Grand Theft Auto: Chinatown Wars
Artikel verfasst von Heiko Ellinger am 13.04.2009
Grand Theft Auto – eine Videospiel-Reihe, die bereits seit vielen Jahren Spieler begeistert, die Medien dagegen spaltet. Sei dies nun die Implementierung in schlecht recherchierte Beiträge zum Thema „Killerspiele“ oder moralische Grundsatzdiskussionen in den USA, wenn es um „heißen Kaffee“ geht. Einigkeit herrscht aber darüber, wie man den Erfolg der Reihe beschreiben muss, nämlich als gigantisch. Obwohl der vierte Teil der Reihe mit Hauptdarsteller Niko Belic nicht einmal so lange her ist, geht das Abenteuer um Gangster, schnelle Autos und große Städte bereits in die nächste Runde. Wie so oft: Der Schauplatz des Spiels ist Liberty City. Ganz neu: Der Titel erschien exklusiv für Nintendo DS!
Welcome to Liberty City
Der junge Huang ist bedient. Da kommt er zum ersten Mal in die USA und wird gleich überfallen, verprügelt und mitsamt Auto im Fluss versenkt. Zu allem Überfluss wird das alte Familienerbstück, ein Schwert, welches er seinem Onkel bringen sollte, gestohlen. Welch ein beschissener Tag, aber immerhin kann er sich im letzten Moment noch aus dem Auto retten und an Land schwimmen. Doch nun hat er nicht nur einige Wunden zu versorgen, sondern auch die schlechte Laune seines Onkels Kenny zu ertragen, der über den Verlust des Schwertes alles andere als erfreut ist. Als sich der Tag also dem Ende zuneigt, ist Huang am Leben, muss fortan aber für seinen Onkel arbeiten, dessen Einfluss in Liberty City ausbauen, das Schwert finden und allerlei rivalisierende Gangster auf seine Seite ziehen. Als Nebenjobs fährt er Taxi, hilft bei der Polizei aus oder kutschiert dem Tod geweihte Damen halsbrecherisch bis ins krankenhäusliche Sterbebett. Klingt nach einem vollen Tagesprogramm, welches wir als Spieler bewältigen müssen. Zusätzlich müssen wir uns neu orientieren: Liberty City trägt zwar noch immer den gleichen Namen wie in den Vorgängern, allerdings hat sich die Stadt gewandelt. Wer also bisher alle Straßen und Abkürzungen aus dem Schlaf abfahren konnte, muss sich in „GTA Chinatown Wars“ umstellen.
Die Geschichte entwickelt sich stetig weiter. Anfangs arbeiten wir nur für Kenny, später aber nehmen wir auch anderweitig Aufträge an. Diese sind vielfältig, wie man es von der Reihe gewohnt ist. So müssen wir in einer Mission an einem illegalen Straßenrennen teilnehmen, doch nicht, um es zu gewinnen, sondern um unseren Auftraggeber auf den ersten Platz fahren zu lassen. Dafür setzen wir unseren Wagen ein, um die Konkurrenten von der Strecke zu schieben und sie über drei Runden in Schach zu halten. An anderer Stelle verhindern wir einen Drogendeal und nehmen den teuren Stoff stattdessen lieber selbst mit. Ob wir ansonsten Widersacher eliminieren, Autos sabotieren oder „Geschäftspartner“ unter Druck setzen – Spaß machen alle Missionen und häufig sind sie nicht einmal besonders lang, so dass auch Spieler, die nur wenig Zeit zum Spielen haben, häufig Erfolge sammeln können. Kommen wir noch einmal zu den Drogen zurück. Diese spielen erstmals eine besondere Rolle, denn Ihr könnt Euch auch selbst als Dealer versuchen. Jeder Bezirk der Stadt ist besonders empfänglich für bestimmte Mittelchen, verkauft dafür andere aber günstig. 80 Drogendealer machen Liberty City zu einem fantastischen Umschlagplatz für das höchst illegale Geschäft. So kann Euch der Handel mit Gras, Kokain und Co. auf Dauer eine gute Stange Geld einbringen, das dann im Onlineshop des Waffenhändlers Ammu-Nation wieder bleihaltig angelegt werden kann. Jeder Handel birgt aber auch Gefahren, denn nicht selten handelt es sich um eine Falle der örtlichen Polizei. Dann heißt es: Schnell rennen, ein Auto schnappen und ab ins Versteck. Ansonsten sind die eingekauften Drogen fix wieder weg.
Die Geschichte bietet viele Missionen und insgesamt einen ungeahnten Umfang. Damit überflügelt das Spiel sogar seine zwei Vorgänger auf der PSP. Daneben sind alle wichtigen Features enthalten. Zahlreiche verschiedene Fahrzeugmodelle und sogar Motorräder stehen Euch auf den Straßen von Liberty City zur Verfügung.
Nebenbei könnte ich doch noch…
Abseits der Hauptstory und dem Beschaffen des täglichen Brots durch Drogendeals gibt es serien-typisch weitere Nebenaufgaben zu erledigen. Einige findet man zufällig, andere wiederum kann man nach Belieben durchführen. Unverhofft stolpern wir etwa über eine Lady, die ihre letzten Momente im Leben mit etwas Adrenalin füllen will. Also sollen wir in ihr Auto steigen und eine rasante Tour durch die Stadt wagen. Dabei steigt ihre Freude durch knappe Überholmanöver oder Sprünge. Schlussendlich erfüllen wir ihren Wunsch und bringen sie anschließend ins Krankenhaus, wo sie sich zum letzten Mal in ihrem Leben von uns verabschiedet. Ist das Geld mal wieder knapp und gerade kein lukrativer Drogendeal in Sicht, können wir uns aber auch hinter das Steuer eines Taxis setzen und Fahrgäste von A nach B transportieren. Umso schneller und sicherer wir unsere Kunden ans Ziel bringen, desto üppiger fällt auch das Trinkgeld aus. Weniger mit Schnelligkeit als vielmehr mit Glück haben wir es im Rubbellos-Laden zu tun. Hier gibt es verschiedene Lotterien, in denen wir viel Geld lassen, aber auch einiges Gewinnen können. Geldpreise stocken unser Konto auf oder tilgen zumindest unsere Spielverluste. Mit Glück gewinnen wir aber auch schon einmal ein Apartment als neue Unterkunft oder Burger, um unsere Lebensenergie zu erhöhen.
Ans aktuelle Ziel, zu einzelnen Läden oder Dealern kommen wir – der moderne Gangster hat so was – mit unserem GPS, welches uns sicher durch die Straßen von Liberty City dirigiert. Dauerhaft finden wir dann das Kartennetz samt angeforderter Route auf dem unteren Bildschirm des Nintendo DS. Praktisch: Zusätzlich können wir auf dem oberen Bildschirm auch direkte GPS-Anweisungen auf der Straße anzeigen und kommen so in den meisten Fällen sicher ans Ziel.
Kommt es dazu, dass Eure kleinen und großen Verbrechen von der Polizei bemerkt werden, wird sich diese an Eure Fersen heften. Nun gilt es, Polizeiwagen zu verschrotten, um dadurch sein Fahndungslevel senken zu können. Bei hohem Fahndungslevel machen Euch dann Sondereinsatzkommandos das Leben schwer.
GTA 2,5D
Die GTA-Reihe hatte ihren Ursprung auf dem PC. So waren die beiden ersten Teile natürlich noch technisch stark limitiert und den damaligen PC-Konfigurationen angepasst. Von 3D-Welten und somit 3D-Städten konnte man bisher nur träumen und so flimmerte das Spielvergnügen komplett 2D über den Bildschirm, also war alles aus einer Vogelperspektive zu sehen. Um nun auch der DS-Hardware gerecht zu werden, kombinierten die Entwickler von Rockstar die alten und mit den neuen Teilen der Reihe. So ist das ganze Spiel in einer kompletten 3D-Engine aufgebaut, das Spielgeschehen erinnert dennoch eher an die Ursprünge der Reihe. Ihr schaut von oben auf Euren Charakter herab, Kamerafahrten und verschiedene Blickwinkel sind in Zwischensequenzen trotzdem möglich. Die Engine scheint den Nintendo DS an seine Grenzen zu bringen. So kommt es ab und an zu kleinen Rucklern, dafür werdet Ihr ansonsten mit allerlei Details belohnt. Autos zerfallen in ihre Einzelteile. Beschädigte Boliden müssen ohne Beifahrertür leben. Bei Regen spannen die Passanten ihre Schirme auf und allgemein ist in den Straßen von Liberty City einiges los. Bei der Steuerung gibt man sich größtenteils klassisch. Eure Figur steuert Ihr also zu Fuß und im Auto mit dem Steuerkreuz und den Tasten des DS. Der Touchscreen kommt im Kampf beim Einsatz von Granaten oder Molotow-Cocktails (für Sparfüchse: diese können selbst hergestellt werden) zum Einsatz und zusätzlich auch beim Einsatz des Löschzuges gegen Feuer. Dies gelingt leider nicht immer so genau wie erwünscht.
Gelungener genutzt wird der Touchscreen dagegen bei allerlei kleinen Minispielen. So müsst Ihr gleich zu Anfang die Scheibe Eures Fahrzeugs aufschlagen, um Euch an Land retten zu können. Später müssen einige Autos kurzgeschlossen werden, bevor Ihr sie entführen könnt. Und selbstverständlich ist der Touchscreen in den Menüs eine große Erleichterung. In diesen könnt Ihr Euch auch jederzeit die einzelnen Drogen-Territorien anzeigen lassen, um dem richtigen Riecher noch eine kleine Entscheidungshilfe zur Seite zu stellen.
Berühmt ist die GTA-Reihe natürlich für ihr umfangreiches Radio-Programm. Auch in der DS-Variante „GTA Chinatown Wars“ gibt es verschiedene Radio-Sender. Allerdings müssen wir uns hier mit rein melodischen Stücken aus dem Synthesizer begnügen. Richtige Songs haben es leider ebenso nicht mehr auf die Cartridge geschafft wie auch eine Sprachausgabe für die Zwischensequenzen. So heißt es hier: viele Textpassagen lesen. Zwischensequenzen werden dabei mit Comic-Strips präsentiert.
Ein Gangster kommt selten allein
Neben dem Einzelspieler-Modus hat es auch noch ein umfangreicher Mehrspieler-Part ins Spiel geschafft. Dieser kann teils lokal per Multikartenspiel und teils online über die Nintendo Wi-Fi Connection genutzt werden. Insgesamt stehen im Mehrspieler-Part sechs Modi zur Verfügung. Neben Rennen auf 20 verschiedenen Strecken gibt es unter anderem einen kooperativen Spielmodus, in dem zwei Spieler ihre Basis gegen Computer-gesteuerte Wellen an Gegnern verteidigen müssen. Online können dagegen Items gehandelt, GPS-Koordinaten weitergegeben und Nachrichten verschickt werden. Alle Mehrspieleraktivitäten beschränken sich dabei auf zwei Teilnehmer.
„Grand Theft Auto Chinatown Wars“ ist nicht einfach nur ein kleiner Ausflug in die Nintendo-Handheldwelt, sondern ein großes Abenteuer mit zahlreichen Inhalten. Rockstar hat es geschafft, annähernd das Maximum aus dem kleinen Gerät zu kitzeln und bietet damit ein rundum gelungenes Abenteuer. Grafisch ist das Spiel über jeden Zweifel erhaben und auch spielerisch zieht der Titel alle Register. Mängel findet man nur im Detail, der größte Negativpunkt ist dabei das fehlende „richtige“ Radio. Nahtlos ins Spielgeschehen fügt sich der Drogenhandel ein, der frischen Wind in die Nebenmissionen bringt. Somit ist „Grand Theft Auto Chinatown Wars“ unterm Strich einer der besten Titel auf dem Nintendo DS und der gelungene Beweis dafür, dass auch Titel für Erwachsene auf der Plattform ein richtiges Zuhause finden.
Heiko Ellinger meint...
Nach der Ankündigung des Titels war ich zunächst skeptisch. Kann das Spielprinzip eines GTA auch auf dem DS funktionieren? Es kann! Grafisch ist der Titel eine Wucht, spielerisch wie immer hervorragend. Außerdem konnte ich nun endlich auf ungefährliche Art und Weise meine Fähigkeiten im Dealen von Drogen unter Beweis stellen. ;-) Gratulation an Rockstar für den bisher wohl besten Titel der DS-Ära.
Nach der Ankündigung des Titels war ich zunächst skeptisch. Kann das Spielprinzip eines GTA auch auf dem DS funktionieren? Es kann! Grafisch ist der Titel eine Wucht, spielerisch wie immer hervorragend. Außerdem konnte ich nun endlich auf ungefährliche Art und Weise meine Fähigkeiten im Dealen von Drogen unter Beweis stellen. ;-) Gratulation an Rockstar für den bisher wohl besten Titel der DS-Ära.

GRAFIK
tolle 3D-Engine mit kleinen Rucklern
tolle 3D-Engine mit kleinen Rucklern

SOUND
Radioprogramm ordentlich, mehr aber auch nicht
Radioprogramm ordentlich, mehr aber auch nicht

BEDIENUNG
Touchscreen-Minispiele, Autosteuerung
Touchscreen-Minispiele, Autosteuerung

UMFANG
gute Story, Drogendeals, Nebenmissionen
gute Story, Drogendeals, Nebenmissionen
SPIELSPASS
Ein Gangster-Epos erster Klasse - PFLICHT!
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Ein Gangster-Epos erster Klasse - PFLICHT!
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel