Professor Heinz Wolffs Gravity
Artikel verfasst von Aljoscha Reuther am 25.02.2009
Puzzlespiele sind etwas feines für zwischendurch. Man strengt den Kopf an und hat im Idealfall sogar noch Spaß dabei. Deshalb sprießen Logik- und Denkspiele auch wie Pilze aus dem Boden, mehr oder weniger Erfolgreich.
Gravity will aus dieser Masse heraus stechen, und zwar indem es auf die alles beherrschende Kraft unseres Planeten setzt: die Schwerkraft. Ob der Titel trotz Schwerkraftschwerpunkt in luftige Höhen gelobt wird?
Gravity will aus dieser Masse heraus stechen, und zwar indem es auf die alles beherrschende Kraft unseres Planeten setzt: die Schwerkraft. Ob der Titel trotz Schwerkraftschwerpunkt in luftige Höhen gelobt wird?
Murmeln, Klötze und Buttons
Professor Heinz Wolff's Gravity - ein viel sagender Titel, welches Spiel kann schon mit einem Professor als Vorbild glänzen?
Besagter Professor lebt in England - stammt aber aus Deutschland, und ist einer der populärsten Wissenschaftler auf der Insel. Worum es in seinem Spiel geht? Nun, das ist recht einfach erklärt. Wir bekommen eine Szenerie vorgesetzt, in der irgendwo eine Murmel aus einer Öffnung fällt. Mithilfe dieser Murmel müssen wir einen roten Button drücken, um weiter zu kommen. Dieser Button muss allerdings nicht unbedingt von der Murmel getroffen werden - die einzige Bedingung ist, dass das Objekt, welches den Button dann trifft, von der Murmel angestoßen worden sein muss (bzw. die Kettenreaktion muss von der Murmel in Gang gesetzt worden sein). In einigen wenigen Spielstufen haben wir anstatt einer Murmel auch einen fahrenden Wagen zur Verfügung.

Mit wenigen Bausteinen müssen wir dann besagte Kettenreaktion auslösen, oder der Kugel den Weg ebnen, indem wir sie geschickt im Level platzieren. Dabei stehen uns verschiedene Arten von Bausteinen zur Verfügung: andere Murmeln, Blöcke, lange Bretter, kurze Bretter - und so weiter.
Allerdings haben wir immer nur eine sehr kleine Anzahl an Objekten in unserem Inventar, weshalb man ab und an durchaus einmal ins Grübeln kommen kann.
Eine vorgegebene Lösung gibt es in den Leveln nicht, Hauptsache der Button wird am Ende gedrückt. Nett!
Das ganze klingt ja schon einmal nicht schlecht - aber was hat die Schwerkraft (Gravity) damit zu tun? Nun, nicht viel, das steht fest. Das ganze Spiel hat zwar eine sehr nette und größtenteils als realistisch einzustufende Physikengine, doch mit der Schwerkraft hat das ganze nur bedingt zu tun. Zwar fallen unsere Türme durchaus gerne einmal um, wenn eine oder mehrere Murmeln dagegen donnern, aber der Titel des Spiels hätte ebenso gut "Physics" sein können. Aber gut, das macht ja nicht wirklich etwas.
Viel schlimmer ist, dass die Rätsel zwar zahlreich vorhanden sind (100 Stück + Baukasten und Partyspiele), ihre Variation - abgesehen von den Wagen-Leveln, aber durchweg 0 bleibt. Ständig wiederholen sich die Lösungswege - ein Katapult hier, eine Brücke dort, oh, noch eine Brücke... - und die Herausforderung bleibt mit ein bisschen Hirnschmalz auch auf der Strecke. Speziell die letzten Level, denen man normalerweise die höchste Herausforderungsstufe einspritzt, wirken geradezu lachhaft einfach, im Gegensatz zur besonders schweren Mitte.
Kommen wir einmal nicht weiter, haben wir glücklicherweise ein Tipp-System, dass uns bei - für uns - unschaffbaren Passagen sagt, wo wir welche Art von Baustein platzieren müssen. Das Tipp-System basiert auf Punkten, die wir im Spiel zur Verfügung haben. Ein Tipp kostet eine feste Anzahl von Punkten, und wenn alle weg sind, muss man erst wieder einige Rätsel lösen, wenn man wieder "Guthaben" besitzen möchte. Doof nur, wenn einem gerade dann die Tipps ausgehen, wenn man sie am nötigsten braucht (also immer...). Früher oder Später kommt man aber immer auf die richtige Lösung. Und wenn es per Zufall ist.
Es rollt, und rollt...
Doch der Weg zur fertigen Physikspielerei ist lang - und frustrierend. Denn so schön die Idee des "Physikrätsels" auch sein mag, in der Umsetzung wird sie zum wahren Alptraum. Denn die Platzierung der einzelnen Elemente ist alles andere als Benutzerfreundlich. Wenn wir unsere Gegenstände aus dem Inventar (links oben) nehmen, schweben sie noch über der gesamten Szenerie und wir können sie im Prinzip ablegen wo wir wollen. Wenn die Klötze, Kugeln oder Wagen aber erst einmal stehen, nimmt die Physik die Oberhand. Feintuning ist nahezu unmöglich, da bereits das Anfassen per Wii-Fernbedienung die Objekte in Gang setzt - vor allem die frei platzierbaren Murmeln rollen einfach los, wenn man sie irgendwo hingesetzt hat. In Puzzles, in denen besagte Murmeln auf winzigen Vorsprüngen Platziert werden müssen, artet diese sinnlose Fuckelei garantiert schnell in Wut aus.
Leider sieht das ganze bei den Balken und Brettern nicht anders aus. Stehen oder liegen sie erst einmal in der Welt, werden sie auch von Wänden aufgehalten. Das ist zwar prinzipiell nicht schlecht, aber wenn man die gesamte Konstruktion umreißt, nur weil man ein einzelnes Brett auf die andere Seite einer Wand setzen wollte, ist die Wutgefahr ebenfalls recht hoch.
Immerhin gibt es einen "Rückgängig" Knopf - Glück im Unglück sozusagen.

Ist unser Lösungsvorschlag dann fertig "platziert", müssen wir nur noch auf den Start-Knopf drücken - dann fällt die Murmel aus ihrem Loch und die Simulation beginnt. Während dieser Zeit haben wir allerdings keinen Einfluss auf das Spiel.
Leider wurde aber nicht nur bei der Steuerung offensichtlich Frühstückspause gemacht, sondern auch in anderen Bereichen. Am auffälligsten ist, dass Gravity nicht auf die Auflösung eines handelsüblichen PAL-Fernsehrs angepasst wurde. Das Bild wird zentriert, fast Quadratisch dargestellt, und die Texte, die der (hässliche) Avatar von Professor Heinz Wolff auftauchen lässt, flackern dermaßen stark im Röhrenfernseher, dass es in den Augen weh tut. Zudem sind sie unlesbar.
Auch die Hintergrundmelodien sind nicht wirklich passend und wirken eher melancholisch und einschläfernd, als "dezent" und "stimmig". Das gesamte Spiel strahlt eine eher "düstere" und sehr missmutige Stimmung aus - was bei so einem Spiel garantiert nicht der beste Eindruck fürs rätseln ist. Das schließt die zahlreichen Hintergründe mit ein - für jedes Puzzle wurde ein eigenes Kunstwerk gemacht, die teilweise sehr schön sind.
Alles in allem erweckt der Titel leider den Eindruck, dass hier zu wenig Wert auf Abwechslung und Präsentation gesetzt wurde. Das Spielprinzip ist spaßig - vor allem der "Baukasten"-Modus, der nach und nach freigeschaltet wird, könnte den Titel aus der Versenkung retten, aber die eintönige Spielmechanik verhindert dies leider zunehmend.
Für ein Vollpreisspiel definitiv zu teuer, trotz Umfang und Boni. WiiWare wäre hier die richtige Adresse gewesen, denn danach sieht das Spiel aus, aber leider nicht nach einem ernsthaften Vollpreis-Puzzlespiel.
Aljoscha Reuther meint...
Ich mag puzzlen sehr - speziell wenn es um Physik geht. Crazy Machines habe ich gespielt bis zum "geht-nicht-mehr", und deshalb habe ich mich auch ziemlich auf Gravity gefreut. Was ich aber bekam war ein eher langweiliges, tristes und melancholisches Rumgeschiebe von Klötzen und Kugeln, bei dem ich schon nach kurzer Zeit das Gefühl hatte, alles schon einmal gesehen zu haben. Schade drum. Aber für Fans vom Domino Day oder Crazy Machines bestimmt ein netter Zeitvertreib.
Ich mag puzzlen sehr - speziell wenn es um Physik geht. Crazy Machines habe ich gespielt bis zum "geht-nicht-mehr", und deshalb habe ich mich auch ziemlich auf Gravity gefreut. Was ich aber bekam war ein eher langweiliges, tristes und melancholisches Rumgeschiebe von Klötzen und Kugeln, bei dem ich schon nach kurzer Zeit das Gefühl hatte, alles schon einmal gesehen zu haben. Schade drum. Aber für Fans vom Domino Day oder Crazy Machines bestimmt ein netter Zeitvertreib.

GRAFIK
Also echt, puristischer geht's wirklich nicht.
Also echt, puristischer geht's wirklich nicht.

SOUND
Ob melancholische Töne, die eher an verregnete Beerdigungen erinnern, für ein Puzzlespiel wirklich das Beste sind?
Ob melancholische Töne, die eher an verregnete Beerdigungen erinnern, für ein Puzzlespiel wirklich das Beste sind?

BEDIENUNG
Die Pointer-Funktion der Wii-Fernbedienung ersetzt die Maus recht gut. Die Physik wirkt allerdings schon beim Aufbau, was das Spiel unnötig kompliziert.
Die Pointer-Funktion der Wii-Fernbedienung ersetzt die Maus recht gut. Die Physik wirkt allerdings schon beim Aufbau, was das Spiel unnötig kompliziert.

UMFANG
100 Level, 100 mal das Selbe.
100 Level, 100 mal das Selbe.
SPIELSPASS
Depressives Physikpuzzle mit Wiederholungskrankheit
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Depressives Physikpuzzle mit Wiederholungskrankheit
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel