Trauma Center: New Blood
Artikel verfasst von Aljoscha Reuther am 30.11.2008
Vor einiger Zeit erschütterte die parasitäre Krankheit GUILT die Spielerwelt, und nur ein einziger konnte den sicheren Untergang der Menschheit verhindern: Dr. Derek Styles.
Das Spiel "Trauma Center - Under The Knife" für den DS, das später mit einigen geringfügigen neuerungen auf die Wii unter dem namen "Second Opinion" portiert wurde, hatte damals vor allem mit dem herben Schwierigkeitsgrad und dem relativ geringen Umfang zu kämpfen. Nun kommt Trauma Center - New Blood, um an die erfolgsgeschichte des ersten Teils anzuknüpfen. Doch bekommen wir hier wirklich neues Blut geboten, oder haben sich die Leute von Atlus zu sehr auf ihren Lorbeeren ausgeruht? Also ran ans Skalpell und in das Spiel hineingeschaut!
Das Spiel "Trauma Center - Under The Knife" für den DS, das später mit einigen geringfügigen neuerungen auf die Wii unter dem namen "Second Opinion" portiert wurde, hatte damals vor allem mit dem herben Schwierigkeitsgrad und dem relativ geringen Umfang zu kämpfen. Nun kommt Trauma Center - New Blood, um an die erfolgsgeschichte des ersten Teils anzuknüpfen. Doch bekommen wir hier wirklich neues Blut geboten, oder haben sich die Leute von Atlus zu sehr auf ihren Lorbeeren ausgeruht? Also ran ans Skalpell und in das Spiel hineingeschaut!
Dr. Blaylock, Dr. Vaughn, bitte in den OP
Trauma Center - gefeiert von den Kritiken, gehasst von den Ungeduldigen, wer in der Chirurgiesimulation bestehen wollte, brauchte nicht nur nerven aus Stahl, sondern auch noch ein recht niedriges Aggressionslevel - sonst war sowohl der DS als auch die Wii-Fernbedienung akut fluggefährdet. Denn trotz des kindlichen Looks war Trauma Center eines der schwersten Spiele, die bisher für den DS und die Wii erschienen sind.
Und dennoch: das virtuelle Operieren, die Spannung beim Versuch, den Patienten das Leben zu retten und die packende Story rund um die Biowaffe "GUILT" waren ein wahres Suchtmittel für viele Hobbyärzte.
Mit "New blood" geht die Geschichte rund um das Operieren und Heilen der Gesundheitsorganisation Caduceus weiter, jedoch mit bedeutenden Änderungen.

Denn in New Blood gibt es GUILT nicht mehr - die Krankheit, die vor 10 Jahren die Welt in Atem hielt und von einem tapferen Ärzteteam rund um den jungen Derek Styles bekämpft wurde, ist besiegt, selbst nach einem kurzen erneuten Aufflimmern, 3 Jahre nach "Under The Knife"/"Second Opinion" (Spielinhalt von "Under The Knife 2 für den Nintendo DS).
Dr. Markus Vaughn und Dr. Valerie Blaylock, zwei junge Ärzte, sind in einem Krankenhaus in Alaska stationiert. Alles nimmt seinen gewohnten Gang, bis eines Tages die junge Krankenschwester Elena Salazar in Alaska auftaucht, und Markus bittet, sie zu operieren.
Ohne von der Story zu viel zu verraten: Markus und Valerie gehen zurück in ihr einstiges Krankenhaus, dem Concordia Memorial in Los Angeles. Dort werden sie von dem wundersamen Professor Wilkens erwartet, einem früheren Arbeits- und Forschungskollegen.
Es kommt wie es kommen muss: Wilkens hat die Forschungsarbeit weitergeführt und hat ein Monster erschaffen: Stigma. Und natürlich wird dieses Pathogen nicht unter verschluss gehalten, vielmehr bricht erneut eine Katastrophe über die Welt herein: die Kriminelle Mafia-Organisation "Kidman", die Stigma als biologische Waffe verkaufen will, stielt die Proben und experimentiert auf eigene Faust weiter... und der Professor verschwindet. Warum?
Wir wollen aber nicht zu viel von der Story verraten, deshalb gehen wir direkt zum Spielinhalt über. Wer "Second Opinion" gespielt hat, wird sich recht schnell wieder in New Blood zurechtfinden. Die Spielmechanik und die Steuerung haben sich kein bisschen geändert, immer noch wählen wir mit dem Control Stick auf dem Nunchuk die Geräte aus und setzen sie per Wii-Fernbedienung dann auf unserem Patienten ein. Dabei gibt es verschiedene Geräte: Skalpell, Spritze, Laser, Drain, und so weiter. Vor allem kommt es beim Einsatz der Geräte aber auf eines an: Präzision. Zwar ist auch in New Blood die Toleranz wesentlich größer als im DS-Original, wer jedoch zu oft daneben liegt, riskiert das Leben seiner Patienten: wenn der Vitalwert auf 0 sinkt (leiste oben am Bildschirmrand), ist das level gescheitert. Gleiches gilt bei abgelaufener Zeit (5 Minuten pro Operation). Beides zusammen hebt den Schwierigkeitsgrad wieder in unendliche Dimensionen, und den Frustfaktor leider auch.

Zu Risiken und Nebenwirkungen...
Denn speziell bei den Stigma-Operationen oder den Mehrfach-Levels schwankt der Grad der Schwierigkeit schlimmer als die Laune eines Supermodels. Wir haben leider des öfteren eine Mehrfachoperation, in der wir 2-3 Patienten hintereinander in 10 Minuten abfertigen müssen. Wenn uns ein Patient "durch die Lappen" geht, ist alles Umsonst, egal in welcher Operation wir uns befinden - und natürlich passiert das immer, kurz bevor wir die letzte Operation abgeschlossen haben. Denn kurz bevor wir die grüne Stabilisierungsspritze verabreichen können, die unserem Patienten im durchschnitt 20 Vitalpunkte wieder gibt, kommt noch ein letzter Angriff von Stigma, der ihm dann den Rest gibt. Selbst mit der Heilenden Hand, einer Gabe mit der Markus oder Valerie die Zeit verlangsamen können, ist das oft nur schwer zu schaffen.
Doch gerade die Operationen und deren Abfolge sind das, was Atlus im Gegensatz zum Vorgänger sehr verbessert hat. Wer Second Opinion oder Under The Knife gespielt hat, wird sich sicher noch an die zweite hälfte des Spieles, und vor allem deren Inhalt erinnern: Guilt, Guilt, Guilt. Und, nicht zu vergessen: Guilt. Trotz der verschiedenen Typen des Superkrankheitserregers war bei vielen Spielern das Stöhnen groß, als schon wieder ein Guilt-Stamm ausradiert werden musste.
In New Blood wurde diese Schwäche ausgebessert: Stigma ist etwas besonderes, das zwar im späteren Verlauf des Spieles durchaus öfter, aber nicht das alleinige Ziel der Operationen darstellt. Vielmehr haben wir es nach wie vor mit Verbrennungen, Tumoren, Vereiterungen oder Knochenbrüchen zu tun, Stigma kann man eher als einen Endgegner ansehen. So einfach kann Abwechslung sein, was dem Spielgefühl mehr als gut tut.
Auch die Krankheit selbst ist wesentlich interessanter gestaltet, als es Guilt war: zwar haben wir diesmal auch wieder einige verschiedene Stämme, die verschiedene Behandlungsmethoden benötigen, doch diesmal ist es insgesamt einfacher, die Krankheit zu bekämpfen. Die wahre Herausforderung liegt hier darin, den Patienten während der Prozedur am Leben zu halten, denn wenn Stigma zuschlägt, wird es brenzlig.
Und obwohl der "Supergegner" im Gegensatz zum Vorgänger entschärft wurde, ist der Schwierigkeitsgrad hoch wie eh und je, was besonders durch das vermehrte Auftreten von den eben schon besagten Mehrfach-OPs geprägt wird. Nach dem 7. Mal "Operation gescheitert", nachdem man vorher um die 8 Minuten lang sprichwörtlich die Galle aus der Niere operiert hat, wird das Spiel mit sicherheit erstmal eine längere Pause einlegen.

Und doch wird man es bestimmt weiterspielen, denn die Story ist dieses mal wieder spannend, wenn auch etwas vorhersehbar. Insgesamt ist das Spiel erwachsener als sein Vorgänger, hier retten gestandene Ärzte (30+) die Welt. Auch der Hintergrund wirkt deutlich ernster, Waffenhandel statt Auslöschungspläne.
Dennoch verfolgt die Story leider dieselbe Erzählweise wie der Vorgänger: die Ärzte werden aus einem Krankenhaus nach Caduceus abgeworben, weil sie die Einzigen sind, die die neue "Bedrohung" aufhalten können. Zwischendurch erfolgt eine Exkursion in ein fremdes Land (im ersten Teil Afrika, diesmal Südamerika), weil dort die Krankheit an der lokalen Bevölkerung getestet wird, und dann kommt es zum Showdown in der Zentrale der Bösewichte.
Neu ist allerdings, dass wir vor der Operation zwischen einem der beiden Ärzte wählen können, entweder Markus Vaughn oder Valerie Blaylock. Welchen von beiden wir wählen ist letztendlich egal, denn die Operationen und die Herangehensweise ist die Selbe.
Neu ist ebenfalls, dass es keine kompletten "Erzählkapitel" mehr gibt, sondern jedes einzelne Kapitel eine Operation beinhaltet. Dafür sind die Pre- und Post-OP Gespräche wesentlich länger ausgefallen, als die des Vorgängers. Was allerdings stört: viele der Personen, die eigentlich viel mit der Handlung des Spieles zu tun haben müssten, werden konsequent vergessen. Zum Beispiel retten wir, relativ am Anfang, dem Chefarzt des Krankenhauses das Leben, als er halb verbrannt vor uns liegt. Im Rest des Spieles sehen wir ihn allerdings nicht wieder...
Technisch solide, aber veraltet
Nun, wieder einmal zur Technik, zur Medizintechnik sozusagen. Und was das anbelangt, so kann man es recht zweischneidig sehen: die Grafik von Trauma Center haut nicht wirklich vom Hocker, generell hat sich an der Optik des Spieles im Vergleich zum Original nichts, aber auch gar nichts geändert: die Zwischensequenzen sind wieder in Standbildern der jeweils sprechenden Person mit Text darunter (und den entsprechenden Emotionen in Gesicht und Haltung) gehalten, die Organe scheinen in grellen Neonfarben - wenn der Körper so Bunt ist, sind wir alle lebendige Discokugeln. Natürlich sind die Blut- und Verletzungsdarstellungen auf ein erträgliches Minimum reduziert, wer will schon beim spielen gerne ein flaues Gefühl im Magen bekommen - zumindest bei diesem Spiel. Alles in allem ist die Grafik solie, bringt aber wenig Effekte und noch weniger Dynamik mit sich. Die Organe als "Schön" zu bezeichnen geht hier allerdings etwas zu weit. Funktional wäre ein gutes Wort, um es kurz zu machen.

Auch der Sound ist dem Vorgänger gleich, ja fast schon identisch. Ein paar Hintergrundstücke sind zwar dazu gekommen, aber dennoch wurde hier kräftig recyclet.
Schön anzuhören sind die, leider nur in englisch verfügbaren, Sprecher der Charaktere. Diese wirken allesamt stimmig und bringen auch die nötigen Emotionen in der Stimme mit, um die teilweise etwas generischen Dialoge mit Leben zu füllen. Guter Sound - aber zu viel Recycling. Wobei, ist das nicht momentan "in"?
Auch die Steuerung ist nicht schlecht, im Gegenteil. Keine Aussetzer, einfaches Prinzip, es könnte wirklich keine besser funktionierende Steuerungsweise für ein OP-Spiel geben. Naja, vielleicht doch. Aber zumindest bei diesem Spiel gibt es nichts, was wirklich beim Spielen stört, außer vielleicht die Auswahl der Geräte.
Hohes Lob geht an den Multiplayer des Spieles. Ja, Tatsache, Trauma Center - New Blood hat einen waschechten Multiplayer für 2 Spieler. Mit 2 Wii-Fernedienungen und 2 Nunchuks können wir uns gemeinsam mit einem Freund durch die gesamte Story operieren. Das macht das ganze zwar ungemein einfacher, ist aber trotzdem ein, im wahrsten Sinne des Wortes, Mordsspaß.
Zusätzlich zum 2er-OP können die Highscores, die im Spiel erzielt werden, per WiFi Connection hochgeladen werden.
Aljoscha Reuther meint...
Ode an ein Spiel... Trauma Center, du Center des Traumas... lassen wir das. New Blood ist eine gelungene Fortsetzung der OP-Simulation, und wartet diesmal mit einer komplett neuen Story auf, die wieder einmal sehr interessant gestrickt wurde. Was mir alledings fehlt sind klare Innovationen, von einer neuen Krankheit und einer neuen OP-Methode (Verbrennungen "heilen") wird der Kuchen auch nicht fett. Zudem kommt dieser unglaublich hohe Frustfaktor, wenn die Arbeit der letzten 8-10 Minuten einfach für die Katz war, und dann noch einmal von vorne begonnen werden muss, nur weil ich nicht schnell genug das Stabilisierungsmittel gespritzt habe. Klar, Herausforderung muss sein, aber doch nicht eine akute Gefährtung des Fernsehers und der Wii-Fernbedienung... Und ich hab' es nur auf Leicht gespielt...
Ode an ein Spiel... Trauma Center, du Center des Traumas... lassen wir das. New Blood ist eine gelungene Fortsetzung der OP-Simulation, und wartet diesmal mit einer komplett neuen Story auf, die wieder einmal sehr interessant gestrickt wurde. Was mir alledings fehlt sind klare Innovationen, von einer neuen Krankheit und einer neuen OP-Methode (Verbrennungen "heilen") wird der Kuchen auch nicht fett. Zudem kommt dieser unglaublich hohe Frustfaktor, wenn die Arbeit der letzten 8-10 Minuten einfach für die Katz war, und dann noch einmal von vorne begonnen werden muss, nur weil ich nicht schnell genug das Stabilisierungsmittel gespritzt habe. Klar, Herausforderung muss sein, aber doch nicht eine akute Gefährtung des Fernsehers und der Wii-Fernbedienung... Und ich hab' es nur auf Leicht gespielt...

GRAFIK
die Zwischensequenzen, trotz fehlenden Videos, sehen gut aus. Im Spiel selbst bleibt alles stets übersichtlich, allerdings fehlen insgesamt auch viele Details
die Zwischensequenzen, trotz fehlenden Videos, sehen gut aus. Im Spiel selbst bleibt alles stets übersichtlich, allerdings fehlen insgesamt auch viele Details

SOUND
Gute (englische) Sprecher und eine tolle Soundkulisse, die allerdings komplett aus dem ersten Teil übernommen wurde
Gute (englische) Sprecher und eine tolle Soundkulisse, die allerdings komplett aus dem ersten Teil übernommen wurde

BEDIENUNG
gutes Operieren mit Wii-FB und Nunchuk, einzig und allein die Auswahl der Instrumente ist etwas pingelig
gutes Operieren mit Wii-FB und Nunchuk, einzig und allein die Auswahl der Instrumente ist etwas pingelig

UMFANG
Spannende Geschichte rund um Medizinterrorismus, die allerdings sehr schnell erzählt ist
Spannende Geschichte rund um Medizinterrorismus, die allerdings sehr schnell erzählt ist
SPIELSPASS
Mehr stress kann's im OP nicht geben!
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Mehr stress kann's im OP nicht geben!
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel