Korg DS-10 Synthesizer
Artikel verfasst von Aljoscha Reuther am 08.12.2008
Mit Musik spielen ist das Eine, Musik machen das Andere. Was bisher höchstens bei einer Übung bei Dr. Kawashima: mehr Gehirnjogging möglich war, kommt nun im großen Stil: Der NDS wird zum waschechten Synthesizer, und zwar zur mobilen Variante des KORG MS-10, einem der beliebtesten Synthesizer der Welt. Doch was bringt die Ansammlung von Reglern, Arrangern, Schaltern und Patterns wirklich? Oder sollten wir doch lieber dabei bleiben, beim Gehirnjogging vorgegebene Stücke nachzuspielen?
Digitaler Analog-Synthesizer
Synthesizer: laut einer uns allen bekannten Online Enzyklopädie ist das ein Klangerzeuger, der durch eine Steuerspannung künstliche Töne herstellen kann*. Mit anderen Worten haben wir es hier mit einem Keyboard zu tun, mit dem wir durch verstellen von Reglern diverse Töne erzeugen können. Synthesizer gibt es seit über 40 Jahren und sie haben das heutige Musikbild entscheidend Geprägt - und kommen noch immer zum Einsatz.
Soviel zur Theoriestunde bei diesem Review. Was hat das ganze nun mit dem DS zu tun? Nun, KORG ist einer der bekanntesten und namenhaftesten Hersteller besagter Synthesizer, der vor allem mit sogenannten Workstations (Synthesizer, Effektgerät, Drumcomputer und Sequencer in einem Gerät) für Aufsehen sorgte.
Um so eine Workstation geht es auch bei KORG DS-10, der nicht umsonst diesen Namen trägt. Denn der Ursprung ist im KORG MS-10 zu finden, einem damals wie heute legendären Analogsynthesizer, der 1978 das erste Mal gebaut wurde - das Vorbild hat also schon einige Jahre auf dem Buckel. Das Gerät kostete damals Stolze 1700 DM.

Aber was bietet uns die Softwareversion dieser Altehrwürdigen Maschine denn nun, und was kann der unwissende Hobbyproduzent alles damit Anfangen?
Nun, allem voran sei gesagt: stupides Aneinanderreihen von bereits bestehenden Musikbausteinen wie in den beliebten Musikmacher Programmen gibt es beim Synthesizer nicht. Hier muss alles von Hand erstellt werden, selbst die Töne. Aber beginnen wir einmal mit der Oberfläche. Die ist recht schnell und übersichtlich aufgebaut. Wenn wir erstmal eine leere Session geladen haben, finden wir ein paar Buttons auf dem oberen (die Map) und eine Klaviertastatur auf dem unteren Bildschirm. Tippen wir unten auf dem Klavier 'rum, kommt ein Ton. Logisch. Drücken wir die L- oder R-Taste, wechseln die Bildschirme und wir bekommen die Map in greifbare Nähe. Dabei stellt sich dann recht schnell raus, welche Bestandteile uns erwarten:
Sequencer: Ein Sequencer ist eine Art Reißbrett für Töne. Wo wir ein weißes Kästchen setzen, wird der Ton abgespielt, auf dessen Höhe der Ton liegt (C, D, E, ... kennt jeder).
Keyboard: Alternativ zum Sequencer können wir die Töne auch auf dem Keyboard spielen, und bei bedarf auch aufnehmen. Kaoss: Ein Kaoss Pad ist recht einfach erklärt: wir haben eine Fläche, die wir berühren können, um Töne zu erzeugen. Je weiter wir den Touchpen nach rechts bewegen, desto höher wird der Ton, und je weiter er nach oben bewegt wird, desto "durchgängiger" wird der Ton (weiter unten ist er abgehakt).
Drums: Der Drumcomputer ist ähnlich aufgebaut wie der Sequencer: auf 4 "Tonspuren" können wir verschiedene Drums legen, die wir dann ebenfalls mit einem weißen Viereck aktivieren, oder eben nicht.
Nun geht es an die Technische Seite der Buttons (Mitte):
Synthesizer: Der Namensgeber des ganzen Programms. Hier werden mit verschiedenen Knöpfen und Schaltern Einstellungen am Grundton vorgenommen, um ihn auf schier unendliche Art und Weise zu verändern. Verändern wir zum Beispiel die Wellenform des Titels, wird der Ton entweder weich, hart, oder zu einem lauten rauschen. Außerdem gibt es noch diverse Einstellungsmöglichkeiten für Pitch, Fades (Attack, Decay) und anderes. Alles zu beschreiben würde allerdings den Rahmen sprengen, dazu ist das sehr ausführliche und super gestaltete Handbuch weitaus besser geeignet, dass dem Spiel natürlich beiliegt.
Synthesizer Patch: Unter dem Synthesizer selbst gibt es dann noch den Patch-Bildschirm auf der Map. Dieser Patch Bildschirm ist dazu da, den Ton, der vom Synthesizer generiert wurde, noch weiter zu verändern, und zwar mit Kabelverbindungen, die wir selbst ziehen können. Und natürlich noch mit weiteren Reglern.
Wie man merkt, ist das Programm ohne Handbuch leider nicht zu bewältigen - vielleicht sogar etwas zu viel des Guten. Aber gut, machen wir weiter.
Mixer: Sollte sich von selbst erklären, dort können wir die Lautstärke der einzelnen Bestandteile (Synthesizer, Drums) einstellen.
FX: Ein Effektgenerator, mit dem wir den Gesamtklang des aktuellen Patterns noch ändern können.
Zusätzlich gibt es noch die Buttons Menu(zurück zum Hauptmenü), Song(switcht zum Arranger, in dem wir den Song dann zusammensetzen können) und Drums in dem wir das Schlagzeug, welches wir im Stück verwenden wollen, noch einmal genaustens anpassen können.
Zu den Patterns: ein Pattern ist eine Art Container für einen Abschnitt im Lied. Ein solcher Abschnitt besteht aus maximal 16 einzelnen "Punkten", die eben schon genannten weißen Kästchen. Ein solcher Pattern dauert, bei 126 BPM (Beats Per Minute=Schnelligkeit des Liedes), etwa 2 Sekunden.

SYN, KBD und KAOSS
Puh, das war viel Theorie. Aber so hat man zumindest einen guten Überblick darüber, was in dem doch recht unscheinbaren Programm alles drin steckt. Aber was bringen die besten Funktionen, wenn man sie nicht nutzen kann? Daher gehen wir mal auf die Benutzung des Progammes ein.
Vorerst sei einmal gesagt: wir haben zwei unabhängig voneinander einstellbare "Synthesizer"-Spuren, das heißt wir können also unsere Lieder mit zwei Tönen erstellen - 2 Töne pro Pattern, versteht sich. Zum Beispiel Bass und Lead.
Das ganze klingt ja eigentlich auch ganz gut und schön, und die zwei Demo-Samples, die im Spiel enthalten sind, klingen auch wirklich gut, zumindest für den DS. Dennoch kann leider das alles nicht darüber hinwegtäuschen, dass man aus dem kleinen Programm keine "gute" Musik herausbekommt, denn alles basiert leider nur auf MIDI-Geräuschen.
Das ganze wird leider gekrönt von einer extrem schwer zu bedienenden Oberfläche, einer verhältnismäßig geringen Anzahl an Spuren (Patterns), und leider auch einer sehr schwer und langatmig zu bedienenden Synthesizer. Zum Glück gibt es da das 50 Seiten starke Handbuch, in dem jedes einzelne Fenster und jede Funktion gut erklärt werden. Dennoch, es ist etwas enttäuschend, nach all dem Aufwand und den ganzen Anpassungen "nur" MIDI-Musik herauszubekommen. Tüftler und Puristen bekommen dafür exzellentes "Trial and Error" (Learning By Doing) Futter, dass gerade bei den ersten Schritten einfach Lust auf mehr macht. Gerade die Demo-Sessions (2) und die vordefinierten Synthesizer-Samples, die alle allein mit den massigen Einstellungsmöglichkeiten geschaffen wurden, machen immer wieder Lust aufs "Rumprobieren".
Wer sich aber erhofft, eventuell vielleicht sogar die Super Mario Melodie mit dem Programm zu komponieren, wird leider enttäuscht werden, denn die Musik spielt ganz streng nach dem 4/4 Takt-Prinzip: 1,2,3,4 nächster Takt, und so weiter. Bei 2,5 oder 3,5 können somit keine Töne gesetzt werden, und wenn die BPM Zahlen hochgesetzt werden, sind die 16 Patterns, die wir zur Verfügung haben, sehr schnell ausgefüllt, ohne ein nennenswertes Ergebnis zu haben. Somit können nur "Standard-Midi-Lieder" geschaffen werden, dass allerdings auch mit einer wahren Lawine an Möglichkeiten, wie schon so oft gesagt.

Ein nettes, aber leider auch fast unerreichbares Feature, ist der Multi-Modus. Bis zu 8 Spieler (alle benötigen einen DS und das Spiel) können sich zusammentun (Jam-Session) und so gemeinsam an einem Song arbeiten - einer übernimmt das Sampling, einer den Synthesizer - und so weiter. Insgesamt soll man sich so, mit 8 DS, ein komplettes Tonstudio zusammenstellen können... aber bleiben wir realistisch, warum sollte man eine so große Menge an DS (inklusive Spiel) zusammensuchen, um an einem Midi-File zu werkeln? Zu zweit macht's dann allerdings doch Spaß.
Wo wir beim Multiplayer sind - unsere Songs lassen sich nur zwischen mehreren DS hin- und herschicken. Mein geheimer Wunsch, meine Lieder direkt per Software auf den PC schicken zu können, er wurde nicht erfüllt. Theoretisch müssen die Lieder also auf dem DS bleiben. Gut, natürlich kann man per Kabel an Mikrofoneingang und Kopfhörerausgang die Lieder auf dem PC aufnehmen.
Was gibt es sonst noch zu sagen... ach ja, eine "automatische Speicherfunktion" gibt es nicht, klicken wir auf Menu und dann auf "Ja", ist unser Song weg. Speichern ist angesagt, und immerhin können wir unserem Stück sogar einen Namen geben.
Aljoscha Reuther meint...
KORG wollte ich unbedingt haben. Und wenn ich es mir aus Japan importiert hätte, wo der Titel schon seit einiger Zeit auf dem Markt ist. Mittlerweile frage ich mich allerdings, ob sich das gelohnt hätte, denn mehr als Midisounds und "Spaß am Ausprobieren" ist wirklich nicht drin. Für Hobbykomponisten garantiert eine ideale Möglichkeit, die ein oder andere Zugfahrt zu überstehen, oder ein paar altbekannte Spielmelodien mit einem anderen Beat zu versehen, aber leider sind die Möglichkeiten, trotz des Gefühls der "endlosen Einstellungen", zu begrenzt.
Trotzdem, der Titel hat die volle Empfehlung verdient, wer hätte schon damit gerechnet, dass man mit dem DS 'mal außerhalb von Elektroplankton Musik machen kann? Es ist eben nur die Frage: wer möchte das?
* Quelle und ©: http://de.wikipedia.org
KORG wollte ich unbedingt haben. Und wenn ich es mir aus Japan importiert hätte, wo der Titel schon seit einiger Zeit auf dem Markt ist. Mittlerweile frage ich mich allerdings, ob sich das gelohnt hätte, denn mehr als Midisounds und "Spaß am Ausprobieren" ist wirklich nicht drin. Für Hobbykomponisten garantiert eine ideale Möglichkeit, die ein oder andere Zugfahrt zu überstehen, oder ein paar altbekannte Spielmelodien mit einem anderen Beat zu versehen, aber leider sind die Möglichkeiten, trotz des Gefühls der "endlosen Einstellungen", zu begrenzt.
Trotzdem, der Titel hat die volle Empfehlung verdient, wer hätte schon damit gerechnet, dass man mit dem DS 'mal außerhalb von Elektroplankton Musik machen kann? Es ist eben nur die Frage: wer möchte das?
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