SimCity Creator
Artikel verfasst von Aljoscha Reuther am 22.11.2008
SimCity ging mit seinem letzten Ableger "Societies" neue Wege, vorbei ist die Zeit des ruhigen Städtebaus und des Kampfes um Positive Bilanzen, um noch größere und schönere Städte zu bauen... Vorbei? Nicht ganz, denn mit SimCity Creator kommt ein neuer Teil für den Nintendo DS, ganz im Stil des alten Spielprinzips - und lässt uns eine wahre Zeitreise machen - vom Anbeginn der Menschheit bis hin zur unbequemen Gegenwart der Klimakatastrophe...
Bürgermeister im Taschenformat
SimCity - dieser Name wird mit Sicherheit jedem Spieler schon in irgend einer Form begegnet sein, erschien doch bereits vor 19 Jahren der Urvater aller Aufbauspiele, geschaffen vom Spieleguru und Sims-Vater Will Wright.
Jetzt, lange Zeit später, hat sich nichts an der Spielmechanik geändert. Doch was bringt der Städtebausimulator für die Hosentasche? Wurden die Fehler des letzten SimCity-Ausflugs in dieser Version bereinigt, und wird das Spiel jeden Hobbybürgermeister wieder Stundenlang an den... oder die... Bildschirme fesseln?

SimCity Creator läuft, im Prinzip, genau so ab wie das Original: wir bekommen eine leere Landschaft, die wir nach und nach mit Wohn-, Geschäfts- oder Industriegebieten füllen, und, zusammen mit anderen Gebäuden, eine Stadt entstehen lassen.
Anders als beim Vorgänger wartet Creator aber nun mit einer echten Kampagne auf, einer Zeitreise vom Beginn der Zivilisation bis in die Zukunft. Insgesamt 4 Stationen erwarten uns auf unserem Weg: Steinzeit, Mittelalter, Gegenwart, Zukunft.
Allerdings ist das nicht ganz so linear, wie es vielleicht den Anschein hat, denn nach der Steinzeit entscheiden wir uns für eines von 2 Zeitaltern: Europäisches oder Asiatisches Mittelalter. Sind diese Zeitalter geschafft, gibt es 3 Möglichkeiten: Europa, Amerika, und Asien. In jedem Fall endet die Story aber in der "Ära der globalen Erwärmung".
Wo die Aufgaben in der Steinzeit noch recht einfach sind, wachsen die Herausforderungen mit jedem Zeitalter mehr und mehr. So stark, dass es fast schon unmöglich ist, den letzten Abschnitt, die Ära der globalen Erwärmung, überhaupt zu schaffen.
Vielleicht sollte auch erwähnt werden, dass wir immer mit der gleichen Stadt spielen, nur eben mit anderen Modellen, wir begleiten unsere Stadt also von ihrer Entstehung bis in die Zukunft. Das Problem dabei: aufgrund der verschiedenen Aufgaben sind wir jedes Mal gezwungen, die Stadt komplett neu zu gestalten, da zum Beispiel im Industriezeitalter das Geld, im letzten allerdings der Umweltschutz in den Missionszielen stehen.
Wenn wir in die nähe des Zieles kommen, dürfen wir das "Symbol des Zeitalters" bauen, einem monumentalen Bauwerk, dass bis auf Ewig in unserer Stadt verweilen wird. Je näher wir unserem Ziel kommen, desto mehr wächst es.
Neben diesen Symbolen gibt es auch Bonusbauten, die der jeweiligen Kultur entstammen - in der asiatischen Ära ist dies zum Beispiel ein altes asiat. Schloss. Diese Bauwerke bewirken aber weitaus mehr als einen massiven Platzverlust: der Boden in ihrer Umgebung wird besser, was den Andrang auf Bauplätze in dieser Gegend drastisch steigen lässt. Es ist also ganz einfach: Bonusgebäude = mehr Einwohner.
Zudem wird in der Gebäudestil der umliegenden Gebäude geändert - und zwar im Stil des Schlosses selbst, optische Abwechslung ist also zumindest vorhanden.

Größer, besser, mächtiger...?
Nun, worum es in dem Spiel geht dürfte nun geklärt sein - doch wie Spielt sich das ganze?
Auf dem oberen Bildschirm sehen wir die meiste Zeit unsere Stadt, und auf dem unteren wird gebaut, gestellt und bestätigt - logisch. Nervig ist dabei allerdings die Menüleiste, denn alles funktioniert nur per "Doppelklick", und meistens gibt es bei besagter Aktion eine Verzögerung - kurz: das Spiel ruckelt, zwar nicht bei der Grafik, aber bei der Steuerung - seltsam.
Mit dem Touchpen werden auch alle Bereiche gesetzt, in etwa so, wie man sich das vorstellt. Solange es bei Zonen bleibt, ist das auch kein Problem, wenn Gebäude platziert werden sollen, muss man sich erst daran gewöhnen, dass die Gebäude nicht etwa in der Mitte "gegriffen" werden, sondern immer an einer der äußeren Ecken.
Ansonsten läuft das spiel aber recht ordentlich, solange man nicht speichert. Denn das Speichern dauert,ohne Witz, satte 50 Sekunden. Während des Speicherns laufen auf dem Topscreen verschiedene Kamerapositionen unserer Stadt ab - also kann man getrost, während das Spiel speichert, auf die Toilette gehen.
Zudem ist es möglich, ein Foto unserer Stadt zu schießen und in das Fotoalbum einzufügen, sodass wir es später mit jemand anderem tauschen und so neue Gebäude freispielen können. Aber auch ohne Tausch sind die Gebäude im Spiel zahlreich genug, um das ganze eintönig wirken zu lassen, und sie passen auch immer zum aktuellen Zeitalter: Die Steinzeit besteht aus einfachen, kleinen Hütten, das europäische Mittelalter besticht mit charakteristischen Steinhäusern und die Gegenwart und Zukunft werden von Wolkenkratzern beherrscht.
Das Missionsdesign im Spiel gestaltet sich allerdings wiederum etwas eintöniger. Entweder geht es um Einwohnerzahlen oder um Zufriedenheit - oder beides. Um die aktuellen Entwicklungen im Auge zu behalten, haben wir verschiedene Berater, unter anderem Herr Will Wright persönlich (im Spiel allerdings Mr SimCity genannt). Auch wenn wir neue Gebäude - wie ein Fußballstadion oder einen Park haben, kommen die Berater zu uns und setzen uns davon in Kenntnis, gefolgt von ein paar Erklärungen, warum wir das Gebäude unbedingt bauen müssen.

Zusätzlich zu den Beratern können wir die Stadtbewohner selbst befragen, indem wir auf den Bewohnerbildschirm wechseln und die vorbei schreitenden Silhouetten mit dem Touchpen antippen, woraufhin sie uns ihre Meinung sagen - allerdings bringt das nicht wirklich viel.
Was gibt es sonst noch... ach ja, Katastrophen treten natürlich auch ab und an auf: Wirbelstürme, Feuer und Aufstände suchen immer wieder unsere so mühsam aufgebaute Stadt auf, selbst steuern können wir sie allerdings nicht. Wenn wir Glück haben passiert nichts, aber gerade bei größeren Städten wir die anschließende Schadenssuche auf der quietschbunten "Bau-Karte" zur wahren Geduldsprobe. Und wo ist der Spaß, wenn wir die Katastrophen nicht selbst auslösen können?
Zeitreise im Retro-Look
Genug geplaudert über Inhalte und Spielmechanik, kommen wir zur Technik. Und die ist leider wieder einmal recht durchwachsen...
Grafisch gesehen betritt SimCity Creator auf dem DS leider kein Neuland. Die Ansicht ist nach wie vor Isometrisch, und auch wenn einige Gebäude recht schön gestaltet wurden - wie die Symbole des Zeitalters - sehen viele andere Gebäude kurz gesagt einfach mies aus, das Spiel wirkt insgesamt sehr trist und kalt. Zudem gibt es keine Höhenunterschiede, wie sie schon in SimCity 2000 vorhanden waren. Außerdem ist unsere Stadt vollkommen Leblos, es gibt nicht eine einzige Bewegung auf der oberen Karte, höchstens die schlecht animierten Wirbelstürme wandern ab und an einmal von links nach rechts... Immerhin verändern die Bäume ab und an ihre Blätterfarbe.
Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass es nur 2 Zoomstufen gibt: zu weit weg und zu nah. Aber immerhin hat EA das Problem mit der Ruckelgrafik des Vorgängers gelöst, bis auf ein paar sehr kleine Ausnahmen läuft das Spiel komplett flüssig.

Auch der Sound ist recht durchwachsen, die Hintergrundmusik ist in Midi gehalten, und besonders das laute Piepsen, das kommt, wenn uns Mr SimCity einen überschwänglich erzählten Auftrag gibt, nerven mehr als dass sie das Spiel in irgend einer Form untermalen. Der Rest, wie das "Bauen" oder das "Abreißen" sind noch im erträglichen Rahmen, aber etwas mehr als Midi-Musik wäre ganz nett gewesen. Zumindest passt die Musik aber immer zu den jeweiligen Zeitaltern.
Auch die Steuerung ist eher dürftig, denn anstatt der Grafik hat sie wohl den Ruckelpart übernommen: abgesehen von der nervigen Doppelklick-Logik reagiert sie oft zu langsam, oder verrutscht im letzten Moment, wenn wir ein Gebäude oder eine Zone platzieren wollen.
Der Multiplayer besteht nur darin, gegenseitig Fotos der Stadt zu Tauschen und so Bonusgebäude freizuschalten.
Aljoscha Reuther meint...
SimCity - das Spielprinzip macht auch nach 19 Jahren noch süchtig wie eh und je. Auch bei SimCity Creator ist das Gefühl nicht anders, wenn wir eine Stadt aufziehen und sehen, wie sie wächst, und wächst... aber leider gibt es doch zu viele Kritikpunkte, um SimCity Creator den Genre-Thron zu überlassen... City Life DS hat hier in fast allen Punkten die Nase vorn.
SimCity - das Spielprinzip macht auch nach 19 Jahren noch süchtig wie eh und je. Auch bei SimCity Creator ist das Gefühl nicht anders, wenn wir eine Stadt aufziehen und sehen, wie sie wächst, und wächst... aber leider gibt es doch zu viele Kritikpunkte, um SimCity Creator den Genre-Thron zu überlassen... City Life DS hat hier in fast allen Punkten die Nase vorn.

GRAFIK
Läuft, wohl gerade wegen der tristen, kalten Optik sehr flüssig, es gibt viele verschiedene Gebäude, die allerdings nur in 2 Zoomstufen gezeigt werden können
Läuft, wohl gerade wegen der tristen, kalten Optik sehr flüssig, es gibt viele verschiedene Gebäude, die allerdings nur in 2 Zoomstufen gezeigt werden können

SOUND
Stimmige Hintergrundmusik in Midi-Qualität, alle anderen Sounds nerven
Stimmige Hintergrundmusik in Midi-Qualität, alle anderen Sounds nerven

BEDIENUNG
Die Steuerung ruckelt und verhindert durch ihre Ungenauigkeit eine genaue Platzierung der Gebäude und Felder
Die Steuerung ruckelt und verhindert durch ihre Ungenauigkeit eine genaue Platzierung der Gebäude und Felder

UMFANG
Endlosspiel und Kampagne mit Zeitreise, gespickt mit langweiligen Aufgaben. Das Speichern des Spieles dauert 50 Sekunden.
Endlosspiel und Kampagne mit Zeitreise, gespickt mit langweiligen Aufgaben. Das Speichern des Spieles dauert 50 Sekunden.
SPIELSPASS
Nette Zeitreise mit einigen Macken
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Nette Zeitreise mit einigen Macken
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel