Samba de Amigo
Artikel verfasst von Heiko Ellinger am 22.11.2008
Auch in Zeiten von Guitar Hero oder Singstar gibt es noch Videospiele, die aus der breiten Masse hervorstechen. Während die erstgenannten durch monatliche Updates mittlerweile schon als übliche Zocker-Kost durchgehen, finden sich vor allem in japanischen Spielhallen noch zahlreiche Beispiele, in denen ungewöhnlichstes Zubehör zur Unterstützung des Spielgefühls eingesetzt wird. Eines dieser Instrumente machte Sega auf der Dreamcast wohnzimmertauglich, die Maracas. Und wenn dann auch noch ein abgedrehter Affe der Hauptdarsteller der Musik-Blödelei ist, kann doch eigentlich nur ein großartiges Spiel entstehen. Dachte sich auch Sega und so kehren Rasseln und Affe Amigo zurück und das exklusiv für Wii. Wir haben uns dem Titel ausführlich angenommen und neben Rhythmus im Blut noch einige weitere positive Aspekte entdeckt.
Sechs Kreise sollt ihr sein
Kenner von außergewöhnlichen Spielprinzipien oder Verfechter der Dreamcast-Kultur werden es schon erkannt haben. Wir sprechen natürlich von Samba de Amigo, welches auf Wii seine Auferstehung feiert. Wii-Fernbedienung und Nunchuk eignen sich als Rassel-Ersatz dabei natürlich besser als so mancher herkömmlicher Controller. Deshalb kann bei dem Kauf des Spiels dieses Mal auf Zusatzhardware verzichtet werden. Dass es diese dennoch gibt, beleuchten wir in einem speziellen Info-Kasten weiter unten im Artikel.

Bevor wir genauer auf die Spielmodi des Titels eingehen, hier ein kleiner Exkurs für Frischlinge: In Samba de Amigo findet sich grundsätzlich das gleiche Spielprinzip wieder, welches wir von den anfangs genannten Musik-Spielen kennen. Im richtigen Moment müssen hier allerdings, anstatt Knöpfe zu drücken, die richtigen Bewegungen durchgeführt werden. Insgesamt stehen sechs Haltungen für die fiktiven Rasseln zur Verfügung - jeweils links und rechts oben, mittig und unten. Dies ergibt ganz grob gesagt einen Kreis, in dem sich das ganze Spielgeschehen abspielt. Vom Mittelpunkt aus bewegen sich nun Kugeln auf diese Punkte zu und Ihr müsst im richtigen Moment die Bewegung ausführen. Das soll es zur Handhabung aber in Kürze auch gewesen sein und wir widmen uns lieber den Spielinhalten. Hat man den Titel vor sich auf dem Fernseher, bedarf die Steuerung sowieso keiner Erklärung.
Im Karriere-Modus gibt es verschiedene Kurse, die diverse Musikstücke beinhalten. Hat man sich für eine Schwierigkeitsstufe entschieden, kann man einen der Kurse auswählen. Beendet ist dieser, wenn in jedem Lied mindestens eine C-Wertung erreicht wird. Die Wertungen ergeben sich dabei aus der erreichten Punktzahl, die Euer Rhythmus-Gefühl in Zahlen ausdrückt. Erledigte Kurse schlaten dann neue Songs für die Songliste frei und diese können dann auch im freien Spiel und Mehrspieler-Modus ausgewählt werden.
Zwei Freunde sollt ihr sein
Neben dem Karriere-Modus, der primär zum Freischalten der Songliste benötigt wird, ist es natürlich vor allem der Mehrspieler-Modus, der am meisten Spaß macht. Alle Spielmodi stehen zwar auch für einen Spieler zur Verfügung, im Team ist es aber durchaus noch lustiger. Die Spielmodi „Schnellspiel“ und „Classic“ können in zwei Varianten gespielt werden. Im Original-Modus ist der Einsatz der Rasseln im passenden Moment gefragt, im Disco-Modus dagegen müssen Bewegungen ausgeführt werden. Schwingt jemand wild vor seinem Fernseher mit zwei Wii-Fernbedienung hin und her, sieht das zwar unfassbar dämlich aus, aber es sei versichert, dass derjenige dabei durchaus auch einigen Spielspaß verspürt. Das schnelle Spiel eignet sich als kleiner Happen für Zwischendurch. Hier kann ein einzelnes Lied angewählt und gespielt werden, während der Classic-Modus zwei Songs anbietet. Gute Leistungen (Note A) werden mit einem dritten Song belohnt, in dem zusätzliche Punkte abgestaubt werden können.

„Hals über Kopf“ ist ein Modus für echte Freunde, denn in diesem Teamspiel gewinnt man zusammen, verliert aber auch zusammen. Am Ende eines Auftrittes wird dann die Freundschafts-Quote berechnet. Erst nehmen sollte man dies aber nicht, sonst gingen an Samba de Amigo sicherlich Beziehungen zu Bruch. Im anschließenden Rosenkrieg würde sich dann aber der Wettkampf-Modus anbieten, der über den Zähler getroffener Noten beim Gegner eine Bombe zur Explosion bringt. Sehr lustig, wenn man mit Schadenfreude etwas anfangen kann. Freunde, die gerne mal handgreiflich werden, sollten aber von der Konsole fern gehalten werden.
Fehlerfreies Rasseln ist das A und O im Überlebensmodus. Hier müsst Ihr so fehlerfrei wie es nur geht spielen, sonst ist das Vergnügen schnell beendet. Neue Leben gibt es nach der Beendigung von jeweils zwei Songs und verlängern so den aktuellen Auftritt des Maracas-Talents vor dem Fernseher. Die Minispiele sind als letzter Spielmodus weniger von Bedeutung und eigentlich nur für die kleinsten Rassel-Fans zum Spielen geeignet. Denn hier geht es häufig lediglich darum, schnellstmöglich zu schütteln, die Herausforderung bleibt dabei auf der Strecke.
Besonnen sollt ihr sein
Auch bei tristem und kaltem Winterwetter kann Samba de Amigo dem Spieler ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Die farbenfrohe und alberne Welt nervt nie, sondern erzeugt schon vor dem eigentlichen Spielstart Spaß. Die Soundeffekte sind nicht der Rede wert, dafür aber die Songauswahl. Knapp 50 Songs haben es auf die DVD geschafft, leider oftmals in gekürzter Form und darüber hinaus einige Cover-Versionen. Das ist zwar schade, aber angesichts passender Hits wie „Volare“, „Pon De Replay“ oder „La Bamba“ zu verschmerzen. Die Songauswahl kann dank der Unterstützung des Online-Services „Pay & Play“ darüber hinaus auch erweitert werden, allerdings natürlich nicht kostenlos. Zum Zeitpunkt des Tests stand allerdings bisher nur ein Song-Paket zur Auswahl bereit. Drei Songs für 500 Punkte sind ein fairer Preis, nach dem Download rasselt es sich so etwa zu „Are You Gonna Be My Girl“ von Jet. Online finden sich sonst nur Zahlenspiele in Form von Ranglisten, Duelle mit Spielern aus aller Welt gibt es leider nicht.

Der wichtigste Part des Spiels ist neben der vollen Ausnutzung des ganzen Farbspektrums auf dem Bildschirm natürlich die Umsetzung der Steuerung und hier gibt es leider ab und an Probleme. Denn auch Maracas-Profis müssen in manchem Moment damit leben, dass die Wii-Fernbedienung den Bewegungen des Spielers nicht ganz folgen kann. Punktverluste und vor allem das Ende von Trefferserien sind die Folge. Die Kombination Wii-Fernbedienung und Nunchuk sollte man dabei übrigens auf keinen Fall wählen, zu schlecht ist die Nunchuk-Bewegungserkennung. Weitaus besser gelingt das Spiel, wenn ein Spieler zwei Wii-Fernbedienung in die Hand nimmt. Im Mehrspieler-Part werden dann zwar vier Fernbedienungen benötigt, die Mühe lohnt aber mit einer weitaus besseren Erkennung der Bewegungen. Trotz allem werden manche Handbewegungen nicht erkannt, so dass jähzornige Spieler gleich von Beginn an für einen festen Halt der Fernbedienungen in den Händen sorgen sollten – und Spieler im Umkreis für den nötigen Abstand. So eignet sich Samba de Amigo vor allem für gesellige Abende denn für harte Wettkämpfe, aber genau das will es auch.
Heiko Ellinger meint...
Ein dauerhaftes Grinsen in meinem Gesicht ist bei einem Videospiel vor allem dann ein gutes Zeichen, wenn ich vorher dafür keine Drogen konsumieren musste. Und Amigo schafft dies mit seinen Maracas von der ersten Sekunde an. Der Titel vermittelt Spielspaß pur und tritt aus dem Schatten anderer Musiktitel alleine schon deshalb heraus, weil er herrlich abgedreht ist, keinen Wert auf großen Wettkampf legt, die Maracas unendlich toll sind und der Titel herrlich abgedreht… ach, das hatten wir ja schon. Den Dreamcast-Vorgänger hätte ich niemals auslassen dürfen, doch schreckten der hohe Preis des Spiels (damals 400 DM) und die noch nicht vorhandene Dreamcast im Haushalt dann doch zu sehr ab. Um ob dieses frevelhaften Verhaltens nicht in die Rhythmus-Hölle zu kommen, zünde ich nun jeden Tag eine Kerze an meinem Amigo-Schrein an.
Ein dauerhaftes Grinsen in meinem Gesicht ist bei einem Videospiel vor allem dann ein gutes Zeichen, wenn ich vorher dafür keine Drogen konsumieren musste. Und Amigo schafft dies mit seinen Maracas von der ersten Sekunde an. Der Titel vermittelt Spielspaß pur und tritt aus dem Schatten anderer Musiktitel alleine schon deshalb heraus, weil er herrlich abgedreht ist, keinen Wert auf großen Wettkampf legt, die Maracas unendlich toll sind und der Titel herrlich abgedreht… ach, das hatten wir ja schon. Den Dreamcast-Vorgänger hätte ich niemals auslassen dürfen, doch schreckten der hohe Preis des Spiels (damals 400 DM) und die noch nicht vorhandene Dreamcast im Haushalt dann doch zu sehr ab. Um ob dieses frevelhaften Verhaltens nicht in die Rhythmus-Hölle zu kommen, zünde ich nun jeden Tag eine Kerze an meinem Amigo-Schrein an.

GRAFIK
unfassbar bunt
unfassbar bunt

SOUND
Songliste für puren Spaß, leider gekürzte Songs und dazu Cover-Versionen
Songliste für puren Spaß, leider gekürzte Songs und dazu Cover-Versionen

BEDIENUNG
leicht zu erlernen, Fernbedienungs-Modus
leicht zu erlernen, Fernbedienungs-Modus

UMFANG
ausreichend Spielmodi, Download-Funktion
ausreichend Spielmodi, Download-Funktion
SPIELSPASS
Ein affiges Vergnügen mit Kult-Charakter
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Ein affiges Vergnügen mit Kult-Charakter
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel