Zubo
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 25.11.2008
Willkommen in einer Welt, in der die Musik regiert. Die Wesen hier sind geradezu besessen vom Singen und Tanzen. Aber so paradiesisch so eine Welt auf dem ersten Blick auch wirkt, auch hier lauern Gefahren. Der böse Großkopf und seine Armee böser Zombos verbreiten nämlich Angst und Schrecken. Nun warten auf die eigentlich friedlichen Zubos harte Kämpfe, bei denen nicht Mut oder Stärke zählen, sondern vor allem Takt- und Rhythmusgefühl.
Tanz oder stirb!
Eine richtige Geschichte gibt es eigentlich nicht. Ihr landet einfach in dieser verrückten Welt und lauft schnell den ersten Zubos über den Weg, mit denen ihr euch sofort anfreundet. Im recht langen Spielverlauf durch zehn Areale gesellen sich dann immer mehr Wesen zu eurer munteren Truppe. Insgesamt gibt es stolze 55 Zubos, von denen aber immer nur drei in einen Kampf geschickt werden können. Es gilt also eine Dreiergruppe zusammenzustellen, die sich euren Feinden stellt.
Eure Feinde sind die Zombos, die euch anfangs noch einzeln, später dann auch in Gruppen angreifen. Sofort wechselt der Bildschirm in eine Kampfansicht. Ein rundenbasiertes Gefecht beginnt. Wählt euren Kämpfer aus euer Dreigruppe und dann dessen Attacke. Die Namen der Angriffe verraten eigentlich schon was als nächstes passiert. Diese heißen nämlich „Händeklatsch“, „Salsaschlag“ oder „Zauberdreh„.

Somit stürzen sich die niedlichen kleinen Wesen nicht in brutale Kämpfe, sondern treten mit musikalischen Moves gegeneinander an, die lustig in Szene gesetzt werden. Habt ihr eine Attacke erst einmal ausgewählt, gilt es als nächstes den Takt zu halten. Eure Spielfiguren sind nämlich von kreisförmigen Auren umgeben, denen sich im Takt orangefarbende Linien nähern. Immer wenn so eine Linie die Aura des aktuellen Kämpfers berührt, müsst ihr ihn mit dem Stylus berühren. Je besser euer Timing, desto stärker euer Angriff. Das Ganze erinnert stark an „Elite Beat Agents“ und macht als Kampfsystem eines Rollenspiels eine gute Figur. Es ist einfach mal etwas anders, seine Gegner durch Rhythmusgefühl auf die Matte zu schicken.
Im Grunde ist das Kampfsystem interessant. Es gibt drei Charakterklassen, nämlich „Angreifer“, „Verteidiger“ und „Akrobat“, die sich im Schere-Stein-Papier-Prinzip bedingen. So sind beispielsweise Angreifer den Akrobaten haushoch überlegen, während sie gegen Verteidiger nicht ankommen. Ihr müsst die Wahl eures Kämpfers also von dem jeweiligen Gegner abhängig machen. Allerdings sind drei Klassen auch etwas wenig, um wirklich Anspruch ins Spiel zu bringen. Und das ist wohl das Hauptproblem des Kampfsystems.

Denn Anspruch wird verzweifelt gesucht. Die Klassen aller Kämpfer und Feinde werden deutlich angezeigt, wodurch eure Wahl immer absolut klar sein sollte. Und auch das Sammeln von Powerpillen, um besonders starke Attacken einsetzen zu können, ist keine große Herausforderung. Die Entwickler hätte ihre Ansätze einfach mehr ausbauen müssen. So steigen die Zubos durch Erfahrungspunkte zwar Levels auf, die Charakterentwicklung ist aber denkbar flach ausgefallen. Die Attacken richten etwas mehr Schaden an, viel mehr Effekte bringt euer Training dann aber auch nicht mit sich. Ältere Spieler werden schnell unterfordert sein und erfahrende Rollenspiele werden schon nach den ersten Spielminuten abwinken und sich wieder komplexeren Spielen zuwenden.
Stylus als Alleskönner
„Zubo“ ist einfach ein Spiel, das sich an eine jüngere Zielgruppe richtet. Das signalisieren ja eigentlich schon die farbenfrohe Optik und die niedlichen Figuren überdeutlich. Somit fallen nicht nur die Kämpfe anspruchslos aus, auch die Abschnitte zwischen den Kämpfen lassen Herausforderungen vermissen. Meistens geht es doch nur darum, einen Schalter zu betätigen, damit sich das nächste Tor öffnet. Mit diesem Problem geht auch ein anderer Kritikpunkt einher. Neben Anspruch wird nämlich auch Abwechslung vermisst. Immer wieder gleich ablaufende Kämpfe wechseln sich mit langweiligen Standarträtseln ab. Das musikalische Kampfsystem mag zwar interessant sein, dieses Rollenspiel hätte aber noch viel mehr frische Ideen vertragen können.

Zumindest läuft die Steuerung bei allen Aktionen intuitiv ab. Die Knöpfe bekommen dabei Pause. Der Stylus übernimmt die ganze Arbeit. Er ist es, der bei den Kämpfen die Attacken auswählt und im Takt auf den Bildschirm trommeln muss. Und er muss auch zwischen den Kämpfen dafür herhalten, Schalter umzulegen, Gegenstände auswählen oder schlichtweg einen Punkt der 3D-Welt zu berühren, damit eure Spielfigur dorthin läuft. All das lässt der Stylus tapfer über sich ergehen und verrichtet einen guten Job ohne auch nur ein einziges Mal Probleme zu machen. Das ganze Geschehen läuft also auf dem Touchscreen ab. Der obere Bildschirm zeigt eine Karte, die aufgrund der recht linearen Wege aber nur selten gebraucht wird.
Sollte es euch langweilig werden, eure Stylus-Künste nur virtuellen Gegnern zu präsentieren, solltet ihr euch einen Freund suchen, der dieses Spiel ebenfalls besitzt. Im Mehrspieler-Modus lässt sich dann herausfinden, wer von euch beiden mehr Rhythmus im Blut hat. Keine Angst, wenn die Zubos eures Gegners schon viel höhere Levels erreicht haben als eure. Der „Angleichen“-Modus passt die Levels eurer Schützlinge nämlich kurzzeitig an die der Gegner an, damit es ein fairer Kampf wird. Somit sind diese Mehrspieler-Duelle durchaus ganz nett, auch wenn Online-Funktionen oder zumindest die Unterstützung des Einzelkarten-Spiels vermisst werden.

Die Optik präsentiert sie wie gesagt recht bunt. Farbenfrohe Landschaften laden zu entspannenden Erkundungstouren ein. Ihr dürft nur nicht erwarten, allzu viel zu entdecken. Der Spielwelt mangelt es nämlich an Details. Außerdem sind die recht groben Charaktermodelle ärgerlich. Die Designs der Zubos sind durchaus abwechslungsreich und lustig nur leider ist das bei den riesigen Pixels schwer zu erkennen.
Etwas enttäuschend ist die Musik des Spiels. Deren Qualität ist zwar gut, vor allem wenn Kopfhörer benutzt werden, allerdings regiert Eintönigkeit die Trackliste. Gesang gibt es gar nicht, stattdessen schallen bei jedem Kampf Technosounds aus den Lautsprechern, die sich alle stark ähneln. Die Entwickler scheinen bei der Auswahl der Stücke vergessen zu haben, dass beim Kampfsystem Rhythmusgefühl gefragt ist. Bei einem musikalischen Rollenspiel müssten 0815-Technosounds doch eigentlich Hausverbot haben.
Sascha Geldermann meint...
Sowas ist mir auch noch nie passiert. Da stellen sich mir Gegner in den Weg und meine Kämpfer fangen einfach an zu tanzen. Und die Feinde machen auch noch mit, bis eine Gruppe in Grund und Boden getanzt wurde! Meiner ersten Verwunderung folgt schnell Bewunderung. Ein musikalisches Kampfsystem bei dem sich alles um Rhythmusgefühl dreht wirkt einfach frisch und macht Spaß – zumindest für eine kurze Weile. Dem anfangs interessanten Konzept geht nämlich verdammt schnell die Luft aus. Wenn doch wenigstens die Musik überzeugen könnte. Würde ein abwechslungsreicher Genremix anstatt des eintönigen Technosounds aus den Lautsprechern schallen, wäre mein Ausflug mit den Zubos deutlich unterhaltsamer gewesen.
Sowas ist mir auch noch nie passiert. Da stellen sich mir Gegner in den Weg und meine Kämpfer fangen einfach an zu tanzen. Und die Feinde machen auch noch mit, bis eine Gruppe in Grund und Boden getanzt wurde! Meiner ersten Verwunderung folgt schnell Bewunderung. Ein musikalisches Kampfsystem bei dem sich alles um Rhythmusgefühl dreht wirkt einfach frisch und macht Spaß – zumindest für eine kurze Weile. Dem anfangs interessanten Konzept geht nämlich verdammt schnell die Luft aus. Wenn doch wenigstens die Musik überzeugen könnte. Würde ein abwechslungsreicher Genremix anstatt des eintönigen Technosounds aus den Lautsprechern schallen, wäre mein Ausflug mit den Zubos deutlich unterhaltsamer gewesen.

GRAFIK
Die Grafik ist farbenfroh aber etwas grob.
Die Grafik ist farbenfroh aber etwas grob.

SOUND
Die Qualität des Sound ist gut, die eintönige Musik passt aber einfach nicht zum Spielkonzept.
Die Qualität des Sound ist gut, die eintönige Musik passt aber einfach nicht zum Spielkonzept.

BEDIENUNG
Die Stylus-Steuerung funktioniert intuitiv.
Die Stylus-Steuerung funktioniert intuitiv.

UMFANG
Bei eurem langen Abenteuer trefft ihr 55 Zubos. Schade, dass es kein Einzelkarten-Spiel gibt.
Bei eurem langen Abenteuer trefft ihr 55 Zubos. Schade, dass es kein Einzelkarten-Spiel gibt.
SPIELSPASS
Musikalisches Rollenspiel, das Anspruch vermissen lässt.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Musikalisches Rollenspiel, das Anspruch vermissen lässt.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel