Need for Speed Undercover
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 14.12.2008
Als ihr in Tri-Cities auftaucht, kleben Polizeiautos am Heck eures Wagens. Ihr gebt ordentlich Gas, schlängelt euch geschickt durch den Verkehr und rammt jeden zu aufdringlichen Verfolger in die Leitplanken. Irgendwann habt ihr eure Verfolger abgeschüttelt. Aber freut euch nicht zu früh. Schwierige Aufgaben warten in Tri-Cities auf euch, bei denen euch knallharte Streetracer und wütende Cops gleichsam all euer Können hinter dem Steuer abverlangen.
Verfolgen und verfolgt werden
Doch wie der Name schon verrät seid ihr bei „Need for Speed Undercover“ keiner von den Bad Guys. Ihr seid selbst Polizist und möchtet dem Autoschmuggel einen Riegel vorschieben. Nur deshalb schleust ihr euch in die Streetracing-Szene ein. Denn nur wenn ihr euch einen Namen macht und reichlich Respekt verdient, kommt ihr letztendlich an die großen Bosse.
Die Reihe war noch nie für ihre Geschichten berühmt. Doch dieses Mal unterbietet die Story alles, was es bisher gab. Sie nämlich nicht nur inhaltlich völlig belanglos, sondern zeichnet sich vor allem durch ihre Präsentation schnell als Trash aus. Die langweiligen Zwischensequenzen halten keinerlei Spannung bereit, dafür aber seltsame Kameraperspektiven und miese Schauspieler. Eigentlich könnt ihr die Story vergessen. Ihr müsst euch nur das wesentliche Augen führen: Rennen gewinnen, Respekt verdienen, an die großen Bosse kommen. Im Grunde ist also alles wie immer.
Und das trifft auch auf das Gameplay zu. Denn auch dieses Mal haben die Entwickler es bei ihrer jährlichen Pflichtübung belassen und servieren wieder mal ein reines Update. Neuheiten müssen mit der Lupe gesucht werden und lassen sich hauptsächlich bei den Rennevents finden. Ansonsten rast ihr wieder durch eine offene Spielwelt, verwaltet im Unterschlupf eure Wagen und versucht in den Rennen zu punkten, um Geld und Respekt zu verdienen.

Das Geld lässt sich natürlich wieder in neue Wagen oder das Tuning der alten Wagen investieren. Dabei lässt sich sowohl die Optik euer Karre mächtig aufmotzen, als auch ihre Leistung drastisch verbessern. Reifen, Motor, Bremse – fast jedes Teil kann ausgetauscht und verbessert werden. Außerdem gibt es auch kleine Leistungssteigerungen, wenn ihr besondere Aufgaben absolviert. Aber diese haben nur wenig Effekt.
Und der Respekt ist eben wichtig, um immer näher an die großen Bosse zu kommen. Er wird als Kopfgeld-Punkte angezeigt, die ihr durch Siege erntet. Der Vorteil daran ist, dass neue Missionen und Events zugänglich werden, ihr also im Spielverlauf vorankommt. Die andere Seite der Medaille ist die Fahndungsstufe. Wenn ein hohes Kopfgeld auf euch ausgesetzt wird, sind auch mehr Cops hinter euch her. Aber lasst euch bloß nicht schnappen. Dann verliert ihr nämlich eure Kopfgeldpunkte. Wenn es euch zu heiß wird, solltet ihr euren Wagen durch Optik-Tuningteile verändern. Das ist zwar nicht ganz billig, wird die Fahndungsstufe aber sofort senken.
Gegen die Polizei, Bandenbosse und Vollidioten
Bei den Rennevents finden sich viele bekannte Aufgaben. Vom reinen Sprint, über Zeitfahren bis hin zum Runden-K.O. ist alles wieder vorhanden. Dazu kommen aber auch noch einige neue Events. So müsst ihr euch bei Highway-Battles ausnahmsweise auch mal durch richtig dichten Verkehr kämpfen. Außerdem gibt es zur Abwechslung auch Wanted-Events bei denen es Streifenwagen zu beschädigen oder abzuhängen gilt. Und wer richtig tief in die Szene reinkommt, darf für die großen Fische auch gestohlene Wagen überführen oder Polizeisperren durchbrechen. Und letztendlich werdet ihr auch selbst zum Verfolger, wenn ihr einen Boss entlarvt habt und aus dem Verkehr ziehen müsst. Abwechslung wird also auf jeden Fall geboten.
Die Rennen an sich laufen in gewohnter Manier ab, wobei die Steuerung wieder sehr gut funktioniert. Das liegt allein schon an den zahlreichen Varianten, die euch zur Verfügung stehen. Nur mit der Wii-Remote, mit Nunchuk dazu oder doch lieber mit Classic- oder GameCube-Controller? Jeder findet hier eine Steuerungsoption, mit der er elegant durch Kurven driften und die Konkurrenz abhängen kann.

Natürlich gibt es auch wieder eine Nitro-Anzeige, die euch einen kurzen Geschwindigkeitsschub ermöglicht. Und auch der Speedbreaker ist wieder mit dabei, der die Zeit verlangsamt und damit selbst enge Kurven zum Kinderspiel macht. Wie schnell sich diese beiden praktischen Anzeigen wieder aufladen hängt wiederum von der In-The-Zone-Anzeige ab. Und diese füllt sich durch besondere Manöver, wie einem perfekten Start oder einer Beinahekollision mit dem Verkehr. Im Klartext laden sich Nitro und Speedbreaker also desto schneller wieder auf, je besser ihr fahrt.
Getrübt werden die Rennen aber durch einen altbekannten Effekt, der bei allen drei Schwierigkeitsgraden zu beobachten ist. Eure Gegner passen sich nämlich zu sehr eurem eigenem Können an. Bildet ihr das Schlusslicht, scheinen sie geradezu auf euch zu warten. Seid ihr weit vorn, holen sie euch schnell wieder ein. Das trübt den Spaß natürlich ein wenig. Viel dramatischer ist aber die schwache KI. Die Intelligenz eurer Kontrahenten hat seit dem letzten Jahr nämlich deutlich nachgelassen. So fahren sie schon mal bei leerer Straße Schlangenlinien und krachen ohne ersichtlichen Grund in die Leitplanke. Richtig spannend sind die Rennen somit nicht.
Rückschritt statt Fortschritt
Der Hang zum bloßen Update schlägt sich auch in der Modi-Auswahl nieder. Online-Features werden nämlich auch dieses Mal umsonst gesucht. Das ist absolut unverständlich, vor allem da gerade Electronic Arts in Sachen Online-Unterstützung der Wii eigentlich immer ein Vorreiter war. Von „FIFA“ über „Madden“ bis hin zu „Tiger Woods“ – all diese Serien bieten Online-Gaming sogar ohne Freundescodes. Wieso bleibt dann „Need for Speed“ seit Jahren offline?
Zumindest ist aber der lokale Mehrspieler-Modus vorbildlich. Im Splitscreen-Modus können nämlich bei fast allen Rennevents bis zu vier Spieler gegeneinander antreten. Lediglich die Verfolgungsjagd lässt sich nur zu zweit spielen – wobei natürlich einer der Cop und der andere der Raser ist.

In technischer Hinsicht setzt sich ein seltsames Phänomen fort, das schon bei der KI und der Story beobachtet werden konnte. Hier haben die Entwickler nicht nur auf Fortschritt verzichtet, sondern sogar ein paar große Rückschritte gemacht. Das fängt schon beim Sound an. Während der Soundtrack wieder über jeden Zweifel erhaben ist, klingen die Effekte einfach nur schrecklich. Wieso klingt mein Wagen auf Höchstgeschwindigkeit ein bisschen so, wie ein kaputter Föhn?
Und noch extremer ist das bei der Grafik zu sehen. Zwar läuft sie überwiegend flüssig, aber zum einen erinnern die Wagenmodelle stark an den N64 und zum anderen wirken die Umgebungen sehr verwaschen. Und dann noch diese schrecklichen Pop-Ups! Häuser tauchen auf einmal wie aus dem nichts auf und sogar Kontrahenten werden ab einem gewissen Abstand unsichtbar. Das Ganze geht sogar soweit, dass sich Kurven manchmal recht spät erkennen lassen. Sehr unpraktisch bei einem Rennspiel!
Sascha Geldermann meint...
Ich fühle mich ein bisschen so, als wäre ich gerade in die Leitplanke gerast. Ich kann gar nicht fassen, was aus der ehemals großen Rennspiel-Serie geworden ist. An die bloßen Updates bin ich ja gewöhnt, aber wie konnten Story, KI und sogar die Grafik schlichtweg schlechter werden? Da hole ich doch lieber ältere Teile aus dem Schrank und hoffe, dass „Need for Speed“ für eine Generalüberholung in die Werkstatt kommt – oder gleich verschrottet wird.
Ich fühle mich ein bisschen so, als wäre ich gerade in die Leitplanke gerast. Ich kann gar nicht fassen, was aus der ehemals großen Rennspiel-Serie geworden ist. An die bloßen Updates bin ich ja gewöhnt, aber wie konnten Story, KI und sogar die Grafik schlichtweg schlechter werden? Da hole ich doch lieber ältere Teile aus dem Schrank und hoffe, dass „Need for Speed“ für eine Generalüberholung in die Werkstatt kommt – oder gleich verschrottet wird.

GRAFIK
Die Grafik flimmert flüssig über den Bildschirm, die verwaschene Umgebung mit ihren extremen Pop-Ups verursacht aber Augenkrebs.
Die Grafik flimmert flüssig über den Bildschirm, die verwaschene Umgebung mit ihren extremen Pop-Ups verursacht aber Augenkrebs.

SOUND
Der Soundtrack überzeugt, die Geräuschkulisse nicht.
Der Soundtrack überzeugt, die Geräuschkulisse nicht.

BEDIENUNG
Bei den vielen Steuerungsvarianten findet jeder die richtige.
Bei den vielen Steuerungsvarianten findet jeder die richtige.

UMFANG
Es gibt einen Splitscreen-Modus für bis zu vier Spieler, aber leider immer noch keinen Online-Part.
Es gibt einen Splitscreen-Modus für bis zu vier Spieler, aber leider immer noch keinen Online-Part.
SPIELSPASS
Die Serie hat einen ordentlichen Blechschaden abbekommen.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Die Serie hat einen ordentlichen Blechschaden abbekommen.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel