Dragon Quest: Die Hand der Himmelsbraut
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 10.03.2009
Kaum ist „Die Chronik der Erkorenen“ zu den Akten gelegt, da streckt sich auch schon „Die Hand der Himmelsbraut“ nach euch aus. Greift ruhig zu und taucht in das Leben eines Helden ein, das Glücksmomente und dunkle Stunden, Faszination und ein kleines bisschen Frust für euch bereithält.
Das Leben eines Helden
Anders als beim Vorgänger begleitet ihr dieses Mal nur einen Helden auf seiner langen Reise. Ihr erlebt in der Eröffnungssequenz seine Geburt mit, um nach einem zeitlichen Schnitt in seine sechsjährige Haut zu schlüpfen. Zusammen mit eurem Vater begebt ihr euch nämlich schon als kleiner Junge auf eine Suche, deren Ziel sich euch erst nach und nach erschließt. Und nach einigen weiteren Zeitsprüngen reift ihr sogar selbst zu einem stattlichen Helden heran, der selbst eine Familie gründet. So erstreckt sich eure Suche über Jahre und Jahrzehnte, die euch mehr als 30 Spielstunden an den Nintendo DS fesseln.
Der Lebensweg des Helden mit seinen guten und schweren Zeiten macht den ganz individuellen Charme dieses Rollenspiels aus. Nicht nur der Held wandelt sich im Laufe des Abenteuers, sondern auch seine Umgebung und die Beziehungen zu anderen Charakteren. Das ist so faszinierend und auch noch gut in Szene gesetzt, dass es problemlos über die eigentlich unspektakuläre Geschichte im Kern hinwegtäuscht. Ihr werdet mit dem Helden leiden, ihr werdet euch für den Helden freuen – und ihr werdet ihn begleiten bis seine Suche ein Ende findet.

Die Weltkarte offenbart euch früh, dass euer Erkundungsdrang nicht unbefriedigt bleiben wird. Mehre Kontinente voller dunklen Höhlen, prächtigen Schlössern, kleinen Dörfern und belebten Städten wollen schließlich bereist werden. Und es gehört eigentlich schon zum guten Ton eines Rollenspiels aus dem Hause Square Enix, dass die große Weltkarte noch nicht einmal alles zeigt. So stoßt ihr auch noch auf einige versteckte Orte, von denen manche zauberhaft andere dagegen bedrohlich sind. Oft müssen Orte auch mehrmals besucht werden, wobei ihr dankbar für die zahlreichen Transportmittel und vor allem für den Teleportationszauber sein werdet.
Natürlich müsst ihr den langen und beschwerlichen Weg nicht alleine bestreiten. Leitet euch anfangs noch euer Vater, erweitert und wandelt sich eure Begleitung im Laufe der Geschichte. Dabei bilden maximal vier Charaktere eine Gruppe, die sichtbar durch die Welt streift und sich in Kämpfe stürzt. Weitere Kämpfer warten in dieser Zeit in einem Planwagen darauf, gegen eines der Gruppenmitglieder eingewechselt zu werden. Dieses Mal ist es bei der Lokalisierung sogar gelungen, den sogenannten Party Talk ins Deutsche zu übersetzen. Dieser hatte in der PAL-Fassung des Vorgängers noch gefehlt und ermöglicht es, zu jeder Situation auch die Meinung eurer Begleiter einzuholen. Das ist nicht nur unterhaltsam, sondern oft auch hilfreich, um die nächsten Schritte zu planen.
Kampf um Kampf
Der Sprung auf den Nintendo DS hat vor allem Auswirkungen auf die Optik von „Dragon Quest V. Unter dieser ansehnlichen Mischung aus 2D und 3D steckt aber immer noch ein klassisches Rollenspiel Baujahr 1995. Und so wird eine traditionelle Mischung aus interessanten Erkundungstouren, überlebensnotwenigen Einkäufen und sogar netten Rätseln serviert. All das natürlich in Bestform. „Dragon Quest V“ ist schließlich ein echter Klassiker, der keine halben Sachen macht.
Doch wie gelungen diese Gameplay-Mischung aus sein mag, so wird auch sie nicht von dem Hauptproblem klassischer Rollenspiele verschont. Schon 1995 wurden die Helden alle 5 Meter in einen Zufallskampf verstrickt und daran hat sich auch bei diesem Remake nichts geändert. Schwache Gegner lassen sich später zwar durch Schutzmitteln fernhalten und taktische Einstellungen lassen eure Kameraden notfalls auch alleine agieren, dennoch kommt ihr an hunderten von Kämpfen einfach nicht vorbei. Egal ob auf der Weltkarte oder in Dungeons - ein Zufallskampf folgt auf den nächsten, was auf Dauer ziemlich nerven kann.

Die rundenbasierten Kämpfe gegen skurrile Wesen, edle Ritter und mächtige Bossgegner laufen sehr traditionell und rundenbasiert ab. Habt ihr euch gegen die Flucht und für den Kampf entschieden, haben die bis zu vier Kämpfer Runde für Runde eine Reihe von Aktionsmöglichkeiten. Attackiert eure Feinde also mit Waffen oder Magie und vergesst auch nicht euch zu verteidigen, hilfreiche Items einzusetzen oder mit einem Heilzauber den Tod eines Kämpfers abzuwenden.
Wer kleine Gegnergruppen wie bei den „Final Fantasy“-Umsetzungen erwartet, erlebt schnell sein blaues Wunder. Nicht selten bauen sich nämlich locker acht Gegner wie eine tödliche Mauer vor euch auf. Wohl dem, der über Waffen und Magie verfügt, die auch mehreren Feinden auf einmal zusetzen. Beim Zielen habt ihr übrigens nicht die Möglichkeit einen speziellen Gegner anzuvisieren, sondern nur eine Gegnerart, von der sich der Angreifer gegebenenfalls selbst sein Ziel aussucht. Das klingt etwas umständlich, macht in der Praxis aber keine Probleme. Die Kämpfe machen somit auch Spaß und ermöglichen strategisches Vorgehen, auch wenn natürlich nicht die Komplexität heutiger Rollenspiele erwartet werden darf.
Die Angst vor dem Tod
Geht ihr siegreich aus dem Kampf hervor, werden eure tapferen Recken nicht nur mit Gegenständen und Geld, sondern auch mit Erfahrungspunkten belohnt. Diese führen dann natürlich zu Levelaufstiegen und damit zur Verbesserung der Attribute und dem Erlernen neuer Magie. Positiv fällt dabei auf, dass Grinding absolut unnötig ist. Sinnloses Trainieren nur um stärker zu werden, bleibt euch also erspart. Die zahlreichen Zufallskämpfe auf eurem Weg werden euch genug stärken, um es mit allen Gefahren aufnehmen zu können. Aber natürlich nur, wenn ihr euch in den Kämpfen auch geschickt anstellt. Wer einfach immer „Angriff“ wählt und Taktik für überflüssigen Schnickschnack hält, wird schnell den Tod finden.
Besonders bei den Bosskämpfen müsst ihr viel Geschick zeigen, damit nicht ein Kämpfer nach dem anderen fällt. Sollte eure Truppe dennoch mal vernichtet werden, heißt das aber bei „Dragon Quest V“ aber wenigstens nicht, dass euer Fortschritt verloren geht. Ihr werdet ganz einfach ins letzte Dorf zurückgeschleudert und erwacht mit voller Energie in einem Bett. Weder Erfahrungspunkte noch Schätze bleiben dabei auf der Strecke. Angst solltet ihr vor dem Tod dennoch haben, der er aufgrund des gnadenlos veralteten Speichersystems zu enormen Frust führen kann.

Das Sichern eures Spielstandes ist nämlich, bis aus wenige Ausnahmen, nur in Kirchen möglich. Außerhalb von Dörfern bleibt euch nur das Schnellspeichern und in Dungeons ist nicht einmal das möglich. Sterbt ihr bei einem Bosskampf in den Tiefen eines Dungeons, müsst ihr also den ganzen von Zufallsskämpfen gepflasterten Weg noch einmal bestreiten. Das sind natürlich riesige Frustmomente, die euch oft die Lust am sofortigen Weiterspielen nehmen werden. Aber spätestens am nächsten Tag werdet ihr euch dann wieder an die vielen guten Seiten dieses Rollenspieles erinnern und euch Schritt für Schritt, Zufallsbegegnung für Zufallsbegegnung erneut durch den Dungeon kämpfen.
Vom Feind zum Freund
Es ist beeindruckend, was alles auf so eine kleine Cartridge passt. „Die Hand der Himmelsbraut“ beschäftigt euch mindestens 30 Stunden. Wenn ihr nicht nur stur durch die Geschichte rennt, könnt ihr sogar noch viel mehr Zeit in dieser facettenreichen Welt verbringen. Allein schon die Möglichkeit, besiegte Monster zu rekrutieren, kann Stunden beschäftigen. Nehmt eure ehemaligen Feinde in eure Gruppe auf und behandelt sie wie einen vollwertigen Verbündeten. Ihr braucht keine Angst haben, dass sie euch irgendwann in den Rücken fallen. Also rüstet sie auch gut aus und trainiert sie fleißig, um aus ihnen starke Mitstreiter zu machen, die ihr wie jeden anderen Kämpfer jederzeit in eure Vierergruppe aufnehmen könnt.
Und das ist nur die Spitze des Sidequests-Eisbergs. Sammelfreunde schnappen sich hier nicht nur Monster, sondern auch Minimedaillen, die sich gegen seltene Gegenstände eintauschen lassen. Und im Laufe des Abenteuers bekommt ihr mit dem Firlefanzeum sogar euer eigenes Museum, in dem ihr die Souvenirs eurer Reise ausstellen oder auch mit einem Freund tauschen könnt. Außerdem solltet ihr auch nicht vergessen, nach dem außergewöhnlichen Abspann zum Bonusdungeon zu pilgern.
Und wenn ihr damit immer noch nicht ausgelastet seid, dann vergnügt euch doch im Kasino, auf riesigen Spielbrettern oder mit unterhaltsamen Minispielen. Bei diesem Sidequest-Wahnsinn kommt sogar der Touchscreen immer wieder zum Einsatz, der im eigentlichen Abenteuer leider komplett vernachlässigt wird. Dabei hätten vor allem die Kämpfe sicherlich von einer Befehlseingabe per Stylus profitieren können.

Aber auch mit den Knöpfen lässt sich dieses Rollenspiel sehr gut steuern, sodass sich eure Truppe problemlos durch die zahlreichen Orte des Spiels führen lässt. Die Umgebung erstreckt sich dabei über beide Bildschirme, wobei die Kameraperspektive mit den L- und R-Tasten meistens frei verändert werden kann. Das offenbart zwar manchmal unschöne blaue Ränder, ermöglicht euch aber auch zu jeder Zeit eine umfassende Sicht auf das Geschehen. Ihr solltet die Ansicht immer mal wieder verändern, da ihr so auch die eine oder andere verborgene Schatzkiste entdeckten werdet.
In technischer Hinsicht ist „Dragon Quest V“ der Sprung auf den Nintendo DS gut bekommen. Die orchestrale Musik begleitet das epische Abenteuer perfekt und stets passend. Die Grafik holt zwar längst nicht das Maximum aus dem Nintendo DS heraus, versprüht mit ihrer bunten Mischung aus 2D und 3D aber einen fantasievollen Charme. Schade, dass das Gameplay nicht genauso modernisiert wurde. Denn dann wäre „Die Hand der Himmelsbraut“ ein noch faszinierenderes Rollenspielerlebnis geworden.
Sascha Geldermann meint...
Jahrzehnte lang begleite ich einen echten Helden, leide unter harten Schicksalsschlägen und lasse mich von Glücksmomenten beflügeln. Die Geschichte reißt mich einfach mit durch ein klassisches wie fesselndes Rollenspiel. Und sie zieht mich selbst weiter, als die nervig vielen Zufallskämpfe und das frustrierende Speichersystem an meiner Motivation nagen. Denn auch wenn dieser Rollenspielperle neben der optischen auch eine inhaltliche Modernisierung gut getan hätte, lässt sie mich erst wieder los, als sich das Schicksal des Helden erfüllt.
Jahrzehnte lang begleite ich einen echten Helden, leide unter harten Schicksalsschlägen und lasse mich von Glücksmomenten beflügeln. Die Geschichte reißt mich einfach mit durch ein klassisches wie fesselndes Rollenspiel. Und sie zieht mich selbst weiter, als die nervig vielen Zufallskämpfe und das frustrierende Speichersystem an meiner Motivation nagen. Denn auch wenn dieser Rollenspielperle neben der optischen auch eine inhaltliche Modernisierung gut getan hätte, lässt sie mich erst wieder los, als sich das Schicksal des Helden erfüllt.

GRAFIK
Die Mischung aus 2D und 3D ist hübsch anzusehen, treibt den Nintendo DS aber nicht an seine Grenzen.
Die Mischung aus 2D und 3D ist hübsch anzusehen, treibt den Nintendo DS aber nicht an seine Grenzen.

SOUND
Die orchestrale Musik passt perfekt, während die Soundeffekte maßlos veraltet sind.
Die orchestrale Musik passt perfekt, während die Soundeffekte maßlos veraltet sind.

BEDIENUNG
Der Stylus könnte zwar mehr genutzt werden, aber so funktioniert die Steuerung sehr gut.
Der Stylus könnte zwar mehr genutzt werden, aber so funktioniert die Steuerung sehr gut.

UMFANG
Über 30 Stunden Spielzeit, die sich durch jede Menge Nebenaufgaben noch strecken lässt, lassen keine Wünsche offen.
Über 30 Stunden Spielzeit, die sich durch jede Menge Nebenaufgaben noch strecken lässt, lassen keine Wünsche offen.
SPIELSPASS
Mitreißender Lebensweg eines großen Helden.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Mitreißender Lebensweg eines großen Helden.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel