Sonic und der Schwarze Ritter
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 05.04.2009
Sonic hatte es in den letzten Jahren nicht einfach. Ständig musste er sich vorwerfen lassen, dass er einfach nicht mehr so gut in Form ist wie früher. 2007 hatte er davon die Igelschnauze voll und machte Urlaub in der Märchenwelt von 1001 Nacht, was ihm sichtlich gut tat und ihm wieder einige Pluspunkte bei der Fangemeinde einbrachte. Zwei Jahre und einen von der Fachpresse zerrissenen Auftritt als Werigel später, braucht das Sega-Maskottchen auf Wii erneut einen Tapetenwechsel. So packt er also seine sieben Sachen, legt noch ein Schwert obendrauf und reist in das Reich von König Artus.
Ein Igel in der Artus-Sage
Ja, so schön könnte es sein. Einfach Urlaub auf Camelot machen, sich mit Gawein im Armdrücken messen und mit der Herrin vom See Kaffee trinken. Ganz so läuft es dann doch nicht ab. Sonic reist ja nicht einmal von sich aus in das Reich von König-Artus, sondern wird von der Zauberin Merlina dorthin geholt. Diese Enkelin des berühmten Merlins braucht nämlich die Hilfe des schnellen Igels, um König Artus aufzuhalten. Ja, ihr habt richtig gehört. König Artus ist euer Feind. Der einst gütige Herrscher hätte Excalibur nämlich besser im Stein stecken lassen sollen. Denn dieses Schwert hat einen Fluch über Artus gelegt, der ihn zu einem machtgierigen und rücksichtlosen Ritter macht, der auf seinem schwarzen Ross und begleitet von seinen Schergen durch das Land zieht und Angst und Schrecken verbreitet.
Die Aufgabe ist also eigentlich klar: Schwert packen, Artus besiegen, Reich retten. Leider gibt es da ein klitzekleines Problem. Geschützt durch eine magische Schwertscheide ist Artus nämlich unbesiegbar. So muss Sonic erst einmal einen Weg finden, um den schwarzen Ritter zu stürzen. Dafür reist er durch das gesamte Königreich und stößt auf Personen, Orte und Gegenstände aus den Artus-Legenden. Der Artus-Stoff wurde überraschend gut wenn natürlich auch nicht bierernst umgesetzt. Das Setting weiß sofort zu gefallen und stellt eine gelungene Abwechslung zu Sonics früheren Abenteuern dar. Dasselbe gilt auch für die Story, die teilweise richtig fesseln kann und sogar eine überraschende Wendung bereithält.

Dabei wurde das Missionsdesign beibehalten, das Sonic-Fans bereits von der Suche nach den geheimen Ringen kennen. Sonic bewegt sich also nicht frei durch eine große Spielwelt, sondern durch kurze Missionen, die oft nur wenige Minuten dauern. Ist eine Mission geschafft, werden neue Aufträge und auch neue Orte zugänglich. Der blaue Igel rast so mit hoher Geschwindigkeit durch idyllische Landschaften, bevölkerte Burgen und dunkle Höhlen, wobei sich die Kamera zumeist hinter ihm positioniert. Auch das kennen Fans aus 1001 Nacht, nur dass sich Sonic dieses Mal nicht automatisch bewegt und mit dem Analog-Stick gesteuert wird. Das klappt allgemein sehr gut, sodass Sonic nach den ersten einweisenden Missionen schon bald gekonnt durch die Levels rennt, springt, grindet und fährt.
Der blaue Ritter
Die Missionen selbst sind äußerst abwechslungsreich ausgefallen. Nicht immer reicht es einfach nur bis zum Ziel zu kommen. Oft muss Sonic auch gegen die Uhr anrennen, Gegner besiegen oder eine bestimmte Anzahl an Ringen sammeln. Die anfangs noch recht einfachen Missionen werden im Spielverlauf auch immer anspruchsvoller. Sonic muss sich immer schwierigeren Aufgaben stellen, baut seine eigenen Fähigkeiten aber auch immer weiter aus und steigt sogar Ränge auf. Dadurch wird er unter anderem schneller oder zieht Objekte automatisch an. Letzteres ist beim Sammeln der zahlreichen Gegenstände praktisch, die ihr identifizieren müsst und danach als Rüstung anlegen dürft. Das sind nette Rollenspiel-Elemente, die der Motivation zugutekommen, aber auch sehr flach gehalten sind. Eine komplexe Charakterentwicklung darf hier einfach nicht erwartet werden.
Im Laufe des Abenteuers schließen sich dem blauen Ritter auch noch weitere Kämpfer an, sodass ihr euch irgendwann vor Missionen auch für einen Charakter entscheiden dürft. Die Unterschiede zwischen den Figuren sind aber nur minimal. Somit dürft ihr auch hierbei eure Wahl ausnahmsweise auch mal von äußeren Werten abhängig machen. Alle Charaktere rasen nämlich gleich schnell durch die Levels, allen Charakteren werden dieselben Aufgaben gestellt und alle Charaktere haben leider auch immer wieder mit der Kamera zu kämpfen. Diese zeigt des Geschehen manchmal nämlich aus ungünstigen Perspektiven, aus denen Gegenstände, Gegner und sogar Kurven dann erst zu sehen sind, wenn es auch schon zu spät ist. Das ist ärgerlich, kommt aber nicht so oft vor, dass es den Spielspaßruinieren könnte. Selbst mit diesen Kameraproblemen wäre dieser Sonic-Titel ein abwechslungsreiches und unterhaltsames Abenteuer – wenn da nicht die Kämpfe wären.

So gelungen das Artus-Setting auch ist, Sonic ist einfach nicht zum Schwertkämpfer geboren. Und so ist es gerade dieses neue Hauptelement, das diesem Spiel ein gutes Stück von seinem Unterhaltungswert raubt. Im Grunde ist eigentlich gar nichts dagegen einzuwenden, dass Sonic nun auch Angriffe blocken und Schwerthiebe austeilen kann. Allerdings läuft das Ganze nur auf ein ziemlich belangloses Rumgefuchtel hinaus. Sobald sich Sonic vor einem Gegner befindet, schüttelt ihr einfach mit der Remote und schon ist die Sache erledigt. Sonic kann mit der Seelenoffensive zwar eine Spezialattacke auslösen, aber präzise und variantenreiche Hiebe sind nicht möglich. Das verlangen die strunzdummen Gegner leider auch gar nicht von Sonic. Gerne lassen sie sich einfach im Vorbeigehen von ihm mit einem Hieb zu Tode fuchteln.
Nicht einmal bei den Bosskämpfen wird mehr von Sonic verlangt. Ein bisschen Ausweichen, ein bisschen mit dem richtigen Timing Fuchteln – mit dieser „Taktik“ gibt auch der größte Obermotz schnell klein bei. Tiefgang gibt es bei den Kämpfen also nicht. Viel mehr werden sie schnell zu einem unliebsamen Hindernis, das den eigentlich so schnellen Igel abbremst und die Geschwindigkeit aus dem Spiel nimmt. „Sonic und der schwarze Ritter“ wäre ohne diese den Spielfluss störende und nicht wirklich ins Gameplay passende Schwertkämpfe definitiv ein besseres Spiel geworden. Fans müssen also tapfer sein, Kämpfe schnell mit einem Fuchtler hinter sich lassen und sich so gut es geht auf die unterhaltsamen Seiten des Abenteuers konzentrieren.
Fuchteln im Viererpack
Wären die Schwertkämpfe doch nur tiefgängiger, fordernder und unterhaltsamer ausgefallen! Dann müsstet ihr auch keinen Bogen um den Mehrspieler-Modus machen, sondern könntet euch an den zahlreichen Varianten erfreuen. Die Kämpfer treten dort nämlich gegeneinander an, stellen sich Fallen oder nehmen sich gemeinsam ganze 100 Gegner vor. Doch so viel Spielspaß diese Regeleinstellungen auch verheißen - sobald ihr und bis zu drei eurer Freunde in eine der kleinen Arenen geschmissen werdet und dort einfach wild mit der Remote um euch schlagt, ist es mit jedem Unterhaltungswert vorbei. Was im Abenteuer nur ein unliebsames Ärgernis ist, kann alleine natürlich erst recht nicht unterhalten.

Viel erfreulicher ist da schon die Online-Rangliste. Anhand der Bewertungen der einzelnen Missionen erarbeitet ihr euch hier Ränge, die ihr mit euren Freunden oder gleich mit der ganzen Welt vergleichen könnt. Neben diesem Motivationsanreiz dürft ihr euren Freunden aber auch Geschenke machen und ihnen gesammelte Gegenstände zukommen lassen. Von den Gegenständen gibt es genug und alle können im Extra-Menü genau betrachtet werden. Hier finden sich auch noch viele weitere feine Sachen, wie Entwicklerdaten, Sequenzen und sogar Infos über die Artus-Sage. In Sachen Extras gibt sich „Sonic und der Schwarze Ritter“ also durchaus vorbildlich.
Und auch von der Grafik könnte sich so mancher Wii-Titel eine Scheibe abschneiden. Die Umgebungen sind abwechslungsreich gehalten und bieten viele Details. Auch wird das Geschwindigkeitsgefühl gut herübergebracht, wobei die Framerate auch immerzu stabil bleibt. Einzig die Texturen sehen etwas matschig aus, aber das ist bei dem gelungenen Charakterdesign und den beeindruckenden Sequenzen schnell verziehen. Das Artus-Setting besitzt eine dichte Atmosphäre, die von der eintönigen Musik zwar nur wenig dafür aber von der tollen englischen Sprachausgabe umso mehr unterstützt wird. Die Sprecher machen allesamt einen hervorragenden Job - nur die Kommentare an sich sind manchmal überhörenswert. Sonics vorlaute Witze zünden einfach nicht immer und wenn er als hervorragender Ritter gelobt wird, werdet ihr euch fragen, ob ihr nun lachen oder weinen sollt.
Sascha Geldermann meint...
Eigentlich ist Sonic auf einem guten Weg. Wenn ich mit ihm quer durch die Artus-Sage und abwechslungsreiche Missionen rase, kommt etwas von dem Spielspaß und der Faszination aus seinen besten Tagen auf. Doch leider schneidet sich der blaue Ritter mit seinem Schwert ins eigene Fleisch. Die Kämpfe laufen nämlich nicht nur alle auf belangloses Gefuchtel hinaus, sondern stören auch noch den Spielfluss. Igel sind wohl einfach nicht zu Rittern geboren.
Eigentlich ist Sonic auf einem guten Weg. Wenn ich mit ihm quer durch die Artus-Sage und abwechslungsreiche Missionen rase, kommt etwas von dem Spielspaß und der Faszination aus seinen besten Tagen auf. Doch leider schneidet sich der blaue Ritter mit seinem Schwert ins eigene Fleisch. Die Kämpfe laufen nämlich nicht nur alle auf belangloses Gefuchtel hinaus, sondern stören auch noch den Spielfluss. Igel sind wohl einfach nicht zu Rittern geboren.

GRAFIK
Das hübsche Artus-Setting wird auch durch die etwas matschigen Texturen nicht getrübt.
Das hübsche Artus-Setting wird auch durch die etwas matschigen Texturen nicht getrübt.

SOUND
Die Sprachausgabe ist fantastisch, während die Musik eintönig vor sich hindudelt.
Die Sprachausgabe ist fantastisch, während die Musik eintönig vor sich hindudelt.

BEDIENUNG
Die Kontrolle ist eindwandfrei. Nur das Rumgefuchtel bei den Kämpfen stört.
Die Kontrolle ist eindwandfrei. Nur das Rumgefuchtel bei den Kämpfen stört.

UMFANG
Viele Extras und Ranglisten motivieren. Der Mehrspieler-Modus ist aber unbrauchbar.
Viele Extras und Ranglisten motivieren. Der Mehrspieler-Modus ist aber unbrauchbar.
SPIELSPASS
Sonic überzeugt als Igel, versagt aber als Ritter.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Sonic überzeugt als Igel, versagt aber als Ritter.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel