Tenchu - Shadow Assassins
Artikel verfasst von Aljoscha Reuther am 15.03.2009
Woran denkt man, wenn man an Ninjas denkt? Naja... an Ninjas eben. Agile Personen in hautengen, schwarzen Anzügen - und meistens nicht gerade sehr nett. Dass diese Ninja-Spiele hauptsächlich aus Japan kommen, dem "Geburtsland" der Ninja, ist längst kein Geheimnis mehr. Allerdings ist es schon ein Geheimnis, wie ein Titel, der so bekannt ist wie Tenchu, dermaßen an Qualität einbüßen konnte. Doch gehen wir einmal der Reihe nach durch.
Heimlich, still und leise...
Japan zur zeit des Feudalismus - also ungefähr im Mittelalter. Lord Godhas Tochter wird vom Herrscher der benachbarten Provinz entführt. Und nicht nur das, es kommt noch dicker: besagter "Nachbar" möchte einen waschechten Krieg anzetteln, um mal eben sein Herrschaftsgebiet zu erweitern. Das können wir natürlich nicht zulassen, und so streifen wir als waschechter Ninja durch das Grenzgebiet und versuchen, den Herrscher auszuschalten und den Krieg zu verhindern, und nebenbei noch Godhas Tochter zurück zu bringen.
Das, und nicht weniger, ist die Geschichte, die hinter dem sehnlichst erwarteten Stealth-Action Titel Tenchu - Shadow Assassins steckt.
Eine echte Ausnahme für die Wii, so wie es scheint. Denn der offizielle 4. Teil der Reihe, der exklusiv für Nintendo's Heimkonsole erscheint, ist ein waschechter ab 18 Titel. Doch beschreiben wir erst einmal, was so im Kopf eines Ninjas und seiner tötungsfreudigen "Komplizin" von statten geht.

Komplizin? Nun, die Hauptpersonen im Spiel sind der Ninja "Rikimaru" und die Auftragsmörderin "Ayame". Das Spiel beschränkt sich allerdings Anfangs allein auf Rikimaru, der weitaus besser darin ist, sich unbemerkt durch die feindlichen Stellungen zu bewegen.
Denn, wie schon gesagt, Tenchu ist ein Stealth-Action Spiel. Das bedeutet, dass wir es hier mit einem Titel zu tun haben, in dem es weniger klug ist, einfach auf den nächsten Feind einzustürmen und ihm die Rübe von den Schultern zu fegen. Vielmehr geht es darum, sich geschickt in den Schatten zu bewegen und ohne großes Aufsehen die Feine hinterrücks ins Jenseits zu befördern. Oder am besten gar nicht aufzufallen - was allerdings in diesem Spiel nahezu unmöglich ist. Doch dazu später mehr.
Dazu stehen uns allerhand Möglichkeiten zur Verfügung Wir können Fackeln löschen und Kerzen aus pusten, um den Radius der Schatten zu vergrößern und uns besser an die Gegner heranschleichen zu können, oder wir klettern geschickt über Dachgewölbe und schalten unsere Gegner dann von "oben" aus. Und es wäre kein Ninjaspiel, wenn es nicht auch die berühmten Rauchbomben geben würde.
Das ganze klingt ja schon mal nicht schlecht und verspricht auch einiges an Spielspaß. Immerhin wurden die Wiispieler besonders in letzter Zeit zu wenig mit ordentlicher Action versorgt. Doch leider ist Tenchu alles andere als die lang erwartete Abwechslung vom öden Casual-Gaming.
Denn scheinbar haben die Entwickler den Aspekt "Stealth" (also "Unsichtbarkeit") etwas zu hoch angesetzt. Es genügt schon ein winzig kleiner Fehltritt und wir werden entdeckt. Und haben wir in diesem Moment nicht zufällig ein Schwert, mit dem wir uns verteidigen könnten, können wir den letzten Abschnitt gleich nochmal von vorne ablaufen. Das ganze einmal im Detail:
Angenommen wir verstecken uns hinter einer Wand. Eine Wache oder ein anderer Gegner stapft langsam in unsere Richtung. Nur eine halbe Sekunde später wechselt die Kameraeinstellung, wir sehen etwas wie eine "Augenperspektive" und schon hat uns die Wache erwischt. Die Folge: ein unnütz langes Video, in dem besagte Wache das Schwert zieht und Rikimaru sich in Rauch auflöst - wenn wir kein Schwert dabei haben (was auch zu 90% so sein wird) und wir finden uns am Anfang des aktuellen Abschnittes wieder. Positiv ist hier einzig und allein die Tatsache, dass die bereits getöteten Gegner, die bereits gelöschten Kerzen und die bereits eingesammelten Gegenstände nach wie vor "so" vorhanden sind, wie vor unserem Treffen mit der Wache - wir müssen also nicht "komplett" von vorn beginnen.

Das klingt jetzt vielleicht nicht so schlimm, wäre es mit Sicherheit auch nicht, wenn es nicht ca. alle 30 Sekunden Spielzeit passieren würde. Es ist praktisch unmöglich, den Blicken der Gegner auszuweichen, und wenn sie uns erst einmal erwischt haben, war's das.
Es sei denn wir besitzen ein Schwert. Dann löst sich Rikimaru nicht unbedingt sofort in Rauch auf, sondern es kommt erst noch zu einem schönen Minispiel, in dem wir mit dem Gegner, der uns entdeckte, die Schwerter kreuzen. Dabei kommt es im Prinzip nur darauf an, die Fernbedienung in der Richtigen Position zu halten, wenn sein Schwert auf uns zurast. Haben wir das vier mal geschafft, können wir mit unserem Schwert auf ihn einprügeln, und wenn wir Glück haben, müssen wir nicht noch einmal "Simon Sagt" spielen. Das einzig dumme bei der Sache ist: werden wir auch nur ein Mal getroffen, folgt wieder der Rauch und wir dürfen wieder die ganze Strecke entlanglatschen. Nervig hoch 3.
Im Königreich der Fehler
Und das ist nicht alles. Denn obwohl unser Riki aussieht wie die weißhaarige, asiatische Reinkarnation von Arnold Schwarzenegger, ist unser Ninja unglaublich beschränkt. Wir können gehen, "laufen", und springen. Wenn wir Glück haben (wieder einmal), können wir uns auch hinter bestimmten Gegenständen hinhocken - aber keinesfalls im normalen „Feld“. Und auch das Springen ist eher schlecht als recht. Clippingfehler, unsichtbare Mauern und eine total be...scheidene Kampfsteuerung machen unser Ninjaleben zum wahren Alptraum. Gepaart mit den Adleraugen der Gegner wird das Spiel somit zu einer einzigen Frustpartie, und garantiert wird jeder Spieler bereits nach kurzer Zeit die Wii-Fernbedienung mit Anhang zur Seite legen und lieber ein anderes Spiel spielen.
Abgesehen von den rein technischen Fehlern ist das Spiel zudem voller Logikfehler. Fangen wir einfach einmal an:
In der ersten Mission überhaupt müssen wir einen Kaufmann töten. Nachdem wir es irgendwie geschafft haben, uns in sein Haus zu schleichen, lassen wir uns leise wie eine Kirchenmaus langsam von der Decke herab, greifen ihn mit beiden Händen an den Kopf und brechen ihm, galant wie es nur ein Ninja kann, das Genick. Normalerweise sind Menschen, nachdem ihnen das Genick gebrochen wurde, tot. Nicht so bei Tenchu, denn hier wird in der darauf folgenden Videosequenz noch fein mit dem Händler geplaudert, der quietschlebendig vor uns herspringt.

Die Sache mit den Schwertern ist eine weitere, unlogische und zugleich frustrierende Eigenart des Spieles. Denn wie schon gesagt, sind wir chancenlos dazu verdammt, den Levelabschnitt zu wiederholen, wenn wir kein Schwert bei uns haben und vom Gegner entdeckt werden. Schön und gut. Aber dann könnten doch wenigstens ein Paar mehr Schwerter für uns bereitliegen, oder?
Abgesehen davon, dass Rikimaru immer ein Schwert auf dem Rücken mit sich herumtragt, egal ob wir eines im Inventar haben, oder nicht (logischerweise können wir es nicht benutzen wenn es nicht im Inventar ist), sind diese einfach nur Mangelware. Das seltsame ist allerdings: das Spiel ist übersät mit Schwertern. Jeder Gegner hat eines, sie stecken in Wänden, Decken, Eimern, Vasen, ja sogar in der Luft schweben sie stellenweise herum. Nur können wir kein einziges davon für unsere Zwecke gebrauchen, und wenn wir einmal eins Finden, welches wir dann auch Nutzen dürfen, übersteht es den ersten Kampf meistens nicht.
Um nicht zu sehr über das Spiel her zu ziehen, belassen wir es besser bei diesen zwei Beispielen, wir wollen ja Objektiv bleiben.
Und doch kann hier leider nichts positives folgen, denn ein Punkt ist ebenfalls wichtig, um das Spiel bewerten zu können: die Lokalisierung. Und diese ist ebenfalls am besten mit "bescheiden" zu beschreiben. Abgeschnittene Untertitel, die halb aus dem Bildschirm selbst herausragen (also unlesbar sind) und innerhalb von Sekunden nach ihrem Auftauchen wieder verschwinden (zu kurz um sie lesen zu können), zu Videos mit Sprechern, die dermaßen Laienhaft und unglaubwürdig wirken, dass man fast schon darüber lachen muss. Das Spiel selbst ist übrigens in englischer Sprache, nur die Untertitel sind Deutsch.
Diese Untertitel sind stellenweise in sehr schlechtem Deutsch geschrieben, Grammatik vermisst man hier an allen Ecken und Enden (Ein Beispiel: einer der Emissionstitel lautet "Bestraf den Banditenchef").

Gewackel, geflimmer, gedudel
Kommen wir dann einmal zur technischen Seite. Vielleicht kann die ja etwas reißen.
Die Grafik aber leider nicht, denn diese ist ähnlich mies, wie der Rest des Spieles. Harte Worte, aber es stimmt. Kantenflimmern, unsaubere Texturen und eine Art "Körnung" über dem gesamten Bild machen das Spiel unglaublich hässlich - ganz abgesehen von den schlechten Partikeleffekten (Rauch, Feuer etc.). Hier wirkt Tenchu wie ein Titel, der schon mindestens 6 Jahre auf dem Buckel hat, und selbst dann sind stellenweise Ruckler nicht ausgeschlossen. Abgesehen von der Engine ist der Rest der Grafik durchwachsen. Die Modelle der Spielfiguren, sowohl von Rikimaru und Ayame, als auch von deren Gegnern, sehen aus der Ferne betrachtet recht gut aus. Allerdings ziehen die hölzernen Animationen und die stockende Gesichtsmimik diesen Eindruck wieder ganz schnell weg. Ein positiver Aspekt der Grafik sind die schönen Lichteffekte und die "Spezialansicht", mit der unser Ninja die Gegner in einer etwas verschwommeren, aber durch "Sichtlinien" auch informativeren Ansicht sieht. Alles in allem gehört die Grafik aber, allenfalls, auf den Gamecube, und selbst dort wäre besseres möglich gewesen.

Der Sound ist da schon einfacher zu bewerten, und zwar: schlecht. Die Hintergrundmusik ist zu laut und nervt, auch wenn sie definitiv den klischeehaften japanischen Stil enthält. Die Musikstücke wechseln, jedes mal, wenn wir kurz davor sind, entdeckt zu werden, aber sonst nie. Das Hintergrundlied in jedem Level bleibt, egal wie lange wir spielen, und fängt immer wieder von vorne an.
Die Sprecher sind, mehr oder weniger, Lachhaft. Alle sprechen mit krampfhaft verstellten, tiefen stimmen, und besonders Rikimaru, der eigentlich recht Jugendlich aussieht - trotz weißer Igelfrisur - hat eine Stimme, die Tiefer ist, als jeder Brunnen. Ähnlich ist es mit den Gegnern, die scheinbar allesamt nur einen Sprecher zur Verfügung hatten, denn egal ob Samurai, Wache oder Miliz - alle haben die selbe Stimme.
Wobei die Stimme dort eigentlich nicht viel Bedeutung hat, denn wenn im Spiel einmal Laute von sich gegeben werden, sind es nur abgehackte Wortfetzen oder "hmm" "hrrr" und "grrrglargh" - Laute.
Zur Steuerung fällt mir, spontan, nur eine Frage ein: warum meinen eigentlich so viele Entwickler, dass das Gewackel mit Fernbedienung und Nunchuk gut für das Spiel wäre? Nur weil eine Konsole diese Features, wenn sie denn richtig Programmiert wurden, bietet, muss das doch nicht zwanghaft ins Spiel eingebaut werden.

Was ich damit sagen will: die Steuerung ist durchaus durchwachsen. Laufen, springen und gehen funktioniert zumindest hier problemlos, es müssen also keine umständlichen Eingaben gemacht werden, um Rikimaru von der Stelle zu bewegen. Anders sieht es allerdings bei den Kämpfen aus. Während schütteln und schwingen noch einigermaßen passabel erkannt werden, ist das Stoßen mit der Fernbedienung einfach nur ein Glückstreffer - meistens Funktioniert es nicht. Dies hat dann zur Folge, dass unser Angriff fehlschlägt, wir erkannt werden und sich unser Ninjafreund dann wieder in der altbekannten Rauchwolke auflöst und wir den Abschnitt noch einmal von vorn laufen können... und so weiter.
Wenn es zum Schwertkampf kommt reagiert die Steuerung allerdings erstaunlich gut und schnell, was auch nötig ist, denn die Angriffe erfolgen meist direkt hintereinander.
Einen Multiplayermodus gibt es nicht, allerdings können alle geschafften Missionen nochmal mit einem alternativen Szenario gespielt werden, die dann noch einmal schwerer sind. Für Umfang ist also gesorgt.
Der Gewaltfaktor im Spiel hält sich übrigens in Grenzen - zwar wird alles gezeigt, vom Genickbruch bis hin zum Schwertrammen, es spritzt aber nicht viel Blut - um ehrlich zu sein gar keines.
Aljoscha Reuther meint...
Warum? Warum habe ich mich nur so dermaßen auf das Spiel gefreut? Tenchu ist genau das, was man ein Hype-Opfer nennt. Ein Spiel ab 18 für die Wii? Tenchu? Klasse! Oder doch nicht? Immerhin ist die Ninja-Serie nicht unbedingt mit den besten Bewertungen gesegnet worden - und anders sieht es auch nicht bei den Shadow Assassins aus. Ein unfertiges Spiel, oder ein vergeigtes - darüber könnte man sich streiten. Aber nicht darüber, ob Tenchu ein gutes oder ein schlechtes Spiel ist. Da können Setting und Atmosphäre noch so packend und schön sein, wenn ich zum 37. Mal an einer Stelle "zurückgeraucht" werde, weil ich kaum Handlungsfähig bin, und sofort entdeckt werde, macht selbst das beste Spiel keinen Spaß mehr. Aber dieses Problem hat Tenchu nicht, denn es ist nicht das beste Spiel. Auf keinen Fall.
Warum? Warum habe ich mich nur so dermaßen auf das Spiel gefreut? Tenchu ist genau das, was man ein Hype-Opfer nennt. Ein Spiel ab 18 für die Wii? Tenchu? Klasse! Oder doch nicht? Immerhin ist die Ninja-Serie nicht unbedingt mit den besten Bewertungen gesegnet worden - und anders sieht es auch nicht bei den Shadow Assassins aus. Ein unfertiges Spiel, oder ein vergeigtes - darüber könnte man sich streiten. Aber nicht darüber, ob Tenchu ein gutes oder ein schlechtes Spiel ist. Da können Setting und Atmosphäre noch so packend und schön sein, wenn ich zum 37. Mal an einer Stelle "zurückgeraucht" werde, weil ich kaum Handlungsfähig bin, und sofort entdeckt werde, macht selbst das beste Spiel keinen Spaß mehr. Aber dieses Problem hat Tenchu nicht, denn es ist nicht das beste Spiel. Auf keinen Fall.

GRAFIK
Die Grafik des Titels ist ehrlich gesagt ein Witz. Es gibt nette Lichteffekte, alles andere ist aber weit unter dem Niveau der Wii und sieht, ehrlich gesagt, einfach nur schlecht aus.
Die Grafik des Titels ist ehrlich gesagt ein Witz. Es gibt nette Lichteffekte, alles andere ist aber weit unter dem Niveau der Wii und sieht, ehrlich gesagt, einfach nur schlecht aus.

SOUND
Was lässt das Herz des Spieletesters höher schlagen, als nervige Hintergrundmelodien und vermeintlich talentlose Sprecher? Nunja... eigentlich alles.
Was lässt das Herz des Spieletesters höher schlagen, als nervige Hintergrundmelodien und vermeintlich talentlose Sprecher? Nunja... eigentlich alles.

BEDIENUNG
Laufen, Rennen, Springen - es funktioniert, hingegen ist das Töten und Kämpfen ein wahrer Alptraum.
Laufen, Rennen, Springen - es funktioniert, hingegen ist das Töten und Kämpfen ein wahrer Alptraum.

UMFANG
Jede Mission ist noch einmal "anders" Spielbar, was allerdings an der puren Eintönigkeit des Spieles nichts ändert.
Jede Mission ist noch einmal "anders" Spielbar, was allerdings an der puren Eintönigkeit des Spieles nichts ändert.
SPIELSPASS
Prädikat: unspielbar
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Prädikat: unspielbar
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel