Age of Empires - Mythologies
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 27.02.2009
Nachdem euch „Age of Empires“ auf dem Nintendo DS schon in das Zeitalter der Könige katapultiert hatte, entführt euch die erfolgreiche Strategieserie nun in die Mythologien dreier Völker. Stürmt mit den alten Griechen die Unterwelt, tränkt den ägyptischen Wüstenboden mit dem Blut eurer Feinde und zeigt den Gegnern der Wikinger wo Thors Hammer hängt.
Helden, Mythen, Götter – und viele Möglichkeiten
Mit den Ägyptern, den Griechen und den Wikingern führt ihr drei sehr unterschiedliche Völker in die Schlacht. Dabei haben die Entwickler die Mythologie jedes Volkes sehr sorgsam in das Spiel einfließen lassen. Götter und mythologische Figuren sowie Anspielungen auf die Legenden dieser Völker verleihen dem Spiel einen ganz besonderen Charme. Und natürlich sind auch alle Einheiten und Gebäude im Stil des jeweiligen Volkes gehalten.
Bei „Age of Empires: Mythologies“ handelt es sich um ein rundenbasiertes Strategiespiel. Jede Einheit keine in jedem Zug einmal bewegt werden und daraufhin eine Aktion ausführen – meistens eben den Angriff. Die strategische Tiefe ergibt sich dabei aus den zahlreichen Typen der Einheiten, die es taktisch einzusetzen gilt. Nur wer die Vor- und Nachteile von Bogenschützen, Kavallerie und Infanterie richtig einsetzt, kann die Schlacht gewinnen.

Außerdem gilt es die Art der Einheit zu beachten. Es gibt menschliche Truppen, Mytheneinheiten und ein paar Helden. Menschen haben gegen Mytheneinheiten nur wenig Chance. Daher solltet ihr gegen Phönixe und Medusen lieber Helden in den Kampf schicken. Jeder Held verfügt auch noch über eine besondere Fähigkeit, die nur alle paar Runden eingesetzt werden kann. So halten sie Schaden von den anderen Einheiten fern oder erweitern kurzzeitig ihre Reichweite. Aber auch Helden sind sterblich. Menschliche Einheiten können ihnen sogar ziemlich leicht gefährlich werden. Deswegen solltet ihr immer alle drei Arten von Einheiten in die Schlacht schicken und diese taktisch klug einsetzen. Denn wer das Schere-Stein-Papier-Prinzip aus Menschen, Mytheneinheiten und Helden nicht beachtet, schickt seine Krieger vor allem in späteren Missionen in den sicheren Tod.
Während die ersten Kampagnen noch äußert leicht zu gewinnen sind, steigt die Schwierigkeitsgrad langsam aber stetig an. Mit den drei Völkern gilt es insgesamt zwei Dutzend Schlachten zu gewinnen, ungefähr ab einem Drittel werden diese richtig fordernd. Vor allem die Wikinger, die sich durch die letzten Missionen kämpfen müssen, werden immer wieder ins Schwitzen kommen. Der Schwierigkeitsgrad ist dabei fair fordernd, so schwer wie die letzten Missionen von „Advance Wars: Dark Conflict“ macht es euch das Spiel aber nicht.
Das liegt aber leider auch daran, dass die KI-Gegner nicht immer voll konzentriert taktieren. Immer wieder kommt es vor, dass euer Feind die Klassen und Arten seiner Einheiten auf eine nicht nachvollziehbare Art und Weise strategisch unklug einsetzt. So hetzt er seinen Held schon mal von sich aus auf eure menschlichen Truppen, während eure Mytheneinheiten nur ein Feld weiterstehen. Solche Selbstmordkommandos kommen aber bei weitem nicht häufig genug vor, als dass sie die wirklich motivierenden Schlachten spürbar trüben könnten.

Euer bester Freund auf dem Weg zum Sieg ist der obere Bildschirm. Denn während sich unten die Karte erstreckt, bekommt ihr oben alle Informationen serviert. Hier werden Klasse und Art der Einheiten gezeigt und auch die Stärke, Verteidigung und restliche Lebensenergie der eigenen oder feindlichen Truppen nicht verschwiegen. Das hilft euch beim Taktieren genauso, wie die Informationen über die jeweilige Umgebung. Denn bei einem Spiel mit so einer taktischen Tiefe spielt natürlich auch der Typ der Landschaft eine Rolle. Berge bieten euren Truppen somit besonderen Schutz, während Wälder sie bei Kriegsnebel so gut wie unsichtbar machen.
Der Touchscreen dient derweilen zur Bewegung der Einheiten. Einfach Truppe berühren und mit dem Stylus auf das gewünschte Feld schicken – ja, so schön einfach könnte es sein. Stattdessen zickt die Steuerung mit dem Stylus aber immer wieder rum. So müsst ihr schon mehrmals auf Einheiten oder Felder tippen, damit endlich etwas passiert. Auf lange Sicht ist auf jeden Fall zur klassischen Steuerung mit Steuerkreuz und Knöpfen zu raten, denn das funktioniert wunderbar. Auch wenn eine funktionierende Touchscreensteuerung sicherlich deutlich komfortabler gewesen wäre. Schade, dass sich „Age of Empires: Mythologies“ seinen einzigen großen Patzer ausgerechnet bei der Steuerung erlaubt.
Kämpfen, Bauen, Forschen – die Schlacht beginnt im Dorf
Aber auf dem Schlachtfeld wird nur der halbe Kampf entschieden. Genauso wichtig ist es, ein eigenes Dorf aufzubauen. Anfangs besteht das meistens nur aus einem Zentrum und fleißigen Arbeitern, mit denen ihr weitere Gebäude errichten könnt. Ställe bilden eure Kavallerie aus, Tempel unter anderem Mytheneinheiten und Wachtürme sorgen für die richtige Verteidigung. Diese und viele andere Gebäude könnt ihr auf den Feldern rund um euer Zentrum erichten. Frei ins Gelände könnt ihr sie nicht setzen, was aber keine allzu ärgerliche Beschränkung ist und in sofern mehr Taktik ins Spiel bringt, als dass ihr ganz genau überlegen müsst, welche Gebäude ihr auf dem geringen Platz errichten wollt. Habt ihr eine Baustelle in Auftrag gegeben, dürft ihr euch im nächsten Zug schon über ein komplett nutzbares Bauwerk freuen – sofern der dafür zuständige Arbeiter bis dahin nicht von euren Feinden getötet wurde.

Die meisten Gebäude bilden Einheiten aus. Maximal eine pro Zug, die aber erst einmal inaktiv mit halber Lebensenergie erstellt wird und erst im nächsten Zug einsatzfähig wird – dann auch mit voller Energie. Diesen Umstand solltet ihr beachten, wenn ihr das Dorf eures Feindes angreift. Meistens geht es schließlich darum, alle Einheiten und einheitenproduzierende Gebäude des Gegners zu zerstören, wobei euer Gegner oft jede Menge Einheiten produziert, wenn ihr den Angriff auf sein Dorf startet. Diese neuen Truppen solltet ihr dann sofort angreifen, bevor diese in der nächsten Runde zu voller Stärke kommen und eure Angreifer zurückdrängen.
Alle Gebäude ermöglichen euch aber auch die Erforschung von besseren Einheiten. So steigt eure Kavallerie bald vom Pferd in den Streitwagen um, was ihr noch mehr Stärke verleiht. In eurem Dorfzentrum könnt ihr außerdem allgemeine Technologien erforschen, die unter anderem die Verteidigung aller Gebäude stärken. Praktisch, wenn der Feind vor der Tür steht! Und wenn ihr genug Technologien und Einheiten erforscht habt, dürft ihr euer Volk sogar in das nächste Zeitalter führen, das neue Möglichkeiten bereithält und euch eine weitere göttliche Macht beschert. Göttliche Mächte können normalerweise nur einmal pro Kampagne eingesetzt werden, verschaffen euch aber riesige Vorteile. So stärkt ihr auf einen Schlag all eure Einheiten, lasst einen Tornado durch die gegnerische Armee fegen und verwandelt euren Helden für einige Züge in eine fast unbesiegbare Kreatur.
Für das Aufsteigen in ein späteres Zeitalter sind aber auch Ressourcen wichtig. Ohne die drei Ressourcen Nahrung, Gold und Gunst läuft aber auch sonst wenig. Das Ausbilden von Einheiten und Bauen von Gebäuden zerren genauso an euren Vorräten, wie die Forschung. Zum Glück wird das Vorkommen von Gold und Getreide auf der Karte aber angezeigt, sodass ihr sofort eure Architekten dorthin schicken könnt, um Bauernhöfe oder Mienen zu errichten. Diese versorgen euch dann Zug um Zug mit Nahrung und Gold. Für Gunst lasst ihr euren Helden am besten ein paar Obelisken auf die Karte setzen, die euch dann auch regelmäßig den göttlichen Beistand einbringen. Vergesst nicht, dass Ressourcen die Grundlage für euer Dorf und eure Armee sind. Verteidigt eure Mienen und Bauernhöfe also tapfer und greift die des Gegners an, um ihn daran zu hindern, immer wieder neue Einheiten in den Kampf zu schicken.

Komplexe Möglichkeiten ergeben sich also sowohl auf dem Schlachtfeld, als auch beim Ausbauen eures Dorfes. In späteren Missionen bekommen dann nicht nur die Feinde mehr Dörfer, auch ihr könnt Siedlungen einnehmen und zu zusätzlichen Dörfern ausbauen. Das bedeutet auch mehr Gebäude und damit mehr produzierbare Einheiten pro Runde. Damit werden die anfangs noch recht kurzen Kampagnen auch immer länger, auch wenn sie letztendlich doch noch etwas umfangreicher hätten ausfallen können. Erfreulich ist dennoch, dass es eine Speicherfunktion gibt. Denn so könnt ihr eine Schlacht jeder Zeit unterbrechen und einfach wieder aufnehmen ohne euer mühevoll aufgebautes Dorf, die vielen Errungenschaften und Einheiten zu verlieren.
Alleine, gegeneinander, online – abendfüllende Schlachten
Die Kampagne wird euch viele Stunden beschäftigen, ist aber noch lange nicht alles, was das Spiel zu bieten hat. Zusätzliche Karten können erspielt und in verschiedenen Szenarien und Scharmützeln geknackt werden. Genau das Richtige für den kleinen Strategiehunger zwischendurch. Und natürlich gib es auch ein Tutorial, das euch die Spielmechanik ausführlich aber nicht unnötig lang erklärt. Das ist auch bitter nötig, denn ohne ein verständliches Tutorial wärt ihr in Angesicht der Komplexität von „Age of Empires: Mythologies“ wirklich aufgeschmissen.

Und auch in Sachen Mehrspieler-Modi macht das Spiel nichts falsch. Zwei Spieler können sich sogar mit einer einzigen Cartridge den Krieg erklären. Wer gleich gegen zwei oder gar drei Freunde in den Kampf ziehen will, muss sie allerdings darum bitten, dass sie alle ihre eigen Cartridges mitbringen. Oder ihr teilt euch im Hot-Seat-Modus einfach einen einzigen Nintendo DS, den ihr dann herumreicht. Es handelt sich ja eh um ein rundenbasiertes Strategiespiel, bei dem die Spieler nacheinander an der Reihe sind. Und wenn euch allgemein Freunde fehlen, die gegen eure Armee antreten wollen, dann gibt es mit der Wi-Fi-Connection auch dafür eine Lösung – ganz egal ob ihr per Freundescode einen bestimmten Spieler oder doch einfach einen Zufallsgegner angreifen wollt.
Spielerisch hat „Age of Empires: Mtyhologies“ viel zu bieten, aber die Technik braucht sich vor dem Gameplay wahrlich nicht zu verstecken. Die Soundeffekte sind zwar recht einfach gehalten, dafür sorgt die heroische Musik aber für die richtige Atmosphäre auf dem Schlachtfeld. Die ganze Präsentation wirkt dabei einfach edel. Schließlich entspricht das Design der Truppen und Gebäude immer dem Stil des jeweiligen Volkes. Die Einheiten sehen schon auf dem Touchscreen gut aus, auch wenn das Geschehen bei vielen Einheiten etwas unübersichtlich wirkt. Das wahre Highlight sind aber die Kampfsequenzen. Immer wenn es zum Angriff kommt, wird auf dem oberen Bildschirm nämlich optisch beeindruckend gezeigt, wie sich die Truppen aufeinander stürzen und ein wilder Kampf entbrennt. Auch wenn ihr diese Sequenzen abbrechen oder sogar ganz abschalten könnt, werdet ihr sie immer wieder angucken und euch von ihnen mitreißen lassen. So macht Strategie Spaß!
Sascha Geldermann meint...
Meine Armee steht vor den Toren des Feindes. Mit Ramses hole ich einen Phönix vom Himmel. Meine Kavallerie streckt die letzten Gegner in einer beeindruckenden Kampfsequenz nieder. Noch ein letztes Mal erbitte ich göttlichen Beistand, der die meisten Ställe, Tempel und Kasernen meines Feindes zerstört. Den Rest mache ich mit Katapulten dem Erdboden gleich. Die Schlacht ist gewonnen und was dabei eingeflochten zwischen Mythen, Göttern und Helden dreier Völker an strategischen Möglichkeiten geboten wurde, war schierer Wahnsinn. - Ein Blick auf die Uhr lässt mich erschrecken. Schon drei Uhr morgens? Ich wollte doch um Mitternacht schlafen gehen! Schon wieder hat mich „Age of Empires: Mythologies“ die Zeit vergessen lassen – und wieder denke ich trotzdem darüber nach, ob ich nicht doch noch mit der nächsten Kampagne beginnen soll.
Meine Armee steht vor den Toren des Feindes. Mit Ramses hole ich einen Phönix vom Himmel. Meine Kavallerie streckt die letzten Gegner in einer beeindruckenden Kampfsequenz nieder. Noch ein letztes Mal erbitte ich göttlichen Beistand, der die meisten Ställe, Tempel und Kasernen meines Feindes zerstört. Den Rest mache ich mit Katapulten dem Erdboden gleich. Die Schlacht ist gewonnen und was dabei eingeflochten zwischen Mythen, Göttern und Helden dreier Völker an strategischen Möglichkeiten geboten wurde, war schierer Wahnsinn. - Ein Blick auf die Uhr lässt mich erschrecken. Schon drei Uhr morgens? Ich wollte doch um Mitternacht schlafen gehen! Schon wieder hat mich „Age of Empires: Mythologies“ die Zeit vergessen lassen – und wieder denke ich trotzdem darüber nach, ob ich nicht doch noch mit der nächsten Kampagne beginnen soll.

GRAFIK
Die edle Präsentation und hübschen Kampfsequenzen sind eine Augenweide.
Die edle Präsentation und hübschen Kampfsequenzen sind eine Augenweide.

SOUND
Die Musik trägt ungemein zur Atmosphäre bei, während die Soundeffekte zu einfach wirken.
Die Musik trägt ungemein zur Atmosphäre bei, während die Soundeffekte zu einfach wirken.

BEDIENUNG
Mit den Knöpfen lassen sich die Einheiten problemlos kontrollieren, während die Stylus-Steuerung Probleme macht.
Mit den Knöpfen lassen sich die Einheiten problemlos kontrollieren, während die Stylus-Steuerung Probleme macht.

UMFANG
Ihr schickt drei Völker durch kurze Kampagnen und in gelungene Mehrspieler-Schlachten.
Ihr schickt drei Völker durch kurze Kampagnen und in gelungene Mehrspieler-Schlachten.
SPIELSPASS
Komplexes Strategiespektakel voller Götter und Mythen.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Komplexes Strategiespektakel voller Götter und Mythen.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel