Crash - Herrscher der Mutanten
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 27.11.2008
Crash hat Blut geleckt. Im letzten Jahr unterwarf er Mutanten erstmals seinem Willen und nun ist er zurück, um wieder über sie zu herrschen. Mit persönlicher Machtgier hat das aber natürlich nichts zu tun. Crash macht es nur zum Wohle der Wumpa-Insel.
Frische Präsentation, klassisches Gameplay
Schattentheater empfängt euch. Eine kurios verrückte Vorstellung zeigt, wie Dr. Neo Cortex Kontrolle über die Bewohner der Wumpa-Inseln erlangt. Und im weiteren Spielverlauf wird die Präsentation nicht konventioneller. Ob nun Kaspertheater oder Comicfilme im 60er-Jahre-Stil – alle Sequenzen sind anders und keine kann auch nur ansatzweise als normal bezeichnet werden. Das ganze wird dann noch mit zahlreichen Witzen gewürzt und wirkt herrlich abgedreht. Genauso muss ein Abenteuer des irre grinsenden Nasenbeutlers aussehen!
Die Spielmechanik gestaltet sich im Vergleich dazu viel konventioneller. Auch im diesem Jahr stürzt sich Crash nämlich in ein Jump´n´Run alter Schule. Dreh- und Angelpunkt stellt dabei das Haus des Helden dar. Von hier aus gelangt ihr schnell in alle Levels. Das nicht etwa in Mario-Manier durch Gemälde, sondern einfach indem ihr vor die Haustür geht und dem nächsten Weg folgt. Allzu lange Laufwege habt ihr dabei nie, die Spielwelt ist nämlich recht überschaubar ausgefallen. Dafür müssen viele Orte aber mehrmals besucht werden, was aber dadurch nicht langweilig wird, dass sich mit neuen Fähigkeiten auch neue Wege öffnen. Das ist mal etwas anders, allerdings kann auch der mehrmalige Besuch der Orte nicht verhindern, dass das Abenteuer nach spätestens acht Stunden auch schon wieder vorbei ist.

Das Gameplay bietet wie gesagt klassische Kost. Objekte wollen eingesammelt, Gegner vermöbelt und Sprungpassagen gemeistert werden. Bei letztem hilft euch der neue Drehsprung weiter. Einen Doppelsprung gibt es zwar auch, aber mit dem könnt ihr euch nur etwas länger in der Luft halten. Höher kommt ihr damit nicht. Wer hoch hinaus will, sollte also die Wii-Remote vor dem Springen schütteln, damit Crash sich in die Luft schraubt. Das ist erstens sehr effektiv und geht zweitens auch noch leicht von der Hand. So stellen selbst hohe Felswände kein Hindernis mehr dar. Ärger macht nur die Kamera, die sich nicht manuell nachjustieren lässt. So müsst ihr mit den Perspektiven leben, die das Spiel euch bietet, auch wenn diese manchmal wirklich ungeschickt gewählt sind. Großzügig platzierte Rücksetzpunkte verhindern aber größeren Frust.
Der Feind auf meinem Rücken
Frische Ideen gibt es nur wenige. Stattdessen begnügt sich Crash weiterhin mit seinen alten Moves, mit denen er Gegner von der Bildfläche schlägt oder kickt. Die Kämpfe laufen nicht ganz so dynamisch ab, wie die Sprungmanöver. Dafür lassen sich die einzelnen Attacken einfach nicht fließend genug kombinieren. Aber wer seine Feinde aus dem Weg räumen will, sollte das eh lieber einem Mutanten überlassen.
Ja, die Mutanten sind zurück. Wie im letzten Jahr können sie erst betäubt und dann übernommen werden. Wenn Crash sich auf den Rücken dieser kräftigen Kreaturen schwingt, könnt ihr sie direkt steuern. Kleinere Gegner lassen sich dann mit Leichtigkeit aus dem Bildschirm schleudern. Und ganz nebenbei eröffnen euch die individuellen Eigenschaften der altbekannten und neuen Mutanten auch noch neue Wege.

Gewohnt bizarr könnt ihr so auch den Frostschnupfen eines Eismutanten nutzen. Auf Knopfdruck entfährt diesem nämlich ein eiskalter Nieser, der selbst reißende Flüsse zu begehbaren Eisplattformen erstarren lässt. Natürlich sind das keine besonders kniffeligen Rätsel, Spaß macht es aber auf jeden Fall mit den abgedrehten Fähigkeiten der Mutanten zu experimentieren.
Aber auch hier muss kritisiert werden, dass die Entwickler in diesem Jahr das Konzept des Vorgängers weiter ausmelken, anstatt neue Ideen einzubringen. Die Spielmechanik wurde lediglich leicht verbessert. So haben Mutanten nun eigene Lebensanzeigen und sie lassen sich jeder Zeit und gegen jede Logik in einer Tasche verstauen. So könnt ihr Mutanten auch in die Bereiche mitnehmen, die sie selbst gar nicht erreichen könnten.
Einsamkeit bevorzugt
Was ist besser als ein Nasenbeutler? Nein, zwei Nasenbeutler sind es nicht! Es kann sich zwar jeder Zeit ein Mitspieler in das Abenteuer einklinken und als Crash´ Schwester mitmischen, allerdings zickt dabei mal wieder die Kamera rum. Diese bleibt nämlich einfach auf Crash gerichtet. Der Mitspieler muss selber zusehen, dass er irgendwie im Bild bleibt. Der kooperative Modus wirkt somit sehr halbherzig. Die einzige Alternative stellt die Übernahme der sprechenden Maske Aku-Aku dar. Die bleibt dann zwar immer automatisch in Crash´ Nähe, kann dafür aber auch nicht viel mehr, als Geschosse zu schleudern. Das ist genauso wenig unterhaltsam, wie es klingt. Somit solltet ihr eure Freunde lieber direkt abwimmeln und lieber alleine über die Wumpa-Insel streifen.
Wenn ihr wirklich etwas sucht, das die kurze Spielzeit etwas strecken kann, solltet ihr lieber mal Crash´ Haus unter die Lupe nehmen. Hier sammeln sich nämlich immer mehr sehenswerte Extras an. Schlüpft in neue Kostüme, schaut euch Konzeptgrafiken an oder führt euch nochmal die herrlichen Zwischensequenzen zu Gemüte – so schnell werdet ihr das Haus nicht wieder verlassen. In Sachen Extras hat sich Crash wirklich ein Fleißbändchen verdient.

Bei der Grafik sticht nur die Präsentationen heraus. Im Spiel selbst gestaltet sich die Optik wie im letzten Jahr. Die Spielwelt sieht somit nett und schön bunt aus, die Detailfülle könnte aber durchaus größer sein. Pluspunkte gibt es aber für das verrückte Charakterdesign. Nicht nur Crash und seine Freunde glänzen durch gelungene Modelle, vor allem die Gegner warten mit allerlei Verrücktheiten auf. Dazu kommt noch, dass die Figuren einwandfrei vertont wurden. Im Gegensatz zu der lahmen Musik ist die deutsche Synchronisation einfach herrlich gelungen. Auch hier sind es die Gegner, denen besonderes Lob gebührt. Humor ist eben, wenn man selbst bei seinem Ableben noch einen lustigen Spruch auf den Lippen hat.
Sascha Geldermann meint...
Ok Crash, nach deinem misslungenen NDS-Auftritt wollte ich nichts mehr von dir hören, aber jetzt können wir wieder Freunde sein. Zwar fehlen mir auch hier die frischen Ideen, aber es ist doch wieder unterhaltsam, sich mit dir auf die Rücken verrückter Mutanten zu schwingen, Gegner zu vermöbeln und Felswände wirbelnd zu erklimmen. Lass nächstes Mal aber bitte deine Schwester zu Hause. Die hat nur genervt…
Ok Crash, nach deinem misslungenen NDS-Auftritt wollte ich nichts mehr von dir hören, aber jetzt können wir wieder Freunde sein. Zwar fehlen mir auch hier die frischen Ideen, aber es ist doch wieder unterhaltsam, sich mit dir auf die Rücken verrückter Mutanten zu schwingen, Gegner zu vermöbeln und Felswände wirbelnd zu erklimmen. Lass nächstes Mal aber bitte deine Schwester zu Hause. Die hat nur genervt…

GRAFIK
Bunte Spielwelt mit abgedrehten Figurendesign aber zu wenig Details.
Bunte Spielwelt mit abgedrehten Figurendesign aber zu wenig Details.

SOUND
Die tolle Synchronisation gefällt mehr als die langweilige Musik.
Die tolle Synchronisation gefällt mehr als die langweilige Musik.

BEDIENUNG
Der Drehsprung ist ein unterhaltsamer Move. Die Kämpfe könnten aber dynamischer sein.
Der Drehsprung ist ein unterhaltsamer Move. Die Kämpfe könnten aber dynamischer sein.

UMFANG
Die Spielzeit ist kurz und der kooperative Mehrspieler-Modus gelungen. Immerhin motivieren aber die vielen Extras.
Die Spielzeit ist kurz und der kooperative Mehrspieler-Modus gelungen. Immerhin motivieren aber die vielen Extras.
SPIELSPASS
Solides Jump´n´Run mit abgedrehter Präsentation.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Solides Jump´n´Run mit abgedrehter Präsentation.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel