Baphomets Fluch - The Director`s Cut
Artikel verfasst von Aljoscha Reuther am 21.03.2009
Totgesagte leben länger - das gilt vor allem für das Adventure-Genre. Bereits vor Jahren tot geglaubtt,erfreuen uns immer wieder kleine Abenteuer-Perlen, weit ab von knallharter, waffenbestückter Action oder Gehirnjoggingescapaden der mehr oder weniger schönen Art. Doch diesmal erwartet uns nicht eine Neuschöpfung oder Fortsetzung, sondern ein wahrer Klassiker: Baphomets Fluch, eines der besten Adventures aller Zeiten, findet seinen Weg als exklusive Director's Cut Edition auf die Wii. Handelt es sich hier um eine bloße Portierung des alten Spieles oder hat Ubisoft aus der Wiedergeburt eine Evolution gemacht?
Some Day in France...
Die Story von Baphomets Fluch dürfte nicht allen bekannt sein, immerhin hat das Spiel schon 13 Jahre auf dem Buckel (das Originalspiel erschien 1996). Daher hier eine kleine Zusammenfassung: George Stobbart, die Hauptperson des Spieles, sitzt gemütlich in einem Café in Paris und genießt seinen Urlaub, bis ein seltsamer, Akkordeon spielender Clown kommt und in das Café geht. Kurze Zeit später explodiert das Café - der Clown war ein Attentäter! Die traurige Bilanz von George's erstem Urlaubstag: ein verwüstetes Café, eine schwer verletzte Kellnerin... und ein Toter. Mord. Und da George voller Tatendrang ist, nimmt er auf eigene Faust die Ermittlungen in diesem Mordfall auf - immerhin ist er Amerikaner.
Bei seinen Ermittlungen trifft George auf die schöne Journalistin Nico Collard, und schon finden sich beide in einer wilden Geschichte wieder, rund um Morde, Verschwörungen und die alten Legenden um den Orden der Tempelritter wieder...

Nun, das war die Einleitung der Geschichte des Originalspiels, nicht aber des neuen Director's Cut. Denn Ubisoft und Revolution haben hier nicht einfach nur fein den Kopierer angeworfen und das Spiel auf die Wii portiert, sondern die Story und die Spielmöglichkeiten erweitert, sodass wir einige neue Aspekte zu Gesicht bekommen. Beispielsweise beginnt diese Version mit dem Mord an einem einflussreichen französischen Staatsmann, und wir bekommen erstmalig die Möglichkeit, auch Nico steuern zu dürfen - dies war in der Originalversion nämlich nicht möglich. Die Abschnitte der Journalistin spielen dabei für die Geschichte des Grundspieles selbst eine eher untergeordnete bis nichtige Rolle, decken aber einige interessante Fakten auf und bilden eine Art zusätzliche, aber in sich geschlossene Handlung. Nett!
Allerdings befinden sich diese Abschnitte bzw. neuen "Level" ziemlich am Anfang, bereits bei 35% des Spielfortschrittes haben wir den Teil mit Nico schon längst fertig gespielt, den rest des Spieles verbringen wir einzig und allein mit George.
Da es sich um ein Point-And-Klick Adventure handelt, dürfen das Item-Suchen und Leute befragen natürlich nicht fehlen, und so klicken wir uns munter durch die wunderschön designte Welt und versinken immer Tiefer in der Story, die weitaus größere Ausmaße annimmt, als sich George und Nico gedacht hätten.
Da wir nun das theoretische und informative Zeug abgeschlossen haben, wenden wir uns nun einmal den knallharten Fakten zu. Was ist dran am Remake des Klassikers?
Nun, um ehrlich zu bleiben, es ist das selbe Spiel wie damals. Hier und da gibt es einige Verbesserungen, und die schon erwähnten Zusatzinhalte, zudem wurde der Spielablauf minimal verändert. Andererseits war es vielleicht das beste, was mit Baphomets Fluch gemacht werden konnte, um es auf die Wii zu bringen, denn das Spiel hat nichts von seiner tollen Atmosphäre und seiner Faszination verloren, im Gegenteil, nun hat es sogar noch einen deftigen Nostalgiebonus.

Doch was ist genau "anders"? Nun, um es kurz zu machen, das Spiel hat natürlich einen leichten grafischen Aufguss bekommen, auch wenn man diesen nicht wirklich wahrnimmt - außer in den neuen Inhalten, die dann speziell für Nico's Abschnitte erstellt wurden. Ansonsten haben wir nun Portraits von den an den Konversationen teilnehmenden Figuren und ein recht nettes Hilfesystem, dass uns auch dann einmal weiterbringt, wenn wir nicht weiter wissen, und uns nicht zwingt, im Internet oder einem Buch nach Komplettlösungen suchen zu müssen - somit sind die Frustmomente, in denen man einfach nicht mehr weiter weiß, minimiert.
Leider verliert das Spiel dadurch auch leicht die entscheidende Hartnäckigkeit, die für ein Adventure typisch ist.
Auch an anderen Stellen wurde der Schwierigkeitsgrad deutlich gesenkt. So war es im ursprünglichen Spiel möglich, adventureuntypisch, zu sterben, wenn man eine falsche Aktion durchgeführt hatte - zum Beispiel ein paar Gangstern in die Hände zu laufen oder eine Aktion nicht schnell genug durchführen zu können, und wir bekommen stellenweise die entscheidenden Hinweise von den Spielfiguren selbst - in ihren Tagebüchern, die das Spielgeschehen immer mitprotokollieren.
Adventurekost auf Oldschoolart
Wie schon angedeutet, wurde das Originalkonzept des Spieles aber nicht angepackt, dazu gehört auch die Grafik des Titels - ein interaktiver Comic, komplett in 2D. Keine Spiegeleffekte, keine dynamischen Schatten - braucht es auch nicht, das Spiel wirkt sehr liebevoll und detailliert, auch wenn die Mimik in den "Portraitfenstern" stellenweise etwas übertrieben oder unangebracht wirkt. Alles in allem kann man über die Grafik aber nicht meckern, im Gegenteil. Ruckler gibt es im Spiel natürlich nicht.
Einzig und allein die Untertitel des Spieles, sowohl bei den Dialogen als auch bei den Videos, sind recht klein geraten und teilweise sehr schwer zu lesen. Der Schriftgrad der Einstellungen ist allerdings absolut OK.

Auch der Sound ist, auf den ersten "Hörer", fantastisch, steht der Name Baphomets Fluch doch für erstklassige Sprecher der Charaktere. Nico beispielsweise wird, übrigens auch im Originalspiel, von der durch Akte-X und Galileo bekannten Franziska Pigulla gesprochen.
Leider wird dieser Eindruck bereits am Anfang des Spieles kurz gedämpft. Die Qualität der Sprecher ist zwar ungebrochen, der Sound springt aber zwischen "glasklar" und "dumpf" hin und her. Nico's stimme ist am Anfang sehr klar aus den Lautsprechern hörbar, jedoch ist bereits ihr erster Gesprächspartner nach einer längeren Videosequenz stark abgedumpft und leiser. Dieser "Qualitätsstand" behält sich leider das gesamte Spiel über bei, speziell im Inhalt des alten Spieles. Hier hätte man sich bei Ubisoft vielleicht entscheiden sollen: ganz oder gar nicht. Dann wäre es vielleicht auch nicht aufgefallen
Anders sieht es mit den Hintergrundmelodien aus, diese sind dezent und passen zum jeweiligen Setting, wurden ebenfalls aus dem Originalspiel entnommen.
Die Steuerung ist ebenfalls recht gut ausgefallen, wie man es von einer anständigen Portierung auch erwarten könnte. Dass die Fernbedienung der Wii absolut für das "Pointen" geeignet ist, sollte klar sein, doch auch die Steuerung im Spiel selbst ist sehr gut gelungen. Das ewige Laster der Adventurespiele, jeden einzelnen Pixel des Bildschirmes nach einem neuen Hotspot absuchen zu müssen (ein Hotspot ist ein Punkt, den man im Spiel anklicken kann, um mit ihm zu interagieren), tritt recht selten auf, zumindest verhältnismäßig.

Der Multiplayer im Spiel ist... unnötig, ein zweiter Spieler kann mit einer zweiten Fernbedienung auf den Bildschirm zeigen und seinen Cursor leuchten lassen, sonst aber nichts machen - die Steuerung des Spieles bleibt beim ersten Spieler.
Für besagten Einzelspieler bringt das Spiel eine ordentliche Spielzeit von mindestens 14 Stunden mit sich, sofern man nicht pausenlos auf den Hilfebutton klickt und auch einmal seine grauen Zellen anstrengt.
Aljoscha Reuther meint...
Das Originalspiel selbst, egal ob ergänzt oder nicht, verdient Top-Bewertungen, keine Frage. Es ist schön, dass ein altes Spiel noch so begeistern kann. Baphomets Fluch - The Directors Cut ist genau das, was man unter einer ordentlichen Portierung verstehen kann - es ist keine 1:1 Kopie, sondern wurde verbessert und ergänzt, sodass man vielleicht nicht genau das selbe Spiel im Regal stehen hat, dass man bereits vor einigen Jahren gekauft haben könnte (anders als zum Beispiel Pikmin). Allerdings gibt es auch ein kleines Manko: sollte man sich das Spiel zum Vollpreis kaufen, wenn man das Original schon besitzt, nur um ein paar Stellen mit Nico spielen zu können? Für alle, die bisher noch keinen Kontakt zu Baphomets Fluch oder speziell dem ersten Teil der Serie hatten: ein Pflichtkauf!
Das Originalspiel selbst, egal ob ergänzt oder nicht, verdient Top-Bewertungen, keine Frage. Es ist schön, dass ein altes Spiel noch so begeistern kann. Baphomets Fluch - The Directors Cut ist genau das, was man unter einer ordentlichen Portierung verstehen kann - es ist keine 1:1 Kopie, sondern wurde verbessert und ergänzt, sodass man vielleicht nicht genau das selbe Spiel im Regal stehen hat, dass man bereits vor einigen Jahren gekauft haben könnte (anders als zum Beispiel Pikmin). Allerdings gibt es auch ein kleines Manko: sollte man sich das Spiel zum Vollpreis kaufen, wenn man das Original schon besitzt, nur um ein paar Stellen mit Nico spielen zu können? Für alle, die bisher noch keinen Kontakt zu Baphomets Fluch oder speziell dem ersten Teil der Serie hatten: ein Pflichtkauf!

GRAFIK
Schön gezeichnete Hintergründe und Figuren, die Texte in den Untertiteln sind allerdings so klein, dass sie kaum noch lesbar sind
Schön gezeichnete Hintergründe und Figuren, die Texte in den Untertiteln sind allerdings so klein, dass sie kaum noch lesbar sind

SOUND
Absolut perfekte Sprecher der Personen, die Sprachausgabe wird aber abgedumpft
Absolut perfekte Sprecher der Personen, die Sprachausgabe wird aber abgedumpft

BEDIENUNG
Gut an die Wii angepasst, fast perfekt, wenn auch einige wenige Hotspotprobleme auftreten
Gut an die Wii angepasst, fast perfekt, wenn auch einige wenige Hotspotprobleme auftreten

UMFANG
Reichlich Spielspaß, die neuen Inhalte sind gut - machen aber nur einen winzigen Teil des Spieles aus
Reichlich Spielspaß, die neuen Inhalte sind gut - machen aber nur einen winzigen Teil des Spieles aus
SPIELSPASS
Besser als jede 3D-Bombe!
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Besser als jede 3D-Bombe!
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Informationen zum Spiel