MadWorld
Artikel verfasst von Aljoscha Reuther am 22.05.2008
Varrigan City - eine Stadt in Quarantäne - völlig von der Außenwelt abgeschnitten, und in ihren Straßen tobt ein Kampf um Leben und Tod. Nicht nur, dass ein tödlicher Virus die Stadt heimsucht, nein, Killer ziehen durch die Straßen und töten jeden, der ihnen über den Weg läuft... oder müssen selbst dran glauben. Wer überlebt, kommt weiter, wer stirbt... naja. Und wofür das ganze? Für die Kamera natürlich, denn wir sind bei Death Watch, der brutalsten und abscheulichsten Sportshow in der Geschichte der Menschheit! Willkommen in der MadWorld!
Ein Spiel für die ganze Familie...
...von wegen! Lange wurde es vermisst, und endlich wurden die Gebete der volljährigen Spieler erhört, so scheint es. Denn MadWorld ist das, was man garantiert nicht erwartet, wenn man die Liste der Spiele der "Familienfreundlichsten Konsole aller Zeiten" durchsieht. Brutale, übertriebene Gewalt, gepaart mit dem einzigartigen schwarz-weiß Look, der nur all zu gut an Filme wie Sin City oder The Spirit erinnert. Aber ganz langsam, gehen wir die Gewaltorgie einmal langsam an. Lehnt Euch zurück, holt Euch was zu trinken und genießt die Show!
MadWorld ist, wie man sicher schon gemerkt hat, einer der Titel, die nichts in Kinderhänden zu suchen haben. Das Spiel ist so brutal, dass Sega es nicht einmal in Deutschland herausgebracht hat - was bei den strengen Jugendschutzbestimmungen vielleicht auch die bessere Lösung gewesen ist. Doch um was geht es genau? Nun, die Einleitung oben gibt uns schon einen ganz guten Einblick in das Szenario von MadWorld. Eine Stadt wird mit einem Virus verseucht, wodurch sie natürlich von der Außenwelt abgeriegelt wird - man will ja nicht, dass eine Epidemie ausbricht. Doch genau das wollen die Veranstalter von Death Watch, der wohl perversesten Show im ganzen Universum. Als ob der Virus noch nicht genug wäre, veranstalten sie nämlich einen modernen Gladiatorenkampf im Zentrum von Varrigan City, in dem freiwillige Kämpfer nur all zu gerne die Straßen mit Blut färben. Und die Death Watch Kamera hält natürlich direkt drauf!3 Tage tobt das Gemetzel nun schon und da treten wir auf den Plan. Jack - just Jack. So heißen wir. Unser Ziel? Die Death Watch Krone, und der Tod der Bossgegner der einzelnen Stadtteile. Und wofür? Für das liebe Geld. Oder doch nicht? Jack ist wie geschaffen für den Kampf. Sein rechter Arm beinhaltet eine ausfahrbare Kettensäge, sein Körper ist mit mehr Muskeln bepackt als der von Schwarzenegger auf Anabolika, und er ist kein Unbekannter bei den Spielen. Doch irgendwas ist nicht in Ordnung mit ihm...
Gesponsort wird er von einem Unbekannten, der lieber seinen Sprecher, Agent 13, vorschickt, welcher Jack mit Instruktionen versorgt. Und so metzeln wir uns, langsam aber sicher, durch eine monochrome Welt, in der neben schwarz und weiß nur zwei Farben existieren: die gelben Comic-Schriftzüge wie "BROOOOOM!" oder "SMACK!", und natürlich... rot. Und was ist wohl rot? Genau, das Blut, von dem es in MadWorld mehr als genug gibt. Die Stärke des Titels: Provokation.
Denn MadWorld ist weitaus mehr als eine blanke Gewaltorgie, auch wenn wegen der Überpräsenz von Blut und den verschiedensten Tötungsarten schnell der Eindruck entstehen kann. Denn die Story rund um das brutale Turnier geht tiefer als man denkt. Vor allem die Gespräche mit seinem Auftraggeber sind es, die Jack in ein mehr als zweifelhaftes Licht rücken - warum nimmt er an Death Watch teil? Nicht zuletzt Kommentare wie "Wir sind Marionetten - wir zeigen dem Publikum, was es sehen will." (grob übersetzt) bringen das Spiel schnell weg vom ersten Eindruck des "sinnlosen Gewaltspiels" - es ist viel mehr ein Spiel, das vor Selbstkritik und Ironie nur so strotzt - wenn man es denn an sich heran lässt. Viel mehr steht natürlich das Gameplay im Vordergrund. Selbiges ist solide und baut komplett auf bekannten Elementen auf: wir starten ein Level, kämpfen uns durch, bekommen zwischendurch ein "Spezialereignis" und kommen dann nach weiteren Kämpfen zum Endgegner. Ist dieser besiegt, geht's zum nächsten Level weiter, bis zum Ende. Das Ganze klingt sehr altbacken und wurde schon mindestens 100 Mal gesehen - aber mal ganz ehrlich, muss denn jedes Spiel das Rad neu erfinden?
Fakt ist, das Spiel "funktioniert". Die Faszination, die von der Optik ausgeht, geht nicht zuletzt wegen der völlig übertriebenen Darstellung auch sehr schnell in das Spielgeschehen über. Körper halbieren, Köpfe zerdrücken, aufschlitzen, aufspießen, durchstoßen - so ziemlich jede Art des Tötens wird in MadWorld aufgegriffen und gekonnt übertrieben in Szene gesetzt. Um noch einen drauf zu setzen und wahrscheinlich jedem Jugendschützer einen Herzinfarkt zu bescheren, bekommen wir für's töten auch noch Punkte - je brutaler desto besser. Da kommen dann auch noch Kombo-Möglichkeiten drauf, das heißt, je mehr wir mit einem Gegner anstellen, desto mehr Punkte bekommen wir, was sich später auf unseren Rang auswirkt. Möglichkeiten für diese Kombos haben wir genug, denn es stürmen ohne Unterbrechung Gegner auf uns ein, die irgendwo immer wieder respawnen.
Varrigan Chainsaw Massacre
Zum Töten können wir alles benutzen, was uns in der Stadt begegnet. Von Schildern über Autoreifen, Stachelwänden und natürlich unserer Arm-Kettensäge bis hin zu Musikinstrumenten und Feuerwerkskörpern stehen uns so ziemlich alle Möglichkeiten offen und da sind die diversen Maschinen, die hier und da stehen, noch nicht mit eingerechnet. Kurz: für allerhand rote Farbe ist im Spiel zweifelsohne gesorgt. Besonders die Waffen, die wir außerhalb der Kettensäge noch bekommen, wie Schwerter oder Knüppel, haben es in sich und lassen uns stellenweise sogar mehrere Gegner auf einmal ins Jenseits schicken.
Zusätzlich bekommen wir einmal pro Level eine sogenannte "Blood Bath Challenge", in der wir uns auf eine völlig abgedrehte Art und Weise von unseren Widersachern trennen. Golf spielen, Darten, eine Art "Presse" oder einen großen Kochtopf füllen - das sind nur einige Beispiele, wie wir mit vielen Gegnern Punkte während einer solchen auf Zeit laufenden Challenge machen können. Dabei wird jedem Spieler das Schmunzeln kaum erspart bleiben, denn jede Challenge wird vom Maskottchen von Death Watch präsentiert, einem überkandidelten Gangster, klischeecht mit Hut, Mantel und viel Bling-Bling am Körper. Während dieser Präsentation muss der Herr leider immer dran glauben, denn seine Assistentin führt uns dann immer vor, wie wir uns hier von unseren Gegnern verabschieden. Und zwar mit ihm. Dass er dann beim nächsten Mal wiederkommt... lassen wir das.
Das andere Highlight eines jeden Levels ist der Bosskampf. Anders als die noch halbwegs menschlich wirkenden Gegner aus den normalen Spielbereichen sind die Bossgegner mindestens genau so abgedreht, wie das Spielprinzip selbst. Vampirfrauen, Werwölfe, Riesenbabys und Möchtegern-Western-Helden wollen ihren Rang bei Death Watch natürlich behalten und machen uns am Ende eines jeden Levels das Leben schwer - aber auch nur, wenn wir genug Punkte während des Spieles gemacht haben.
So schön und abwechslungsreich das Ganze aber auch klingt, MadWorld ist garantiert nicht perfekt. Stil? Zweifellos. Action? Garantiert. Doch leider ruht man sich auf diesen Lorbeeren zu sehr aus, denn bereits nach dem ersten Spielabschnitt gibt es nichts neues mehr. Klar, andere Umgebungen, andere Gegner und natürlich neue Waffen, aber der Lösungsweg ist stets derselbe. Jede Kombo ist irgendwann einmal ausprobiert, jede Blutfontäne schon einmal gesehen und jeder Weg, den virtuellen Body-Count in die Höhe zu schrauben, einmal ausprobiert worden. Bis auf die wenigen Sequenzen, in denen wir mit einem Motorrad über den gegnerverseuchten Highway jagen, bietet MadWorld leider kaum Abwechslung. Dazu kommt dann noch die sehr geringe Spielzeit des Titels. Hält man sich nicht lange mit weiteren Klon-Gegnern auf und versucht, noch den einen oder anderen Gewaltlevel zu brechen, ist man mit dem Spiel innerhalb von 6-7 Stunden durch. Da können dann auch die Blood Bath Challenges und die kreativen Bosskämpfe nicht mehr viel reißen, denn insgesamt ist das Spiel viel zu einfach. Klar, ein Schrank wie Jack kann locker ein Dutzend Gegner auf einmal fertig machen, dennoch ist es kaum möglich, während des Spieles einmal "Game Over" auf dem Bildschirm zu sehen. Denn wenn wir dann doch einmal sterben (was bei den Bosskämpfen gar nicht so unwahrscheinlich ist), steigen wir sofort an der selben Stelle wieder ein und müssen beispielsweise den Boss nicht noch einmal von vorn bearbeiten, was das Ganze etwas unfair gegenüber dem NPC machen könnte. Wobei, beklagen wir uns nicht im Normalfall darüber, wenn wir einen Bosskampf noch einmal von neuem Austragen müssen, weil wir gestorben sind?
Technische Dominanz
Technisch gesehen ist MadWorld hingegen ein absoluter Meilenstein und gehört auf die Liste der interessantesten Wii-Titel. Die leicht verschwommene S/W-Optik mit den knallroten Blutflecken weiß absolut zu überzeugen und gibt dem Titel die nicht zuletzt schon im Vorfeld anerkannte Faszination. Zwar muss man auf ein leichtes bis mittelstarkes Kantenflimmern und eine generelle Unübersichtlichkeit vorbereitet sein, doch insgesamt überstrahlt der Comic-Look die verschmerzbaren Probleme.
Auch bei dem, was aus den Fernsehlautsprechern kommt, kann man nicht meckern. Das gesamte Spiel hat einen absolut genialen Soundtrack, der zwar stark raplastig ist, aber super zum Spielgeschehen passt und den jeweiligen Levelabschnitten angepasst ist. Auch die Sprecher, vor allem die Kommentatoren von Death Watch, die Jacks Aktionen das ganze Spiel durch bewerten und kommentieren, haben eine Auszeichnung verdient und erinnern stark an Serien wie Celebrity Deathmatch. Das gesamte Spiel ist übrigens Englisch, auch die Bildschirmtexte.
Steuerungstechnisch kann man allerdings etwas meckern, denn das so viel gehasste Arm-Abschütteln der Wii-Fernbedineung bleibt leider auch bei MadWorld nicht aus. Zwar ist die Gestenerkennung im Spiel vorbildlich und setzt die Messlatte recht hoch, andererseits hätte man bestimmte Gesten auch einfach auf einen Knopf bzw. auf den Nunchuk legen können und dafür das nervige Bewegen der Fernbedienung auslassen können. Der Multiplayerteil beschränkt sich auf die Zwei-Spieler-Varianten der diversen Blood Bath Challenges.
Insgesamt ist MadWorld ein klasse Spiel, das vor allem durch seine Optik besticht. Wer die zynische Story auf sich wirken lässt, wird von dem Spiel umso mehr beeindruckt sein, auch wenn dieser Eindruck dann doch nur knappe 6 Stunden dauern wird.
Aljoscha Reuther meint...
MadWorld stand schon lange auf meiner "habenwollen!" Liste. Zurecht, wie ich finde, denn das Spiel besticht durch seine viel gepriesene Optik genau so wie durch seine Hintergrundgeschichte, die aber leider von der dann doch zu überpräsenten Gewalt leicht in den Hintergrund gedrängt wird. Vielmehr ärgert mich das verschenkte Potenzial des Titels, zum einen die geringe Spielzeit, zum anderen das Fehlen von neuen Ideen während des Spieles - hat man ein Level gesehen, hat man alle gesehen. Und trotzdem, wer über 18 ist und einen Import nach Deutschland nicht scheut, sollte sich den Titel antun - sofern er Blut sehen kann.
MadWorld stand schon lange auf meiner "habenwollen!" Liste. Zurecht, wie ich finde, denn das Spiel besticht durch seine viel gepriesene Optik genau so wie durch seine Hintergrundgeschichte, die aber leider von der dann doch zu überpräsenten Gewalt leicht in den Hintergrund gedrängt wird. Vielmehr ärgert mich das verschenkte Potenzial des Titels, zum einen die geringe Spielzeit, zum anderen das Fehlen von neuen Ideen während des Spieles - hat man ein Level gesehen, hat man alle gesehen. Und trotzdem, wer über 18 ist und einen Import nach Deutschland nicht scheut, sollte sich den Titel antun - sofern er Blut sehen kann.

GRAFIK
klasse schwarz-weiß Optik bei der das Kantenflimmern leider vorprogrammiert ist. Außerdem leidet die Übersicht
klasse schwarz-weiß Optik bei der das Kantenflimmern leider vorprogrammiert ist. Außerdem leidet die Übersicht

SOUND
exzellente Sprecher und Soundtrack
exzellente Sprecher und Soundtrack

BEDIENUNG
Schüttel, Schüttel, Schüttel... aber immerhin gut Gestenerkennung
Schüttel, Schüttel, Schüttel... aber immerhin gut Gestenerkennung

UMFANG
Trotz der großen Level und Arenen ist das Spiel sehr schnell durchgespielt
Trotz der großen Level und Arenen ist das Spiel sehr schnell durchgespielt
SPIELSPASS
Stylische Metzelorgie mit Tiefgang - ab 18!
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Stylische Metzelorgie mit Tiefgang - ab 18!
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel