Viva Piñata DS
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 13.10.2008
Eigentlich sind Piñatas auf Partys zu finden. Dort wird dann mich Stöcken auf die bunten Figuren aus Pappmaché eingeschlagen, bis sie die Süßigkeiten in ihrem Inneren preisgeben. Aber es gibt auch einen paradiesischen Ort auf dieser Welt, an dem lebendige Piñatas ein ruhiges Leben führen. Dort streifen sie über die Wiesen und warten nur darauf, von einem fähigen Gärtner angelockt zu werden.
Buntes Ökosystem
Das einzigartige Spielkonzept, das schon auf der XBox360 viel Lob ernten konnte, schafft nun also auch den Sprung auf dem Nintendo DS. Am Gameplay hat sich nichts geändert. Das Spielsystem ist somit immer noch offen und es dreht sich alles um das recht freie Ziel, möglichst viele Piñatas anzulocken. Kenner der Heimkonsolenfassung werden sich sofort heimisch fühlen. Aber auch Neulinge brauchen keine Angst zu haben. Ein ausführliches Tutorial ermöglicht den leichten Einstieg in ein Spiel, das später noch richtig komplex wird.

Was wegen seines bunten Looks auch für Kinder geeignet ist, stellt sich schnell als überaus anspruchsvoll heraus. Bei „Viva Piñata DS“ geht es im Grunde nämlich darum, ein richtiges kleines Ökosystem aufzubauen. Dafür steht euch anfangs erstmal nur ein kleines Stück Land zu Verfügung, das im Laufe des Spiels aber immer mehr an Fläche gewinnt. Euer erster Schritt sollte es sein, euren Garten von Schutt zu befreien. Dafür wählt ihr einfach das Schaufelsymbol am oberen Bildschirmrand aus und berührt mit dem Stylus anschließend die störenden Schutthaufen, die dann sofort zu Seite geschafft werden. So einfach laufen die meisten Aktionen bei diesem Spiel ab. Die Steuerung gestaltet sich trotz zahlreicher Möglichkeiten also sehr angenehm.
Der Schutt gibt Erde frei, in die ihr am besten gleich Gras pflanzt. Der Samen ist kostenlos und das Gras erstrahlt sofort in saftigem Grün, sodass ihr damit nicht zu sparen braucht. Nun sieht euer Garten schon einladend aus und die ersten Bewohner werden angezogen: Whirlms. Diese Würmer haben keine großen Bedürfnisse und bilden die Grundlage für euer Ökosystem. Habt ihr genug davon angelockt, werden sich schnell auch die ersten Vogelwesen in eurem Garten niederlassen. Diese ernähren sich von den Würmern, die zum Glück in großer Zahl auftreten. Hier lässt sich also schon erkennen, dass sich ein richtiges Ökosystem aufbaut.
Lockversuche
Bis ihr alle 60 Piñatas angelockt habt, werden sehr viele Spielstunden voller Experimente vergehen. Ihr müsst nämlich erst einmal herausfinden, was die Wesen in euren Garten lockt und dann auch noch, was sie dort sesshaft werden lässt. Jede Art hat nämlich ihre eigenen Bedürfnisse, die erfüllt werden müssen. Manche Piñata ernähren sich eben von anderen, andere geben sich dagegen schon mit dem richtigen Lebensraum zufrieden. Wer entenähnliche Wesen anlocken möchte, braucht unbedingt einen Teich.

Sehr viele Piñatas lassen sich aber auch mit Pflanzen locken. Bienen werden von duftenden Blumen angezogen, während Hasen einer saftigen Rübe einfach nicht widerstehen können. Ihr solltet euch also gut um euren Garten kümmern, oft Saatgut kaufen und die Pflanzen mit der Gießkanne ordentlich bewässern. Das erfreut das Gärtnerherz und die Piñatas gleichermaßen. Das Aussähen und Gießen läuft wieder bequem über den Stylus ab. Das Einkaufen der Saat gestaltet sich leider etwas umständlicher.
Sobald ihr euch im Laden für eine Saat entschieden habt, geht es nämlich automatisch wieder in den Garten, um sie auszustreuen. Da ihr aber sehr oft Saatgut einkaufen und viele verschiedene Pflanzen anbauen müsst, ist es auf Dauer etwas lästig, für jede einzelne Saat wieder in den Laden zu müssen. Hier wäre es komfortabler gewesen, mehre Sorten auf einmal im Laden kaufen zu können, um diese erst anschließend auszustreuen.
Geschäfte im Paradies
Nur Gras ist kostenlos, alle anderen Pflanzen kosten eine Menge Geld. Da dieses leider auch in diesem Spiel nicht auf Bäumen wächst, müsst ihr es euch hart verdienen. Einige Münzen lassen sich schon finden, wenn ihr Holzkisten oder Steine auf eurem Land mit der Schaufel zerschlagt. Viel mehr Geld gibt es aber, wenn ihr den Anfragen der Piñata Central nachkommt. Diese bestellt nämlich manchmal bestimmte Piñatas, um sie auf Partys in der ganzen Welt zu schicken. Wenn sich dieses gewünschte Piñata in eurem Garten aufhält, solltet ihr es sofort in eine Kiste locken und der Piñata Central zu Verfügung stellen. Keine Sorge: das Piñata wird auf der Party zwar sicherlich die unangenehme Bekanntschaft mit Stöcken machen, kommt aber nach einigen Tagen heil zurück. Und eine großzügige Belohnung gibt es gleich noch dazu.

Eine andere Möglichkeit um schnell an Geld zu kommen ist das Verkaufen von Gegenständen, Pflanzen oder sogar Piñatas. Gerade letztere bringen große Summen ein, weswegen sich eine Zucht lohnt. Bevor sich eine Art paaren kann, muss aber erst einmal Geld investiert werden. Eine Behausung muss her, die der Art gerecht wird. Beauftragt einfach einen Zimmermann mit dem Bau von passenden Gebäuden. Diese bieten den Piñatas dann nicht nur Schutz, sondern auch Privatsphäre. Glückliche Wesen werden sich auch ineinander verlieben und wenn ihr zwei Piñatas derselben Art zusammenführen könnt, werden die Wände ihrer Behausung bald beben. Und nach einigen Tagen wird sicherlich ein Ei auf die Wiese gelegt, aus dem dann ein neuer Bewohner eures Gartens schlüpft.
Neue Piñatas werden angelockt, ansässige Arten vermehren sich. Somit wächst die Population rapide an und in eurem Garten tummeln sich nach kurzer Zeit zahlreiche Wesen. Natürlich solltet ihr euer Ökosystem aber im Griff haben und es nicht zu einer Überbevölkerung kommen lassen. Mit dem richtigen Verhältnis von Beute und Fressfeinen lassen sich die Populationen schon ganz gut regeln. Ihr solltet immer ein Auge auf alle eure Bewohner haben, damit ihr etwas über ihre Lebensweise lernt und feststellen könnt, wenn etwas nicht stimmt. Leider könnt ihr nur sehr langsam durch euren Garten scrollen, aber viele Infos erhaltet ihr auch durch einen schnellen Blick auf die Übersichtskarte. Außerdem werden wichtige Ereignisse auf dem oberen Bildschirm angezeigt, auf den auch eine Uhr zu sehen ist. Das Spiel verfügt nämlich über einen Tag- und Nachtwechsel, sowie verschiedene Wetterverhältnisse, die das Verhalten der Piñatas beeinflussen.
Leichter Einstieg, langer Spaß
Bei „Viva Piñata DS“ müsst ihr auf vieles achten und könnt vieles ausprobieren. Damit euch das immer komplexer werdende Spielprinzip nicht überfordert, könnt ihr bei jeder neuen Möglichkeit eine kurze Übungseinlage absolvieren. Die Lernkurve des Spiels ist dabei nahezu perfekt ausgefallen, was sehr motivierend ist. Aber auch ein gelungenes Belohnungssystem sorgt für die nötige Langzeitmotivation. Fähige Gärtner steigen Stufen auf und werden durch neue Piñatas, bessere Gegenstände und Gartenvergrößerung für ihre gute Arbeit belohnt. Somit kann euch das Spiel sehr viel länger begeistern, als ihr es ihm in den ersten Spielminuten zutrauen werdet. Erst nach zahlreichen Stunden und 60 angelockten Piñatas wird es euch wieder loslassen.

Wer es einfach nicht schafft, eine bestimmte Art anzulocken, hat zwei Möglichkeiten. Entweder nutzt ihr den Spielplatz, auf dem ihr mit unendlich viel Geld alle Möglichkeiten einmal durchprobieren könnt. Oder ihr fragt einfach einen Freund. Zwei Spieler können nämlich einfach Piñatas, aber auch Samen und Pflanzen tauschen. Das ist ein nettes Extra, das allerdings nur offline funktioniert. Die Unterstützung der Wi-Fi Connection für Tauschgeschäfte mit Spielern aus aller Welt wird dagegen schmerzlich vermisst.
Die Portierung von der Heimkonsole auf den Nintendo DS ist einwandfrei gelungen. Nicht nur das Gameplay hat seinen Weg unbeschadet auf den Handheld gefunden. Auch die technische Seite überzeugt. Die hübsche 3D-Optik zeigt immer wieder Liebe zum Detail. Die Piñatas sind einfach niedlich, die Behausungen für jede einzelne Art passend gestaltet und der Garten erblüht in bunten Farben. Passend zu dem Treiben auf dem Bildschirm sorgen Geräusche der Wesen und der Natur für die richtige Atmosphäre, die auch ganz gut ohne Musik auskommt.
Sascha Geldermann meint...
Hinter dem angenehm bunten Look von „Viva Piñata“ versteckt sich ein Spielprinzip, das nicht nur einzigartig, sondern auch überraschend komplex ist. Gute Hilfestellungen ermöglichen dabei einen leichten Einstieg, während zahlreiche Möglichkeiten, über 60 Wesen und ein gutes Belohnungssystem für die nötige Langzeitmotivation sorgen. Der Aufbau eines kleinen Ökosystems ist somit nicht nur eine anspruchsvolle, sondern auch eine sehr unterhaltsame Aufgabe.
Hinter dem angenehm bunten Look von „Viva Piñata“ versteckt sich ein Spielprinzip, das nicht nur einzigartig, sondern auch überraschend komplex ist. Gute Hilfestellungen ermöglichen dabei einen leichten Einstieg, während zahlreiche Möglichkeiten, über 60 Wesen und ein gutes Belohnungssystem für die nötige Langzeitmotivation sorgen. Der Aufbau eines kleinen Ökosystems ist somit nicht nur eine anspruchsvolle, sondern auch eine sehr unterhaltsame Aufgabe.

GRAFIK
Die bunte Grafik ist hübsch.
Die bunte Grafik ist hübsch.

SOUND
Der Sound passt zum Spielprinzip.
Der Sound passt zum Spielprinzip.

BEDIENUNG
Die Steuerung gestaltet sich abgesehen vom langsamen Scrollen sehr komfortabel.
Die Steuerung gestaltet sich abgesehen vom langsamen Scrollen sehr komfortabel.

UMFANG
Über 60 Piñatas wollen angelockt werden, lassen sich aber nicht online tauschen.
Über 60 Piñatas wollen angelockt werden, lassen sich aber nicht online tauschen.
SPIELSPASS
Einzigartiges Spiel, das lange motivieren kann.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Einzigartiges Spiel, das lange motivieren kann.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel