MySims Party
Artikel verfasst von Aljoscha Reuther am 25.03.2009
Minispielsammlungen sind von einer brillanten Idee mittlerweile zu einer Plage geworden, wen man sich aktuell einmal die Bewertungen der Spiele auf der Wii ansieht. Und die Genre-Könige Mario Party und Raving Rabbids bekommen allmählich auch Konkurrenz auf dem Nintendo DS. Der nächste Anwärter auf den zweifelhaften Thron ist ein Ableger der MySims-Serie: MySims party. Haben wir es hier wieder nur mit "wer kann am schnellsten auf dem Touchscreen hin und her reiben" zu tun oder steht uns diesmal ein etwas würdigerer Vertreter des Genres bevor?
Die Stadt der Festivals
Die MySims Spiele sind speziell für die Nintendokonsolen gemacht worden und haben nur wenig mit der doch eher komplexen Lebenssimulation Die Sims zu tun. Dennoch erfreuen sich die großköpfigen Quadratschädel einer recht großen Beliebtheit - aber immerhin sind es ja auch Die Sims. Oder viel mehr My Sims.
Nun wollen die Sims aber auch einmal Party machen, und schieben uns deshalb in eine Stadt, die nur eines im Sinn hat: Festivals. Und hier geht es nicht um Wacken.
Diese Festivals sind nämlich Wettkämpfe in verschiedenen Kategorien, und der Gewinner gewinnt bares Geld.

Unnötig zu erwähnen, dass diese Wettkämpfe die Minispiele enthalten, die im Spiel auf uns warten - 40 an der Zahl. Um das nächste Festival freizuschalten, und so mehr Minispiele spielen zu können, müssen wir die Festivals gewinnen. Soweit klingt das ganze recht nach Standard. Doch leider ist es das bei weitem nicht.
Was in den Minispielen auf uns wartet, ist zwar nicht das bloße hin- und her reiben des Stiftes auf dem Touchscreen - zum Glück. Denn der Touchscreen wird nur selten eingesetzt, vielmehr geht es in den meisten Spielen darum, die diversen Knöpfe des DS- ausgenommen Start und Select, so schnell wie möglich zu drücken und so irgendwas im Spiel zu bewirken.
Dabei stehen uns verschiedene Arten von spielen zur Verfügung, sogar einen kleinen Railshooter gibt es, der aber aufgrund der schlecht erkannten Touchscreensteuerung nicht wirklich Spaß macht. Außer besagtem Shooter (der übrigens gegen Geister geht), gibt es noch "Rennspiele" (wobei "rennen" hier wörtlich genommen ist), Musik, Denk und... ach was soll's, am Ende hämmern wir eh wieder nur auf den Tasten herum.
Denn anders lassen sich die verschiedenen Minispiele nicht schaffen. Zwar wird des öfteren über eine schwache KI bei den meisten DS Spielen gemeckert, doch EA ist hier Meilenweit über das Ziel hinausgeschossen. Das Spiel soll Kindgerecht sein - das lässt zumindest die Verpackung vermuten. Doch wenn man das Spiel einem Kind vorsetzt, wird es wohl nach den ersten 15 Minuten den DS ausschalten und ein anderes Spiel verlangen, denn die Gegner im Spiel sind nahezu unschlagbar. Während wir zum Beispiel bei dem Spiel "Kopfball" einen Ball hochhalten und seelenruhig die oben gezeigten Tasten drücken, rasen unsere KI-Gegner bereits mit knapp 50 Punkten Vorsprung an uns vorbei. Da wir aber nur neue Minispiele freischalten, wenn wir ein Festival gewinnen, ist Frust vorprogrammiert, und zwar nicht zu knapp.
Zudem werden die Minispiele des öfteren Wiederholt, sodass wir bei jedem Festival kaum etwas neues finden und in den Minispielen nicht einmal die Aufgabe variiert wird. Jedes Mal bekommen wir eine neue Einführung, jedes Mal gibt es eine neue Demonstration wie man spielt und jedes Mal dauert das Minispiel gemessen am Spielspaß viel zu lange. Zudem haben die Festivals stellenweise sehr seltsame Namen und Themen, und dann passen die gewählten Minispiele nicht einmal dazu...
Wenn wir dann doch einmal gewinnen, bekommen wir Geld, und können, Sims-typisch unsere Stadt, unser Heim und auch uns selbst Anpassen, in Farbe, aussehen, Form und Gestalt.
Oder wir kaufen sogenannte "Festival Karten", die unsere Eigenschaften während eines Festivals erhöhen können. Denn im Spiel haben wir 3 Attribute zu vergeben: Kraft, Geschicklichkeit und Tempo - oder so in der Art. Diese Attribute wirken sich, so könnte man denken, auf das Spiel aus, die frage ist nur wie - denn mir ist, obwohl ich alles mögliche mit diesen Attributen ausprobiert habe, nichts aufgefallen.
Was neben den Minispielen allerdings noch zusätzlich nervt, ist das viele Gelaber, das in dem Spiel stattfindet. Es dauert sage und schreibe 10 Minuten, bis wir vom Starten des Spieles (wohlgemerkt dem spielbaren Teil des Titels, also nach dem Hauptmenü) bis hin zu unseren ersten eigens ausführbaren Aktionen kommen, den Rest der Zeit wird uns nur von einer sehr seltsamen Gestalt im Hundeschlafanzug (genannt Tim - ja, der obligatorische Tim im Spiel) das Ohr abgekaut, zwischenzeitlich kommen wir noch zu einer Hyperaktiven Dame namens MC Emy, die aber das selbe im Sinn hat. Reden, Reden, Reden.

Der Part des Spieles abseits der Minispiele ist zwar recht schön gemacht, immerhin haben wir 5 Bereiche zu erkunden und einige neue Sims zu treffen, aber es ist einfach und simpel gesagt sinnlos. Die Festivals finden immer in ein und dem selben Haus statt, und bringen tut es wenig, die anderen Sims anzusprechen. Sie sagen alle das Selbe (naja fast, sie nennen zumindest unterschiedliche Namen... und dann geht das Gerede wieder los...). Wer sein Geld verpulvern will, kauft sich die Festival Karten, neue Gegenstände für sein Haus oder seinen Körper... und so weiter...
Von Affen, Hunden und Hyperaktiven
Kommen wir nun zur Technischen Seite, noch eben schnell, sozusagen. Und die ist ebenfalls dürftig. Zwar haben wir die typische MySims-Comic-Grafik, die stark an Animal Crossing erinnert (welches ja auch vom Spielprinzip, zumindest mit dem Original MySims übereinstimmt), und auch ein paar schöne Orte zum ansehen, aber da hört es dann leider schon auf. Die Grafik hat einfach keine Highlights, alles ist knallbunt, und wirkt statisch. Zudem sind die unsichtbaren Grenzen, die uns davon abhalten, dorthin zu gehen wo wir nicht hingehen sollen, dermaßen Grob gesetzt, dass es schon stark an Clippingfehler erinnert (Clippingfehler bedeutet, dass man aufgrund von Fehlern auf einmal nicht weiterlaufen kann, weil zum Beispiel eine Kante den Weg versperrt, die man aber nicht sehen kann).
Der Sound ist ebenfalls eher dürftig und bedarf eigentlich keiner großen Umschreibung, natürlich gibt es keine Sprachausgabe, was etwas viel gewesen wäre, und die Hintergrundmusik ist eine Mischung aus schlechter MP3-Qualität und Gameboy-Gedudel.
Steuerungsmäßig saugt MySims Party alle guten Wertungen wie ein schwarzes Loch auf. Der Touchscreen, wenn er denn zum Einsatz kommt, reagiert nur unzureichend (was nicht auf einen Fehler beim Testgerät zurückzuführen ist, ich hab's auch bei einem anderen Gerät ausprobiert) und das stupide Hämmern auf bestimmte Knöpfe macht spätestens nach dem zweiten Minispiel keinen Spaß mehr.
Dazu kommt noch, dass die Navigation durch die Menüs sehr langwierig ist und stellenweise verwirrt, denn man muss alles mit einem kleinen Haken unten am Bildschirmrand bestätigen. Wenn man den Touchpen nicht nutzt, ist es aber sehr schwer, an diesen Haken dranzukommen...
Der Multiplayer ist wohl die einzige Möglichkeit, bei MySims etwas Spaß zu haben, und sich nicht alles von der brutalen KI (die Bewertung basiert übrigens auf dem Level "schwach", an die höheren habe ich mich gar nicht 'rangetraut...) versauen zu lassen. Denn Menschliche Gegner können die Minispiele zumindest einfacher, aber nicht besser machen, denn alle Spiele sind, wie schon oben gesagt, einfallslos und stupide. Zumindest beinhaltet das Spiel ein Einzelkartenspiel, sodass man zumindest nicht vier Mal Geld für die Sammlung ausgeben muss.
Aljoscha Reuther meint...
Bei einem Fließbandtitel wie Sims braucht man ja nicht viel erwarten, auch wenn die Hauptspiele durchaus ihren Reiz haben. Aber dass EA seine eigene Qualität dermaßen hinunterschraubt und diese Sammlung an Langeweile und Einfallslosigkeit auf den Markt bringt, ist für mich unbegreiflich. Wenn die Spiele selbst schon nicht gerade der Brüller sind, hätte man ja zumindest den Schwierigkeitsgrad so anpassen können, damit man zumindest alle Minispiele zu Gesicht bekommt, ohne gleich alles 5-6 Mal durchzukauen, wobei sich die Minispiele dann auch noch wiederholen. Wobei... dann wär' es wohl wieder zu einfach geworden. Eine neue Minispielsammlung ist für den DS, selbst von prominenter Stelle aus, genau so nützlich, wie Scheibenenteiser im Sommer.
Bei einem Fließbandtitel wie Sims braucht man ja nicht viel erwarten, auch wenn die Hauptspiele durchaus ihren Reiz haben. Aber dass EA seine eigene Qualität dermaßen hinunterschraubt und diese Sammlung an Langeweile und Einfallslosigkeit auf den Markt bringt, ist für mich unbegreiflich. Wenn die Spiele selbst schon nicht gerade der Brüller sind, hätte man ja zumindest den Schwierigkeitsgrad so anpassen können, damit man zumindest alle Minispiele zu Gesicht bekommt, ohne gleich alles 5-6 Mal durchzukauen, wobei sich die Minispiele dann auch noch wiederholen. Wobei... dann wär' es wohl wieder zu einfach geworden. Eine neue Minispielsammlung ist für den DS, selbst von prominenter Stelle aus, genau so nützlich, wie Scheibenenteiser im Sommer.

GRAFIK
Die Grafik ist knallig bunt, sonst aber nichts
Die Grafik ist knallig bunt, sonst aber nichts

SOUND
langweilige bis stark nervige Hintergrundmusik
langweilige bis stark nervige Hintergrundmusik

BEDIENUNG
nicht nur Touchscreen-reiben, dafür aber blödes Buttonsmashen
nicht nur Touchscreen-reiben, dafür aber blödes Buttonsmashen

UMFANG
50 Minispiele, die sich andauernd wiederholen
50 Minispiele, die sich andauernd wiederholen
SPIELSPASS
Die Typische Minispielsammlung
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Die Typische Minispielsammlung
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel