Family Party
Artikel verfasst von Aljoscha Reuther am 11.02.2008
Minispielsammlungen, Familienspiele, Partygames - für die Sammlungen mehrerer kleiner, auf Multiplayer ausgelegter Spiele gibt es viele verschiedene Bezeichnungen. Und doch haben sie alle eines gemeinsam, sie versprechen stundenlang "Spaß und Unterhaltung" mit "abgefahrenen Minigames". Leider bleiben dabei viele bereits am Anfang auf der Strecke, was dem Genre einen eher zweifelhaften Ruf eingebracht hat - Perlen wie Mario Party oder Raving Rabbids sind eher die Ausnahme. Nun folgt mit Family Party ein weiterer, Familien orientierter Titel, der auch wieder Unterhaltung und Spaß am laufenden Band verspricht. Ob da wohl auch was dran ist...?
Party mit der Familie
Das gute an diesen Minispielsammlungen, zumindest für uns Redakteure, ist: sie beinhalten meistens nur die Spiele selbst und sind nicht gerade in tolle oder langatmige, erwähnenswerte Geschichten verpackt, was uns somit einiges an Textgeschreibe erspart. Kommen wir also gleich zum Inhalt der Spielesammlung. 30 Spiele enthält die Familienfeier für die Wii, die allesamt recht ähnlich gespielt werden. Mal müssen wir eine schwankende Brücke überqueren, ein andern Mal mit Anlauf über einen Stapel Kisten springen oder eine Brücke überqueren... einen Moment, hatten wir das nicht schon? Genau, das ist das Hauptproblem von Family Party. Denn auch wenn es mit 30 Great Games wirbt, sind viele davon einfach und simpel identisch. Da bringt die Einteilung in Kategorien wie "Geschicklichkeit" oder "Koordination" genau so viel wie gelegentliche, leichte Abwandlungen vom Spielprinzip.
Zwar sind die Minispielsammlungen im Regelfall auf mindestens zwei Spieler ausgelegt - immerhin sind es Partyspiele, doch Family Party bietet sogar einen Einzelspielermodus, Herausforderung genannt. In diesem Modus treten wir mit unserer Figur gegen 3 weitere Computergegner an. Aufgeteilt sind die 30 Minispiele dabei auf mehrere Arenen, die jeweils 5-6 Minispiele beinhalten, die wir nacheinander durchspielen müssen. Am Ende werden die Punkte zusammengezählt und wer gewonnen hat... hat gewonnen. Ja.
Wirklich sinnvoll klingt das alles nicht, aber so gewinnt man wenigstens einen Überblick über die Spielweise des Titels.
Und den braucht man auch, denn die Beschreibungen sind sehr dürftig und für die Spielmechanik benötigt man entweder Abitur oder muss sehr viel Glück haben. Bei den meisten Spielen kommt es nur darauf an, die Fernbedienung zu schütteln (ganz ehrlich - so langsam nervt's) und im richtigen Moment einen Knopf zu drücken. Doch wann, wie und wo dieser Knopf gedrückt werden muss bleibt ein Rätsel, dessen Lösung wohl nur zwischen den Zeilen der sehr dürftig geschriebenen Erklärtexte zu finden ist.
Nun, nicht alle Texte sind unverständlich. Halte die Fernbedienung seitlich und halte die Balance - leicht verständlich. Aber wenn es dann daran geht, über etwas drüber zu springen, bringen Formulierungen wie Um zu springen halte den A-Knopf gedrückt, lasse ihn los und drücke ihn dann erneut, um zu springen (ideenhaftes Beispiel, kein echter Auszug aus dem Spiel - jedoch identisch der Formulierungsweise des Titels) bringen den geneigten Spieler aber mit Sicherheit ins Grübeln.

Ähnlich kompliziert ist die Spielmechanik. In diversen Spielen gibt es zwar keine Probleme mit dem Verständnis der Steuerung, dafür aber mit dem Spiel selbst. So balancieren wir auf einem Baumstamm einen Weg entlang und müssen aufpassen, nicht von Eisenstangen oder Wasserfontänen hinunter geschubst zu werden. Das Problem hierbei liegt im Detail. Die Steuerung reagiert viel zu schwammig, und die besagte Wasserfontäne hört einfach nicht auf zu sprudeln - kann man hier von einem Bug reden?
Eigentlich nicht, denn diese endlosen Wartezeiten hängen mit den viel zu hoch angesetzten Spielzeiten zusammen - zumindest bei einigen Minigames. Diverse Spiele dauern mitunter über 2 Minuten - und wenn wir es zum 6. Mal nicht geschafft haben, eine bestimmte Stelle zu überqueren (und wir immer wieder von vorn anfangen müssen) , bleibt einfach die Lust weg, das ganze für den Rest der Zeit zu versuchen.
Bei anderen Spielen wiederum ist die Zeit mit 30 Sekunden viel zu niedrig angesetzt, was das ganze Spiel zu einem gewissen "Partykiller" anhebt. Für eine Familie ist dieses vielleicht ungewollt schwere Partyspiel aber auf keinen Fall geeignet.
Zum Singleplayer bleibt noch zu sagen: Finger Weg, wenn möglich. Denn wie so oft wurde anscheinend beim Entwickeln eine gute KI komplett von der Liste gestrichen. Entweder wir verzweifeln an den schlecht erklärten und damit unschaffbaren und demotivierenden Aufgaben der Spiele (siehe oben), oder wir gewinnen mit einem riesen Abstand. Warum kann sich nicht endlich einmal jemand Gedanken darüber machen, dass zu einem Singleplayermodus auch zwangsläufig eine zumindest halbwegs gescheite KI gehört, die einem nicht durch schiere Blödheit das Spielgeschehen vermiest...
Der Multiplayer - wohl die Essenz des Spieles - artet leider in ein Wettschütteln der Wii-Fernbedienung aus. Oder in ein gefrustetes "Wie geht das denn jetzt?!" reihum. Vielfalt... auf der einen Seite ja, auf der anderen nein. Die große Auswahl ist mit Sicherheit nicht schlecht, andererseits ist die reine Mechanik des Spieles bei über 60% des Spieles schlicht identisch. Egal ob man über eine Brücke, einen Baumstamm oder eine Laufbahn balanciert...
Auch die Präsentation ist eher dürftig gehalten. Die Avatare sind zwar recht nett - alle möglichen Familienmitglieder, vom Kleinkind bis zum Opa, sind enthalten - aber deren Optik ist alles andere als einladend. Ähnlich sieht es mit der Umgebungsgrafik aus - schlichte, sterile und knall bunte Welten wirken wie eine schlechte Mischung aus Kawashima und Super Mario - und das passt einfach nicht.
Gelobt werden muss die komplette Audiosynchronisation - alle Texte im Spiel tönen in deutsch aus dem Lautsprecher, leider untermalt von billiger Technomusik. Unmöglich ist dagegen der Splitscreenmodus, denn egal ob wir alleine oder mit Freunden Spielen, wir haben immer einen vier geteilten Bildschirm. Aber viel zu sehen gibt es eh nicht.
Aljoscha Reuther meint...
Eine weitere Minispielesammlung auf der Wii ist in etwa so sinnvoll wie ein Raketenwerfer zum Fliegen fangen. Man hat viel zum verballern, aber der Schaden ist hinterher größer als das eigentliche Ergebnis. Zu schlecht möchte ich gar nicht über Family Party reden, aber es ist einfach langweilig, und wenn ich einmal mehr einfach die Fernbedienung aus der Hand lege, weil das ganze Geschüttel und Gedrücke nervt oder ich einfach keine lust mehr habe, die schlecht erklärten Aufgaben nach und nach abzuklappern, nur um wieder das Gleiche machen zu müssen, dann überlege ich schon, ob dieser Titel wirklich hätte sein müssen. Gegen Genregrößen wie Raving Rabbids oder Mario Party kann das Spiel garantiert nicht anstinken, aber mehr als das hintere Mittelfeld des Spielspaßplatzes ist auch nicht drin.
Eine weitere Minispielesammlung auf der Wii ist in etwa so sinnvoll wie ein Raketenwerfer zum Fliegen fangen. Man hat viel zum verballern, aber der Schaden ist hinterher größer als das eigentliche Ergebnis. Zu schlecht möchte ich gar nicht über Family Party reden, aber es ist einfach langweilig, und wenn ich einmal mehr einfach die Fernbedienung aus der Hand lege, weil das ganze Geschüttel und Gedrücke nervt oder ich einfach keine lust mehr habe, die schlecht erklärten Aufgaben nach und nach abzuklappern, nur um wieder das Gleiche machen zu müssen, dann überlege ich schon, ob dieser Titel wirklich hätte sein müssen. Gegen Genregrößen wie Raving Rabbids oder Mario Party kann das Spiel garantiert nicht anstinken, aber mehr als das hintere Mittelfeld des Spielspaßplatzes ist auch nicht drin.

GRAFIK
Knallbunt, aber sonst nichts.
Knallbunt, aber sonst nichts.

SOUND
Deutsche Sprachausgabe (akzeptabel), dafür aber lahme und nervige Hintergrundmusik.
Deutsche Sprachausgabe (akzeptabel), dafür aber lahme und nervige Hintergrundmusik.

BEDIENUNG
Die schlecht erklärten Bedienungsvarianten, die sich zudem immer wieder Wiederholen, benötigen zumindest keinen Nunchuk.
Die schlecht erklärten Bedienungsvarianten, die sich zudem immer wieder Wiederholen, benötigen zumindest keinen Nunchuk.

UMFANG
30 Minispiele, immerhin. Wenn man allerdings alle, die sich stark ähneln (oder sogar mehr oder weniger identisch sind) zusammenfasst, kommt man ungefähr auf 12.
30 Minispiele, immerhin. Wenn man allerdings alle, die sich stark ähneln (oder sogar mehr oder weniger identisch sind) zusammenfasst, kommt man ungefähr auf 12.
SPIELSPASS
Familienkrach statt Familienparty
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Familienkrach statt Familienparty
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel