Family Ski & Snowboard
Artikel verfasst von Aljoscha Reuther am 21.03.2009
Der Winter ist ja, zumindest rein kalendarisch gesehen, vorbei, und damit auch für die meisten von uns die Zeit des Wintersports. Gut dass es die Wii gibt, und das Balanceboard, denn mehr brauchen wir nicht für den erneuten Ausflug auf die Pisten. Naja, doch, ein Spiel - in diesem Fall Family Ski & Snowboard. Wie der Titel schon sagt, schwingen wir uns, quasi mit der ganzen Familie, auf die Bretter, egal ob 2 oder 1. Doch was bringt die Pistenabfuhr wirklich, nach dem doch recht durchwachsenen Vorgänger?
Aprés Ski und rote Pisten
Eine Story ist natürlich nicht vorhanden, das sollte klar sein. Denn Family Ski & Snowboard ist mehr eine Simulation als eine normale Arcade-Abfahrt. Und das in vielerlei Hinsicht... aber dazu später mehr.
Der Umfang im Spiel ist recht... ordentlich. Anders als bei anderen Ski- und Snowboardsimulationen haben wir es nicht mit einzelnen Strecken zu tun, sondern mit kompletten Bergen. Gleich zwei an der Zahl, mit allerhand verschiedenen Abfahrten - von der Stuntpiste bis hin zur Mörderstrecke ist alles vorhanden. Dabei können wir zwischen zwei Arten von Berg unterscheiden: dem Ski-Ressortt, also einer vollständig ausgebauten und auf Tourismus ausgelegten Anlage, das vor allem bei Nacht zu einem unglaublich schön aussehenden Spektakel aus Licht und Farben wird, oder dem naturbelassenen Berg, dessen unberührte Schneedecke nur darauf wartet, von neugierigen Skifahrern und Snowboardern genutzt zu werden.

Um auf diesen Pisten dann auch etwas Spaß zu haben - immerhin geht es dabei ja beim Spielen - müssen wir natürlich etwas lernen, und dafür gibt es das spielinterne "Tutorial", im Spiel "Schule" genannt. Äußerst umfangreich werden hier alle nur erdenklichen Tricks und Fortbewegungsarten durchgenommen. Leider zu Umfangreich, denn jeder Trick, und jede noch so kleine Kleinigkeit hat ein eigenes Tutorial erhalten, das extra geladen werden muss, eine Erklärung und ein Beispiel besitzt. Unterm Strich kommt dabei raus, dass wir am Ende des Tutorial-Abschnittes mindestens 75% des zuvor gelehrten Vergessen haben, zumal die Gesten, die wir mit der Wii-Fernbedienung und dem Nunchuk machen müssen, teilweise recht kompliziert sind. Doch dazu später mehr in der Steuerung.
Das ganze ist verpackt in mehrere Spielmodi, die sowohl alleine als auch mit bis zu drei weiteren Mitspielern gespielt werden können. Wir können einmal die Abfahrt im Ski-Ressorttt auswählen, dann die Abfahrt auf dem naturbelassenen Berg, und es gibt einen Herausforderungsmodus, in dem wir verschiedene Arten von Spielmodi ausprobieren können - zum Beispiel Rennen, Slalom, Halfpipe-Tricks... und so weiter.
Eine wirkliche Vorgabe gibt es im Spiel aber nicht - wie schon oben erwähnt, ist das ganze Spiel eher als Simulation anzusehen. Denn ein vorgegebenes Ziel oder eine Kampagne gibt es nicht. Wir fahren Munter den Abhang herunter, lassen uns vom Helikopter (Berg) oder vom Lift (Ressort) wieder nach oben bringen... und fahren wieder hinunter. Auch die Herausforderungen bestehen einzig und allein aus Aufgaben wie "Gewinne das Rennen", "Erreiche 2000 Punkte" und "Führe in der Luft einen 1080° durch", zudem sind alle Ziele sehr einfach zu erreichen.
Nun, so ganz stimmt es doch nicht. Bei der freien Abfahrt haben wir die Möglichkeit, uns mit allen möglichen Leuten zu unterhalten - die Pisten sind nämlich reichlich besucht. Einige plaudern mit uns übers Wetter, andere fordern uns zu einem Rennen heraus, und wieder andere geben uns Aufgaben, die wir in einem bestimmten Zeitraum erfüllen müssen (z.B. Botengänge etc.). Auswirkungen auf das Spiel hat es allerdings weniger - es kann höchstens sein, dass wir ab und an einmal für Stunts oder besagten Aufgaben ein neues Stück für eine Ausrüstung bekommen.

Apropos Ausrüstung, natürlich gibt es auch noch die Avatare, die uns im Spiel sozusagen vertreten. Ein nettes Feature hierbei ist, dass wir die Wahl zwischen dem spielinternen Avatarsystem und unseren Miis haben. Beides hat aber keine Auswirkung auf die Physik oder andere Aspekte des Spieles - nur können unsere Miis nicht die gesamte Ausrüstung verwenden, die dem Spiel innewohnt. Und die ist Recht umfangreich, neben dem generellen Aussehen unseres Charakters (der vom kleinen Mädchen bis zum Opa reicht - immerhin heißt es Family Ski & Snowboard) können wir sowohl Kleidung als auch Board und Accessoirs anpassen, sowohl vom Muster als auch von der Farbe her.
Und ab geht's, am besten Nachts
Der Wechsel zwischen Snowboard und Ski ist problemlos, sogar während des Spieles möglich. Selbst um den Standort zu wechseln und vielleicht von einer anderen Piste aus zu starten, müssen wir nicht warten - wir rufen einfach die Karte auf und wählen, wo wir abgesetzt werden wollen. Fahren wir eine bisher noch nicht hinabgefahrene Piste an, kommt eine kurze Einführung, was auf uns wartet und wie wir uns am besten zu verhalten haben. Das ganze macht den Lift allerdings irgendwie... sinnlos. Aber naja, immerhin eine nette Funktion.
Spielerisch gesehen wartet also eine bunte Mischung auf uns, die durchaus Spaß machen kann - leider aber durch die zu große Freiheit schnell an Motivation verliert... man fährt, und fährt, und fährt, und nichts, aber auch gar nichts passiert. Der Affe braucht nunmal Zucker, liebe Leute von Namco...
Kommen wir dann einmal zur technischen Seite. Wie immer beginnend mit der Grafik, und die kann sich tatsächlich sehen lassen. Zwar haben wir es nicht mit realistischen Bewegungen und Texturen zu tun, aber wir können beinahe die gesamte Strecke hinabsehen, ohne all zu viele Details zu vermissen. Besonders der Nacht-Modus sollte beim Spielen zur Standardeinstellung werden, denn die vielen bunten Lichter des Ressorts oder die sanfte Dämmerungsstimmung des Berges schieben das Grafiklevel noch einmal kräftig nach oben und geben dem Skiurlaub-Feeling des Titels den letzten Schliff. Grafisch gesehen also durchaus ein lohnender Titel, der weder ruckelt noch groß auf Details verzichten muss. Ein schöner Pluspunkt ist, dass alle Streckentexturen ins deutsche übersetzt wurden, so bekommen wir auf Schildern die richtigen Informationen und wissen, in welchen Bereich wir einfahren.

Der Sound hingegen hätte noch einmal kräftig überarbeitet werden können. Denn er ist, bis auf authentische Geräusche bei der Abfahrt (= Rauschen), praktisch nicht vorhanden. Hintergrundmusik ist praktisch nicht vorhanden, bis auf ein paar verhallte Töne, die beim Ressort aus den Lautsprechern kommen, zusammen mit einem unverständlichen Gebrabbel - das ganze soll wohl nach Pistendurchsagen klingen.
Unverständliches Gebrabbel finden wir auch im Tutorial, dort wird zwar im Text alles schön beschrieben, jedoch wird das ganze von dieser einfach unerträglichen Fantasiestimme dominiert, wie wir sie leider auch in Spielen wie Animal Crossing oder Okami finden.
Die Steuerung ist hingegen schwerer zu bewerten. Auf der einen Seite haben wir einen recht ordentlichen Umfang an Kommandos für Tricks, abbremsen, sliden... und wie der ganze Kram sonst noch heißt, auf der anderen Seite basiert alles mal wieder auf Schütteln, Schwingen und Schlagen. Praktisch das gesamte Spiel basiert darauf, dass wir die Wii-Fernbedienung und das Nunchuk abwechselnd nach oben und nach unten schlagen - wohl die meist genutzte Bewegung der Wii-Spiele. Und doch sind dann einige Kommandos dabei, die einfach zu schwer bzw. gewollt komplex sind. Beispielsweise müssen wir, um zu springen, die B-Taste gedrückt halten und die Fernbedienung nach oben reißen. Wenn wir dann aber einen Trick ausführen wollen, dürfen wir auf keinen Fall die B-Taste in irgend einer Form gedrückt halten, sonst macht unser Spielgefährte nämlich gar nix. Warum?! Das ganze ist eher unlogisch als Logisch, da die B-Taste für keinen Trick Verwendung findet. Auch andere Manöver, die beispielsweise verschiedene Tasten in Kombination mit dem Schlagen der Fernbedienung und des Nunchuks benötigen, sind einfach zu kompliziert, und aufgrund des langwierigen Tutorials mit Sicherheit sehr schnell wieder vergessen, was den Bereich der besseren Tricks und Möglichkeiten sehr stark einschränkt.
Das Balanceboard wird natürlich unterstützt, wie es sich für ein Snowboardspiel gehört. Jedoch fallen hier die besonderen Möglichkeiten weg, wir benutzen die teure Peripherie einzig und allein dazu, unsere Spielfigur zu lenken - durch Gewichsverlagerung natürlich. Also steuern wir mit dem Board einfach nur nach rechts oder links. Andererseits verhindert dies auch fehlerhafte eingaben, wenn man einmal das Gleichgewicht verliert.

Der Multiplayer selbst ist natürlich absoluter Standard. Bei allen Modi können wir entweder allein oder mit unseren Mitspielern, dann per Splitscreen, in den Schnee fahren. Das ganze macht weder wirklich Spaß, noch ist es langweilig - irgendwo dazwischen. Denn maximal zwei Spieler haben auf einem Durchschnittsfernseher genug platz, um überhaupt noch sehen zu können, was sie wo und wie gerade tun...
Aljoscha Reuther meint...
Mit der Familie in den Skiurlaub - zumindest Virtuell. Der Nachfolger von Family Ski macht einiges richtig, aber auch vieles wieder falsch. So haben wir es mit zwei ordentlichen Pisten zu tun, die eine Menge an Möglichkeiten bergen, aber es fehlt einfach die Motivation für diese Möglichkeiten. Für diejenigen, die auf optische Leckerbissen abfahren, empfiehlt sich allerdings die Fahrt bei Nacht, denn dann sieht das Spiel einfach nur, entschuldigt, Geil aus. Für zwischendurch, wenn man ein bisschen Entspannung sucht, ist der Titel bestens geeignet, wer aber knallharte Snowboardaction sucht, bei der die Tricks noch wirklich was zählen, ist mit Shaun White besser dran.
Mit der Familie in den Skiurlaub - zumindest Virtuell. Der Nachfolger von Family Ski macht einiges richtig, aber auch vieles wieder falsch. So haben wir es mit zwei ordentlichen Pisten zu tun, die eine Menge an Möglichkeiten bergen, aber es fehlt einfach die Motivation für diese Möglichkeiten. Für diejenigen, die auf optische Leckerbissen abfahren, empfiehlt sich allerdings die Fahrt bei Nacht, denn dann sieht das Spiel einfach nur, entschuldigt, Geil aus. Für zwischendurch, wenn man ein bisschen Entspannung sucht, ist der Titel bestens geeignet, wer aber knallharte Snowboardaction sucht, bei der die Tricks noch wirklich was zählen, ist mit Shaun White besser dran.

GRAFIK
Nette Optik, besonders bei den Nachtfahrten, allerdings wurde an Effekten komplett gespart.
Nette Optik, besonders bei den Nachtfahrten, allerdings wurde an Effekten komplett gespart.

SOUND
Das Rauschen beim Abfahren klingt... echt... aber wo ist die Musik?
Das Rauschen beim Abfahren klingt... echt... aber wo ist die Musik?

BEDIENUNG
Das Spiel unterstützt das BalanceBoard und bietet viele Gesten, die allerdings die Überhand nehmen und das Spiel unübersichtlich wirken lassen.
Das Spiel unterstützt das BalanceBoard und bietet viele Gesten, die allerdings die Überhand nehmen und das Spiel unübersichtlich wirken lassen.

UMFANG
2 große Pisten mit vielen Möglichkeiten, allerdings fehlt der Sinn im Spiel. Besonderes zu Entdecken gibt es nicht.
2 große Pisten mit vielen Möglichkeiten, allerdings fehlt der Sinn im Spiel. Besonderes zu Entdecken gibt es nicht.
SPIELSPASS
Leider abwechslungsloser Skiausflug mit netter Optik
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Leider abwechslungsloser Skiausflug mit netter Optik
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel