Wario Land: The Shake Dimension
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 30.11.2008
Das ist er wieder, der alte Raffzahn. Doch dieses Mal lädt Wario nicht wieder nur zu einer verrückten Minispiel-Session ein. Viel mehr kehrt er zurück zu seinen Wurzeln und begibt sich wieder auf eine zweidimensionale Schatzsuche. Also: Lets rock'n roll!
Schatzsuche über fünf Kontinente
Das Abenteuer beginnt im uralten Reich des Rüttelns. Dort reißt sich der böse Pirat König Rüttelbert nicht nur den unerschöpflichen Münzbeutel, sondern auch die Königin des Landes unter den Nagel. Das können die elfenhaften Bewohner des Reiches, Mürfel genannt, natürlich nicht zulassen. So macht sich ein Mürfel auf, der zufälligerweise ebenfalls Mürfel heißt, um Hilfe zu holen. Sachen gibt´s! Aber keine Sorge. Das Ganze klingt zwar bescheuert, soll es aber auch sein. Die ganze Geschichte nimmt sich selbst nicht ernst, weswegen der Mürfel am Ende auch ausgerechnet bei Wario landet. Dem gierigen Antihelden ist die Königin natürlich vollkommen Schnuppe. Doch als er von dem unerschöpflichen Münzbeutel hört, reist er sofort ins Land des Rüttelns, um König Rüttelbert über fünf Kontinente zu jagen.

Auf allen fünf Kontinenten warten abwechslungsreiche 2D-Levels auf Wario, die immer in zwei Abschnitte geteilt sind. Erst geht es darum euch durch die Levels zu kämpfen, also Hindernisse und Gegner aus dem Weg zu räumen. Irgendwann werdet ihr dann einen Mürfel befreien können. Und dann beginnt der zweite Abschnitt. Unter Zeitdruck müsst ihr dann nämlich zurück zum Anfang des Levels, bevor der Ausgang sich schließt. Eine gewisse Anzahl an befreiten Mürfel erlauben euch den Kampf gegen einen Oberboss. Und wenn ihr die Oberbosse aller fünf Kontinente besiegt habt, steht der Weg zu König Rüttelbert offen, um die Königin zu befrei…, naja eigentlich um den Münzbeutel zu klauen.
Retro trifft Innovation
Was „The Shake Dimension“ ausmacht, ist die Mischung aus Retro-Gameplay und frischen Ideen. Zum einen wird euch hier nämlich ein 2D-Jump´n ´Run alter Schule aufgetischt. Ihr springt durch die recht linearen Levels, sammelt Schätze ein und schlagt Gegner aus dem Bildschirm. Auf den ersten Blick könntet ihr auch in einem Remake von „Wario Land 2“ gelandet sein.
Doch dann kommen die frischen Ideen und der interessante Einsatz der Wii-Remote ins Spiel! Wie euch der Name und unzählige sprechende Namen schon längst ins Gesicht geschrien haben, dreht sich schließlich alles ums Schütteln. Und schütteln könnt ihr eine Menge. Egal ob Gegner oder Schatzbeutel – es wird sicherlich etwas Interessantes für euch rausfallen. Knoblauchknollen vielleicht, die euch neue Kraft verleihen. Oder Geld, das eh immer gern gesehen ist. Und wenn ihr gerade nichts und niemanden zur Hand habt, dann schüttelt doch einfach mal so. Denn dann schlägt Wario mit voller Kraft auf den Boden, was zahlreiche Hindernisse aus dem Weg räumen und ebenso viele Probleme lösen kann. Das Ganze ist auf Dauer zwar ein klein wenig anstrengend, doch das ist den Spaß wert.

Und damit hat die Wii-Remote noch lange nicht ausgedient. Gegner und Objekte lassen sich nämlich auch nehmen und Werfen. Das Zielen läuft dabei durch das Neigen der Remote ab. So könnt ihr präzise bröckelige Wände einschmeißen oder Bombenblöcke aktivieren, die hübsche Explosionen auslösen. Und dann sind auch die Gefährte nicht zu vergessen. Sogenannte Einradkessel, ja das sind wirklich Kessel auf Einrädern, lassen sich auch durch die Neigung steuern. Und bei Wu-Booten, Wortspiele über Wortspiele, dient die Neigung der Richtungsänderung. Solche Stellen verlangen euch durchaus Geschicklichkeit ab. Gehirn ausschalten und einfach rumschütteln funktioniert hier nicht.
Diese Aktionen bringen viel Abwechslung ins Spiel, vor allem da Wario zusätzlich natürlich auch noch seine altbekannten Moves auf dem Kasten hat. So kriecht er durch enge Tunnel, rutscht in Röhren und lässt sich wie eine Kanonenkugel durch die Gegend schießen. Und die Gegner haben nichts zu lachen, wenn der Antiheld mit seiner Rammattacke auf sie zukommt oder sie mit einem Stampf-Sprung einen Kopf kürzer macht. Ja, Wario hat es immer noch drauf. Mehr noch: Wahrscheinlich war er nie besser in Form.
Durchspielen ist nur der halbe Spaß
Die vielen frischen Ideen halten euch das ganze Spiel über bei bester Laune. Getrübt wird diese erst, wenn ihr mal all eure Herzen verlieren solltet. Ein einziger Checkpoint pro Level ist nämlich etwas wenig. Das kann durchaus zu Frust führen – aber nicht oft. Dafür ist ein anderer Kritikpunkt verantwortlich. Der Schwierigkeitsgrad wurde nämlich recht niedrig angesetzt. Hindernisse lassen sich leicht aus dem Weg räumen, die Sprungpassagen sind kein großes Problem und auch den Gegnern ist Wario haushoch überlegen. Zumindest den kleinen. Die Bossgegner sind nämlich das einzige im Spiel, was euch so richtig ins Schwitzen bringen wird.
Doch trotz kleinerer Schwächen macht die Schatzsuche mit Wario einfach nur Spaß. So viel Spaß, dass euch das Abenteuer viel zu schnell vorbei sein wird. Wer sich zügig durch die Levels kämpft, wird nach fünf Stunden den Abspann sehen. Doch wer das Spiel dann ausschaltet gehört zu den Leuten, die auch „Super Mario Galaxy“ mit 60 Sternen wieder in den Schrank gestellt haben. Der Wiederspielwert ist nämlich enorm und wer wirklich alles sehen will, kann die Spielzeit ruhig nochmal verdoppeln. Zahlreiche Schätze warten nämlich in den Tiefen des Levels und wenn ihr Glück habt, stoßt ihr sicherlich auch auf geheime Karten, die Extralevel freischalten. Außerdem bietet jeder Level auch mehrere Missionen, deren Absolvierung keine Pflicht ist, euch aber Boni sichert. Es lohnt sich also einen Level möglichst schnell zu verlassen oder einen besonders hohen Geldbetrag zu sammeln.

Geld ist eh immer praktisch. Darin unterscheidet sich das Land des Rüttelns nicht von unserer durch die Finanzkrise gebeutelten Welt. Denn auch wenn Wario das Geld wohl am liebsten einfach anhäufen würde, lässt es sich auch sinnvoll investieren. Jeder Kontinent wird beispielsweise erst zugänglich, wenn ihr mit ausreichend Geld eine Karte gekauft habt. Außerdem lassen sich Herzen erwerben, die eure Energieleiste vergrößern. Und mit einem Energietrank werdet ihr im Notfall augenblicklich wiederbelebt. Etwas Besseres könnt ihr vor einem Bosskampf gar nicht kaufen.
Hübsch ist Wario beim besten Willen nicht, sein Abenteuer aber schon. Die liebevolle 2D-Grafik strotz vor Details, abgedrehten Gegnern und sehenswerten Effekten. Vor allem gefällt die abwechslungsreiche Gestaltung der Levels. Mal rennt ihr durch grüne Dschungel, nur um einige Levels später in einer staubtrockenen Wüste zu stehen. Ein weiteres Highlight sind die witzigen Animationen, die Wario zu einer One-Man-Show machen. Vor allem da er auch noch ständig verrückte Sprachsamples, wie „Lets rock'n roll!“ in die Welt grunzt. Schade ist eigentlich nur, dass die Musik recht langweilig ausgefallen ist und die Entwickler viel zu sehr mit den Sequenzen gespart haben. Es gibt nämlich nur ein Intro und einen Abspann, die mit ihrem hübschen Comic-Look aber eigentlich Lust auf mehr machen. Hier haben die Entwickler wohl, genau wie beim Gameplay, Qualität vor Quantität gesetzt.
Sascha Geldermann meint...
Ich schalte mein Gewissen ab, lasse entführte Prinzessinnen ausnahmsweise mal links liegen und gehe lieber mit dem sympathischsten Antihelden der Videospielgeschichte auf Schatzsuche. Was ich auf den fünf Kontinenten des Rüttelreiches gefunden habe, sind nicht nur unzählige Schätze, sondern auch ein Gamplay, das einerseits völlig retro ist und auf der anderen Seite vor frischen Ideen nur so strotz. Schade nur, dass es mir König Rüttelbert so leicht macht und sich schon nach fünf Stunden ergibt. Ich hätte mit Wario gerne noch mehr Gold angehäuft, Kontinente erforscht und Gegner so richtig durchgeschüttelt.
Ich schalte mein Gewissen ab, lasse entführte Prinzessinnen ausnahmsweise mal links liegen und gehe lieber mit dem sympathischsten Antihelden der Videospielgeschichte auf Schatzsuche. Was ich auf den fünf Kontinenten des Rüttelreiches gefunden habe, sind nicht nur unzählige Schätze, sondern auch ein Gamplay, das einerseits völlig retro ist und auf der anderen Seite vor frischen Ideen nur so strotz. Schade nur, dass es mir König Rüttelbert so leicht macht und sich schon nach fünf Stunden ergibt. Ich hätte mit Wario gerne noch mehr Gold angehäuft, Kontinente erforscht und Gegner so richtig durchgeschüttelt.

GRAFIK
hübsche 2D-Grafik, witzige Animationen
hübsche 2D-Grafik, witzige Animationen

SOUND
tolle Sprachsamples, dafür unspektakuläre Musik
tolle Sprachsamples, dafür unspektakuläre Musik

BEDIENUNG
vorbildlicher Einsatz der Remote
vorbildlicher Einsatz der Remote

UMFANG
hoher Wiederspielwert, aber kurze Spieldauer von nur etwa fünf Stunden
hoher Wiederspielwert, aber kurze Spieldauer von nur etwa fünf Stunden
SPIELSPASS
Gelungene Mischung aus Retro-Gameplay und frischen Ideen.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Gelungene Mischung aus Retro-Gameplay und frischen Ideen.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel