Rhapsody: A Musical Adventure
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 20.05.2009
Rollenspiele sind meistens komplex, anspruchsvoll und herausfordernd. Aber eben nur meistens. „Rhapsody“ verkehrt all das nämlich ins Gegenteil und spricht damit vor allem Genre-Neulinge an. Doch auch wenn es so scheint: Dieses Rollenspiel ist kein Produkt der heutigen Zeit, in der „Casual“ fest zum Wortschatz jedes Zockers gehört. In Wirklichkeit hat „Rhapsody“ bereits im Jahre 2000 auf der Playstation die Rollenspiel-Welt auf den Kopf gestellt und kehrt nun als Remake zurück.
Lieder, Puppen und ganz viel Rosa
Heute pflastern junge Mädchen ihre Zimmer einfach mit den Bildern ihrer Stars zu, doch in der mittelalterlich angehauchten Fantasiewelt von „Rhapsody“ sind Poster leider noch nicht erfunden. So bleibt der 16-Jähringen Cornet nichts anders übrig, als den ganzen Tag einfach von ihrem angebeteten Prinzen zu träumen. Doch dann passiert es: Als Cornet bei einem Waldspaziergang von einem Drachen angegriffen wird, eilt ihr dieser Prinz doch tatsächlich zur Hilfe und tötet den Drachen. Leider verschwindet der Angebetete dann auch sofort wieder und lässt eine Cornet zurück, die verliebter ist als jemals zuvor. Als der Prinz dann kurze Zeit später von einer durchgeknallten Hexe versteinert wird, zögert Cornet keine Sekunde. Sie begibt sich auf eine Reise, um den Prinzen zu retten und letztendlich sein Herz zu erobern.
Es besteht kein Zweifel: Die Zielgruppe dieses Rollenspiels sind junge Mädchen. Das beweist nicht nur die Story, sondern zeigt auch die Farbe Rosa, mit der die Entwickler wahrlich nicht gegeizt haben. Und als wäre das noch nicht genug, trällern sowohl Cornet als auch ihre Freunde und sogar Feinde zwischendurch immer mal wieder Lieder. Bollywood lässt grüßen. Nur dass hier nicht auf Indisch gesungen wird, sondern auf Japanisch – was die Texte aber nicht unbedingt verständlicher machen sollte. Doch ganz so schlimm ist das alles auch wieder nicht. Zum Glück nimmt sich „Rhapsody“ nämlich selbst nicht ganz ernst und glänzt mit viel Humor, der das Rollenspiel auch für Jungs erträglich macht.
Während Jungs gerne mit Monstern in die Kämpfe ziehen, setzen Mädchen lieber auf Puppen. So schart Cornet im Spielverlauf wirklich eine Puppenarmee um sich, die sie bei ihrem Abenteuer begleitet. Dabei reist die seltsame Gruppe durch mittelalterliche Dörfer, dunkle Dungeons und schattige Wälder, bis der Prinz gerettet ist. Allzu viel Gepäck sollte ihr für die Reise aber nicht einplanen. Gerade bei geübten Spielern dauert diese Rettungsaktion nämlich nicht einmal zehn Stunden. Leider gibt es auch keine Nebenaufgaben oder zusätzliche Modi, mit denen ihr die Spielzeit noch ein bisschen strecken könntet. Und auch das Monsterlexikon ist nicht mehr als ein nettes Extra. Für ein Rollenspiel ist der Umfang somit geradezu lächerlich ausgefallen.
Keine Chance für Frust
Schuld an der kurzen Spielzeit trägt auch der viel zu niedrige Schwierigkeitsgrad, der erfahrende Rollenspieler endgültig abschrecken sollte. Die klassischen Zufallskämpfe sind nämlich verdammt einfach zu gewinnen. Eure Feinde leisten so halbherzig Gegenwehr, dass ihr keine besondere Taktik für den Sieg braucht und eigentlich auch Heilmittel problemlos zuhause lassen könnt. Von der anderen Seite her gesehen, hat der geringe Schwierigkeitsgrad aber auch Vorteile. Denn „Rhapsody“ will erfahrene Rollenspieler schließlich gar nicht ansprechen, sondern viel mehr Neulinge. Und diese können sich so über ein komplett frustfreies Spielerlebnis freuen. Zumal auch Speichern jederzeit möglich ist.
Das Kampfsystem präsentiert sich sehr klassisch. Zufallsbegegnungen schleudern euch in Kampfbildschirme, in denen ihr zwischen „Angriff“, „Magie“, „Item“ und „Flucht“ wählen könnt. Außerdem könnt ihr noch die „Automatik“ aktivieren, damit eure Gruppe eigenständig Angriffe ausführt. Die rundenbasierten Kämpfe beschränken sich somit auf das Nötigste ohne Tiefgang zu bieten oder Taktik zu ermöglichen. Interessant ist einzig, dass Cornet ihre Puppen durch das Spielen ihrer Instrumente für kurze Zeit stärken kann. Aber unbedingt nötig ist das für den Sieg auch nicht. So ist es kein Wunder, dass ihr euch rasch durch das komplette Spiel gekämpft habt. Dazu kommt auch noch, dass eure Gruppe wirklich am laufenden Band in ihren Level aufsteigt und somit in unglaublichem Tempo immer stärker und stärker wird.
Genre-Einsteiger werden sich nicht nur über den frustfreien Spielablauf freuen, sondern auch über die intuitive Steuerung. Ihr könnt „Rhapsody“ schließlich komplett mit Sytlus bedienen. Berührt einfach eine Stelle, damit Cornet dorthin läuft. Tippt ihr eine Figur an, beginnt ihr ein Gespräch. Während ihr so auf dem Touchscreen die volle Kontrolle habt, versorgt euch der obere Bildschirm mit einer Karte und weiteren Infos. In den Kämpfen ändert sich das natürlich ein bisschen. Oben stellen sich hier Cornet und ihre Puppen den Feinden, während ihr unten die Befehle auswählt. Einfacher kann ein Spiel eigentlich kaum noch bedient werden. Probleme wird die junge Zielgruppe eher beim Verstehen der Texte haben. Unverständlicherweise wurde auf eine Lokalisierung nämlich komplett verzichtet, sodass dieses Rollenspiel komplett in englischer Sprache gehalten ist.
Technisch präsentiert sich „Rhapsody“ recht durchschnittlich. Die zuckersüße Anime-Grafik ist zwar farbenfroh, wirkt aber oft auch sehr starr. Hier fehlen einfach mehr Details und Interaktionen mit der Umgebung. Die Musik hält sich derweil stark zurück und dudelt im Hintergrund vor sich hin. Der Beiname „A Muscial Adventure“ hat mehr versprochen und bezieht sich eindeutig nur auf die Gesangseinlagen der Charaktere. Noch schlechter steht es um die Soundeffekte, die manchmal schlicht und ergreifend fehlen. Gerade bei den Kämpfen fällt das auf, da hier Angriffe ihr Ziel meistens lautlos treffen. Liebe Entwickler, ein Tipp fürs nächste Mal: mehr Soundeffekte - weniger Rosa!
Sascha Geldermann meint...
Mein Herz hat „Rhapsody“ nicht erobern können. Als Rollenspiel-Veteran brennen mir bei dem ganzen Rosa nicht nur die Augen, ich vermisse auch Tiefgang, Komplexität und Anspruch – also all das, was ein Rollenspiel normalerweise auszeichnet. So überlasse ich die Rettung des Prinzen doch lieber Genre-Neulingen, denen die extreme Zugänglichkeit dieses Rollenspiels gerade recht kommen sollte. Die einzigen Kenntnisse, die sie mitbringen müssen, sind die der englischen Sprache.
Mein Herz hat „Rhapsody“ nicht erobern können. Als Rollenspiel-Veteran brennen mir bei dem ganzen Rosa nicht nur die Augen, ich vermisse auch Tiefgang, Komplexität und Anspruch – also all das, was ein Rollenspiel normalerweise auszeichnet. So überlasse ich die Rettung des Prinzen doch lieber Genre-Neulingen, denen die extreme Zugänglichkeit dieses Rollenspiels gerade recht kommen sollte. Die einzigen Kenntnisse, die sie mitbringen müssen, sind die der englischen Sprache.

GRAFIK
Die niedliche Anime-Optik leidet unter den starr wirkenden Umgebungen.
Die niedliche Anime-Optik leidet unter den starr wirkenden Umgebungen.

SOUND
Die Musik ist nett, Soundeffekte gibt es aber kaum.
Die Musik ist nett, Soundeffekte gibt es aber kaum.

BEDIENUNG
Die Steuerung funktioniert einfach und intuitiv.
Die Steuerung funktioniert einfach und intuitiv.

UMFANG
Das Abenteuer ist recht kurz.
Das Abenteuer ist recht kurz.
SPIELSPASS
Zuckersüßes Rollenspiel für Genre-Einsteiger.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Zuckersüßes Rollenspiel für Genre-Einsteiger.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel