafür dürfen sie nun aber auch auf Catan siedeln, ohne zwei weitere Spieler mitbringen zu müssen.
Die Kampagne empfängt euch freundlich auf der Insel und lässt euch gegen ein paar seltsame Gestalten antreten. Im Grunde geht es hier darum, dass ihr als Neuling Catan und später auch die Nachbarinsel besiedelt. Eine richtige Story gibt es aber nicht. Die trockenen Dialoge mit euren Gegnern sind eher uninteressant und dienen nur dazu, die einzelnen Partien miteinander zu verbinden.
Die Kampagne kann euch mehrere Stunden beschäftigen, was allein schon an dem sehr gemächlichen Spieltempo liegt. Die Züge eurer virtuellen Mitspieler abzuwarten, kann auf Dauer langweilig werden. Zum Glück dürft ihr aber auch jeder Zeit speichern und somit Pause machen, wann immer ihr wollt.
Aber auch der knackige Schwierigkeitsgrad ist ein Grund für die ansehnliche Spielzeit. Gerade Anfänger werden immer wieder Partien verlieren. Aber auch Profis sind natürlich nicht vollkommen gegen Niederlagen gefeit. Schließlich spielt bei „Catan“ nicht nur strategisches Handeln eine große Rolle, sondern auch Glück. Hier hätten verschiedene Schwierigkeitsgrade so manchen Frust verhindert. Aber so schlimm ist eine Niederlage auch nicht. Ihr könnt schließlich einfach von vorne Anfangen oder einen alten Speicherstand laden. Und auch Unklarheiten bei den Regeln sollten euch nicht im Weg stehen. Schließlich liegt dem Spiel nicht nur ein ausführliches Handbuch bei, auch der Catan-Almanach befindet sich auf der Cartrigde. Hier finden ratlose Siedler schnelle Antworten auf ihre Fragen.
Baumeister + Entdecker + Händler = Siedler
Wer schon einmal „Die Sieder von Catan“ gespielt hat, wird sich schnell zurechtfinden. Auf dem Touchscreen befindet sich das Spielfeld, das aus mehreren Gebieten besteht. Jedes dieser Gebiete liefert einen Rohstoff und ist außerdem mit einer Zahl versehen. Reihum würfeln die Spieler. Alle Spieler die eine Siedlung auf dem Gebiet haben, dessen Zahl gewürfelt wurde, bekommen den entsprechenden Rohstoff. So sammelt ihr immer mehr Rohstoffe an, die euch eine Reihe von Möglichkeiten eröffnen.
Aus Holz und Lehm könnt ihr beispielsweise Straßen bauen und an deren Enden neue Siedlungen errichten, die eure beiden anfänglichen Siedlungen ergänzen. Je mehr Siedlungen ihr habt, desto mehr Gebiete könnt ihr auch besetzen. Dadurch steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass der Würfel eine Zahl zeigt, die eines eurer Gebiete betrifft.
Habt ihr genügend Getreide und Erz auf Lager, könnt ihr eure Siedlungen auch zu Städten ausbauen, wodurch ihr dann doppelt so viele Rohstoffe in einem Zug fördern könnt. Jede Siedlung ist einen Punkt wert, jede Stadt zwei. Mit zehn Punkten habt ihr gewonnen. Schwung kommt dadurch ins Spiel, dass noch Ereigniskarten gekauft werden können, der Spieler mit der längsten Straße Extrapunkte bekommt und ein Räuber eure Felder besetzen kann.
Die richtigen Rohstoffe für die gewünschten Bauvorhaben zu sammeln, kann lange dauern. Daher solltet ihr immer offen für Handel sein. Dabei könnt ihr zum einen mit der Bank tauschen – doch hier gilt ein Verhältnis von vier eurer Rohstoffe gegen einen neuen. Bessere Geschäfte lassen sich da meistens mit den Mitspielern abwickeln, was bei dieser NDS-Umsetzung auch leicht von der Hand geht. Ihr müsst nur angeben, was ihr braucht und was ihr dafür bietet, und schon werden eure Mitspieler den Handel annehmen und ablehnen. Der Weg zum Sieg führt also über eine gute Portion Glück, durchdachtes Bauen und geschicktes Handeln.
Vom Siedler zum Einsiedler
Die Umsetzung des Brettspiels ist den Entwickler gelungen. Dabei hat nicht nur das komplette Basisspiel seinen Weg auf die Cartridge gefunden, auch die Seefahrer-Erweiterung bereichert das Spielprinzip im späteren Verlauf der Kampagne. Richtig frische Elemente gibt es aber leider nicht. Im freien Spiel dürft ihr zwar alle gewonnenen Partien der Kampagne noch einmal nachspielen und dabei auch die Ausgangssituation und die Anzahl der für den Sieg benötigten Punkte verändern - Modi und Spielarten die über das Brettspiel hinausgehen fehlen aber komplett. Schade, dass die Entwickler nicht ein paar Schritte über die starre Umsetzung des Brettspiels hinausgegangen sind und keine Extras integriert haben, die das Spiel für Kenner sicherlich noch interessanter gemacht hätten.
Auch im Mehrspieler-Part gibt es Versäumnisse. Diese betreffen gar nicht die Multiplayer-Spiele an sich, sondern viel mehr die Gegnersuche. „Catan“ bietet nämlich lediglich das Multi-Karten-Spiel. Jeder Spieler braucht also nicht nur einen eigenen Nintendo DS, sondern auch sein eigenes Spiel. Einen Mitspieler zu finden ist somit schwer – und ganze drei aufzutreiben fast unmöglich. Wieso gibt es denn kein Einzel-Karten-Spiel? Und warum können sich nicht einfach mehrere Siedler einen Nintendo DS teilen?
Hier kann entgegnet werden, dass mit mehreren Spielern das ursprüngliche Brettspiel eh mehr Reiz hat. Das mag stimmen, beantwortet aber nicht die besonders entscheidende Frage: Wieso gibt es keinen Online-Modus? „Catan“ mit Siedlern aus aller Welt zu spielen hätte unglaublich viel Reiz gehabt und die Langzeitmotivation vervielfacht. So bekommt ihr auf jeden Fall nur selten Besuch von Freunden und werdet immer mehr vom Siedler zum Einsiedler.
Hier hätten die Entwickler die Möglichkeiten des Nintendo DS ruhig voll ausnutzen dürfen. Bei der Steuerung haben sie das doch auch geschafft. Mit dem Stylus ist nämlich eine einfache und intuitive Bedienung möglich. Siedlungen lassen sich bequem auf dem Spielbrett platzieren, zum Würfeln müsst ihr nur ein Symbol berühren und auch der Handel hätte eigentlich gar nicht mehr unkomplizierter ausfallen können.
Deutlich weniger Zeit haben die Entwickler wiederum in die technische Seite gesteckt. Die Soundeffekte und Geräusche mögen zwar ganz nett sein, die Musik beschränkt sich aber auf ein unscheinbares Gedudel, das sich vollkommen im Hintergrund hält. Die Grafik ist sehr zweckmäßig gehalten. Eure Gegenspieler werden durch comicartige Standbilder repräsentiert, während ansonsten eben das Brettspiel und die Würfel gezeigt werden wie es Kenner des Brettspiels gewohnt sind. Positiv daran ist die Übersicht. Oben werden eure Rohstoffe und Punkte angezeigt, während auf dem Touchscreen das Spielbrett zu sehen ist. Hier könnt ihr sogar Zoomen, damit eurem Blick nichts entgeht. Schade ist aber, dass die Insel eben wirklich nur ein Spielbrett ist und nicht lebendig wirkt. Genau wie beim Gameplay hatten die Entwickler leider auch hier nicht den Mut, ein paar Schritte über die Vorlage hinauszugehen.
Sascha Geldermann meint...
Auf Catan lässt es sich wirklich gut leben. Als Kenner des Brettspiels fühlte ich mich hier schnell heimisch und habe die fordernden Stunden des Entdeckens, Handelns und Bauens sehr genossen. Schade nur, dass ich hier nie Besuch bekam. Da nur das Multi-Karten-Spiel unterstützt wird, verirrten sich einfach keine menschlichen Gegenspieler auf meine Insel. Ein Online-Modus hätte verhindert, dass ich nach der Kampagne sofort meine Koffer gepackt und Catan für immer den Rücken gekehrt habe.
Auf Catan lässt es sich wirklich gut leben. Als Kenner des Brettspiels fühlte ich mich hier schnell heimisch und habe die fordernden Stunden des Entdeckens, Handelns und Bauens sehr genossen. Schade nur, dass ich hier nie Besuch bekam. Da nur das Multi-Karten-Spiel unterstützt wird, verirrten sich einfach keine menschlichen Gegenspieler auf meine Insel. Ein Online-Modus hätte verhindert, dass ich nach der Kampagne sofort meine Koffer gepackt und Catan für immer den Rücken gekehrt habe.

GRAFIK
Die Grafik ist zwar nur zweckmäßig, dafür aber sehr übersichtlich.
Die Grafik ist zwar nur zweckmäßig, dafür aber sehr übersichtlich.

SOUND
Nette Geräusche bereichern die unscheinbare Dudelmusik.
Nette Geräusche bereichern die unscheinbare Dudelmusik.

BEDIENUNG
Die Bedienung funktioniert absolut unkompliziert.
Die Bedienung funktioniert absolut unkompliziert.

UMFANG
Die Seefahrer-Erweiterung und der Almanach sind nette Extras. Ein Online-Modus oder ein Einzel-Karten-Spiel wären aber wichtiger gewesen.
Die Seefahrer-Erweiterung und der Almanach sind nette Extras. Ein Online-Modus oder ein Einzel-Karten-Spiel wären aber wichtiger gewesen.
SPIELSPASS
Gute Umsetzung des Brettspiels – leider ohne Online-Modus.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Gute Umsetzung des Brettspiels – leider ohne Online-Modus.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel