Need for Speed Undercover
Artikel verfasst von Aljoscha Reuther am 22.02.2009
Eine große Stadt, viele Straßen und bis zum Anschlag aufgemotztee Wagen - vielen ist es jetzt schon klar: es geht um die Need for Speed reihe. Doch diese erfuhr mit ihrem letzten Ableger, "Undercover", einen wahren Bungeesprung ohne Seil: Die Technik auf den Next-Gen Konsolen war ein einziges Debakel, und auch die technisch etwas schlechtere Wii-Version konnte sich wegen des Stillstandes in Sachen Innovationen und Inhalten niemanden vom Hocker reißen. Hat die verdeckte Ermittlung im kreise der illegalen Autorennen noch eine Chance, oder ist der Raser für die Hosentasche ebenfalls ein Fall für die Schrottpresse?
Von Motoren und Getrieben...
Um einmal einen kleinen Einblick in die recht simpel gestrickte Geschichte zu geben: wir spielen einen Polizisten, der in die wilde Welt der illegalen Straßenrennen in Tri-Cities eingeschleust wird, um eine Bande von Banditen hochgehen zu lassen.
Das war's auch schon, mehr gibt es nicht zu sagen, und böse Zungen könnten sogar behaupten, diese Story wäre von einem einige Jahre alten Hollywoodstreifen geklaut worden. Der Rest der Geschichte ist... belanglos, unwichtig und langweilig. Unsere überspitzt coole Chefini>Chase wirkt eher wie eine Domina und die Präsentation der gesamten Geschichte wirkt einfach hingek... äh... schlecht. Aber gehen wir mal, nach gewohnter Manier, der Reihe nach vor.

Der Inhalt des Spiels ist seit den fast schon legendären Underground-Teilen immer der Selbe: wir starten als ganz kleines Licht irgendwo unten am beginn der Liste der Größen der Cityrace-Liga. Und diese Liste gilt es natürlich zu erklimmen. Also fahren wir nach und nach Rennen um Rennen - natürlich siegreich, um irgendwann einmal an der Spitze zu stehen. Den kleinen Zusatz, dass wir dann anstatt gefeiert zu werden, den "Bösen" gegenüber stehen, lassen wir einmal außen vor.
Um wie gesagt diese Leiter hinaufzukommen, benötigen wir in erster Linie eins: Respekt-Punkte. Und da Autorennen ja etwas ganz böses sind, bekommen wir die nicht etwa auf normalem Weg, nein, wir bekommen sie als Fahndungslevel. Je höher unser Fahndungslevel und das damit auf uns ausgesetzte Kopfgeld ist, desto besser stehen wir da.
Erreicht wird dieses Kopfgeld durch verschiedene Renn-Arten, wie sie auch schon aus anderen Teilen der Serie bekannt sind. Von normalen Rundkursrennen über Sprintrennen (einfach von Start bis Ziel), Knockout- (am Ende jeder Runde fliegt der letzte raus) oder Checkpointrennen bis hin zu einer Zerstörungsfahrt in der Stadt (oder einer Verfolgungsjagt) bekommen wir absoluten Standardkram serviert. Das dumme bei der ganzen Sache: im Gegensatz zu den "großen Versionen" des Spiels (PC, Xbox, etc.) haben wir in der DS Version des Titels keine Freie Fahrt, das Spiel beschränkt sich also komplett auf die eben genannten Rennen.
Von Polizisten und Banditen...
Und die Rennen sind ebenfalls ein Frustfaktor im Spiel. Vielen ist ein zu leichter Schwierigkeitsgrad vielleicht ein Dorn im Auge und das kann den Spielspaß durchaus einmal drücken, zugegeben. Aber wie ist es, wenn wir fahren wie die fleischgewordene Perfektion selbst, und uns dann immer noch die (vom Vehikel her) schlechteren Gegner an der Stoßstange kleben und uns teilweise sogar überholen? Im Undercover-Titel ist es einfach nicht möglich, die Konkurrenz in irgend einer Form abzuhängen - schlimmer noch, scheinbar scheint EA bei der DS Version eine Art Ziehseil in die Wagen eingebaut zu haben, sodass uns, wenn wir einen Nissan 350Z fahren, selbst noch ein VW Golf mit nicht einmal annähernd dem selben Geschwindigkeitstuning überholen kann. Das ganze wirkt nicht nur unglaublich nach unfairer Cheat-KI, es drückt den Spielspaß fast schon auf ein Minimum. Zwar haben wir so eine gute Herausforderung - klar. Aber was bringt die beste Herausforderung, wenn sie absolut nicht meisterbar ist?
Bis auf diesen Gummiband-Effekt hat die uns entgegengesetzte künstliche "Intelligenz" allerdings nicht viel zu Melden. Mitten auf einer schnurgeraden Strecke fahren die Boliden der Widersacher einfach mal in die Leitplanke, ineinander oder gegen irgendwelche Dinge, die weit Abseits der normalen Strecke liegen.
Ähnlich dumm gestaltet sich auch die KI der Polizei. Zwar fährt die "Rennleitung" uns ab und an einmal hinterher (und das, obwohl wir nichts getan haben, was ihre Aufmerksamkeit hätte erregen können), doch schon nach kurzer Zeit lassen sich die schwarz-weißen Klapperkisten mit Weihnachtsbeleuchtung abhängen - oder einfach zerstören. Eine echte Herausforderung stellt wieder nur der Gummiband-Effekt dar, ansonsten ist die Polizei allerdings kein Gegner für uns.
Was macht die Serie noch aus? Ach ja, richtig, das Tuning. Und was braucht man für's Aufmotzen? Richtig, Autos. Um die geht es ja letztendlich. Was in keinem echten Need for Speed fehlen darf, sind natürlich lizensierte Mittel- und Oberklassewagen, mit denen wir durch die Stadt heizen. Auch bei Undercover ist das nicht anders, hier stehen uns ebenfalls Autos von namenhaften Herstellern wie Volkswagen, Chevrolet oder Mazda zur Verfügung.
Auch das Tuning wurde ins Spiel übernommen, sowohl von der technischen, als auch von der optischen Seite. Lackierung, Decals, Vinyls und Spoiler lassen sich wunderbar an unseren Wagen ankleben und -schrauben und bringen doch etwas Licht ins Dunkel des Titels. Wenn es da nicht ein Problem geben würde:
Um diverse Tuningparts überhaupt erst einmal nutzen zu dürfen, benötigen wir Unmengen an Geld und freigeschalteter Teile. Um ein Beispiel zu geben: wir müssen um die 20 Events fahren, um überhaupt an die erste Stufe von Tuningteilen heranzukommen. Zudem wurden die Tuningsätze einfach so "Eingebaut", es gibt keine verschiedenen Marken oder gewisse Unterschiede zwischen den Bauteilen mehr.

Schwache Technik im und ums Auto
Das EA mit den Handheld-Ablegern ihrer Flagschiffe eher stiefmütterlich umgeht, ist größtenteils bekannt, alles in allem ist die Präsentation daher nicht mehr durchwachsen, sondern unterdurchschnittlich. Doch wie sieht es da mit der technischen Seite aus?
Nun, um sie kurz zu umreißen: genau so. Die Grafik wirkt auf den ersten Blick nicht schlecht, auf den Zweiten haben wir es allerdings mit sich langsam aufbauenden Gebäuden, eckigen Reifen und lahmen Geschwindigkeitseffekten zu tun. Das Spiel läuft zwar ruckelfrei und grob-verpixelte Texturen finden wir auch nicht all zu oft, doch verkantete Autos und Umgebungen ziehen das Niveau wieder deutlich niedriger.
Die Strecken sind durchweg "plan", soll also heißen: wir haben weder Hügel, noch abfallende Strecken - alles ist absolut gerade. Zudem kommt bei dem Spiel absolut kein Geschwindigkeitsgefühl auf. Unser (viel zu kleines) Tachometer zeigt uns eine Geschwindigkeit von knapp 230 km/h an - innerorts -, ausehen tut es aber nach 50. Ob hier einfach auf die Verkehrssicherheit geachtet wurde? Immerhin kommt auch am Anfang der Hinweis, dass man in der Realen Welt immer anständig und vorausschauend fahren soll.
Auch der Sound ist alles andere als gut. Zwar haben wir in dieser Version tatsächlich echte, lizensierte Lieder (u.a. von The Prodigy und Asia Dub Foundation), allerdings sind diese Titel in sehr schlechter Qualität auf der DS-Cardridge enthalten. Zudem haben wir es nur mit 5-6 einzelnen Liedern zu tun, die sich laufend wiederholen.
Auch die Motorensounds und/oder etwaige Reifengeräusche sind nicht gerade ein Ohrenschmaus. Jedes Auto klingt gleich.
Die Steuerung ist dagegen solide. Genau wie man es von einem Rennspiel erwartet, da gibt es nix zu meckern. Der Touchscreen kann nur in der Menünavigation genutzt werden.
Aljoscha Reuther meint...
Need For Speed verfällt, wie ein Gebäude ohne Wartung. Langweilige Rennen, blöde Charaktere, miese Gegner KI, die nur durch offensichtliches Schummeln gewinnt... was ist nur aus der Serie geworden, die einst Traumbewertungen bekommen hat und bei der jeder neue Teil mit Freuden erwartet wurde? Nichts gutes, das ist sicher. Undercover sollte bleiben, was es ist... ungesehen.
Need For Speed verfällt, wie ein Gebäude ohne Wartung. Langweilige Rennen, blöde Charaktere, miese Gegner KI, die nur durch offensichtliches Schummeln gewinnt... was ist nur aus der Serie geworden, die einst Traumbewertungen bekommen hat und bei der jeder neue Teil mit Freuden erwartet wurde? Nichts gutes, das ist sicher. Undercover sollte bleiben, was es ist... ungesehen.

GRAFIK
Das Spiel läuft absolut flüssig, die Gebäude bauen sich allerdings immer wieder im Sichtfeld auf, alles ist absolut eckig.
Das Spiel läuft absolut flüssig, die Gebäude bauen sich allerdings immer wieder im Sichtfeld auf, alles ist absolut eckig.

SOUND
Lizensierte Originalmusik in grottiger Qualität.
Lizensierte Originalmusik in grottiger Qualität.

BEDIENUNG
"Ganz gut".
"Ganz gut".

UMFANG
Viele Rennen, allerdings kaum Variationen
Viele Rennen, allerdings kaum Variationen
SPIELSPASS
Ohne Tiefgang direkt zum Tiefpunkt der Serie...
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Ohne Tiefgang direkt zum Tiefpunkt der Serie...
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel