Opoona
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 14.10.2008
Hier ist es also: das erste richtige Rollenspiel für Wii. Doch auf den ersten Blick ist es nicht das, was sich Genre-Fans vielleicht erhofft hatten. Die kindlichen Kugelhelden erscheinen dem westlichen Geschmack doch ein bisschen zu niedlich. Doch wer Opoona bei seinem Abenteuer erst einmal eine Weile begleitet, merkt schnell, dass in diesem Rollenspiel weit mehr steckt, als sein Look vermuten lässt.
Kleiner Krieger
Willkommen in der Zukunft. Die Bewohner verschiedenster Planeten leben hier in Frieden und statten sich mit Raumschiffen gerne mal den einen oder anderen Besuch ab. Einer diese Flüge endet für den kleinen Opoona allerdings tragisch. Das Raumschiff in dem er mit seiner Familie unterwegs ist, wird nämlich angegriffen. Opoona und seine beiden Geschwister werden von ihren Eltern schnell in Rettungskapseln gesteckt, die wenig später auf dem Planeten Landroll landen. Beim Eintritt in die Atmosphäre wird Opoona aber schwarz vor Augen und er fällt in tiefen Schlaf…
Drei Tage später: Opoona erwacht in einem sterilen Zimmer. Der Herrscher des Planeten, ein mysteriöser Heiler, begrüßt ihn persönlich. Hier erfährt Opoona auch, dass sich seine gesamte Familie ebenfalls auf dem Planeten und in Sicherheit befindet. Bis er sie sehen kann, dauert es aber noch. In dieser Zeit soll sich Opoona den Rangern anschließen, die auf Landroll für Ordnung sorgen. Für ein Kind aus einer großen Kriegerfamilie, wie es Opoona nun einmal ist, scheint das die richtige Aufgabe zu sein.

Die Geschichte beginnt langsam und unscheinbar. Im Laufe des Spiels wird sie aber immer interessanter. Auf Landroll gibt es nämlich Intrigen, die ihr bei einem Spiel mit so einem kindlichen Look eigentlich nicht erwartet hättet. Dabei kommt es auch zu vielen Wendungen, die die Spannung aufrecht erhalten. Leider wird die Geschichte aber nicht richtig in Szene gesetzt. Die Zwischensequenzen sind alle absolut unspektakulär. Dazu kommen sehr flache Charaktere. Selbst der Held Opoona wäre austauschbar und zeigt kaum Emotionen.
Spür die Kraft meines Bonbons, Schurke!
Ihr könnt euch auf Landroll frei bewegen. Dabei streift ihr durch riesige Weltraumstädte, in denen ihr euch ohne Karte glatt verlaufen würdet. Seltsamerweise sind die Außenanlangen und die Dungeons im Gegensatz dazu linearer ausgefallen, als es eurem Erforschungsdrang lieb wäre. Bei euren ersten Streifzügen merkt ihr schnell, dass Landroll kein friedlicher Planet ist. Nur eine Seite des Planeten ist der Sonne zugewandt. Dort leben die friedlichen Bewohner. Auf der anderen Seite herrscht dagegen stets Dunkelheit, in der sich Monster herumtreiben. Diese Kreaturen, schlicht Schurken genannt, überfallen nun aber auch immer häufiger die Sonnenseite. So werdet ihr auch bei euren ersten Streifzügen schon immer wieder angegriffen.
Ein Monster greift an, das Geschehen wechselt in den Kampfbildschirm. Die Kämpfe werden in Echtzeit ausgetragen, aber nicht nur deshalb solltet ihr euch beeilen. Am Bildschirmrand tickt nämlich unaufhaltsam eine Uhr. Läuft die Zeit ab, hat Opoona als seine Ausdauer verloren und damit auch den Kampf. Ausweichen könnt ihr den Auseinandersetzungen nicht. Die Flucht ist nicht möglich. Allenfalls könnt ihr hektisch ein paar Heilgegenstände benutzen. So muss sich Opoona wacker durchkämpfen, wobei ihn später aber auch noch andere Charaktere unterstützen. Ab dann könnt ihr bis zu drei Figuren gleichzeitig in den Kampf schicken.

Das Kampfsystem hebt sich von allen anderen Rollenspielen deutlich ab. Opoona ist nämlich ein Tizianer und diese kämpfen mit einem Energiebonbon, das normalerweise über ihren Köpfen schwebt. Zieht einfach den Analogstick zurück, um den Wurf vorzubereiten. Je länger ihr ihn haltet, desto mehr Kraft baut sich auf. Dann lasst ihr den Stick einfach wieder los und die Energiekugel wird auf den anvisierten Gegner geschleudert. Abhängig von der Richtung, in der ihr den Analog-Stick gedrückt habt, fliegt das Energiebonbon Kurven und greift den Gegner entweder von oben oder von unten an. Was recht einfach klingt, stellt sich mit der Zeit als ausgeklügeltes System heraus. Nicht nur das Timing muss stimmen, auch der Wurfwinkel wird immer wichtiger. Manche Gegner lassen sich nur mit bestimmten Würfen treffen, während ihr in anderen Situationen geschickt um Hindernisse herum werfen müsst, um den Feind dahinter zu treffen. Das Kampfsystem ist somit nicht nur frisch, sondern auch durchdacht.
Leider ist dieses Rollenspiel aber nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Die linearen Dungeons lassen sich noch verschmerzen, die Zufallskämpfe aber weniger. Seit ihr außerhalb von Städten unterwegs, greifen euch alle paar Schritte Monster an, die ihr vorher nicht sehen konntet. Da es keine Möglichkeit zur Flucht gibt, müsst ihr den Kampf dann auch immer austragen. Mit der Zeit kann das eure Nerven ganz schön strapazieren. Dazu kommt dann noch das veraltete Speichersystem. Der Spielstand kann nämlich nur an bestimmten Säulen gesichert werden, die aber vor allem außerhalb der Städte zu rar gesät sind. Verliert ihr einen Kampf, sei es nun durch Verlust aller Lebensenergie oder den Ablauf des Zeitlimits, müsst ihr aber wieder an diesen Speicherpunkten starten - und denselben Weg mit unzähligen Zufallskämpfen dann erneut bestreiten. Zu viele Zufallskämpfe und zu wenig Speicherpunkte können in Kombination nur zu Frust führen, der deshalb immer wieder aufkommt.
Multitalent
Opoona ist trotz des kindlichen Looks ein äußert komplexes Rollenspiel. Die Welt ist groß, die Kämpfe sind durchdacht und die Möglichkeiten komplex. Auch die Charakterentwicklung überzeugt. Natürlich verdient ihr durch gewonnene Kämpfe Erfahrungspunkte, die dann eure Attribute steigern. Aber nicht nur die Stärke und das Geschick von Opoona steigen an, auch sein Energiebonbon wird immer schwerer, solider und größer. Außerdem könnt ihr die Ummantelung eures Bonbons ändern, was hilfreiche Effekte nach sich ziehen kann. Insgesamt könnt ihr also viel Zeit in eure Charaktere investieren, die stärker und stärker werden.
Auch eure sozialen Kompetenzen spielen eine wichtige Rolle. Sprecht ihr mit anderen Charakteren oder helft ihr ihnen sogar, dann entwickeln sich Freundschaften. Dadurch öffnen sich auch neue Türen oder neue Jobs. Der Ranger ist nämlich nur einer von vielen Berufen. Ihr könnt euch auch an zahlreichen Nebenaufgaben versuchen und euer Können als Detektiv, Angler oder Bedienung unter Beweis stellen. In all diesen Jobs könnt ihr sogar befördert werden, sodass ihr abseits der Haupthandlung viel zu erledigen habt.

Die Steuerung des Spiels läuft einwandfrei ab. Die Menüs sind übersichtlich und vor allem die Schnelligkeit von Opoona ist lobenswert. Der kleine Held ist flott unterwegs, was das Vorankommen erleichtert. Wenn ihr möchtet, könnt ihr das Spiel sogar nur mit dem Nunchuk steuern. Allerdings wird die Bedienung dadurch sofort unkomfortabler. Alternativ dazu wird auch der Classic Controller unterstützt.
Die Grafik wird für geteilte Meinungen sorgen. Für den westlichen Geschmack ist sie einfach zu niedlich und vor allem das Figurendesign ist gewöhnungsbedürftig. Schlecht sieht der Comic-Look aber nicht aus. Viel mehr Mühe hätten sich die Entwickler aber mit dem Sound geben müssen. Die Musik ist langweilig und auch die Effekte überzeugen nicht. Am meisten schmerzt aber die fehlende Sprachausgabe. Eine Vertonung der Dialoge wäre der Atmosphäre nämlich sehr zu Gute gekommen. Das Fehlen der Sprachausgabe ist auch ein Grund dafür, dass die Präsentation der eigentlich spannenden Story einfach nicht mitreißen möchte.
Sascha Geldermann meint...
Opoona sollte aufgrund seines niedlichen Looks nicht unterschätzt werden. Dieses Rollenspiel ist nämlich äußerst komplex und bietet ein erfrischendes Kampfsystem. Selbst die anfangs belanglose Geschichte entwickelt sich trotz flacher Charaktere zu einer spannenden Story. Leider ist Opoona aber auch in vielen Punkten einfach nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Vor allem die viel zu häufigen Zufallskämpfe und die wenigen Speicherpunkte wirken veraltet und sorgen in Kombination auch immer wieder für Frust.
Opoona sollte aufgrund seines niedlichen Looks nicht unterschätzt werden. Dieses Rollenspiel ist nämlich äußerst komplex und bietet ein erfrischendes Kampfsystem. Selbst die anfangs belanglose Geschichte entwickelt sich trotz flacher Charaktere zu einer spannenden Story. Leider ist Opoona aber auch in vielen Punkten einfach nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Vor allem die viel zu häufigen Zufallskämpfe und die wenigen Speicherpunkte wirken veraltet und sorgen in Kombination auch immer wieder für Frust.

GRAFIK
Der Comic-Look ist nett. Aber warum ist die Präsentation so langweilig gehalten?
Der Comic-Look ist nett. Aber warum ist die Präsentation so langweilig gehalten?

SOUND
Die Musik ist nett, während eine Sprachausgabe ganz fehlt.
Die Musik ist nett, während eine Sprachausgabe ganz fehlt.

BEDIENUNG
Die Steuerung funktioniert gut.
Die Steuerung funktioniert gut.

UMFANG
Ein großer Umfang und zahlreiche Nebenaufgaben halten ewig bei Laune.
Ein großer Umfang und zahlreiche Nebenaufgaben halten ewig bei Laune.
SPIELSPASS
Hinter dem niedlichen Look steckt ein komplexes Rollenspiel.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Hinter dem niedlichen Look steckt ein komplexes Rollenspiel.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel