Chrono Trigger
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 19.03.2009
Haltet euch fest und lasst euch von einer Zeitreise mitreißen, bei der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu einem packenden Rollenspiel verschmelzen! „Chrono Trigger“ selbst zeigt sich dabei völlig immun gegen den Zahn der Zeit. Der SNES-Klassiker fühlt sich nämlich auch fast 15 Jahre nach seinem Debüt noch immer wie ein modernes Rollenspiel an.
Im Strudel der Zeit
In SNES-Zeiten und beim Playstation-Remake reisten Crono und seine Gefährten zwar mit Leichtigkeit durch die Zeitalter, den Sprung nach Europa schafften sie aber nicht. Das ändert sich nun mit der NDS-Fassung, auch wenn diese leider nicht lokalisiert wurde. Englischkenntnisse sind also Pflicht, wenn ihr in die Geschichte voller Überraschungen und Wendungen eintauchen wollt. Alles beginnt in einem fiktiven Jahr 1000, das noch sehr mittelalterlich wirkt, aber schon Maschinen kennt. Nach einem gescheiterten Experiment finden sich Crono und seine beiden Freundinnen im mittelalterlichen Jahr 600 wieder. Und das ist erst der Anfang. Noch weitere Zeitalter stehen auf dem Programm. So bekämpft ihr in der Urzeit dinosaurierartige Gegner, nur um einen Zeitsprung später in der Zukunft und damit im Laserfeuer feindlicher Roboter zu landen.
Im Laufe des Spiels bekommt ihr die Fähigkeit, gezielt durch die Zeit zu reisen. Dabei werden sich auch neue Gefährten, wie die starke Höhlenfrau Ayla und ein freundlicher Roboter, der Gruppe anschließen. Und nach und nach wird euch klar, dass die Geschehnisse aller Zeitalter miteinander verwoben sind und das durch alle Zeiten hindurch eine böse Kraft die Welt bedroht. So werden die Helden auf einmal zu Weltrettern, die geschickt von einem Zeitalter ins andere reisen müssen, um den Lauf der Zeit zu verändern. Manche Orte sind nur zu einer bestimmten Zeit zugänglich und viele eurer Taten in der Vergangenheit haben Auswirkungen auf die Zukunft.

Da euch viele Entscheidungen überlassen werden und niemand die Folgen der Zeitreisen ganz genau abschätzen kann, führt diese packend inszenierte Geschichte auch nicht nur zu einem einzigen Ende, sondern zu einem von 13 verschiedenen. Der Wiederspielwert dieses Rollenspiels ist somit enorm. Nach einmaligem Durchspielen werdet ihr es sicherlich nicht im Regal verstauben lassen. Zumal es „New Game+“ erlaubt, eure mühselig erkämpften Attribute, Fähigkeiten und Ausrüstungsgegenstände zu behalten und euer nächstes Abenteuer sofort damit zu beginnen.
Doch bis ihr eines der Enden genießen dürft, werden mindestens 20 Stunden ins Land ziehen. Vorher wollen in allen Zeitaltern Kontinente und Inseln bereist, Dungeons und Wälder erforscht, Schlösser und Dörfer besucht werden. Eure Freiheiten bei der Erforschung von Zeit und Raum werden im Spielverlauf dank neuer Fortbewegungsmittel immer freier, sodass ihr auch immer wieder auf Orte stoßt, die nicht für eure Hauptaufgabe relevant sind. Vielmehr findet ihr dort interessante Nebenaufgaben, die euch durch Training und praktische Belohnungen stärken. Wer sich diesen motivierenden Nebenaufgaben annimmt, kann auf die Spielzeit nochmal mindestens zehn Stunden drauflegen.
Packendes Kampfsystem
Das größte Übel klassischer Rollenspiele sind Zufallskämpfe. Weder bei „Final Fantasy“ noch bei „Dragon Quest“ sind keine fünf Schritte ohne einen Angriff aus dem Hinterhalt möglich. Doch „Chrono Trigger“ hat schon 1995 auf sichtbare Gegner gesetzt, was wohl auch der Hauptgrund dafür ist, dass dieses Rollenspiel heute noch keine Sekunde gealtert scheint. So könnt ihr alle Areale vergleichsweise stressfrei durchstreifen und vielen Feinden ausweichen – wenn ihr das überhaupt wollt. Natürlich gibt es aber auch Kämpfe, die unausweichlich bestritten werden müssen. Schließlich warten auch zahlreiche Bossgegner darauf, euch mit ihrer überlegenen Größe einzuschüchtern.
Ihr müsst euch immer für drei aktive Charaktere entscheiden, die sichtbar durch die Spielwelt streifen und sich gemeinsam in die Kämpfe stürzen. Sobald ein Kampf beginnt, werden diese aber nicht in einen Kampfbildschirm geschleudert. Sie bleiben an Ort und Stelle, nur dass sie sich um die Feinde positionieren und nicht mehr frei bewegen können. Vollkommen regungslos verharren eure Kämpfer aber natürlich nicht. Jeder von ihnen muss nur erst einmal abwarten, bis sich sein ATB-Balken gefüllt hat, um danach einen Angriff zu starten oder zu einem Item zu greifen. Dabei könnt ihr sogar festlegen, wie schnell die Zeit in den Kämpfen ablaufen und ob das Kampfgeschehen bei der Befehlseingabe weiterlaufen soll. Damit habt ihr es selbst in der Hand, ob ihr bei den rundebasierten Kämpfen eher gemütlich vorgeht oder ihnen lieber eine actionreiche Prise Echtzeit verpasst.

Die Kämpfer schwören alle auf andere Waffen. So schwingt Crono sein Schwert, während die junge Marle lieber zur Armbrust greift. Die Höhlenfrau Ayla verzichtet sogar ganz auf eine Bewaffnung und nimmt die Gegnerscharen lieber mit bloßen Händen auseinander. Darüber hinaus unterscheiden sich die Charaktere aber auch in dem Element ihrer Magie und ihren sogenannten Techniken. Unter diesen Techniken lässt sich viel verstehen. Dazu zählen besonders starke Angriffe, magische Spezialattacken oder auch das Laserfeuer eures Robotergefährten. Eines haben aber alle Techniken gemeinsam: Sie benötigen Magiepunkte – und die sind knapp.
Ihr solltet also sparsam und taktisch klug mit eueren Techniken umgehen, die in vielen Kämpfen unverzichtbar sind. Schließlich lassen sich Bossgegner mit ihnen schnell in die Knie zwingen und in vielen Fällen auch mehrere – wenn nicht sogar alle – Gegner auf einen Schlag treffen. Im Laufe des Abenteuers erlernt eure Gruppe sogar doppelte und dreifache Techniken. So vereinen zwei Charaktere ihre eher mickrigen Heilzauber, um die Lebensenergie der ganzen Gruppe zu regenerieren. Oder alle drei Kämpfe legen ihre magischen Kräfte zusammen, um sie als einen mächtigen Angriff zu entfesseln.

Gerade dieser Umgang mit den Techniken bringt jede Menge Taktik in die Kämpfe und macht sie so packend. Vor allem bei Bossgegner reicht bloßes Draufhauen nämlich längst nicht aus. Viele eurer Feinde sind gegen bestimmte Angriffsarten immun und für andere besonders anfällig. Und als ob das noch nicht herausfordernd genug wäre, können sich diese Schwächen und Stärken auch noch innerhalb eines Kampfes ändern. Besser ihr stellt euch auf einige der packensten Kämpfe ein, die das Rollenspiel-Genre jemals hervorgebracht hat.
Dass so ein Meisterwerk wie „Chrono Trigger“ eine komplexe Charakterentwicklung umfasst, ist eigentlich selbstverständlich. So verdienen die Kämpfer durch ihre Siege nicht nur Erfahrungspunkte und Geld, sondern auch Technikpunkte. Auf letztere werdet ihr besonders gierig sein. Schließlich verrät euch ein Menü schon im Voraus, wie viele Punkte nötig sind, um die nächste Technik zu erlernen. Eine Tatsache, die ungeheuer motivieren kann. Wer nur noch ein paar Punkte bis zur nächsten vielversprechenden Technik benötigt, wird sich gerne in ein paar zusätzliche Kämpfe stürzen. In Sachen Kampfsystem präsentiert sich dieses Rollenspiel also vollkommen zeitlos, motivierend und einfach mitreißend.
Zeitlose Zeitreise
Nicht nur die sichtbaren Gegner und das modern anmutende Kampfsystem machen „Chrono Trigger“ zu einem zeitlosen Rollenspiel, sondern auch das Speichersystem. Auf der Oberwelt lässt sich eurer Fortschritt jederzeit auf einem der drei Speicherplätze verewigen. In den Dungeons ist das zwar nur an bestimmten Speicherpunkten möglich, diese sind aber äußerst fair verteilt worden. Ihr geht in keinen Bosskampf, ohne vorher die Möglichkeit zum Speichern zu bekommen. Damit hat Frust gar nicht erst eine Chance, das Spielerlebnis zu trüben.
„Chrono Trigger“ fühlt sich auf dem Nintendo DS aber nicht nur modern an, sondern hat auch ein paar ganz neue Inhalte spendiert bekommen. So öffnen sich euren Kämpfern bisher unbekannte Orte, die auch ganz neue Nebenaufgaben für sie bereithalten. Und sogar eine Arena hat ihren Weg in die NDS-Fassung gefunden. Hier lassen sich Monster trainieren und in Kämpfe schicken. Das Multikarten-Spiel erlaubt es dabei sogar, einen Freund herauszufordern. Das ist ein nettes Extra - wesentlich interessanter wäre aber wohl ein kooperativer Modus gewesen. Mit zwei weiteren Mitspielern durch die Zeitalter zu springen und gemeinsam in den Kampf zu ziehen, hätte das Rollenspiel noch einmal ordentlich aufgewertet.

Neu sind auch die vielen Einstellungsmöglichkeiten, die nicht nur die Schnelligkeit der Kämpfe betreffen. Auch in Sachen Steuerung habt ihr viele Freiheiten. Nostalgiker können das Geschehen ganz klassisch nur auf dem oberen Bildschirm ablaufen lassen. Allen anderen Spielern seien aber die Touchscreen-Funktionen ans Herz gelegt. Vor allem die Kämpfe profitieren davon, dass die Befehle auf dem Touchscreen zum einen den oberen Bildschirm entlasten und zum anderen auch bequemer auszuwählen sind. Mit dem Stylus lassen sich die Kämpfe überaus komfortabel bestreiten. Außerhalb der Gefechte dient der Touchscreen stattdessen als übersichtliche Karte und zum schnellen Zugreifen auf alle Menüpunkte - angefangen von der Itemübersicht über das Auswechseln der Kämpfer bis hin zum informativen Bestiarium, das alle Infos zu bereits besiegten Gegnern bereithält.
Es lässt sich auch festlegen, ob die Story zusätzlich durch einige Animesequenzen erzählt werden soll, die sich perfekt in das Spielgeschehen einfügen. Leider fehlt eine Sprachausgabe in den Sequenzen aber genauso, wie eine generelle optische Überabreitung. Das Rollenspiel sieht immer noch genauso aus wie auf dem SNES. Was damals noch für offene Münder gesorgt haben sollte, ist heute längst nicht mehr spektakulär. Eine Menge Charme versprühen die sorgfältig gestalteten Charaktere und die detailverliebten Umgebungen aber auch heute noch. Der sympathische Humor wird genauso gut herüber gebracht wie die packende Dramatik. Somit lässt sich diesem Rollenspiel verzeihen, dass die Animationen sehr einfach wirken und veraltete Soundeffekte die wunderschöne Musik durchsetzen. Denn während das Gameplay modern wirkt, ist die größte Stärke der Technik gerade ihr Retro-Charme.
Sascha Geldermann meint...
„Chrono Trigger“ schleudert mich durch Jahrmillionen, durch eine packende Story und in Kämpfe, die ich nie mehr vergessen werde. Welch eine erfreuliche Ironie, dass die Zeit diesem Rollenspiel nichts anhaben konnte. Nervige Zufallskämpfe und ein frustrierendes Speichersystem? – Diese beiden großen Übel klassischer Rollenspiele lassen sich hier nicht finden. Dafür aber eine komplexe Charakterentwicklung, ein enorm hoher Wiederspielwert und noch viele weitere Gründe, die „Chrono Trigger“ zu einem echten Rollenspiel-Meisterwerk machen. Dass im Gegensatz zu den spielerisch angestaubten „Final Fantasy“- und „Dragon Quest“-Remakes auf eine Lokalisierung und eine optische Überarbeitung verzichtet wurde, ist zwar schade, kann dieser fesselnden Zeitreise aber nichts von ihrer überwältigenden Faszination nehmen.
„Chrono Trigger“ schleudert mich durch Jahrmillionen, durch eine packende Story und in Kämpfe, die ich nie mehr vergessen werde. Welch eine erfreuliche Ironie, dass die Zeit diesem Rollenspiel nichts anhaben konnte. Nervige Zufallskämpfe und ein frustrierendes Speichersystem? – Diese beiden großen Übel klassischer Rollenspiele lassen sich hier nicht finden. Dafür aber eine komplexe Charakterentwicklung, ein enorm hoher Wiederspielwert und noch viele weitere Gründe, die „Chrono Trigger“ zu einem echten Rollenspiel-Meisterwerk machen. Dass im Gegensatz zu den spielerisch angestaubten „Final Fantasy“- und „Dragon Quest“-Remakes auf eine Lokalisierung und eine optische Überarbeitung verzichtet wurde, ist zwar schade, kann dieser fesselnden Zeitreise aber nichts von ihrer überwältigenden Faszination nehmen.

GRAFIK
Detailverliebte Optik mit Retro-Charme, die für diese Umsetzung aber leider nicht überarbeitet wurde.
Detailverliebte Optik mit Retro-Charme, die für diese Umsetzung aber leider nicht überarbeitet wurde.

SOUND
Die wunderschöne Musik gefällt noch heute, während die Soundeffekte eindeutig veraltet sind.
Die wunderschöne Musik gefällt noch heute, während die Soundeffekte eindeutig veraltet sind.

BEDIENUNG
Sehr gute Steueurng mit vielen Einstellungsmöglichkeiten.
Sehr gute Steueurng mit vielen Einstellungsmöglichkeiten.

UMFANG
Die Geschichte beschäftigt über 20 Stunden und bietet dabei auch noch einen hohen Wiederspielwert. Nur schade, dass es keinen kooperativen Mehrspieler-Modus gibt.
Die Geschichte beschäftigt über 20 Stunden und bietet dabei auch noch einen hohen Wiederspielwert. Nur schade, dass es keinen kooperativen Mehrspieler-Modus gibt.
SPIELSPASS
Zeitloses Rollenspiel-Meisterwerk.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Zeitloses Rollenspiel-Meisterwerk.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel