Der Herr der Ringe: Die Eroberung
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 06.02.2009
Mittelerde befindet sich im Krieg! Die dunklen Herrscharen aus Mordor fallen in die Länder ein und hinterlassen nur Tod und Verwüstung. Die freien Völker leisten Widerstand. Zwerge, Elben, Menschen stellen sich Orks und Uruk-hai entgegen – und ihr seid mittendrin!
Die großen Schlachten Mittelerdes
Die Geschichte um den Ring, Sauron und den Widerstand der freien Völker sollte aus Film oder Buch bekannt sein. Im Prinzip werdet ihr in die großen Schlachten dieser Vorlagen geworfen. So kämpft ihr euch durch die dunklen Gänge Morias, verteidigt Helms Klamm und stürzt euch in die Schlacht um Minas Tirith. Eine richtige Geschichte gibt es aber nicht, was ein bisschen schade ist. Natürlich ist es klar, worum es geht. Eine kleine Rahmenhandlung hätte die Kämpfe aber stimmungsvoll miteinander verknüpfen können. Denn so werdet ihr einfach von einer Schlacht in die nächsten katapultiert.
Die Kampagne führt euch durch ein Dutzend Missionen, wobei ihr euch nicht unbedingt auf die Seite der freien Völker schlagen müsst. Keine Lust auf mickrige Zwerge, hinterlistige Menschen und weinerliche Elben? Dann schließt euch doch einfach Sauron an, der euch eine ordentliche Streitmacht zur Verfügung stellt! Vom Ork bis zum Hexenmeister stehen hier zahlreiche Einheiten bereit, um Mittelerde endgültig zu erobern. Frodo hin oder her.

Grundlegend gibt es drei Charakterklassen. Da ist der Krieger, der den direkten Zweikampf nicht scheut und alles kurz und klein schlägt. Der Bogenschütze erledigt die Dinge dagegen lieber auf Distanz. Dank eines Scharfschützenmodus kann er selbst weit entfernte Gegner zielsicher treffen und ihnen sogar mehrere Pfeile auf einmal um die Ohren hauen. Und auch der Magier bietet seine Dienste an. Was ihm an Körperkraft fehlt, macht er mit Zerstörungs- und Heilzaubern wieder wett. Außerdem stehen zeitweise auch übermächtige Helden oder Riesen bereit, um auf dem Schlachtfeld mal so richtig aufzuräumen.
Das totale Chaos
Es gibt zahlreiche Einheiten, vielfältige Charakterklassen und kraftvolle Helden – was kann da noch schief laufen? Leider eine ganze Menge! Die ersten Sekunden auf dem blutgetränkten Boden Mittelerdes reißen euch erst mal voll mit. Ihr seid mitten in der Schlacht, unzählige Einheiten rennen durcheinander und ihr haut auf die Tasten was das Zeug hält. Action wird hier also Nonstop und im Überfluss geboten. Doch dennoch ist die Luft schnell raus.
Das liegt vor allem daran, dass jedes Mal das totale Chaos ausbricht. Davon profitiert zwar die Action, bringt aber auch pausenloses Button-Mashing mit sich. Um Strategie geht es auf jeden Fall nicht, wenn ein Feind nach dem anderen auf euch zustürzt. Ihr habt schließlich auch immer nur die Kontrolle über einen Charakter, dessen Klasse ihr nur an bestimmten Punkten ändern könnt. Und eure Mitstreiter handeln automatisch. So könnt ihr die verschiedenen Klassen auch kaum taktisch nutzen und letztendlich einfach Schwerthiebe, Pfeile oder Feuerzauber verteilen, bis kein Gegner mehr übrig ist.

Dabei gibt es zwei verschiedene Steuerungsoptionen. Eine mit den Knöpfen bei der ihr Button-Mashing im wahrsten Sinne des Wortes betreibt. Hier haut ihr ununterbrochen auf die Knöpfe und das Steuerkreuz. Bei der anderen Einstellung spielt ihr dagegen mit dem Stylus. Hier müssen dann Hiebe gezeichnet oder Kreise um die Kämpfer gezogen werden. Letztendlich ist aber auch das nichts anderes als Button-Mashing, nur eben in einer anderen Form. Dazu kommt noch, dass die Touchscreen-Steuerung etwas ungenau ist. Nicht alle Hiebe werden genau erkannt und die Kämpfer laufen auch nicht immer zur gewünschten Stelle. Wenn schon Button-Mashing dann doch lieber mit Knöpfen.
Ein weiteres Problem ist es, dass die recht eintönige Grafik mit ihren grauen Umgebungen keine Übersicht bietet. Die Charaktere an sich mögen zwar ordentlich aussehen und Effekte im Überfluss über den Touchscreen zucken, letztendlich wisst ihr aber nicht wer Feind und wer Freund ist. Und so haut ihr letztendlich einfach auf alles drauf, was sich bewegt. Ihr habt nämlich keine Zeit für Orientierung oder für einen Blick auf den oberen Bildschirm, auf dem rote und blaue Punkte Feind und Freund eigentlich markieren. Den oberen Bildschirm könnt ihr eigentlich nur in den seltenen Kampfpausen studieren, um zu erfahren, wo ein Gegner getötet, ein Kontrollpunkt eingenommen oder ein Verbündeter beschützt werden soll. Und dann geht das Chaos von vorne los…
Balrog Vs. Felsen
Ein Strategiespiel ist „Der Herr der Ringe: Die Eroberung“ wahrlich nicht. Ihr stürzt euch einfach in die Schlacht und entfesselt einen Angriff nach dem nächsten. Taktisches Vorgehen ist also gar nicht möglich, allerdings auch gar nicht nötig. Sinnloses Draufhauen reicht vollkommen aus, um den Feind komplett auszulöschen.
Wer braucht auch schon Taktik bei einem Feind, der gegen Wände läuft und aus nächster Nähe danebenschlägt? Die KI ist einfach unter aller Kanone. Besonders extrem hat sich das in Moria bemerkbar gemacht, als wir eine Gruppe von Zwergen zum Ausgang begleiten sollten, während der Balrog uns an den Fersen klebte oder besser gesagt kleben sollte. Der gute alte Feuerspeier hat sich nämlich recht früh an einen kleinen Felsen verfangen, gegen den er dann erst einmal ein paar Minuten lief. Bis dahin waren die Zwerge längst zum Ausgang geschlendert und gefahrlos ins Freie entkommen. Ein wahrlich enttäuschender Abschluss der ersten Mission.

So kämpft ihr euch also ohne Sinn und Verstand durch Gegnermassen mit noch weniger Verstand bis der Krieg entschieden ist. Mit einem Dreißigjährigen Krieg müsst ihr aber nicht rechnen, eher mit einem dreistündigen. Die Kampagne ist nämlich nicht besonders lang ausgefallen. Zumindest gibt es für diejenigen, die beim ersten Mal noch nicht genug bekommen haben, ein paar Anreize für ein wiederholtes Durchspielen. Schließlich könnt ihr einfach die Seite wechseln und auch das kooperative Spiel mit einem Freund lockt.
Darüber hinaus wartet auch noch der Eroberungsmodus auf euch. Hier dreht sich alles darum, die Kontrollpunkte des Gegners zu erobern und die eigenen zu verteidigen. Dieses „Capture the Flag“ in Mittelerde bietet zwar nicht mehr Anspruch als die Kampagne ist aber für den kleinen Action-Trip für zwischendurch perfekt geeignet und bietet kurzweiligen Spaß.
Grafisch werdet ihr aber bei keinem der Modi verwöhnt. Wie bereits kritisiert, ist alles nämlich viel zu grau. Natürlich kann ein kriegszerrüttetes Mittelerde nicht so aussehen wie das knallbunte Pilzkönigreich, grau in grau hätte dennoch nicht jeder Schauplätz sein müssen. Außerdem kommt es bei den zahlreichen Kämpfern und ansehnlichen Effekten gelegentlich auch zu kleinen Framerate-Einbrüchen. Die Musik macht da eine etwas bessere Figur. Denn auch wenn sie etwas abwechslungsreicher hätte ausfallen können, unterstreicht sie die actionreichen Schlachten passend mit energievollen Melodien, dank denen dann ab und zu doch etwas „Der Herr der Ringe“-Feeling durchschimmert.
Sascha Geldermann meint...
Dieses Spiel schmeißt mich mitten in die großen Schlachten von Mittelerde, die von einer gewaltigen Ladung Action bestimmt werden. Doch egal ob ich als Krieger oder Bogenschütze kämpfe, in Moria oder Minas Tirith, für Gut oder Böse – jedes Mal verkommt der Kampf zum reinen Button-Mashing. So metzel ich mich durch ein Chaos, bei dem ich Freund und Feind nicht auseinanderhalten kann, während die strohdummen Gegner auch ganz ohne Strategie in mein Schwert rennen. So macht weder die Eroberung noch die Befreiung Mittelerdes Spaß!
Dieses Spiel schmeißt mich mitten in die großen Schlachten von Mittelerde, die von einer gewaltigen Ladung Action bestimmt werden. Doch egal ob ich als Krieger oder Bogenschütze kämpfe, in Moria oder Minas Tirith, für Gut oder Böse – jedes Mal verkommt der Kampf zum reinen Button-Mashing. So metzel ich mich durch ein Chaos, bei dem ich Freund und Feind nicht auseinanderhalten kann, während die strohdummen Gegner auch ganz ohne Strategie in mein Schwert rennen. So macht weder die Eroberung noch die Befreiung Mittelerdes Spaß!

GRAFIK
Unter dem Effekreichtum der Optik leiden sowohl die Übersicht als auch die Framerate.
Unter dem Effekreichtum der Optik leiden sowohl die Übersicht als auch die Framerate.

SOUND
Die Melodien passen zum Kampfgeschehen, sind auf Dauer aber zu monoton.
Die Melodien passen zum Kampfgeschehen, sind auf Dauer aber zu monoton.

BEDIENUNG
Die Steuerung über die Knöpfe funktioniert sehr gut, während die Stylus-Bedienung zu ungenau ist.
Die Steuerung über die Knöpfe funktioniert sehr gut, während die Stylus-Bedienung zu ungenau ist.

UMFANG
Die kooperativen Kämpfe und Eroberungsmodus sind nett, aber es gibt einfach zu wenige Missionen, die auch noch allesamt recht kurz sind.
Die kooperativen Kämpfe und Eroberungsmodus sind nett, aber es gibt einfach zu wenige Missionen, die auch noch allesamt recht kurz sind.
SPIELSPASS
Sinnloses Button-Mashing in Mittelerde.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Sinnloses Button-Mashing in Mittelerde.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel

Genre
Action-Adventure
Entwickler
Pandemic
Publisher
Electronic Arts
Releasedatum
15.01.2009
USK-Freigabe

» Weitere Infos zum Titel
Action-Adventure
Entwickler
Pandemic
Publisher
Electronic Arts
Releasedatum
15.01.2009
USK-Freigabe

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