Prince of Persia: The Fallen King
Artikel verfasst von Aljoscha Reuther am 02.11.2008
Es gibt bestimmte Leute, die haben es nicht leicht... erst wird er vom teuflischen Jaffar in ein tödliches Gefängnis gesteckt, dann muss er den Sand der Zeit aufhalten und zu guterletzt mit einer recht üblen Schizophrenie leben... doch für den Prinzen gibt es keine Ruhepause, denn in Persien gibt es anscheinend mehr Bedrohungen für die Menschheit als Datteln an den Palmen... Und dieses Mal breitet sich die Dunkelheit über das Land aus, angetrieben vom bösen Gott Ahriman...
Ein Prinz zum antippen
Der Prinz auf dem DS - das war bisher nur mit dem Kartenspiel "Battles of Prince of Persia" möglich, doch nun schickt uns UbiSoft mit einem waschechten Jump 'n' Run wieder zurück ins antike Persien - endlich könnte man fast sagen. In bester Retro-Manier hüpfen wir wieder von Kante zu Kante, klettern, und kämpfen uns den Weg durch das große Reich, um den gefallenen König zu retten und die Dunkelheit aufzuhalten.
Dabei steht uns der rätselhafte Magier Zal zur Seite, den ein dunkles Geheimnis umgibt. Aber eines haben er und der Prinz gemeinsam: sie wollen den Gott des Chaos, Ahriman, aufhalten!

Eine Vorgeschichte gibt es im Spiel allerdings nicht wirklich, wir werden fast Planlos in die Handlung hineingeworfen. Alles was wir wissen, wurde schon erwähnt: die Dunkelheit breitet sich aus, der "Böse" heißt Ahriman, und der Prinz reist in ein fernes Reich, um das Böse zu besiegen. Alles andere erklärt sich danach im Spiel: bereits kurz nach Spielstart schließt sich uns Zal, der einstige Magier des Königs, an, nachdem wir ihn erst durch ein paar Level jagen mussten - denn Zal möchte erst nicht. Nach einigen Sprüchen unseres Prinzen beschließt er dann doch, sich uns anzuschließen, und uns auf dem Weg zum gefallenen König zu unterstützen.
Mehr brauchen wir zur Story auch gar nicht verraten, denn leider bekommen wir hier absoluten Standard serviert. Die Prince of Persia Reihe hat bisher immer mit zwielichtigen, fast schon düsteren Schuldgefühlen des Prinzen gespielt - Stichwort: Zeitsand. Inwiefern dieses Prince of Persia mit der alten zu tun hat, bleibt ebenfalls ungeklärt. Aber gut, es muss ja auch nicht immer einen Zusammenhang geben. Sehen wir uns lieber das Spiel einmal genauer an...
Denn das ist nicht ganz so innovationslos, wie es vielleicht den Anschein macht: der Prinz wird nicht mehr mit Digipad und Tasten gesteuert, sondern mit dem Touchpen. Der Prinz folgt immer dem Stift, springt an Kanten automatisch und kämpft ohne schwere Tastenkombinationen gegen die, leider auf 3-4 Typen im gesamten Spiel beschränkten, Gegner.
In der Theorie klingt die Steuerung mit Sicherheit "neu" und "gut", jedoch zieht das ganze in der Praxis leider etwas niedrigere Kreise. Denn obwohl die Steuerung ohne größere Aussetzer auskommt, wird sie doch oft für den einen oder anderen Frustmoment sorgen. Denn trotz der eindeutigen "Anweisungen" stürzt unser Prinz des öfteren einfach, aufgrund von falsch umgesetzten Steuerungsbefehlen, in die Tiefe. Besonders nach den längeren Kletterpassagen ist das ganze einfach ärgerlich.

Leider präsentiert sich das Spiel auch sonst in einem eher zweifelhaften Licht. Die angestrebte 2 1/2D Grafik ist zwar knallbunt, ruckelt dafür aber, Entschuldigung, wie Sau, besonders wenn wir dann noch einen Gegner auf dem Schirm haben. Dass der DS im Bereich Grafik nicht zu Meisterleistungen imstande ist, sollte jedem klar sein, aber in diesem Fall ist nicht einmal viel zu erkennen, dass das Ruckeln rechtfertigen würde. Doch dazu später mehr in der Technik.
Von Schleim und Magie
Natürlich wäre das Spiel kein Prince of Persia, wenn uns nicht zwischendurch ein paar Schalter ähnliche Rätsel erwarten würden. In diesem Fall liegt das Lösen vieler Rätsel aber bei Zal, dieser ist immer dabei und schwebt hinter unserem Prinzen, während wir durch die 50 Level springen, laufen und rutschen.
Zal ist, wie alles im Land, von der dunklen Masse besessen, kann sie aber durch seine Magische Begabung zurückhalten, was ihm spezielle Kräfte verleiht: Zal kann besagte Masse kontrollieren. Blöcke werden von gummiartigen Greifarmen gezogen, Explosionskugeln werden durch die Luft befördert, und an Ankerpunkten schwingen wir uns durch luftige Höhen. All das muss Zal allerdings erst lernen, und das geht nur, wenn er von Kreaturen der Dunkelheit besessen wurde - und wir ihn gerettet haben. Leider bedeutet das auch mehrmals, dass wir die aktuelle Karte abbrechen und auf eine andere Karte, weiter zurück, bewegen müssen, um den Magier kurz zu bekämpfen, um dann die aktuelle Karte wieder komplett von vorn beginnen zu dürfen...
Das Rätselprinzip klingt vielleicht auf den ersten Blick interessant,auf den zweiten stellt sich aber heraus, wie simpel und fast schon zu einfach diese Rätsel gestaltet sind. Generell gibt es, außer dem Steuerungsproblemen, nicht viel, was uns im Spiel am weiterkommen hindert. Gegnerkämpfe kommen hier und da mal vor, aber die meiste Zeit sind wir mit dem erklimmen von Abgründen oder dem Springen zwischen verschiedenen Plattformen beschäftigt. Ob die Tatsache, dass wir unendlich viele Leben haben und im Falle unseres Ablebens immer wieder schnell an einem der großzügig verteilten Speicherpunkten wieder erscheinen, negativ aufgenommen werden kann, ist eine schwierige Frage. Einerseits wäre es natürlich eine größere Herausforderung gewesen, andererseits ist die Anzahl der steuerungs bedingten Tode nicht gerade so niedrig, dass es nicht doch extrem frusten würde, wenn der Prinz nach einigen Stürzen das Level erneut bestreiten müsste.
Doch dabei dürften wir eigentlich keine Probleme bekommen, denn die Leveldesigner waren dermaßen Einfallslos, dass es fast schon an Naivität grenzt. Mehrmals hintereinander bekommen wir die selben Levelabschnitte serviert, zum Beispiel Abhang, runtergleiten, unten den Kreissägen ausweichen, dann wieder Abhang, runtergleiten... und so weiter. Bis zu 5 Mal hintereinander Wenn es dabei wenigstens eine grafische Abwechslung geben würde...
Nun, aber was bringt uns außer der Steuerung noch zum Ableben? Gegner, natürlich. Wie eben schon gesagt, gibt es nicht viele von ihnen, und sie kommen auch nicht wirklich oft vor - Steine oder die altbekannten Sägeblätter einmal außen vor gelassen - die kommen oft genug.
Die meisten unserer Gegner sind dabei die mutierten Wachen des Landes: sie Teleportieren sich vor uns und versuchen einfach, auf uns einzuschlagen. Und auch hier wird der Schwierigkeitsgrad fast schon langweilig niedrig, denn gerade die gelbe Variante der Wachen ist dermaßen langsam, dass wir sie komplett ohne Gegenwehr zur Strecke bringen können. Bei den Roten wird es da schon schwieriger - die sind etwas schneller und können mehr einstecken.
Neben den Wachen gibt es dann noch explodierende Zecken (so sehen sie zumindest aus) und Fledermäuse, sowie Gürteltier-ähnliche Viecher.

Gut, es gibt natürlich doch noch andere Gegner: die Bosskämpfe. Und wieder: viel zu einfach. Gerade die Gegner der höheren Level bewegen sich dermaßen langsam, dass es im Prinzip pure Zeitschinderei ist, ihren hoffnungslosen Aktionen auszuweichen - trotz Ruckelpartie sind wir aufgrund unserer Schnelligkeit immer klar im Vorteil - ausweichen, "runterziehen", draufkloppen. Fertig. Zudem können wir mit Zal noch Energiekugeln auf unsere Gegner schleudern, die sie kurzzeitig irritieren. Das Kämpfen ist aber dem Prinzen per Säbel überlassen.
Apropos Prinz - viele werden ihn wohl nicht wiedererkennen. Ein eher seltsamer Zeichenstil, der aber durchaus einen gewissen Charme hat, gepaart mit einer scheinbar stattgefundenen Charakterwandlung des Prinzen halten mit "The Fallen King" Einzug. Vorbei ist die Zeit der schnippischen und zynischen, fast schon hochnäsigen Kommentare, viel mehr ist das Blaublut zu einem Komiker geworden - Zal ist da eher der Spielverderber. Leider sind die Dialoge eher unfreiwillig Komisch, jedes Mal verläuft das Gespräch fast schon so, wie die Lieblingsszene aller Familienväter: Wann sind wir da?
Ein Sandsturm auf zwei Bildschirmen
Ziehen wir Bilanz und widmen uns der Technik. Zu erst, wie immer, die Grafik. Wie schon erwähnt, ruckelt das Spiel an vielen Stellen, trotz Detailarmut und Effektlosigkeit. Gerade das Fehlen von Details hält aber oft mit Trial & Error auf, da beispielsweise bei bestimmten Sprüngen einfach nicht erkennbar ist, wo die Kante ist, auf die gesprungen werden muss.
Zudem ist das Erscheinen von diversen Gegenständen oder Gegnern schlichtweg ausgeblendet worden. Riesige Zahnräder erscheinen einfach so hinter uns, kein Wachsen aus dem Boden, kein aufklappen - sie sind auf einmal einfach da.
Was der Grafik aber zu gute gelegt werden muss, sind die Animationen. Viele gibt es zwar nicht, aber das Laufen, das Springen und das Kämpfen des Prinzen sehen durchweg gut aus und lassen die Steuerung zumindest Optisch besser wirken - wenn das denn geht. Der Topscreen bleibt übrigens fast ohne Nutzen, lediglich eine recht nutzlose Minikarte (oft nur eine einfache Linie) wird dargestellt.

Der Sound ist ebenfalls sehr dürftig. Was bei vielen Spielern sauer aufstoßen wird, werden die Hintergrundmelodien sein. Diese sind nicht nur spartanisch ausgestattet, sondern sind auch noch kurz und wiederholen sich viel zu oft - Nervfaktor hoch. Immerhin hat unser Prinz eine Stimme, die wir zumindest hören, wenn unser Alter-Ego stirbt.
Mehr gibt es gar nicht zu sagen...
Die Steuerung wurde eben ja auch bereits angesprochen, und obwohl sie einige Macken aufweist, ist es nach ein bisschen Übung durchaus drin, den Prinzen nahezu problemlos durch die Spielwelt zu tippen. Dennoch, die Steuerung ist und bleibt seltsam und auch verantwortlich für viele Frustmomente, in denen man nicht unbedingt hätte sterben müssen.
Einen Multiplayer hat das Spiel nicht, dafür aber die Möglichkeit, einem Freund eine Demo des Spiels zu schicken. Nett, aber ganz ehrlich, ein bisschen sinnlos.
Aljoscha Reuther meint...
Prince of Persia, ein Name, der mich schon seit frühester Kindheit durch die Spielewelt begleitet. Und in dieser Zeit stand er vor allem für eines: einen happigen Schwierigkeitsgrad gepaart mit einer durchaus netten Story - vor allem die Sands of Time spiele. Leider wurde bei der DS Version weder das eine noch das andere eingebaut, und bei der, mit Verlaub, recht schlichten Grafik noch ein derartiges Ruckelkonzert vor sich zu haben, macht das ganze nicht wirklich besser. Hätte man nicht einfach ein klassisches Jump 'n' Run machen können, welches die guten Gameplayelemente der beiden großen Brüder auf XBox 360 und Playstation 3 behandelt, anstatt mit dem Touchpen zu experimentieren? Etwas enttäuschend, aber kein durchweg schlechtes Spiel.
Prince of Persia, ein Name, der mich schon seit frühester Kindheit durch die Spielewelt begleitet. Und in dieser Zeit stand er vor allem für eines: einen happigen Schwierigkeitsgrad gepaart mit einer durchaus netten Story - vor allem die Sands of Time spiele. Leider wurde bei der DS Version weder das eine noch das andere eingebaut, und bei der, mit Verlaub, recht schlichten Grafik noch ein derartiges Ruckelkonzert vor sich zu haben, macht das ganze nicht wirklich besser. Hätte man nicht einfach ein klassisches Jump 'n' Run machen können, welches die guten Gameplayelemente der beiden großen Brüder auf XBox 360 und Playstation 3 behandelt, anstatt mit dem Touchpen zu experimentieren? Etwas enttäuschend, aber kein durchweg schlechtes Spiel.

GRAFIK
Der ungewöhnliche Comicstil verspricht Ruckelpartien bei eigentlich sehr schlichter Optik.
Der ungewöhnliche Comicstil verspricht Ruckelpartien bei eigentlich sehr schlichter Optik.

SOUND
Einige Geräusche gibt es im Hintergrund, während sich die Lieder ständig wiederholen.
Einige Geräusche gibt es im Hintergrund, während sich die Lieder ständig wiederholen.

BEDIENUNG
innovative Touchscreensteuerung, die leider die Spielbarkeit des Titels des öfteren beeinträchtigt.
innovative Touchscreensteuerung, die leider die Spielbarkeit des Titels des öfteren beeinträchtigt.

UMFANG
50 Missionen, mehrere Settings, insgesamt aber viel zu leicht.
50 Missionen, mehrere Settings, insgesamt aber viel zu leicht.
SPIELSPASS
Über die Kante hinausgelaufen
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Über die Kante hinausgelaufen
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel