Final Fantasy IV
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 09.01.2009
Nachdem Teil III schon in einem neuen 3D-Glanz erstrahlen durfte, legt Square Enix nun auch „Final Fantasy IV“ neu auf. Und damit einen Teil, den der Publisher selbst als ein Favorit der Reihe bezeichnet. Und das ist er wohl wirklich, denn selten gab es so faszinierende Charaktere, eine so spannende Story und so packende Kämpfe. Die Frage ist nur, ob die optische Generalüberholung reicht, um auch heute noch voll und ganz begeistern zu können.
Dunkelritter in neuer Pracht
Das Intro zieht euch sofort in das Spiel und wird euch erst einmal einige Minuten mit offenem Mund vor dem Nintendo DS sitzen lassen. Die 3D-Pracht des Renderfilms ist überwältigend, der Schnitt mitreißend und dann wird das alles auch noch akustisch perfekt unterlegt. Neben der bekannt märchenhaften Musik bieten die Sequenzen nämlich auch eine mehr als nur gelungene englische Sprachausgabe. Wer hätte gedacht, dass „Final Fantasy IV“ so überwältigend gut aussehen kann?
Und natürlich liegt es auch an der packenden Story, dass das Spiel von Anfang an voll mitreißen kann. Nachdem der Dunkelritter Cecil auf Befehl seines Königs wehrlose Dörfer überfallen musste, wird er von seinem Gewissen gequält. Diese Zweifel an seinem König führen den Dunkelritter letztendlich auf eine lange Reise, auf der er viele Gefährten gewinnt und selbst eine enorme Wandlung durchmacht. Ganze 40 Stunden soll es dauern, bis Cecil durch das Land und darüber hinaus gereist ist und der Quelle der Schrecken gegenübersteht.

Diese Reise kommt Kennern der Originals oder des GBA-Remakes natürlich bekannt vor. An der Geschichte und dem Leveldesign hat sich nämlich nicht viel geändert. Ihr kämpft immer noch an denselben Orten mit denselben Mitstreitern gegen dieselben Gegner. Nur erstrahlt dieses Mal alles und jeder in einer beindruckenden 3D-Pracht. Die Orte sind atmosphärisch wie nie zuvor, die Charaktere sehen in ihrem neuen 3D-Gewand fantastisch aus und die mit zahlreichen Effekten in Szene gesetzten Gegner wirken bedrohlicher denn je. Und über all diese Pracht schwebt zu jeder Zeit der Soundtrack von Nobuo Uematsu, für den andere Rollenspiele töten würden. Ja, in technischer Hinsicht setzt das Rollenspiel auf dem Nintendo DS wahrlich neue Maßstäbe.
Knallharte Gegner Baujahr 1991
Doch was steckt hinter diesem äußerlichen Glanz? Die Antwort ist ernüchternd: ein Rollenspiel Baujahr 1991. Veränderungen am Gameplay wurden nämlich nur sehr sparsam vorgenommen. Die Spieler des GBA-Remakes werden aber dennoch ihr blaues Wunder erleben. Diese Umsetzung basiert nämlich nicht auf der weichgespülten US-Fassung, sondern auf der knallharten japanischen Version. Während schon auf dem GBA der Tod der Gruppe und lange Auflevel-Marathons unvermeidbar waren, müsst ihr jetzt noch mehr Trainieren und noch mehr Taktik in die Kämpfe bringen.
Also nutzt die Klassen eurer Kämpfer geschickt und erstellt die schlagfähigste Gruppe. Setzt ihr mehr auf die Talente des Paladins oder der Schlagkraft eines Ninjas? Heilt ihr mit der Weißmagierin oder zerstört ihr mit schwarzer Magie? Diese Fragen müsst ihr euch stellen und letztendlich eine Gruppe in den Kampf schicken, die hoffentlich nützliche Fähigkeiten, angemessene Level und starke Waffen vorweisen kann. Ansonsten steht „Die Gruppe wurde ausgelöscht“ schneller auf dem Bildschirm als ihr einen Heiltrank einsetzen könnt.

Das ATB-System macht das Ganze nicht einfacher. Schließlich laufen die Kämpfe dadurch nur indirekt rundenbasiert ab. Viel mehr lädt sich nämlich für jeden Kämpfer ein Aktionsbalken auf, der gefüllt sein muss, damit dieser angreifen, sich verteidigen oder sonst irgendwas machen kann. Danach muss sich der Balken wieder aufladen und die Gegner nutzen diese Zeit, um eifrig anzugreifen. Nur im Inventar bleibt die Zeit stehen. Zumindest wenn ihr das wollt. Wer in seinem Leben echte Herausforderungen vermisst, kann diese Funktion nämlich auch gerne abschalten und quasi in Echtzeit in den Tod gehen.
Altes Gameplay, neue Gimmicks
Die Kämpfe fesseln durch ihre zahlreichen Möglichkeiten. Schließlich gibt es jede Menge Fähigkeiten, Zauber und auch noch das Augment-System, mit dem ihr Figuren besondere Fähigkeiten zuteilen könnt, die sich sogar nach dem Durchspielen ins nächste Spiel retten lassen. Und auch bei der Erforschung der Dungeons wird deutlich, dass „Final Fantasy IV“ perfektes Rollenspiel-Gameplay alter Schule bietet, das auch heute noch überzeugen und fesseln kann. Allerdings trübt der brutal hohe Schwierigkeitsgrad den Spielspaß immer wieder. Wer nicht alle zehn Minuten ins Gras beißen will, muss wohl oder übel immer wieder sinnlos Erfahrungspunkte sammeln. Und das macht wohl niemanden Spaß. Vor allem, da ihr alle fünf Schritte eh in einen Zufallskampf stolpert und ihr von diesen viel zu häufigen unvermeidlichen Auseinandersetzungen schon so genug genervt sein werdet.
Und das angestaubte Speichersystem macht das alles noch schlimmer. Ihr könnt nämlich nur auf der Oberwelt jederzeit speichern, während ihr in den Dungeons auf Speicherpunkte angewiesen seid. Der Tod der Gruppe bedeutet in einem Dungeon also, dass ihr zurück zum letzten Speicherpunkt geschleudert werdet und alle Siege, alle Schätze und alle Erfahrungspunkte, die ihr seitdem verbuchen konntet, futsch sind. In solchen Momenten wird doch allzu deutlich, dass es sich bei „Final Fantasy IV“ nur um das Remake eines Rollenspiels handelt, das fast zwei Jahrzehnte auf dem Buckel hat. Doch wie nervig und frustrierend das Gameplay auch manchmal sein mag – ihr werdet denn Zufallskampf-gepflasterten Weg mühevollen Schritt für mühevollen Schritt dennoch weitergehen. Denn ihr habt immer noch ein spannendes und komplexes Rollenspiel vor euch, das vielleicht etwas angestaubt ist, von seiner Faszination aber nur wenig verloren hat.

Doch wo stecken denn nun Erneuerungen im Gameplay? Gibt es sie überhaupt? Ja, es gibt sie – allerdings sind sie wirklich sehr dezent ausgefallen. Zum einen liefert euch nämlich nun der Touchscreen jede Menge Infos. In Städten findet ihr dort eine Übersicht, die euch zu den jeweiligen Geschäften lotst. Während in Kämpfen auf dem oberen Bildschirm die Action tobt, versorgt euch der Touchscreen ruhig und beständig mit Statusinformationen. Und in Dungeons setzt sich dort langsam aber sicher eine Karte zusammen. Und daneben zeigt ein Balken, wie viel Prozent des Dungeons ihr schon erforscht habt. Ihr solltet eurem Forschungsdrang ruhig freien Lauf lassen, denn bei 100% werdet ihr mit praktischen Items belohnt.
Neu ist auch das Wesen namens Pochka, das von der Beschwörerin Rydia entfesselt werden kann. Sucht einfach den bekannten fetten Chocobo auf und schon könnt ihr Pochka trainieren und ihm Fähigkeiten zuweisen. Außerdem kommt hier auch endlich mal der ansonsten total vernachlässigte Stylus richtig zum Einsatz, um das Aussehen des Wesens zu gestalten. Mit etwas Mühe habt ihr bald also ein optisch eigenwilliges gut trainiertes Wesen im Gepäck. Und was tun damit? Natürlich dem nächstbesten Freund auf den Hals hetzen! Ihr braucht einfach einen Spieler, der ebenfalls einen Nintendo DS, „Final Fantasy IV“ und einen Pochka besitzt und schon kann der Kampf losgehen. Zugegeben, die Entwickler hätten wohl jede Menge sinnvollere Dinge in das Spiel integrieren können, ein nettes Gimmick ist der Pochka aber dennoch.
Sascha Geldermann meint...
Ich fühle mich beim Spielen von „Final Fantasy IV“ hin- und hergerissen. Ich verfluche den beinharten Schwierigkeitsgrad, das frustfördernde Speichersystem und die viel zu vielen Zufallskämpfe. Doch auch wenn ich alle fünf Schritte erneut von Gegnern überfallen werde, gehe ich den Weg unaufhaltsam weiter, bis mich nach 40 Stunden endlich der atemberaubende Abspann belohnt. Und wenn ich jetzt an das lange Abenteuer zurückdenke, kommt mir kein Frust mehr in den Sinn. Viel mehr denke ich an eine RPG-Perle, die unter ihrer schicken neuen 3D-Hülle zwar nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit ist, aber auch heute noch selbst die anspruchsvollsten Rollenspieler mitreißen kann.
Ich fühle mich beim Spielen von „Final Fantasy IV“ hin- und hergerissen. Ich verfluche den beinharten Schwierigkeitsgrad, das frustfördernde Speichersystem und die viel zu vielen Zufallskämpfe. Doch auch wenn ich alle fünf Schritte erneut von Gegnern überfallen werde, gehe ich den Weg unaufhaltsam weiter, bis mich nach 40 Stunden endlich der atemberaubende Abspann belohnt. Und wenn ich jetzt an das lange Abenteuer zurückdenke, kommt mir kein Frust mehr in den Sinn. Viel mehr denke ich an eine RPG-Perle, die unter ihrer schicken neuen 3D-Hülle zwar nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit ist, aber auch heute noch selbst die anspruchsvollsten Rollenspieler mitreißen kann.

GRAFIK
Die 3D-Grafik treibt den Nintendo DS an sein Limit. Vor allem die Sequenzen sehen überwältigend gut aus.
Die 3D-Grafik treibt den Nintendo DS an sein Limit. Vor allem die Sequenzen sehen überwältigend gut aus.

SOUND
Der Soundtrack ist göttlich und auch die englische Sprachausgabe überzeugt.
Der Soundtrack ist göttlich und auch die englische Sprachausgabe überzeugt.

BEDIENUNG
Der Stylus wird zwar nur selten genutzt, die Steuerung ist aber dennoch sehr intuitiv.
Der Stylus wird zwar nur selten genutzt, die Steuerung ist aber dennoch sehr intuitiv.

UMFANG
40 Stunden Abenteuer und Kämpfe mit Pochka warten auf Rollenspiel-Fans. Im Vergleich zum Original wird aber fast nichts Neues geboten.
40 Stunden Abenteuer und Kämpfe mit Pochka warten auf Rollenspiel-Fans. Im Vergleich zum Original wird aber fast nichts Neues geboten.
SPIELSPASS
Leicht angestaubte RPG-Perle in beeindruckendem 3D-Gewand.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Leicht angestaubte RPG-Perle in beeindruckendem 3D-Gewand.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel