New Play Control: Pikmin
Artikel verfasst von Aljoscha Reuther am 28.02.2008
Es muss Montag sein - ganz klar. Denn auf einem ganz normalen Flug durch das Universum wird das Schiff von Captain Olimar von einem Meteoriten getroffen und stürzt ab, direkt auf einen, glücklicherweise in der Nähe befindlichen Planeten. Beim Eintritt in die Atmosphäre explodiert besagtes Raumschiff in 30 Teile, die sich überall verteilen. Glück im Unglück: Olimar überlebt und sein Schiff funktioniert in den Grundzügen noch. Das dumme: er benötigt alle Teile innerhalb von 30 Tagen, da sein Anzug die für ihn tödliche Atmosphäre nur so lange abhalten kann. Verzweifelt rennt Olimar von seinem zerstörten Raumschiff los und trifft auf eine seltsame Zwiebel, die sich plötzlich aufstellt und einen Samen herauswirft, der innerhalb von kürzester Zeit zu einem Sprössling heranwächst. Als Olimar, neugierig wie ein kleiner Junge, daran zieht, hält er auf einmal ein Lebewesen in der Hand - halb Tier, halb Pflanze wie es scheint - ein Pikmin!
Auferstehung eines Klassikers
Diese Story kommt euch bekannt vor? Gut, dann gehört Ihr zu den Wenigen, die damals in den Genuss gekommen sind, Pikmin auf dem Gamecube spielen zu können - denn trotz seiner Traumbewertungen blieb das Spiel aus der Feder von Mr. Miyamoto persönlich ein Ladenhüter.
Doch das will Nintendo ändern, denn wenn Pikmin 3 erscheint, sollen die Spieler zuvor in den Genuss der ersten Teile gekommen sein, und zwar ohne sich durch diverse Auktionshäuser zu schlagen und nach gebrauchten Versionen zu suchen. Das wäre zumindest eine Erklärung für die neue New Play Control Serie. Doch gehen wir einmal ganz langsam und geordnet vor.

Wie schon gesagt erschien Pikmin bereits für den Gamecube. Ein Strategiespiel, wenn man es so will. Einen groben Überblick über die Story habt Ihr bereits bekommen, doch was hat es damit auf sich?
Nun, wie schon erwähnt, muss Olimar sein Raumschiff, den Dolphin zusammenflicken. Dolphin ist hierbei eine Anspielung auf den Projektnamen des Gamecube - Dolphin eben.
Auf jeden Fall muss er die 30 verloren gegangenen Teile finden, um wieder nach Hause fliegen zu können, und, vor allem, um der für ihn tödlichen Atmosphäre des Planeten zu entgehen.
Da man als Winzling in einer riesigen Welt (die etwa einem Garten ähnelt) aber nicht unbedingt alleine klarkommt, hat er Hilfe - die Pikmin. Kleine, pflanzenähnliche Wesen, die aus einer Zwiebel kommen. Diese kleinen Helfer sind ständige Begleiter unseres Captains, und so laufen sie ihm brav hinterher, tragen Dinge, reißen Mauern ein und Kämpfen für ihn - und tragen ihn sogar zum Raumschiff, wenn es sein muss.
Das ging zu schnell? Gut, dann gehen wir mal ins Detail.
Pikmin ist, wie schon erwähnt, ein Strategiespiel. Ähnlich wie in Battalion Wars konzentriert sich unsere "Legion" auf einen festen Punkt und folgt diesem - in diesem Fall Olimar. Mit Hilfe der Pikmin, die es übrigens in 3 Ausführungen (Blau, Rot und Gelb) gibt, müssen wir dann diverse Hürden überwinden, um an die einzelnen Raumschiffteile zu gelangen. Und das ist nicht immer einfach. Doch dazu später mehr.
Kümmern wir uns erst einmal um die Pikmin selbst. Die drei Farben stehen jeweils für die Eigenschaft eines Pikmins:
Rot kann gut kämpfen und ist "Feuerresistent", Gelb ist leicht und kann Steinbomben tragen, und Blau ist in der Lage, ins Wasser zu gehen, ohne zu ertrinken. Denn das können die roten und gelben Pikmin sehr gut.

Unsere "Armee" sollten wir also immer den Gegebenheiten anpassen. Doch dazu muss sie wachsen, und dafür gibt es massenhaft Objekte im Spiel. Einerseits sind dies Münzen, die eine bestimmte Farbe und einen Wert haben. Die Farbe bestimmt, für welche der Pikmin-Zwiebeln diese Münze bestimmt ist (rot, gelb oder blau), und der Wert gibt an, wie viele Pikmin durch diese Münze gezüchtet werden können. Denn wenn die Zwiebel Nahrung bekommt, spuckt sie neue Pikmin-Samen aus. Die Münzen finden wir überall, entweder sie liegen einfach so in der Gegend herum, kleben auf Blumen oder werden von besiegten Gegnern fallen gelassen.
Neben den Münzen können wir auch besagte Gegner wieder verwerten, das hat dann den selben Effekt wie eine Münze.
Wenn eine Münze mit der falschen Farbe in eine Zwiebel gesogen wird, zum Beispiel wenn eine blaue Münze von mehr roten als blauen Pikmin getragen wird (denn die Mehrheit entscheidet, wo's lang geht), bekommen wir weniger Pikmin-Samen spendiert.
Die Masse macht's
So können wir munter Pikmin um Pikmin züchten - wie in einem Gewächshaus. Es können allerdings maximal 100 Pikmin gleichzeitig in der Welt sein - egal ob sie Olimar hinterher rennen, irgendwo herumstehen oder noch in der Erde sind.
Doch was macht man dann mit den kleinen Mitläufern? In erster Linie benutzen wir die Pikmin, um Dinge zu bewegen oder zu zerstören. Wir können, beispielsweise, unser Pikmin-Heer auf eine Zaun artige Mauer schicken, die sie dann mit vereinten Kräften nach und nach niederreißen.
Oder wir schicken unsere gelben Pikmin, nachdem sie Explosionssteine aufgesammelt haben, vor massivere Gebilde, um sie mit besagten Steinen in die Luft zu jagen.
Wenn es dann ernst wird, schlagen die Pikmin auch ordentlich zu - es kommt zum Kampf. Der Kampf geht, zu 90%, gegen Käfer in verschiedenen Ausführungen. Meistens sind es kleine oder große, rote Käfer, die sowohl die Pikmin als auch Olimar durchaus als kleinen Zwischensnack ansehen.
Olimar selbst hält sich in den Gefechten eher zurück und lässt die Pikmin für sich Kämpfen - ein richtiger Anführer eben. Mit dem A-Knopf schleudern wir unsere kleinen Helfer durch die Luft, dorthin, wo gerade unser Cursor ist. Bei einem Kampf sollte der Cursor dann natürlich auf den Feind zeigen. Doch das Kämpfen ist nicht immer einfach, natürlich wehren sich die angegriffenen ordentlich, und so kann es passieren, dass die Käfer, Frösche, Fliegen etc. auch mal schnell 10 Pikmin gleichzeitig ins Jenseits schicken. Hier ist Taktik gefragt, denn mit der B-Taste rufen wir die Pikmin wieder zu uns zurück, weg vom Gegner.
Das ganze braucht etwas Eingewöhnung, vor allem das Werfen der verschiedenen Pikmin arten muss erst einmal beherrscht werden, aber nach einiger Zeit macht das Kämpfen gegen allerhand großes Ungeziefer richtig Spaß - nach wie vor.

Allerdings müssen wir, trotz Kämpfen und Züchten, die Zeit im Auge behalten. Das Ziel des Spiels ist es, nach wie vor, alle Raumschiffteile ausfindig zu machen und so das Überleben Olimars zu sichern. Vom Zeitlimit her - 30 Tage - müssen wir jeden Spieltag mindestens ein Teil finden, klingt logisch. Dass wir es dabei teilweise einfacher haben und einen Tag durchaus einmal zwei oder mehr Teile finden können, tut nichts zur Sache, 30 Tage, 30 Teile. Punkt.
Die einzelnen Tage sind ebenfalls mit einem Zeitlimit behaftet. Ein einzelner Tag dauert etwa 20-30 Minuten. In dieser Zeit muss alles geschafft werden, vom Rufen der Pikmin, über das etwaige Züchten bis hin zum besiegen eines Gegners oder dem finden eines Teils. In den ersten Leveln ist das ganze nicht wirklich schwer, aber sobald die Teile etwas versteckter sind, gerät man doch schon sehr unter Zeitdruck. Aber etwas Schwierigkeit schadet ja bekanntlich nicht.
Zusätzlich zu dem Zeitdruck sollte man acht auf seine Pikmin geben. Am Ende des Tages müssen alle Pikmin, die sich im Feld befinden (max. 100), entweder in der Nähe der Zwiebeln sein (also auf dem Landeplatz), Olimar folgen oder in der Erde verwurzelt sein. Lassen wir ein Pikmin irgendwo zurück, kann es nicht mehr rechtzeitig in die Zwiebel einsteigen und wird nachts von den Feinden gefressen. Denn nachts heben Olimar und die Pikmin ab, in die Hemisphäre des Planeten, um sich vor den gierigen Käfern und anderem Getier zu schützen.
Apropos Level - im Spiel gibt es 5 Schauplätze, alle über einen großen Regenwald verteilt: die Absturzstelle, der Waldrand, das Waldinnere, ein paar Seen und das End-Szenario, in dem wir das letzte Teil für unseren Dolphin finden - mehr wird nicht verraten.
Olimar muss eine bestimmte Anzahl an Teilen finden, um die nächste Region frei zu schalten. Um beispielsweise vom Wald der Hoffnung (Waldrand) zum Waldinneren zu kommen, muss Olimar erst einmal 3 Teile finden, um das nächste Szenario zu finden.
Die Teile verteilen sich gleichmäßig zwischen den Seen und den beiden Waldleveln, bei der Absturzstelle finden wir 2 und im letzten Szenario ein Teil. Es ist also zwingend nötig, das selbe Szenario mindestens 8 Mal zu besuchen.

Das ganze ist zwar etwas wiederholungslastig, jedoch sind die Karten derart verschachtelt und detailliert, dass wir, obwohl sie nicht all zu groß sind, kaum einen Weg mehrmals gehen müssen. Und wenn doch, dann wartet irgendwo ein packender und kniffliger Bossgegner auf uns. Zudem ist jedes Level gut an weitere Fortschritte angepasst, beispielsweise finden wir die Zwiebel der gelben Pikmin genau dort, wo auch die ersten Steinbomben liegen.
Ach ja, um es nicht zu vergessen, die blauen und gelben Pikminzwiebeln müssen erst einmal gefunden werden, am Anfang steht uns nur die rote zur Verfügung!
Neue Steuerung, altes Spiel
Um ehrlich zu sein, Pikmin ist eigentlich exakt das selbe Spiel, das auch schon auf dem Gamecube zu sehen war. Keine Extras, keine Zusatzmissionen, nicht einmal die Grafik wurde sonderlich geändert - gut, es wurde, für höher auflösende Fernseher, an der Texturqualität gedreht (positiv) und ein echter 16:9 Modus eingebaut.
Bis auf die geänderte Steuerung hat sich allerdings nichts verändert. Das ist einerseits ganz gut, andererseits lässt es aber den Innovationsgedanken absolut schwinden.
Die Grafik ist allerdings recht gut - was sie schon zu Gamecubezeiten war. Zwar ist die großflächige Bodentextur stellenweise extrem verpixelt und die Gegner und Gegenstände insgesamt sehr Detailarm gehalten, aber das ganze wird durch wunderbare Wassereffekte und ein absolut fantastisches Design wieder wett gemacht. Zudem läuft das Spiel total flüssig, obwohl uns bis zu 100 voll animierte Pikmin hinterher laufen. Knuddelfaktor: 100%.

Auch das, was aus den Lautsprechern tönt, wurde komplett übernommen. Zwar wurden einige Ereignissounds, zum Beispiel das erfolgreiche einreißen einer Mauer oder das Pfeifen Olimars auf die Wii-Fernbedienung umgelegt, aber die stimmigen Hintergrundmelodien und die guten Sounds im Spiel selbst sind absolut in Ordnung.
Richten wir unser Augenmerk nun auf das, weswegen Nintendo von uns möchte, das Spiel zu kaufen, nämlich die Steuerung. Immerhin heißt es ja New Play Control. Die Steuerung selbst ist genau das, was man damals auf dem Gamecube vermisst hat. Eine tolle Pointer-Funktion auf dem Spielfeld, ein einfaches Bewegen der Spielfiguren und eine sinnvolle Buttonverteilung über die Wii-Fernbedienung und den Nunchuk sind nur einige der Vorteile, die diese Version mit sich bringt. Allerdings fehlt die Pointer-Funktion in den Menüs komplett, hier müssen wir uns nach wie vor mit Steuerkreuz oder Control-Stick durchnavigieren.
Zudem wurde ein in der Gamecube-Version nur schwer zu erreichendes Easteregg auf den 1-Knopf gelegt: Olimar wird von seinen Pikmin hochgenommen, zur Zwiebel gebracht und hochgebeamt, was ein kleines Feuerwerk und feiernde Pikmin zu Folge hat. Lustig, aber doch etwas sinnlos. Da hätte ich lieber die alte Funktion wieder, die Pikmin einfach und schnell zu ordnen - denn diese wurde nun mit dem "Werfen" auf Knopf A zusammen gelegt. Aber man kann ja nicht alles haben.

Alles in allem ist Pikmin genau das, was man erwartet wenn man das Cover sieht: ein Re-Release mit umgebauter Steuerung. Keine Extras, keine neuen Inhalte, nicht einmal das Handbuch wurde umgestaltet - bis auf die Wii-Relevanten Änderungen natürlich. Das ist auf der einen Seite Schade, auf der anderen Seite zeigt es deutlich, dass Pikmin damals zu unrecht ein Ladenhüter geblieben ist, denn selbst wenn das Spiel bereits 7 Jahre alt ist macht es heute immer noch so viel Spaß wie damals.
Bleibt noch anzumerken, dass die Spielzeit, aufgrund des strikten Zeitlimits, sehr kurz ist. Zudem hat man nach spätestens der Hälfte der Teile/Tage das Gefühl, bereits alles gesehen zu haben, selbst wenn man auf den Karten immer wieder neue Wege und Gegner findet.
Aljoscha Reuther meint...
Pikmin hab' ich mir damals aus Zufall geholt, auf dem Grabbeltisch im lokalen Elektromarkt. Und nach kurzer Zeit hatte es mich gepackt, das "nur noch ein Teil"-Fieber. Und dann musste ich noch Züchten, und dann noch dieses Teil... nun ja, Ihr wisst schon. Auch dieses Mal war es nicht anders, aber eines hat mich gestört: ich hatte nix, worauf ich mich freuen konnte - ich kannte schon alles. Deshalb hier der Hinweis: die "neue Version" ist nur für diejenigen empfehlenswert, die den Originalteil nicht gespielt oder besessen haben, für Besitzer der Gamecube-Version: der Steuerungskomfort ist die 30 Euro nicht wert.
Pikmin hab' ich mir damals aus Zufall geholt, auf dem Grabbeltisch im lokalen Elektromarkt. Und nach kurzer Zeit hatte es mich gepackt, das "nur noch ein Teil"-Fieber. Und dann musste ich noch Züchten, und dann noch dieses Teil... nun ja, Ihr wisst schon. Auch dieses Mal war es nicht anders, aber eines hat mich gestört: ich hatte nix, worauf ich mich freuen konnte - ich kannte schon alles. Deshalb hier der Hinweis: die "neue Version" ist nur für diejenigen empfehlenswert, die den Originalteil nicht gespielt oder besessen haben, für Besitzer der Gamecube-Version: der Steuerungskomfort ist die 30 Euro nicht wert.

GRAFIK
Trotz der netten Details und des 16:9 Modus ist das Spiel grafisch einfach veraltet.
Trotz der netten Details und des 16:9 Modus ist das Spiel grafisch einfach veraltet.

SOUND
Stimmig, passend, etwas nervig auf Dauer.
Stimmig, passend, etwas nervig auf Dauer.

BEDIENUNG
Genau das, was der GC-Version gefehlt hat.
Genau das, was der GC-Version gefehlt hat.

UMFANG
Große Welten, abwechslung, aufgrund des Zeitlimits eine sehr begrenzte Spielzeit.
Große Welten, abwechslung, aufgrund des Zeitlimits eine sehr begrenzte Spielzeit.
SPIELSPASS
Auch nach 7 Jahren noch spaßig!
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Auch nach 7 Jahren noch spaßig!
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel