Deadly Creatures
Artikel verfasst von Aljoscha Reuther am 27.02.2009
Was wir nicht alles schon gespielt haben... Klempner, Abenteurer, einen kleinen Astronauten, dem seltsame Pflanzenwesen hinterher rennen... vergesst das alles, denn jetzt werden eure tiefsten Ängste und Ekelgefühle angegriffen - mit Deadly Creatures!
Die ungewöhnliche Spielweise mit einer Tarantel und einem Skorpion in einer Wüste voller Gefahren wurde bereits im Vorfeld hochgelobt, und der Release konnte kaum erwartet werden.
Nun ist es da, und es scheint als würden die Krabbelviecher weitaus mehr verursachen, als ein unangenehmes Schaudern, das den Rücken hinunter läuft. Die Frage ist nur, ist dieses "mehr" gut, oder ist es genau so schrecklich, wie die Vorstellung einer Tarantel, die über unsere Haut krabbelt...?
Nun ist es da, und es scheint als würden die Krabbelviecher weitaus mehr verursachen, als ein unangenehmes Schaudern, das den Rücken hinunter läuft. Die Frage ist nur, ist dieses "mehr" gut, oder ist es genau so schrecklich, wie die Vorstellung einer Tarantel, die über unsere Haut krabbelt...?
Kein Spiel für Arachnophobiker
"IIIIIEH!", das ist wohl das am besten passende, wenn man jemanden nach seiner Meinung über Spinnen fragt. Und je größer, desto höher und lauter wird dieser Aufschrei. Spinnen sind die am meist gefürchteten Tiere, die es gibt.
Skorpione haben da einen etwas besseren Ruf, und dennoch ist der Mythos um den tödlichen Stich der Spinnentiere nach wie vor ungebrochen. Soviel dazu, doch was hat das ganze mit dem Spiel zu tun?
Nun, ganz einfach, es ist der Spielinhalt! Denn in Deadly Creatures spielen wir nicht etwa eine Phantasiefigur, einen Helden oder einen Roboter, sondern wir tauchen ein in die schauderhafte Welt der Insekten und Spinnen, Ratten und Salamander. Kurz: Die Hauptrollen im Spiel übernehmen ein Skorpion und eine Tarantel.
Doch worum geht es genau?

Die Wüste, irgendwo in den USA. Eine verwahrloste Tankstelle, umgeben von Schrott. Irgendwann, nachts, plötzlich eine Explosion, die die gesamte Tankstelle in die Luft jagt... Der schwer verletzte Besitzer, der mit starken Verbrennungen aus den Ruinen der Tankstelle geborgen wurde, sprach von tödlichen Kreaturen, die für diese Tragödie verantwortlich wären. Kann das sein...?
Und hier kommen wir ins Spiel - vielmehr habe ich gerade schon das Ende verraten.
Was? Ihr seid sauer? Keine Sorge, dieses "Ende" ist der Inhalt des ersten Videos, das wir bereits zu Anfang des Spiels sehen. Der Spielinhalt ist vielmehr die Vorgeschichte, wie es zu dieser Explosion kam - und zwar tatsächlich durch Insekten - zumindest teilweise.
Die Hauptgeschichte dreht sich aber eher um unsere beiden Hauptfiguren, wie schon gesagt die Tarantel und der Skorpion. Das Ziel: Überleben! Denn in der Insektenwelt ist es keinesfalls einfach - einfach jeder will uns am liebsten zu seinem nächsten Mittagessen machen. Da hilft nur eins: wir kehren den Spieß um und machen Jagt auf alles, was uns in die Quere kommt! Und das natürlich, ohne selbst das Zeitliche zu segnen...
Gespielt wird im Wechsel - erst die Tarantel, dann den Skorpion. Dann wieder die Tarantel... und so weiter. Im Prinzip haben wir hier zwei Geschichten - wenn man es denn Geschichten nennen kann. Diese Geschichten kreuzen sich oftmals, auch wenn sich unser Skorpion und unsere Tarantel nur selten treffen - und wenn, dann wird, natürlich gekämpft.

Der eigentliche Inhalt der Level ist eigentlich nur, vom Anfang bis zum Ende zu kommen - ohne wirklichen Grund. Denn bis auf die Rahmenhandlung, die eigentlich nur durch das Ende und stellenweise Dialoge zwischen zwei Menschen gehalten wird, gibt es im Spiel absolut keine nachvollziehbare Geschichte. Ohne Grund laufen wir mit unseren beiden Achtfüßlern durch die Wüste, den Untergrund, Klohäuser, ausgehöhlte Baumstämme oder die verwahrloste Tankstelle selbst, kämpfen, flüchten oder fressen vor uns hin, bis das Ende eines der 10 Spielabschnitte erreicht ist und wir zum anderen Tier wechseln.
Dabei führen uns die Wege stellenweise mehrmals durch die selben Schauplätze, allerdings immer mit einem anderen Start- und Zielpunkt.
Fressen und gefressen werden
So schaukelt sich die Story voran, immer näher zur Explosion. Von einigen Rahmenereignissen abgesehen (die so selten sind, dass wir sie hier nicht nennen werden) bleibt es im Großen und Ganzen bei der besagten Start-Ziel Vorgabe. Doch wie spielen sich die Achtbeiner überhaupt?
Fangen wir mit der Tarantel an. Diese ist, im Gegensatz zum Skorpion, wendiger, schneller und kann springen. Später im Spiel haben wir auch noch die Möglichkeit, Fäden und Netze zu verschießen.
Der Skorpion hingegen ist stärker, kann graben und schneiden und hat den allseits bekannten Stachel, ist allerdings langsamer und längst nicht so agil wie die Tarantel. Später im Spiel wird es ebenfalls möglich, verschiedene Fähigkeiten freizuschalten. Diese Fähigkeiten, sowie neue Moves die unser Arachnoide ausführen kann, bekommen wir nach und nach im Spiel freigeschaltet. Und zwar indem wir andere Insekten und Tiere besiegen und - teilweise - fressen.
Zu diesen Opfern gehören harmlose Geschöpfe wie Maden und Heuschrecken, aber auch weitaus gefährlichere Biester, wie Gottesanbeterinnen, Ratten, Salamander oder andere Spinnen und Skorpione.
Während wir die Maden und Heuschrecken ohne Kampf zur Strecke bringen (wir laufen einfach darüber oder springen sie an), haben wir mit den größeren Biestern weitaus mehr zu tun.

Ab und an bekommen wir es sogar mit einem richtig dicken Gegner zu tun, wie beispielsweise einer Klapperschlange, einer Riesenechse oder dem Menschen selbst. Zudem schalten sich stellenweise ein paar Quick-Time-Events ein, in dem es darauf ankommt, im richtigen Moment den richtigen Knopf bzw. die richtige Bewegung mit Wii-Fernbedienung und Nunchuk zu machen. Diese Events treten allerdings recht dezent auf und fügen sich nahtlos in das Spielgeschehen ein - es ist also auf keinen Fall störend.
Außerhalb der Quick-Time-Events sehen wir das ganze aus der Verfolgerperspektive, wir sehen unser Krabbelvieh also immer vor uns herlaufen. Der leichte Versatz der Verfolgerkamera ist dabei volle Absicht und verleiht dem Spiel zusätzlich Atmosphäre. Obwohl es diese eigentlich nicht bräuchte, denn die Stimmung bei Deadly Creatures ist absolut grandios. Der Ekelfaktor steigt um ein vielfaches an, wenn man sieht wie Naturgetreu die Bewegungen jedes einzelnen Spezies angepasst wurden - immerhin wurden für die Bewegungen extra Motion Capture aufnahmen der einzelnen Insekten gemacht.
Bewegen können wir uns überall - egal ob auf dem Boden, an Wänden oder, mit der Tarantel, sogar an der Decke. Gut, nicht überall - denn die Level wurden jeweils so angepasst, dass die Wand- und Deckenlaufeinlagen immer gerade zum aktuellen Ziel passen.
Wirkliche Freiheit fehlt uns nämlich im Spiel - leider. Die Areale sind zwar riesig - zumindest aus unserer Sicht, denn der gesamte Spielverlauf wird auf schätzungsweise 100m² ausgetragen - doch unser Weg ist immer vorgegeben, das Spiel läuft absolut linear. Ausflüge zu interessanten Plätzen, alternative Lösungswege und Abwechslung fehlen dem Titel genau so wie ein anspruchsvoller Schwierigkeitsgrad. Einzig und allein in größeren "Hallen" können wir einmal die eingebaute "Pfeil"-Funktion nutzen, um zum nächsten, passend platzierten Ausgang zu kommen.
Auch die Kämpfe gestalten sich recht eintönig, denn die Gegner bleiben das ganze Spiel über gleich. Ab und an bekommen wir zwar ein paar Neue serviert, doch sind diese ebenfalls nicht gerade schwer zu besiegen und so wird das Kämpfen in den ersten beiden Schwierigkeitsgraden (Leicht und Normal) eher zur nervigen Nebensache, während man durch die Areale krabbelt. In höheren Stufen wird es da schon kniffeliger, aber die Spielmechanik bleibt die Selbe. Ein bisschen schlagen, ein paar mal Drehen, vielleicht den Finisher des Skorpions einsetzen, und schon hat man wieder ein Paar punkte mehr, die uns nach und nach neue Fähigkeiten einbringen.

Gemetzel im Insektenstaat
Und doch bleibt die Faszination, die der Titel ausstrahlt, ungebrochen, denn die Welt einmal aus diesem Winkel zu sehen, das ist genau das, was der Wii gefehlt hat - Innovation trifft Action. Eine Coladose wird da mal schnell zur Leiter, ein kaputtes Handy spendet Licht in einer dunklen Halle, und ein paar Knochen werden erst nach ein paar Minuten des Erforschens zu einem menschlichen Skelett.
Überhaupt ist der Titel nichts für Zart besaitete. Die Kämpfe enden immer tödlich, das grüne Insektenblut fließt in Massen, und besonders die Finishing-Moves des Skorpions, mit denen er den Gegner augenblicklich tötet, sind sehr brutal ausgefallen. Für die Gore-Fans: im Spiel fließt auch echtes Blut, und zwar von den wenigen Säugetieren und Salamandern, gegen die wir kämpfen.
Allerdings ist die Optik auch bei diesem Titel ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite stehen die perfekt ausgearbeitete Tarantel und der Skorpion, die sich nicht nur lebensecht bewegen, sondern auch mit einer Hingabe modelliert und gestaltet wurden, die in anderen Spielen schmerzlich vermisst wird. Auch die Gegner sehen gut aus, auch wenn ihnen, im Gegensatz zu unserem eigenen Viehzeug, einige Details fehlen - was aber durchaus verschmerzt werden kann. Die Spielwelt - nunja. Zugunsten der Wii muss gesagt werden, dass man wohl alle Register gezogen hat, um alles aus der Konsole herauszuholen. Zudem kommt dem Spiel der Schauplatz zugute, denn in einer Wüste sind Ecken und Kanten durchaus realistisch. Optisch gesehen braucht sich der Titel keinesfalls verstecken, auch nicht vor den Grafikbomben der Next-Gen Konsolen.
Ein Problem gibt es allerdings doch: beim Spielen müssen wir den ein oder anderen Ruckelmoment in Kauf nehmen, die Engine scheint zudem einige Probleme mit den Schatten zu haben, denn diese zucken Stellenweise über den Bildschirm.
Ein anderes Problem ist die Kamera. Diese bleibt zwar, wie eben schon gesagt, normalerweise hinter den Tieren, jedoch ist es beim Spielen mehrmals passiert, dass sie sich, besonders wenn es durch engere Tunnel ging, verfangen hat oder auf dem Bildschirm nur eine wilde Zuckorgie zu sehen war.

Der Sound hingegen ist stimmig. Zwar wurden, zu Dramatisierungszwecken, den Insekten, Spinnen und Tieren Raubtierlaute gegeben (unsere Spinne klingt wie ein Löwe, zum Beispiel), doch das fügt sich durchaus gut in das Action orientierte Spielgeschehen ein.
Der Rest des Spielgeschehens ist größtenteils Still - nur ein paar zirpende Grillen oder die Geräusche, die die immer wieder auftauchenden Menschen im Spiel machen, halten sich dezent im Hintergrund. Nur selten kommen ein paar Melodien ins Spiel - unter anderem bei Kämpfen - und da passen sie absolut.
Die Steuerung ist ähnlich mit der Grafik. In der Theorie funktionieren die diversen Angriffe durch drücken von A und B und dem schütteln der Fernbedienung und des Nunchuks recht gut, in der Praxis reagiert die Steuerung stellenweise etwas zu träge oder ungenau. Das macht aber nichts, denn wir brauchen längst nicht alle Angriffe, die uns im Spiel zur Verfügung stehen. Von den durchschnittlich 10 Angriffen, die teilweise sehr verwirrende Abfolgen von drücken und schütteln beinhalten, benötigen wir ungefähr 3 pro Spezies, um das Spiel zu meistern.

Abschließend bleibt nur eines über das Spiel zu sagen: brillant, trotz kleiner Einschränkungen. Allerdings gibt es ein mehr oder weniger großes Manko im Spiel: die Spielzeit des Titels ist verschwindend gering - nach maximal 6 bis 7 Stunden Spielzeit sehen wir, nach einem absolut unzufriedenstellenden Endlevel den Abspann auf unserem Fernseher. Der Wiederspielwert ist zudem verschwindend gering, da das Spiel absolut linear verläuft. Der einzige Grund, es noch einmal zu Spielen, wäre, die diversen Konzeptgrafiken freizuschalten, was durch das Fressen von den über 450 Maden im Spiel geschieht. Ansonsten: mehr Story und mehr Spielzeit, dann reicht es auch zum Spitzentitel.
Einen Multiplayer gibt es nicht.
Aljoscha Reuther meint...
Es schüttelt mich nach wie vor durch, wenn ich diese vielen, krabbelnden Beine vor mir sehe... Brrr! Eines ist Deadly Creatures auf jeden Fall: eindrucksvoll detailgetreu und absolut gruselig - zumindest wenn man eigentlich etwas gegen krabbelnde Minimonster hat. Diese in Aktion zu erleben ist allerdings ein Muss für jeden Wiispieler, der bisher der Meinung war, nur eine Casual Konsole zu besitzen. Wenn wenigstens eine sinnvolle Story im Spiel selbst zu finden wäre, und nicht nur als grobe Rahmenhandlung, hätte das ganze bestimmt noch höhere Wertungen erreicht. Wobei, da ist die Frage: warum sollte ein Spiel um Spinnen und Skorpione eine Story beinhalten? Aber dann hätte man doch wenigstens die peinlichen Ruckeleinlagen verhindern können...
Es schüttelt mich nach wie vor durch, wenn ich diese vielen, krabbelnden Beine vor mir sehe... Brrr! Eines ist Deadly Creatures auf jeden Fall: eindrucksvoll detailgetreu und absolut gruselig - zumindest wenn man eigentlich etwas gegen krabbelnde Minimonster hat. Diese in Aktion zu erleben ist allerdings ein Muss für jeden Wiispieler, der bisher der Meinung war, nur eine Casual Konsole zu besitzen. Wenn wenigstens eine sinnvolle Story im Spiel selbst zu finden wäre, und nicht nur als grobe Rahmenhandlung, hätte das ganze bestimmt noch höhere Wertungen erreicht. Wobei, da ist die Frage: warum sollte ein Spiel um Spinnen und Skorpione eine Story beinhalten? Aber dann hätte man doch wenigstens die peinlichen Ruckeleinlagen verhindern können...

GRAFIK
tolle Kreaturenmodelle und -animationen, diverse Ruckler und Kameraprobleme stören aber
tolle Kreaturenmodelle und -animationen, diverse Ruckler und Kameraprobleme stören aber

SOUND
dezent gehaltene Hintergrundmusik
dezent gehaltene Hintergrundmusik

BEDIENUNG
einfache Steuerung
einfache Steuerung

UMFANG
2 parallele Geschichten beschäftigen nur gute 6 Stunden
2 parallele Geschichten beschäftigen nur gute 6 Stunden
SPIELSPASS
Tolle, aber zu kurze Innovationsbombe
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Tolle, aber zu kurze Innovationsbombe
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel