Monopoly
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 06.11.2008
Monopoly ist einfach unterblich. Bereits 1930 von Charles Darrow erfunden, erfreut sich das Brettspiel auch heute noch in 103 Ländern größter Beliebtheit. Mittlerweile gibt es nicht nur Pläne für einen Monopoly-Film, es sind auch schon mehre Videospielumsetzungen veröffentlicht worden. Die neuste ist nun auch für Wii erschienen. Also zieht über Los und nehmt 4000 Mark ein!
Wii-Remote statt Würfel
Monopoly bietet auch auf Wii zwei verschiedene Möglichkeiten. Entweder spielt ihr den originalgetreu und im vollen Umfang übernommenen Brettspiel-Klassiker oder eine ganz neue Variante, die sich „Krösus Edition“ nennt. Der Blick auf die originalgereute Variante bietet wirklich keine Überraschungen. Los geht´s auf Los und weiter geht´s über Grundstücke und Ereignisfelder. Aber erst einmal Wii-Remote geschüttelt, die Würfel werfen sich schließlich auch nicht von selbst. Die Augenzahl der beiden Würfel darf dann gezogen werden. Ein Pasch belohnt euch sogar noch mit einem weiteren Wurf.
Wer Monopoly schon einmal gespielt hat, und wer hat das nicht, wird sich hier sofort zurechtfinden. Landet ihr auf einem Grundstück könnt ihr es kaufen und später sogar noch bebauen. Landet ihr auf dem Grundstück eines anderen Spielers müsst ihr diesem Miete zahlen. Es dreht sich also alles um das Investieren, Verdienen und Ausgeben von Geld. Wie die Finanzkrise zeigt, kann das mächtig in die Hose gehen, also gebt euch Mühe und plant geschickt.

Aufgelockert wird das Ganze durch besondere Ereignisse. Im unangenehmsten Fall landet ihr dabei im Gefängnis, was drei Runden aussetzen bedeutet. Frei kommt ihr hier nur durch Zahlung einer ordentlichen Kaution oder dem Würfeln eines Paschs. Vielleicht habt ihr vorher auf einem Ereignisfeld aber auch schon eine Ereigniskarte gezogen, die euch sofort aus dem Gefängnis rausholt. Diese Karten bieten schließlich allerhand Möglichkeiten und können das Spiel gelegentlich ganz schön durcheinander bringen.
Die Steuerung funktioniert in der Regel richtig gut. Gewürfelt wird durch Schütteln der Wii-Remote, das Ziehen läuft automatisch ab. Auch die Verwaltung der Grundstücke und deren Kauf gehen einfach von der Hand. Es sei denn, ihr wollt mit einem KI-Mitspieler handeln. Denn dann müssen unnötig umständlich immer höhere Gebote abgeben werden, die auch noch immer wieder bestätigt werden wollen. Der Handel läuft so langsam ab, dass ihr nach einiger Zeit am liebsten ganz auf ihn verzichten möchtet. Aber leider lässt er sich manchmal einfach nicht vermeiden – zumindest wenn ihr vorhabt zu gewinnen.
Monopoly mal anders
Der Krösus-Modus bietet Monopoly so, wie ihr es noch nie erlebt habt. Aber leider auch so, wie ihr es nie erleben wolltet. Am Anfang werden vier Würfel automatisch geworfen. Danach kann jeder der vier Mitspieler einen Würfel wählen, dessen Augenzahl dann bestimmt, wie viele Spielsteine er in der Runde setzen darf. Die Spielsteine landen dann nach dem Zufallsprinzip auf verschiedenen Feldern. Landet einer eurer Spielsteine auf einem freien Grundstück gehört dieses sofort euch. Geld kommt bei der Krösus Edition nicht zum Einsatz. Daher müsst ihr auf fremden Grundstücken auch keine Miete zahlen, sondern deren Besitzern direkt Grundstücke von euch übergeben. Auf dem Gefängnisfeld verliert ihr sogar drei Grundstücke auf einem Schlag. Wo ein Spielstein landet ist wie gesagt Zufall. Somit bietet dieser Modus auch keinerlei Anspruch. Hier sind schließlich weder gekonntes Handeln noch strategisches Investieren möglich. Im Klartext fehlt also alles, was Monopoly eigentlich ausmacht.

Zumindest habt ihr aber mehr oder weniger Einfluss darauf, welchen Würfeln ihr wählen könnt. Da dabei jeder Spieler eine möglichst hohe Augenzahl ergattern möchte, ist es natürlich entscheidend, in welcher Reihenfolge sie wählen dürfen. Und diese Reihenfolge wird in zwölf verschiedenen Minispielen bestimmt. Vor jeder Runde müssen die Spieler in einem davon antreten, um sich das Recht zu erkämpfen, als erstes zu wählen. Hier gilt es Gitterstäbe zu zersägen, Bücher in eine Tasche zu packen oder Aktienkurse vorherzusagen. Während letzteres Spiels wieder nur vom Zufall abhängig ist, kommt es bei den anderen zumindest ein bisschen auf euer Können an. Anspruch fehlt allerdings auch hier. Meistens wird nur bloßes Schütteln der Wii-Remote gefordert, was natürlich nur wenig Spaß macht. Das Ganze wirkt doch sehr einfallslos, was der Krösus Edition endgültig den Todesstoß versetzt.
Der vergessliche Mr. Monopoly
Monopoly macht nur mit menschlichen Mitspielern richtig Spaß. Was schon immer eine unumstößliche Wahrheit war, trifft auf diese Umsetzung besonders zu. Das liegt an den absolut berechenbaren KI-Gegnern, die in jeder Standartsituation gleich reagieren. Also seht zu, dass ihr bis zu drei Mitspieler findet, mit denen ihr dann um Schlossallee und Parkstraße kämpfen könnt. Dabei darf jeder Mitspieler eine eigene Wii-Remote nutzen, im Notfall kann aber auch eine einzige herumgereicht werden. Einem geselligem Abend vor dem Fernseher steht also nichts mehr im Wege, besonders da das Handeln mit menschlichen Spielern viel bequemer abläuft, als mit KI-Gegnern. Allerdings wird auch schnell die Frage aufkommen, warum ihr nicht gleich das Brettspiel aufbaut.
Das ist wohl das Hauptproblem dieser Umsetzung. Sie ist zwar ganz gut gelungen, bietet gegenüber der geselligeren Brettspiel-Variante aber keine überzeugenden Vorteile. Die Krösus-Edition ist zwar neu, macht aber eben keinen Spaß. Das beste Argument wäre wohl ein Online-Modus gewesen. Dann hättet ihr schließlich gegen Monopoly-Verrückte aus aller Welt spielen können. Da es aber unverständlicherweise keinerlei Online-Funktionen gibt, fehlen dieser Umsetzung wirklich die Argumente dafür, warum ihr sie der Brettspiel-Variante vorziehen solltet.

Zumal euch das Brettspiel auch mit nervigen Kommentaren verschont. Davon könnt ihr bei der Videospielumsetzung nur träumen, bei der Mr. Monopoly meint, jeden einzelnen Zug ausführlich kommentieren zu müssen. Anfangs mag die deutsche Synchronisation noch gefallen. Die ersten Kommentare sind ganz interessant und informieren über die Spielabläufe. Da der alte Mr. Monopoly mittlerweile allerdings an Alzheimer zu leiden scheint, fängt er schon bald an, alle Kommentare wieder und wieder zu wiederholen. Auf Dauer ist dieses Gelaber gar nicht mehr auszuhalten. Da hilft nur noch eins: die Stummschaltung des Fernsehers.
Während der Sound also am besten durch Wegschalten zu ertragen ist, kann sich die Grafik zumindest noch zweckmäßig nennen. Die Menüs sind zwar sehr schlicht, die gelegentlichen Animationen unspektakulär und selbst die Minispiele werden sehr einfach präsentiert. Dafür gefällt aber das hübsche Design des Spielbretts. Oder besser gesagt die Designs der Spielbretter. Das Spiel bietet nämlich sowohl die Classic als auch die World Edition und wartet sogar noch mit einigen zusätzlichen Designs auf, die nach und nach freigespielt werden. Das bietet nicht nur Motivation, sondern ist endlich auch mal ein Argument dafür, lieber zur Wii-Remote als zum Spielbrett zu greifen – wenn auch nur ein schwaches.
Sascha Geldermann meint...
Oh Gott Mr. Monopoly, halte doch endlich mal die Klappe! Wieso muss der alte Snob immer wieder dieselben endlosen Kommentare loslassen? Doch mit ausgeschaltetem Ton macht mir diese Videospiel-Umsetzung des unsterblichen Brettspiel-Klassikers durchaus Spaß – vor allem im Mehrspieler-Modus. Auf den langweiligen Krösus-Modus mit seinem uninteressanten Zufallsprinzip hätte ich aber gut verzichten können. Viel lieber wäre mir ein Online-Modus gewesen. Denn ohne den greife ich doch lieber zur geselligeren Brettspiel-Variante – von deren Verpackung mir Mr. Monopoly übrigens vollkommen stumm entgegen lacht.
Oh Gott Mr. Monopoly, halte doch endlich mal die Klappe! Wieso muss der alte Snob immer wieder dieselben endlosen Kommentare loslassen? Doch mit ausgeschaltetem Ton macht mir diese Videospiel-Umsetzung des unsterblichen Brettspiel-Klassikers durchaus Spaß – vor allem im Mehrspieler-Modus. Auf den langweiligen Krösus-Modus mit seinem uninteressanten Zufallsprinzip hätte ich aber gut verzichten können. Viel lieber wäre mir ein Online-Modus gewesen. Denn ohne den greife ich doch lieber zur geselligeren Brettspiel-Variante – von deren Verpackung mir Mr. Monopoly übrigens vollkommen stumm entgegen lacht.

GRAFIK
Die zweckmäßige Optik punktet mit hübschen Spielbrettern.
Die zweckmäßige Optik punktet mit hübschen Spielbrettern.

SOUND
Die sich ständig wiederholdenden Kommentare nerven.
Die sich ständig wiederholdenden Kommentare nerven.

BEDIENUNG
Die Bedienung ist bequem, nur der umständliche Handel mit den KI-Gegnern nervt.
Die Bedienung ist bequem, nur der umständliche Handel mit den KI-Gegnern nervt.

UMFANG
Der Mehrspieler-Modus ist gelungen und es gibt viele Spielbretter. Ein Online-Modus fehlt aber.
Der Mehrspieler-Modus ist gelungen und es gibt viele Spielbretter. Ein Online-Modus fehlt aber.
SPIELSPASS
Gute Umsetzung, der es an Zusatzinhalten fehlt.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Gute Umsetzung, der es an Zusatzinhalten fehlt.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel